Unsere Empfehlungen

Die Buchhändlerin empfiehlt im August 2018

Das weibliche Prinzip
empfohlen von:

Elvira Hanemann

Elvira Hanemann

Das weibliche Prinzip

gebunden

Meg Wolitzer
Das weibliche Prinzip

Übersetzt von Henning Ahrens
Dumont Verlag 24 €

Meg Wolitzer, 1959 geboren, ist verheiratet, hat zwei Söhne und lebt in New York City. Großen Erfolg hatte sie mit dem Roman „Die Interessanten“ (2014).

Die junge Studentin Greer lernt bei einem Vortrag, zu dem sie ihre lesbische politisch aktive Freundin Zee mitschleppt, Faith Frank kennen. Die ältere Frau ist eine Ikone der Frauenbewegung und beeindruckt Greer tief. Bald geht Greers Traum in Erfüllung: sie arbeitet mit Faith in einer Stiftung, die sich für Frauenrechte einsetzt.

Greers bisherige glückliche Beziehung zu ihrem Freund Cory wird durch ein Trauma, das ihm widerfährt, auf eine harte Probe gestellt. Auch die Freundschaft zu Zee leidet unter Greers Ambitionen.

"Das weibliche Prinzip" liest sich trotz des hohen literarischen Anspruchs und der ernsten Themen mit leichter Hand geschrieben. Beim Lesen lebte ich mit den Charakteren so mit, dass ich mich darauf freute, morgens in der Bahn, in der Mittagspause und abends, nach getaner Arbeit, schnell wieder in das Buch versinken zu dürfen.

Ein Buch, das sowohl die Zeit der Altfeministinnen wie auch die top aktuellen Ereignisse als zeitpolitischen Hintergrund gekonnt mit einer bewegenden Roman über eine junge Frau, die ihren Weg sucht, verbindet. Liebe, Freundschaft, Verrat, Tod, enttäuschte Erwartungen. Vor allem stellt dieser Roman aber die große und wichtige Frage: Wie kann man sein Leben so führen, dass man Gutes tut - für sich und für die Welt? Eine Frage, die gerade heute in einer Zeit, in der sich viele dem Individualismus verschreiben oder aber schon resigniert haben und den Gedanken daran, dass man/frau die Welt auch ein bisschen verbessern kann, aufgegeben haben, immense Bedeutung hat. Dieses Buch ist kein politisches Pamphlet - nein, es ist einfach ein sehr gut geschriebener, einfühlsamer und spannender Roman für Menschen – Frauen und unbedingt auch für Männer! - von heute.
Absolut lesenswert!

Elvira Hanemann

zum Produkt € 24,00*

Lincoln im Bardo
empfohlen von:

Elvira Hanemann

Elvira Hanemann

Lincoln im Bardo

gebunden

George Saunders „Lincoln im Bardo“
Übersetzer: Frank Heibert
Luchterhand Verlag 25 €

George Saunders, dessen Kurzgeschichtenband „Zehnter September“ schon großes Lob erhalten hatte, legt nun seinen ersten Roman vor, der 2017 mit dem Man Booker Prize ausgezeichnet wurde.

Im Jahr 1862, Lincoln ist amerikanischer Präsident, stirbt dessen 11-jähriger Sohn an einem schlimmen Fieber. Er wird auf einem Friedhof in einer Gruft beigesetzt. Dieser Friedhof ist nun der Schauplatz des Romans. Bevölkert wird er von vielen teilweise höchst sonderbaren Figuren, die sich dem Neuzugang mit großem Interesse zuwenden. Der junge Willie Lincoln wird von seinem Vater des Nachts besucht, betrauert, berührt und liebkost. Das weckt in den Nachtgestalten schmerzhafte Erinnerungen an ihr früheres Leben, an das Leben in dem sie noch nicht in den „Krankenkisten“ waren und noch nicht von den Lebenden übersehen wurden.

Ein Geistlicher, ein junger Homosexueller und ein frischverheirateter Mann sind die Haupt“personen“ oder sollte man sie eher „Stimmen“ nennen? - die auf dem Friedhof „gehschweben“. Was, so fragt man sich, bedeutet „Bardo“? Im Buddhismus nennt man so die Zeit zwischen der Lösung vom bisherigen Leben und dem Eingehen in einen neuen Zustand. Die Menschen im Bardo verweigern sich der Erkenntnis, dass sie tot sind, dass sie in Särgen liegen, dass sie verwesen, sie behaupten steif und fest, sie seien nur krank. Sie können nicht loslassen und sind ihrem früheren Leben verhaftet.

Was ist dieses Buch? Eine Gruselgeschichte? Ein Gesellschaftspanorama, das Themen wie den Bürgerkrieg und die Sklaverei behandelt? Eine Geschichte von Trauer und Liebe? Er ist all das und noch viel mehr, denn es vereinigt Witz und todernste Philosophie mit Elementen des absurden Romans. Ungewöhnlich ist die Form, vorwiegend handelt es sich um eine lebhafte Ansammlung verschiedener Stimmen sowohl der Toten, die sich wie Untote benehmen und von zeitgenössischen historischen Zitaten. Sehr schnell gewöhnt man sich an diese sonst nicht übliche Stilform und man genießt – auch dank der hervorragenden Übersetzung - den abwechslungsreichen und vielstimmigen Chor der Stimmen, die sich zu einem beeindruckenden Ganzen fügen.

