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Nach jahrzehntelangem Verschweigen der Opfergruppe, die die Nationalsozialisten ab 1933 als 'Berufsverbrecher' und 'Asoziale' in die Konzentrationslager brachten, schildert Frank Nonnenmacher, der selbst ein Nachkomme eines Verfolgten ist, die historischen Gründe für die Ausgrenzung dieser Personen. Er nennt Akteure und deren Interessen sowie Strukturen, die dazu führten, dass die Ächtung dieser Menschen in der Bundesrepublik Deutschland unmittelbar nach 1945 aktiv fortgesetzt wurde und erst beschämend spät (2020) zu einer offiziellen Anerkennung als NS-Opfer geführt haben. 15 Nachkommen erzählen anschließend - so exemplarisch wie anschaulich und anrührend - die Fallgeschichten ihrer Vorfahren. Sie stützen sich dabei auf selbstrecherchierte fallbezogene Quellen und beschreiben die Gründe für das jahrzehntelang geltende Schweigegebot, das innerhalb der jeweiligen Familie, vor allem aber auch nach außen herrschte. Dabei wird deutlich, dass es nicht - wie es die Nazi-Ideologie behauptete - 'die Gene' eines Menschen sind, aufgrund derer Menschen delinquent und deviant werden, sondern dass materielle Not und soziale Verhältnisse die Ursache für Delinquenz und Devianz sind.
Frank Nonnenmacher ist emeritierter Professor für Didaktik der politischen Bildung an der Universität Frankfurt am Main. Er ist Nachkomme eines KZ-Häftlings mit dem grünen Winkel, Initiator des erfolgreichen Appells an den Deutschen Bundestag zur Anerkennung der als 'Berufsverbrecher' und 'Asoziale' jahrzehntelang diskriminierten NS-Opfer und 1. Vorsitzender des 2023 gegründeten Vereins 'vevon - Verband für das Erinnern an die verleugneten Opfer des Nationalsozialismus'.
Inhalt Geleitwort ...........................................................7 Julia Klöckner Als NS-Opfer anerkannt - und dennoch weitgehend ignoriert ............11 Frank Nonnenmacher 'Asozialität' und Kriminalität als KZ-Einweisungsgrund. Rechtliche Konstrukte und kriminologische Diskurse ..............................43 Julia Hörath Der lange Weg nach Ravensbrück - eine Spurensuche in vierter Generation .......................75 Annika Kleist Häftling 1104 - vom Leben und Sterben des Lorenz W. ...................91 Klaus Weisbrod Das Verschwinden der 'schwarzen Marie'. Wie ein zweifelhafter Mordprozess ins Konzentrationslager führte ............................109 Gerrit Weßel Das Schicksal der als 'asozial' verfolgten Emma Kristens ................123 Joachim Hoppe und Anja Schmeiser Warum willst du es wissen, sie hat doch überlebt? .......................139 Jörg Heilmann Mein Urgroßvater Robert Stark - Die Entdeckung eines Verschwiegenen ..155 Frederik Werner Vom Regen in die Traufe ..............................................173 Florian Hülsmann 'Liebste Mutter, Du bist immer der Gedanke, der mich alles Schwere ertragen lässt.' Schutzhäftling 53939 Karl August Cremer, Block 20 ........189 Rolf Dieter Cremer Armut, Widerstand und Delinquenz ....................................207 Gabriele Brennecke Ein kurzes Leben, ein langer Weg der Erinnerung - Josef Finster ..........221 Waltraud Kannonier-Finster und Meinrad Ziegler Vergessen, verdrängt, erinnert - Die Geschichte von Hermann August Fabeck ...............................................................235 Marc Petzoldt Ob wir von Vati noch einmal hören werden? .............................247 Ulrike Solbrig Fritz Wille ist in den Kreis der Familie und der Gesellschaft wieder aufgenommen! .......................................................261 Werner Aßmann