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Der Ritter, Humanist und antirömische Pamphletist Ulrich von Hutten (1488-1523) war "kein ausgeklügelt Buch", sondern "ein Mensch in seinem Widerspruch", wie es Conrad Ferdinand Meyer in seinem Versepos "Huttens letzte Tage" formulierte. Huttens Identität als Ritter, der den Gebrauch des Schwerts nicht scheute, stand im Widerspruch zu den klösterlichen Erziehungsidealen seiner Jugend, seinem Dienst im Erzbistum Mainz und nicht zuletzt seiner Identität als Mann der Feder, der zahlreiche Dialoge im Stil Lukians verfasste. Seine erst 1520 endende Tätigkeit für Albrecht von Brandenburg, der Tetzels Ablasshandel maßgeblich förderte, stand im Gegensatz zu seiner antiklerikalen bzw. antirömischen Publizistik und seinem Eintreten für Martin Luther. Ähnliches gilt auch für die Differenz zwischen den aufklärerischen Intentionen des glänzenden Latinisten, der die Dunkelmänner attackierte, den Humanisten Johannes Reuchlin verteidigte, die Konstantinische Schenkung publik machte oder sich für Martin Luther einsetzte und dem ebenso unversöhnlichen wie radikalen Pamphletisten, der den Papst und die römische Kurie mit drastischen Worten schmähte. Seine Angriffe verstärkten sich ab 1520: Hutten schleuderte seine Flugschriften und Polemiken zunehmend in Deutsch heraus, die jedoch immer weniger Leser erreichten. Nach der Veröffentlichung der großen Reformationsschriften Martin Luthers sank Huttens Stern schnell. Geächtet und gebannt erlag er auf der Insel Ufenau im Züricher See seiner langjährigen Syphiliserkrankung.
Prof. Dr. Wilhelm Kreutz, 1970-76 Studium der Germanistik, Geschichte & Politikwissenschaft an der Universität Mannheim, 1983 Promotion (Die Deutschen und Ulrich von Hutten), 1993 Habilitation, 1978-2000 Assistent im Fach Neuere Geschichte in Mannheim,1993-95 Lehrstuhlvertreter an der Universität Rostock, 2002-14 Lehrer am Karl-Friedrich-Gymnasium Mannheim, zahlreiche Publikationen.