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Astronautilia - Band 2 (enthält die Gesänge 13-24 und die Appendices)
Im Jahr 1994 verfasste der polyglotte tschechische Autor und Psychologe Jan Kresadlo (1926-1995) das Epos "Astronautilia" (oder "Hvezdoplavba" - "Die Sternfahrt"), und zwar in homerischem Altgriechisch. Anschließend übersetzte er die fast 7000 Hexameter im Versmaß ins Tschechische.
Die Handlung: In ferner Zukunft wird entdeckt, dass es ein Wesen geben muss, das den Weltraum beobachtet und ohne dessen Beobachtung das All nicht existieren kann. Dieses Wesen ist ein Schaf. Ein böser Wächter namens Mandys entführt es, und Kapitän Nemo wird mit einer Besatzung aus Robotern, Theroiden und Männern entsandt, um Schaf und Entführer in den Schluchten des Weltraums zu fassen.
Die Rahmenhandlung: Die Verfolgungsjagd führt Kapitän Nemo und dessen stinktiergestaltigen Allübersetzer Franta ins Prag der frühen 1990er Jahre. Um ins Tatragebirge zu gelangen, wo ihr Raumschiff sie abholen soll, benötigen sie wider Erwarten Personalausweise, weil die Tschechoslowakei inzwischen zerfallen ist. Ein gewisser Archivar borgt ihnen seinen Ausweis zwecks Fälschung, verlangt als Gegenleistung aber einen Science-Fiction-Roman. Der Allübersetzer Franta glaubt, in der Renaissance zu sein, und liefert ihm ein Epos auf Altgriechisch: die Astronautilia.
* Jetzt erscheint dieses amüsante Opus magnum Kresadlos zu dessen 100. Geburtstag erstmals auf Deutsch - und zwar in archaisierenden Hexametern, übersetzt von Ondrej Cikán, der als Altphilologe und Träger des Österreichischen Staatspreises für lit. Übersetzung sowohl im Altgriechischen als auch im Tschechischen zu Hause ist. Die sorgfältige Edition des altgriechischen Originals besorgte der Homer-Spezialist Georg Danek von der Universität Wien. Das war ein Desiderat, weil der griechische Text in der Originalausgabe nur als Faksimile des Manuskripts gedruckt worden ist.
* Die Ausgabe ist dreisprachig - beide Originale (Altgriechisch, Tschechisch) samt deutscher Übersetzung - und erscheint in zwei Bänden auf nur rund 950 Seiten.
Jan Kresadlo, bürgerlich Václav Pinkava, war Psychologe, mehrsprachiger Autor und Komponist. 1949 drohte ihm in der stalinistischen Tschechoslowakei die Todesstrafe wegen angeblicher Vorbereitung zum bewaffneten Aufstand. Nach einem Studium in den 1950er Jahren arbeitete er als klinischer Psychologe mit dem Spezialgebiet sexueller Deviationen. Nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen 1968 emigrierte er nach Großbritannien, wo er an der Klinik in Colchester weiterhin als Psychologe wirkte. Nach seiner Pensionierung 1982 widmete er sich der Literatur, Komposition und Mathematik. Sein Debütroman Mrchopevci (Aassänger) erschien 1984 im tschechoslowakischen Exilverlag 68 Publishers in Toronto und wurde mit dem Emil-Hostovský-Preis ausgezeichnet. Das Science-Fiction-Epos Astronautilia gilt als Kresadlos Opus magnum.