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"Geleitete Linden" oder "Stufenlinden" sind zu Bauwerken geformte Bäume. Die Äste werden dem jungen Baum mit Hilfe von Gestellen in die Breite gebogen und durch wiederholtes Beschneiden so zurechtgestutzt, dass ein waagerechtes, weit ausladendes Laubdach entsteht. Die waagerechten Äste werden mit Gerüsten aus Holzpfosten oder Steinpfeilern, denen Querbalken aufliegen, unterstützt. Über diesem ersten Astkranz kann ein zweiter und dritter waagerechter Astkranz mit nach oben abnehmenden Durchmessern folgen. Über ihnen lässt man den Wipfel frei wachsen oder schneidet ihn in Form. Dabei können Linden sehr alt und sehr groß werden. Bäume mit über tausend Lebensjahren oder einem Stammumfang von über 20 Metern sind keine Seltenheit. Geleitete Linden sind schon in den Minnesängen erwähnt und die meisten frühen Stadtansichten zeigen geleitete Linden. Unter der Dorflinde versammelte sich die Gemeinschaft, hier saß man zu Gericht oder tanzte, tafelte und feierte - unter der Baumkrone oder in der Krone. Neben der geleiteten Dorflinde gibt es den Typus der geleiteten Kirchen-, Kloster-, Burg-, Schloss-, Schützen- und Gasthaus- linde; ein einzigartiges Kulturgut im ehemals deutschsprachigen Raum von den Niederlanden bis nach Schlesien und Ostpreußen, vom Elsass, Baden und der Schweiz bis ins östliche Bayern. Der Autor Rainer Graefe trägt in diesem Buch das Wissen über die Lindenbäume zusammen. Das fast vergessene Kulturgut wird beschrieben, literarisch, künstlerisch und architektonisch eingeordnet und die unterschiedlichen Baumtypologien werden vorgestellt. Das Buch öffnet einen Blick auf eine lange vergessene Tradition und stellt in unzähligen gut dokumentierten Beispielen noch erhaltene, aber auch verlorene Linden vor. Ergänzt werden die Dokumentationen durch prachtvoll reproduzierte historische Darstellungen aus Archiven und Museen. Die langjährigen Forschungen am Archiv für Baukunst der Universität Innsbruck haben aber auch zur Rekonstruktion mehrerer Stufenlinden geführt, die auch detailreich dokumentiert sind und das nicht nur architektonisch und gartenkünstlerisch, sondern auch in ihren Auswirkungen auf das soziale Leben und den positiven Einfluss auf die jeweilige Dorfgemeinschaft. Das Buch ist aber vor allem auch eine Anregung, über die Bedeutung, Funktion und Gestaltung öffentlicher Räume nachzudenken, und über das künftige Verhältnis von Architektur und Natur. Seit unsere Gewissheit, die Natur jederzeit beherrschen zu können, ins Wanken geraten ist, müssen auch Architektur und Landschaftsarchitektur nach neuen Lösungen suchen. Das Buch zeigt eine davon auf.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort: Das Leiten
Einführung: Der Lindenbaum
Frühe Zeugnisse Mittelhochdeutsche Dichtung Geleitete Baumveteranen
Stufenlinde und Maibaum
Oben im Baum
Tanz Unter der Linde In der Baumkrone
Pflanzen, Leiten, Ausbauen Neupflanzungen Klebäste Kopfüber
Baumpaare und Baumgruppen
Baum-Zeichen: Siegel, Wappen, Schilder
Baum als Bauwerk Ummauerung Lindenbrunnen Stützkonstruktionen Lauben in der Baumkrone Ähnlichkeiten - Lauben, Pavillons, Kleinarchitekturen
Verbreitung der Stufenlinden Dorflinden Kirche Gericht Tod an der Linde Rathaus Läuten
Dorflinden - Beispiele Einstufige Linden (Tellerlinden) Zweistufige Linden Dreistufige Linden Vielstufige Linden
Stadtlinden Zweistufige Stadtlinden Dreistufige Stadtlinden Vielstufige Stadtlinden
Kloster- und Schützenlinden Klosterlinden Schützeninden
Linden der Wirtshäuser, Bier- und Bürgergärten Gasthäuser Gärten
Schlosslinden Sonderformen Drei Ausnahme-Linden Garten-Phantasien
Exkurse Gastlichkeit in den Wipfeln anderer Bäume Lebende Aussichtstürme Marienbäume In Kirchen eingebaute Bäume Im Baumstamm
Ausstellungen Archiv für Baukunst / Innsbruck 2009 Lindenbaum-Museum / Neudrossenfeld
Zur Entstehung der Arbeit
Literaturverzeichnis
Ortsregister