Wie gewinnt ein Textvortrag, obwohl er aus wiederholbaren Zeichen besteht, Bühnenpräsenz? Was kann die heutige Sprechausbildung im Schauspielstudium leisten, um die Studierenden darin zu unterstützen?
Helmut Becker geht diesen zentralen Fragen in seiner Dissertation nach. Basierend auf aktuellen Leiblichkeitskonzepten und einem phänomenologisch orientierten Textbegriff analysiert Becker Möglichkeiten der Texterschließung und Textgestaltung an klassischen Werken von Euripides, Shakespeare, Schiller, Kleist, Kafka, Mann, Camus sowie zeitgenössischen Autoren wie Heißenbüttel, Brinkmann und Gernhardt.
Durch die gezielte Schulung von Atemqualitäten und deren Anwendung am Text entsteht ein neues, tiefgehendes Verständnis von Leiblichkeit. Das Buch zeigt, wie ein solches Leibbewusstsein die Lust am Text, an kraftvoller Bühnenpräsenz und authentischer Textperformanz nachhaltig fördert – und richtet sich an Schauspielstudierende, Bühnenprofis sowie alle, die sich für lebendige Textpräsentation, Stimmtraining und performative Literaturvermittlung Begeistern.
Ein Kartenset für alle, die Lust haben, gemeinsam die eigene Stimme zu erkunden. 94 Karten in fünf Bereichen laden zu einem spielerischen und vielfältigen Umgang mit Stimme im Theater ein. Übungen, Spiele, Experimente und Wissenskarten fördern künstlerisches Ausprobieren und bewusstes Wahrnehmen. Dafür kommen Perspektiven aus der Stimm- und Sprechbildung, der Theaterpädagogik sowie den Künsten zusammen. Für mutige Stimmen in Theater und Performance, in Bildung, Schule und im Alltag.
Konzipiert und geschrieben von Marit Fiedler, Caroline Intrup, Isabelle Zinsmaier, Matthias Dreyer.
Entstanden im Projekt "Fokus Stimme", Studiengang Lehramt Theater, Hochschule für Musik und Theater Rostock mit freundlicher Unterstützung durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre.
Das Kartenset stellen am 12.03., um 19 Uhr Marit Fiedler, Isabelle Zinsmaier sowie Caroline Intrup vor. Wo? Natürlich in der Einar & Bert Theaterbuchhandlung, Winsstr. 72, 10405 Berlin.
Karl Huck von der Seebühne Hiddensee wird wieder einmal zu Gast in unserer Theaterbuchhandlung sein. Es steht die Novelle "Der Tod in Venedig" von Thomas Mann auf dem Programm. Szenische/Performative Lesung mit Karl Huck; Regie: Antje König.
Eintritt: 20 EUR, 18 EUR (ermäßigt). Der Kartenverkauf erfolgt an der Kasse im Buchladen. Reservierungen sind per Telefon möglich: 030/443528511. Oder per Mail: info@einar-und-bert.de. Bitte geben Sie stets Nachname und Anzahl der Plätze an.
Der Maler und Bühnenbildner Gero Troike geht spazieren und schaut sich um. Das ist alles: Augen auf und durch – die Stunde, den Tag. Die unmittelbare alltägliche Nähe als aufregender Kosmos, als unglaubliches Abenteuerfeld … Hans-Dieter Schütt hat die radikal naiven Weg- und Welt-Beobachtungen Troikes, die in ihrer Unverblümtheit an Robert Walser erinnern, mit autobiographischen Texten des Theatermannes verknüpft. Es fügt sich mit Porträts des Fotografen Manfred Haupthoff – Troike im Atelier – zu einem so sperrigen wie warmherzigen (Lebens-)Künstlerbuch.
"Ein wundersamer Band. Derart erpicht auf Kreuz und Quer. Eines Lebens Lauf, aber den beileibe nicht landläufig protokolliert." So schreibt Schütt im Vorwort. Fotos und Malerei. Bilder und Buchstaben. Die Zeiten im Buch springen, die Gedanken springen mit – nichts möge da zur falschen Ruhe kommen. Seine Texte schreibt Troike mit einer alten Schreibmaschine. Sie ist die alte Welt: Sie klappert hinterher, und der Autor ist wie der vergebliche Glückssucher, der Lotto-Verlierer: Er vertippt sich regelmäßig. Und tippt doch weiter. Troikes Manuskripte: Pflege und Schutz des individuellen Fehlers als trotziger Selbstwert in einer nervös hastenden Gesellschaft.
Gero Troike und Hans-Dieter Schütt kommen am 12.11.25 ins Gespräch über Buch, Troikes Werdegang und mehr. Eintritt frei.
