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In dieser umfassenden Studie wird die Bedeutung, die die Architektur und die Stadt für den späten Nietzsche erhielt, herausgearbeitet. Im Frühjahr und wieder ab Herbst 1888 verbrachte Friedrich Nietzsche seine letzten anfallfreien Monate in Turin. Im Gegensatz zum Klischee des Philosophen, der in Zwiesprache mit der Natur, auf Bergwegen und verlassenen Meeresstränden seine Gedanken entwickelte, pries er die Stadt in sich überstürzenden Lobeshymnen. Turin sei die Stadt, die er jetzt brauchen könne. Sie schmeichle seinen 'Instinkten' und sei ein 'Paradis für die Füße'. 'Neulich sagte ich mir: einen Ort zu haben, wo man nicht heraus will, nicht einmal in die Landschaft, wo man sich freut, in den Straßen zu gehen! - früher hätte ich's für unmöglich gehalten.' Bisher kaum beachtet, wandelte sich Nietzsche in Turin zum Städter und 'philosophischen Flaneur', auf dessen langen Stadtspaziergängen die Architektur sich zum Medium der Erkenntnis wandelte.
Dr.-Ing. habil. Jörg H. Gleiter ist Architekt und Professor für Architekturtheorie an der Technischen Universität Berlin, zuvor Professor für Ästhetik an der Freien Universität Bozen. Aufenthalte als Visiting Professor an der Waseda University (Tokio), Brown University, Politecnico di Torino, Politecnico di Milano, Università degli Studi di Bologna und Bauhaus-Universität Weimar. Promotion zur Kritischen Theorie des Ornaments und Habilitation zu Nietzsche und die Physiologie der Architektur, beides an der Bauhaus-Universität Weimar. 2003/2007 Fellow in Residence am Kolleg Friedrich Nietzsche in Weimar. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Friedrich Nietzsche. Gleiter ist Herausgeber der Reihe ArchitekturDenken (Transcript Verlag). Forschungsschwerpunkte sind Kritische Theorie der Nachhaltigkeit und Digitalisierung, Anthropozänforschung, Kritische Theorie der Transformation des Wissens, Architekturphilosophie, -ästhetik und -semiotik.