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Marianne Ehrmanns "Amalie" ist ein empfindsamer Briefroman der späten Aufklärung, der private Erfahrung als moralisches und gesellschaftliches Erkenntnismedium inszeniert. In der Geschichte einer Frau, deren Gefühle, Pflichten und Ansprüche auf Selbstbestimmung miteinander in Konflikt geraten, verbindet Ehrmann psychologische Beobachtung mit Kritik an Ehekonventionen, Erziehungsidealen und weiblicher Abhängigkeit. Der klare, dialogische Stil der Briefe verleiht dem Text Unmittelbarkeit und stellt ihn in den Kontext jener Literatur, die Innerlichkeit nicht als Rückzug, sondern als Prüfung sozialer Ordnung versteht. Die Autorin Marianne Ehrmann, 1755 geboren und früh mit Verlust, ökonomischer Unsicherheit und beruflicher Selbstbehauptung konfrontiert, war Schauspielerin, Schriftstellerin und Publizistin. Ihre eigene Bewegung durch männlich dominierte kulturelle Räume, ihre Beschäftigung mit weiblicher Bildung und ihre spätere journalistische Tätigkeit erklären die Dringlichkeit, mit der "Amalie" weibliche Stimme, Urteilskraft und moralische Autonomie literarisch verteidigt. Empfohlen sei dieses Buch allen, die Aufklärungsliteratur jenseits des Kanons lesen möchten. "Amalie" ist nicht nur ein bewegender Roman, sondern ein frühes Dokument feministischer Reflexion über Gefühl, Vernunft und gesellschaftliche Macht.
Marianne Ehrmann (1755-1795), eine bedeutende Persönlichkeit der Aufklärungszeit, war eine deutsch-schweizerische Schauspielerin, Schriftstellerin und Journalistin. Sie zählt zu den Pionierinnen in der Verlagswelt des deutschsprachigen Raums. Ihre vielseitige Karriere umfasste nicht nur die darstellende Kunst, sondern auch einen bemerkenswerten Beitrag zur Literatur und Journalismus. Ehrmann war bekannt für ihr Engagement in der Frauenbildung und ihre fortschrittlichen Ansichten zur Rolle der Frau in der Gesellschaft. Als eine der ersten Verlegerinnen ihrer Zeit setzte sie Maßstäbe in einem von Männern dominierten Feld und leistete einen entscheidenden Beitrag zur kulturellen und intellektuellen Entwicklung ihrer Epoche.