Autorin des Monats

Katrin Zipse

  • 01.03.2026

Warum wir im März bewusst eine Debütantin feiern:
Normalerweise stellen wir hier bekannte Namen, die bereits zahlreiche Romane veröffentlicht haben, in den Mittelpunkt. Im März machen wir eine bewusste Ausnahme: Mit ihrem Debütroman betritt Katrin Zipse die literarische Bühne – und überzeugt von der ersten Seite an. Präzise beobachtet, klug erzählt und mit einem feinen Gespür für Zwischentöne widmet sie sich großen Fragen im Kleinen. Ein Debüt, das zeigt, wie viel Kraft in neuen Stimmen steckt – und warum es sich lohnt, sie früh zu entdecken.

Und darum geht’s: Im Sommer 1949 folgen knapp dreihundert junge Frauen aus Deutschland dem Aufruf der isländischen Bauernpartei, ein Jahr auf ihren Höfen zu arbeiten. Rosa ist eine dieser jungen Frauen. Sie kommt in Island an und schweigt. Mit der Bauernfamilie kann sie sich zunächst ohnehin nicht verständigen, weil sie keine gemeinsame Sprache haben. Aber Rosa schweigt auch noch, als sie allmählich Isländisch versteht. Ihre Überlebensstrategie ist, sich aus allem herauszuhalten und keine emotionalen Bindungen mehr aufzubauen, nachdem sie ihre Familie und ihre Freundin Sola in den Kriegs- und Nachkriegsjahren verloren hat. Doch allein durch ihre Anwesenheit verändert sie die Dynamik auf dem Hof. Es gibt Erwartungen, ausgesprochene und unausgesprochene. Und dann gibt es auch noch die verschwundene Tochter, über die niemand in der Familie spricht und die für Rosa immer wichtiger wird.

 

Katrin Zipse, Moosland

Buch (Hardcover)

Als Elsa im Sommer 1949 in Island ankommt, ist sie eine von vielen. Knapp dreihundert junge Frauen aus Deutschland sind dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt, um dort ein Jahr auf Höfen zu arbeiten. Die Bauern hoffen auf Arbeitskräfte sowie Heiratskandidatinnen, nachdem viele Isländerinnen in die Städte abgewandert sind. Sprachkenntnisse können die Frauen nicht vorweisen, aber oft haben sie nichts zu verlieren. Auch Elsa schweigt. Sie ist nicht hier, um zu bleiben, sie trauert um ihre Freundin Sola, und mit den Bauersleuten kann sie sich zunächst ohnehin nicht verständigen. Dennoch entsteht zwischen Grassodenhaus, leuchtenden Wiesen und endlosem Meer ein Zusammenleben, das sich Elsa irgendwann nicht mehr vom Leibe halten kann. Allein ihre Anwesenheit verändert die Dynamik auf dem Hof - besonders die der Bauernsöhne. Es gibt Erwartungen, ausgesprochene und unausgesprochene. Und dann ist da auch noch die verschwundene Tochter der Familie, über die niemand spricht und die für Elsa immer wichtiger wird ... Katrin Zipse erzählt einfühlsam und lebendig anhand eines fast vergessenen Stücks Geschichte, was es heißt, zu einer neuen Sprache zu finden.

zum Produkt € 24,00*

Ein Interview mit der Autorin:

“Moosland” widmet sich einem ganz besonderen historischen Ereignis: Wie bist du zu diesem Stoff gekommen?
Ich bin zufällig darauf gestoßen, als ich über Island recherchiert habe: 1949 folgten knapp 300 deutsche Frauen dem Aufruf der isländischen Bauernpartei, die sie anwarb, ein Jahr auf dortigen Höfen zu arbeiten. Die Geschichte hat mich fasziniert, weil ich die Frauen sehr mutig fand, die damals in den hohen Norden ausgewandert sind, in ein Land, von dem damals nicht viel bekannt war. Die Frauen waren jung und hatten den Krieg hinter sich, viele auch Vertreibung, Flucht und den Tod nahestehender Menschen. Ich habe mich gefragt, wie sie in einem Land zurechtgekommen sind, dessen Sprache sie nicht verstanden, dessen gesellschaftliche und politische Verhältnisse ihnen weitgehend unbekannt waren, und wie sich ihre Kriegstraumata auf ihre Integration auswirkten. Und natürlich hat mich das auch an die Situation der Menschen erinnert, die vor Krieg und Hunger zu uns flüchten, die unsere Sprache nicht kennen und sich hier einleben müssen. Es ist ein zeitloses Thema.

Deine Protagonistin Elsa kommt nach Island und muss sich aus vielen Gründen erst mal zurechtfinden. Wie hast du dich Elsa und wie hat sich Elsa Island genähert?
Elsa war für mich zunächst eine Blackbox. Ich habe mich ihr schreibend genähert und sie nach und nach kennengelernt. Ich wusste am Anfang nur, dass sie durch den Verlust ihrer Familie und ihrer Freundin traumatisiert ist und dass sie nichts mehr vom Leben erwartet. Ich wusste sehr lange nicht, für welchen Weg sich Elsa letztendlich entscheidet. Und ähnlich langsam, wie sich Elsa mir geöffnet hat, hat sich ihr Island geöffnet. Einfach im Lauf der Zeit, durch die Erfahrung des täglichen, bäuerlichen Lebens, das so stark mit der Landschaft, den Wetterverhältnissen, dem Wechsel der Jahreszeiten verbunden ist.

Du hast selbst auch einige Zeit in Island verbracht. Was war für dich das eindrücklichste Erlebnis?
Die Fremdheit der Landschaft, die ich nicht so lesen konnte wie die Landschaft hier. Ich habe einmal im April vier Anläufe unternommen, um einen Berg zu besteigen, den ich im Schwarzwald locker an einem Nachmittag erklommen hätte, zu jeder Jahreszeit. Der Boden in Island sah wie eine gewöhnliche Bergwiese aus, doch er war so schwammig und weich, dass ich bei jedem Schritt tief eingesunken bin und es einfach nicht bis zum Gipfel geschafft habe. Erst am Ende des Monats war es möglich. Da ging es dann problemlos.

 

Über die Autorin

Katrin Zipse wurde 1964 in Stuttgart geboren und lebt als Autorin und Hörfunkredakteurin in Baden-Baden. Sie studierte Theaterwissenschaft und Deutsche Philologie an der FU Berlin und arbeitete mehrere Jahre am Theater. Seit 1993 ist sie Redakteurin und Hörspieldramaturgin bei verschiedenen Sendern. Im Herbst 2019 hat ihr der Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg ein Stipendium für ihr neues Romanprojekt zuerkannt.