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In "Narzißmus als Doppelrichtung" entfaltet Lou Andreas-Salomé eine ebenso präzise wie originelle psychoanalytische Studie über jene seelische Bewegung, die das Ich zugleich auf sich selbst zurückführt und über sich hinausdrängt. Der Text steht im Kontext der frühen Freud-Rezeption, erweitert jedoch die Theorie des Narzissmus um eine dynamische, beinahe anthropologische Perspektive: Selbstliebe erscheint nicht bloß als pathologische Fixierung, sondern als Spannungsfeld von Selbsterhaltung, Hingabe, Kreativität und Beziehung. Stilistisch verbindet Andreas-Salomé begriffliche Schärfe mit essayistischer Eleganz und philosophischer Tiefenschau. Lou Andreas-Salomé, Schriftstellerin, Essayistin und Psychoanalytikerin, bewegte sich im geistigen Zentrum der europäischen Moderne. Ihre Begegnungen mit Nietzsche, Rilke und Freud sowie ihre eigene analytische Praxis schärften ihren Blick für die produktiven Widersprüche des Begehrens. Gerade ihre lebenslange Beschäftigung mit Liebe, Religion, Kunst und weiblicher Subjektivität bildet den intellektuellen Hintergrund dieses Textes, der psychoanalytische Theorie nicht dogmatisch übernimmt, sondern schöpferisch weiterdenkt. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die die Frühgeschichte der Psychoanalyse jenseits kanonischer Freud-Lektüren verstehen möchten. Es bietet einen dichten Zugang zu Fragen von Identität, Bindung und Selbstverhältnis, die bis heute aktuell geblieben sind. Wer psychologische Theorie, literarische Sensibilität und kulturphilosophische Reflexion in konzentrierter Form schätzt, findet hier einen bemerkenswert modernen Text.