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Das mäandernde Denken bewegt sich an Ufern entlang, die es verlässt, um Schlangenlinien zu ziehen, bis es nicht mehr weiß, wo der Fluss verläuft. Dermaßen entschlossen hat es sich an die Ungewissheit verloren. Es bildet einen eigenen Fluss, eine wirre Dynamik und schwer entzifferbare Spur. Oder es verliert sich im Dickicht, um irgendwo unverhofft aufzutauchen, im Tau der Morgensonne, im Nebel, nah am Fluss. Werner Hamacher spricht von der 'Bewegung des Insichzurück- und Aussichherausgehens, des ungeschlossenen Kreises, der Kurve, die sich in alle Richtungen fortsetzt, ihr Einfahren in eine Höhle, die erst durch die Bewegung dieser Kurve geöffnet wird, die Komplizierung von Außen und Innen; die Grenze in ihrer -internen- Bewegung, immer nah bei sich selbst, während sie sich von sich entfernt'. Die Bewegung ist dazu gemacht, in die Irre zu gehen, ohne noch länger entscheiden zu können, was irren heißt. Das ist Philologie im Zustand ihres Verrücktseins = sich dem Fieber hyperbolischer Genauigkeit verpflichtende Lektüre. Der nächste Schritt bestünde darin, mit dem Lesen aufzuhören, um endgültig durchzudrehen.
Marcus Steinweg, 1971 in Koblenz geboren, lebt nach diversen Lehraufträgen und Professuren u. a. an der Kunstakademie Karlsruhe als freier Philosoph in Berlin. Er arbeitet seit den Neunzigerjahren mit den Künstlern Thomas Hirschhorn und Rosemarie Trockel zusammen und stellt eigenständige philosophische Begriffsdiagramme her. Viele seiner Texte und Vorträge bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Kunst und Philosophie.