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Er hatte zwei Welten kennengelernt. Den Kommunismus in einem Land, das ihm Heimat gewesen war und ihn doch nie ganz freigab. Und den Kapitalismus in Deutschland, einem Land, das er gewählt hatte, weil es auch seine Urheimat war, und das ihn zugleich forderte, aber in Freiheit. Erst spät begriff er, dass ein System nichts Abstraktes war. Es bestand aus Menschen, aus Gewohnheiten, aus Macht und aus dem, was im Verborgenen wirkte. Es hatte ein Gesicht, oft mehr als eines. Der Wechsel in den Westen war für ihn ein Schritt in eine Welt, die Freiheit versprach und sie auch gewährte: sprechen zu dürfen, denken zu dürfen, handeln zu dürfen. Doch auch hier war Freiheit kein Geschenk ohne Preis. Verantwortung lag beim Einzelnen, still und konsequent. Herkunft, Bildung oder Begabung boten keinen Schutz vor dem Scheitern. Beziehungen auch nicht. Das Leben verlangte Kraft, Ausdauer und Mut, denn in beiden Systemen waren letztendlich Macht und Geld die Mittel mit denen die Gesellschaft geführt wurde. William beobachtete, wie sich Unruhe ausbreitete, wie Sehnsucht nach einfachen Antworten wuchs. Manche blickten zurück, andere suchten neue Schuldige. Die Ränder wurden lauter, und je weiter sie auseinanderdrifteten, desto ähnlicher wurden sie sich im Ton. Langsam machten sich sowohl in seiner postkommunistischen Heimat, als auch in den westlichen Demokratien, etwas Gefährliches bemerkbar: Nostalgie nach der Geborgenheit des Kommunismus, auf der einen Seite und dem Wunsch nach der Volksgemeinschaft des Rechtsextremismus auf der anderen Seite. Es sind die alten Strukturen, die im Untergrund weitergewirkt haben, die ihren Durst nach Macht nur im Chaos und in der befriedigen können. Die neuen Medien sind der fruchtbarste Boden für diese Entwicklung.
Geboren kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, im Herzen Transsilvaniens, in einer Welt, die noch zwischen Trümmern lebte und sich dennoch an der Hoffnung festhielt. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er im Schatten eines aufstrebenden Kommunismus, in einer Zeit, die Gleichheit versprach, aber Schweigen forderte. Als jüngstes Kind einer kinderreichen deutschen Familie wuchs er zwischen Kulturen und Widersprüchen auf. Früh erkannte er, dass Freiheit nicht gegeben ist - sie muss gesucht, oft auch erkämpft werden. Mit 19 Jahren verließ er seine Heimatstadt - auf der Suche nach einem anderen Weg, einer Alternative zum System der Lüge, der Kontrolle, der erlernten Ohnmacht. Neun Jahre später musste er das Land verlassen - als Dissident, als Staatenloser. Er kam nach Deutschland, das Land seiner Vorfahren - wo er fortan lebte: äußerlich frei, innerlich immer noch auf der Suche.