Obwohl immer wieder beschrieben und prognostiziert wird, dass sich politische Bewegungen weitgehend in die digitalen Medien verlagern, sind die Erwartungen an politisches Theater und Aktionskunst eher noch gestiegen: Theater soll die gesellschaftliche Wirklichkeit nicht nur widerspiegeln oder kritisieren, sondern direkt in die Wirklichkeit intervenieren. Die Grenze zwischen Kunst und Aktivismus wird durchlässiger, woraus sich für das Theater gesteigerte Wirkungsansprüche ergeben. Das Buch fragt nach den Formen und Traditionen einer solchen intervenierenden Theaterpraxis – und danach, was man sich von ihr erhoffen darf. Es geht um ein Theater, das an der Grenze zur direkten Aktion operiert, ohne die Brechungen, Umwege und Indirektheiten theatraler Aufführungen ganz hinter sich lassen zu können.
Matthias Warstat stellt Buch und Thesen gemeinsam mit Joy Kristin Kalu (UdK Berlin) sowie Julius Heinicke (Universität Hildesheim) vor. Zeit und Ort: 19.30 Uhr, Einar & Bert - Theaterbuchhandung, Winsstr. 72, 10405 Berlin. Eintritt frei.
In der digitalen Welt des 21. Jahrhunderts verändert sich das Theater radikal: Neue Formsprachen gehen nicht vom klassischen Text oder seiner Dekonstruktion aus, sondern nutzen vielfältige Medien, innovative Technologien und interdisziplinäre Ansätze, um ganze Welten zu entwerfen. Die wegweisenden Inszenierungen von Susanne Kennedy, Lucia Bihler und Florentina Holzinger stehen exemplarisch für diesen formalen Wandel, der seit den 2010er-Jahren in den Darstellenden Künsten sichtbar wird.
Dieses Buch untersucht anhand fundierter theoretischer Reflexion und ausführlicher Interviews die formalen Strategien der drei Künstlerinnen und ihrer Teams. Dabei zeigt es auf, wie sie die Ästhetik des postdramatischen Theaters ins 21. Jahrhundert überführen und eine zeitgemäße Bühnensprache entwickeln. Die Autorin analysiert, wie diese innovativen Produktionen Kommunikationsweisen, Wahrnehmungsmuster und emotionale Dynamiken des Web 2.0 in komplexe "Ultrawelten" übersetzen – Theaterwelten, die am Puls der Zeit entstehen und die Gegenwart herausfordern.
Hannah Schünemann stellt ihr Buch und die Arbeiten der drei Künstler:innen zusammen mit der Lektorin Sophie Schuster vor. Moderation: Theresa Schütz. Eintritt ist frei.
Der Wahlberliner Gottfried Pilz (*1944 in Salzburg, +2024 in Berlin) zählte zu den renommiertesten Bühnen- und Kostümbildnern des Musiktheaters. Seine feinsinnigen, beeindruckenden Arbeiten entwickelte er durch das intensive Studium von Libretto und Partitur – im Lauf der Jahre mit einer zunehmend abstrakten und minimalistischen Bildsprache. Pilz arbeitete unter anderem mit den Regisseuren John Dew, Götz Friedrich, Günter Krämer, Stefan Herheim und George Tabori zusammen. In der reich bebilderten Publikation sind großformatige Fotografien, Zeichnungen, Figurinen und Bühnenbildmodelle zu sehen. Es ist ein konzentrierter Ausschnitt mit 15 Projekten aus 50 Schaffensjahren einschließlich Regiearbeiten. Besonderer Bestandteil der Ausgabe sind die Camera-obscura-Aufnahmen der Fotografin Karen Stuke. Sie fotografierte viele Jahre die Opernaufführungen von Gottfried Pilz. Das Buch enthält eine Kurzbiografie, ein umfassendes Werkverzeichnis sowie ein sorgfältig recherchiertes Register.
Mit Textbeiträgen von Jochen Diederichs, Gottfried Pilz, Bärbel Reißmann, Kerstin Schröder und Karen Stuke.
Kerstin Schröder (Herausgeberin, Buchgestalterin), Karen Stuke (Fotografin), Bärbel Reißmann (Stadtmuseum Berlin) sowie Karen Fries (Kostüm- und Bühnenbildnerin, ehem. Assistentin von Gottfried Pilz) stellen das Buch vor und teilen ihre Erinnerungen an Gottfried Pilz. Eintritt frei.
Theater der Leere macht die Katastrophen des technowissenschaftlichen Zeitalters zum Ausgangspunkt für die Annäherung an das Theater und zeigt, dass die Leere im zeitgenössischen Theater mehr ist als ein bloßes Nichts. Im Gegenteil, sie ist das Potenzial und die Möglichkeit einer radikalen Transformation des Theaters selbst.
