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Der Blick auf die Regulierung der häuslichen Wärmeenergienutzung bietet neue -Perspektiven auf das Verhältnis von Konsum, Energiepolitik und Staatlichkeit.
Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts wurde das private Heizen politisiert. Prognosen über drohende Umwelt- und Klimaschäden sowie die Knappheit der fossilen Energieressourcen führten ab den 1970er-Jahren zu einem neuen Nachdenken über das Verhältnis von Energieverbrauch und Wirtschaftswachstum. Thomas Lettang zeigt, wie ein neues staatliches Handlungsfeld der Wärmepolitik in der Bundesrepublik entstand, die einen sparsameren Umgang mit Energie fördern sollte. Denn Politiker, Wissenschaftler und Energieversorger verorteten enorme Einsparpotenziale beim Heizen der Privathaushalte. Die Umwelt- und Anti-AKW-Bewegungen forderten zudem größere Anstrengungen für eine Energiewende ohne Kernenergie. Der Autor analysiert das politische Aushandeln von Regulierungspraktiken in der Energiepolitik und damit auch den Wandel von Staatlichkeit insgesamt. So hat weniger der Marktliberalismus an Bedeutung gewonnen als vielmehr der Interventionsstaat, der private Konsummuster und Technologien zu regulieren versuchte. Im Zentrum steht die Frage, die noch heute die politischen Debatten prägt: Sind rechtliche Verbote, moralische Gebote oder ökonomische Anreize legitim und geeignet, um das Energiesparverhalten, die Heizpraxis und den Wärmeschutz zu verändern?
Thomas Lettang, geb. 1987, studierte Geschichte und Volkskunde/Kulturgeschichte in Berlin, Jena und Istanbul. Am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam war er seit 2019 als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand tätig, unter anderem im Rahmen des interdisziplinären Schwerpunktprogramms 1859 der Deutschen Forschungsgemeinschaft 'Experience and Expectation. Historical Foundations of Economic Behaviour'. Seine Promotion hat er am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin abgeschlossen.