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Fast ein Jahrzehnt nach der Veröffentlichung des Werkes, das ihm mit seiner eigentümlichen Fragestellung nach dem 'Sinn von Sein' Weltruhm einbrachte, wird ein überraschendes Interesse Heideggers zur Problematik der Kunst offenbar. Der neue Zugang zur Wahrheit des Seins wird in mehreren Ausarbeitungen, die den späteren Aufsatz Der Ursprung des Kunstwerks (1949) vorbereiten, durchexerziert. Es ist die Zeit, in der die bereits um 1930 einsetzende 'Kehre' reift und Heidegger Sein und Zeit nach eigener Bekundung 'erstmals wieder' liest, um mit den 'Grundtäuschungen' seines früheren Denkens abzurechnen, darunter der phänomenologische und der hermeneutische Ansatz. Parallel, im Sommer des gleichen Jahres 1936 beginnt die Niederschrift der Beiträge zur Philosophie, die mit dem Zusammenklang von sechs 'Fugen' den enigmatischen Ton eines dichterisch-musikalischen Denkens anstimmen. 'Das Sichverständlichmachen', schreibt Heidegger, 'ist der Selbstmord der Philosophie'. Ist dies die Geburtsstunde des -späten- Heidegger, in dessen tief raunenden Schriften die Hermeneutik zugunsten geheimnisvoller poetischer Harmonien endgültig verabschiedet wird? Was bleibt, wenn das Verstehen dem Rätsel des Seins begegnet?
Dr. habil. Alina Noveanu ist Dozentin an der Fakultät für Geschichte und Philosophie der Babe--Bolyai Universität in Cluj/Klausenburg (Rumänien) und Gastdozentin am Philosophischen Seminar der Eberhard Karls Universität Tübingen im Rahmen der Kooperationsvereinbarung der beiden Universitäten. Ihre Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind Phänomenologie, Deutsche Philosophie der Neuzeit und Gegenwart, Poststrukturalismus. Monographien schrieb sie zu Martin Heidegger, Hans-Georg Gadamer und Platon.