In der Hinwendung zur Leere verschränkt Kovacs Debatten über Transformation und Zukunft mit der Reflexion über die komplexe Beziehung zwischen Theater und den Naturwissenschaften und macht deutlich, dass die Theaterformen, die bislang unter dem Begriff des "Postdramatischen Theaters" diskutiert wurden, eine Zukunft haben.
Kovacs bringt in ihrer Studie Heiner Müller, Elfriede Jelinek, Christoph Schlingensief und René Pollesch zusammen und zeigt, was es bedeutet, wenn der Nullpunkt zum zentralen Energiefeld des Theaters wird. Die Studie entfaltet nicht nur überraschend neue Perspektiven, sondern legt auch bislang übersehene Linien frei, die die Arbeiten dieser vier Theatermacher:innen durchziehen und verbinden. Sie argumentiert, dass wir im ‚Theater der Leere‘ eine theatrale Grammatik entdecken können, die uns in der von Nukleartechnologie und Klimawandel bedrohten Gegenwart viel zu sagen hat.
Die Autorin Teresa Kovacs und Thomas Irmer (Chefredaktion Theater der Zeit) stellen das Buch vor. Eintritt frei.
Wir werden Jenny Erpenbeck am 24.10. bei Einar & Bert zu Gast zu haben. Sie liest aus ihrem Roman KAIROS, der 2024 mit dem International Booker Prize ausgezeichnet wurde.
Erpenbeck debütierte 1999 mit der Novelle »Geschichte vom alten Kind«. Es folgten zahlreiche Veröffentlichungen, darunter Romane, Erzählungen und Theaterstücke. Außerdem war sie Kolumnistin bei Theater der Zeit.
Eintritt 14,99 EUR. Wir bitten um Kauf einer Platzkarte via Eventbride: https://www.eventbrite.de/e/kairos-lesung-mit-jenny-erpenbeck-tickets-1029791834097
In KAIROS begegnen sich die neunzehnjährige Katharina und Hans, ein verheirateter Mann Mitte fünfzig, Ende der achtziger Jahre in Ostberlin, zufällig, und kommen für die nächsten Jahre nicht voneinander los. Vor dem Hintergrund der untergehenden DDR und des Umbruchs nach 1989 erzählt Jenny Erpenbeck in ihrer unverwechselbaren Sprache von den Abgründen des Glücks – vom Weg zweier Liebender im Grenzgebiet zwischen Wahrheit und Lüge, von Obsession und Gewalt, Hass und Hoffnung. Alles in ihrem Leben verwandelt sich noch in derselben Sekunde, in der es geschieht, in etwas Verlorenes. Die Grenze ist immer nur ein Augenblick.
»Erpenbecks beklemmende Entfaltung einer Amour fou, die mit dem Untergang des Staates synchronisiert wird, entwickelt einen beispiellosen Sog. Es ist ein großer, schöner und grausamer Liebesroman, der zu Recht ausgezeichnet worden ist.« Adam Soboczynski, Die Zeit
Wir freuen uns auf Euren Besuch!
Das Theaterlabor Bielefeld, gegründet 1983 von Siegmar Schröder gemeinsam mit Studierenden, ist ein prägnantes Beispiel für die Entwicklungen, die seit den 1980ern zu einer Modernisierung des deutschen Theaters und in Folge zur Konstituierung des Freien Theaters als "Zweiter Säule" der Theaterlandschaft führen sollten.
Ein Ensemble, das kollektiv und egalitär die Gegenstände und Themen seiner künstlerischen Arbeit selbst bestimmte, sich permanent bei den großen, beispielgebenden Künstler*innen des "anderen Theaters" in Europa aus- und weiterbildete, das zu internationalen Festivals eingeladen wurde und schon früh auch selbst Festivals und Koproduktionsbeziehungen in Europa und bis nach Nordamerika entwickelte und schließlich eine Institution bildete, die Bestand hat und inzwischen von einer nachgewachsenen Generation übernommen wurde.
Die Entwicklung dieser Theaterkunst aus der Kraft der Selbstermächtigung wird von Siegmar Schröder und Henning Fülle in Berichten und Interviews, Gesprächen und Erinnerungen nachgezeichnet und in den Kontext der künstlerischen und institutionellen Aufbrüche der westdeutschen Theaterlandschaft seit den 1970er Jahren eingebettet.
Mit Interviews und Texten von Eugenio Barba, Yoshi Oida, Leo Bassi, Margarete Pikes, Horacio Czertok, Nullo Facchini, Robert Jakobson, u.v.m.
Die Herausgeber Siegmar Schröder und Henning Fülle stellen das Buch vor. Eintritt frei.