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Reise eines Erdbewohners in den Mars gehört zu den bemerkenswerten deutschsprachigen Beispielen frühneuzeitlicher bzw. spätaufklärerischer Weltraumfiktion. Die Reisehandlung dient weniger bloßem Abenteuer als einem gelehrten Gedankenexperiment: Durch die Verlagerung des Blicks auf den Mars werden irdische Sitten, politische Ordnungen und Erkenntnisansprüche vergleichend geprüft. Stilistisch verbindet der Text utopische Erzählung, satirische Beobachtung und naturphilosophische Spekulation; er steht damit in der Tradition imaginärer Reisen von Cyrano bis Swift, zugleich aber im Horizont einer Epoche, die Astronomie, Vernunftkritik und Gesellschaftsreform eng zusammendachte. Carl Ignaz Geiger, ein Autor der späten Aufklärung, schrieb aus einem Milieu heraus, in dem Theater, Publizistik und politische Reflexion ineinandergriffen. Seine Zeit war geprägt von josephinischen Reformen, Debatten über Toleranz, Bildung und staatliche Ordnung sowie von einem wachsenden Interesse an den Naturwissenschaften. Diese Konstellation erklärt die eigentümliche Mischung seines Buches: Der fremde Planet wird zur Bühne, auf der Geiger zeitgenössische Denkgewohnheiten prüft und die Erde aus kritischer Distanz sichtbar macht. Empfohlen sei dieses Werk allen Leserinnen und Lesern, die frühe Science-Fiction nicht nur als Kuriosität, sondern als ernsthafte Form aufklärerischer Kritik entdecken möchten. Es bietet literarhistorischen Gewinn, intellektuelle Schärfe und den Reiz einer Epoche, in der kosmische Imagination unmittelbar gesellschaftliche Fragen berührte.