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Walden besteht aus einer Reihe musikalischer Skizzen, inspiriert von dem gleichnamigen Roman aus dem Jahr 1854 von Henry David Thoreau', so lautet die kurze Projektbeschreibung von Heiner Goebbels. Doch wer mit dem Werk des deutschen transmedialen Konzeptkünstlers und Komponisten vertraut ist, weiß, dass es bei Goebbels nie ganz so einfach ist. In seiner 1998 entstandenen Komposition Walden, geschrieben für erweitertes Orchester mit Sprecher, verarbeitet Goebbels eine weit gefächerte Fülle an Einflüssen und Ansätzen: Auszüge aus Thoreaus 'Walden', Klanglandschaften im Geiste von Hörspielen, ein Arsenal ungewöhnlicher Instrumente und Klanganordnungen, die ebenso in der Avantgarde zu Hause sind, wie sie sich bei populärer Musik bedienen. All dies wird zum Leben erweckt unter der Leitung von Peter Eötvös sowie mit Bob Rutman - einer zentralen Figur dieses Projekts - in der Rolle des Erzählers. Rutman ist zudem in einer stärker deklamatorischen Funktion zu hören: mit Nachdruck ausrufend, gelegentlich singend in der Khoomei-Technik, und schließlich selbst Teil des Orchesters werdend, indem er das Steel Cello und die Bow Chimes spielt - beides Instrumente aus eigener Entwicklung. In seinem Begleittext erläutert der Komponist, dass er dieses Werk ursprünglich als 'Gegenentwurf zu den großstädtischen Bildern von Surrogate Cities (1994)' konzipierte. 'Dennoch ist mein Blick auf Thoreaus Text weit weniger idyllisch, und mein Verhältnis zu seinem Naturbegriff distanzierter, als die Quelle vermuten lässt. Walden ist für mich ein Stück über die Spannung zwischen Rückzug und Offenheit - zwischen individueller Selbstfindung und der ständigen Präsenz der Außenwelt. Es ist keine romantische Naturvision, sondern vielmehr eine Reflexion über die Bedingungen unserer heutigen Existenz.' Von Trip-Hop-Anklängen und faszinierenden AmbientStrukturen bis hin zu eindrucksvollen orchestralen Steigerungen an den äußersten Rändern zeitgenössischen Komponierens ist Walden ein Zeugnis der visionären Kompositionsweise von Heiner Goebbels in der Mitte seiner Karriere - und zählt zu den innovativsten Kapiteln seines bisherigen Schaffens.