Ein trauriger, zärtlicher, brutaler, skurriler, manchmal auch lustiger - vor allem aber ein sehr menschlicher Roman, der sich beglückend vom Einheitsbrei des Mainstreams abhebt und einem zeigt, wie „anders“ und geistig anregend unkonventionelle Literatur sein kann!

Elvira Hanemann

zum Produkt € 25,00*

Kleine Feuer überall
empfohlen von:

Elvira Hanemann

Elvira Hanemann

Kleine Feuer überall

gebunden

Celeste Ng „Kleine Feuer überall“
Übersetzung: Brigitte Jakobeit
Dtv 22 €

Nachdem ich so begeistert war von Ng’s letztem Roman „Was ich euch nicht erzählte“ stürzte ich mich sofort auf ihr neues Buch.

In Shaker Heights, einem schönen, friedlichen und reichen Vorort von Cleveland, Ohio leben die Richardsons.
Elena, Journalistin, ihr Mann, ein Anwalt und vier halbwüchsige Kinder. Alle wohlgeraten bis auf Izzy, die jüngste.

Elena steht vor ihrer abgebrannten Villa und starrt auf die Ruinen ihres Lebens. Der Verdacht fällt auf Izzy, die gleichzeitig mit dem Brand verschwunden ist.

Das Leben der Richardsons wird aufgerollt und in Beziehung zu der Künstlerin Mia und deren Tochter Pearl, die Mieter der Familie werden, gesetzt.
Zwei vollkommen unterschiedliche Lebensentwürfe entfalten sich: hier die freiheitsliebende, kreative, faszinierende Künstlerin und dort die nach strengen Regeln lebende, ordentlichen und wohlhabende Anwaltsfamilie. Die Kinder freunden sich stark miteinander an, bald gehört Pearl praktisch „zur Familie“.
Bei einem Konflikt, der sich um das Thema wem Kinder eigentlich „gehören“ dreht, spitzt sich das Geschehen dramatisch zu und endet in einer Art Flächenbrand.

Hervorragend und mit großer Tiefenschärfe zeichnet die amerikanische Autorin Ng (sprich: Ing) chinesischer Abstammung, die interessanterweise selbst in Shaker Heights gelebt hatte die Charaktere. Sehr gut gefiel mir, dass sie schwierige Themen wie z.B. das Aussetzen von Kindern und ob dadurch das Recht Mutter zu sein, verwirkt ist oder auch Abtreibungen so behandelt, dass es keine Seite nur „richtig“ oder „falsch“ ist. Das Handeln der Frauen wird nachvollziehbar gemacht, egal ob man nun als Leser/in damit einverstanden ist oder nicht.

Ein psychologisch sehr fein beobachteter Familienroman, der von der ersten bis zur letzten Seite fesselt und bewegt.

Elvira Hanemann

zum Produkt € 22,00*

Herr Kato spielt Familie
empfohlen von:

Elvira Hanemann

Elvira Hanemann

Herr Kato spielt Familie

gebunden

Milena Michiko Flasar
Herr Kato spielt Familie

Wagenbach Verlag 20 €

Milena Michiko Flasar, 1980 in St. Pölten als Tochter einer japanischen Mutter und eines österreichischen Vaters geboren, hat in Wien und Berlin Komparatistik, Germanistik und Romanistik studiert. Nach ihrem schönen, ebenfalls im Wagenbach Verlag erschienenen „Ich nannte ihn Krawatte“ legt sie nun ihren neuen Roman vor.

Herr Kato lebt mit seiner Frau alleine in ihrem schönen Haus irgendwo in Japan auf dem Hügel, die Kinder sind aus dem Haus, er ist in Rente und weiß wenig mit sich anzufangen. Den Plan, mit seiner Frau nach Paris zu fahren verschiebt er immer weiter, die Träume von einem kleinen weißen Spitz tauchen auf und ziehen vorbei und sein Vorhaben, den alten Kollegen Ito zu besuchen – ach ja, irgendwann mal…

Während Herr Kato eigentlich mehr oder weniger gar nichts macht, belegt seine Frau einen Tanzkurs und blüht auf, während er sich noch nicht mal dazu aufraffen kann, das alte Radio zu reparieren.

Eines Tages lernt er im Park Mie, eine junge Frau kennen, die ihn durch ihre entschlossene Art nahezu überrumpelt und ihn dazu bringt, als „Stand-In“, für ihre „Happy Family“ – Agentur zu arbeiten. Er wird dort schauspielern - als Ersatzgroßvater, als Hochzeitsgast oder als Ehemann, wo er „Familie spielt“ -für andere – während seine eigene Familie ihm immer fremder wird.
Mit stilistischer Leichtigkeit und heiterer Melancholie erzählt Flasar von unterschiedlichsten Schicksalen, von Menschen die zu wenig miteinander sprechen, zu vieles verschweigen und auch vom Älterwerden.

Ein warmes, einfühlsames, unaufgeregtes, zartes und sehr schönes Buch!

Elvira Hanemann

zum Produkt € 20,00*

Der Boxer
empfohlen von:

Elvira Hanemann

Elvira Hanemann

Der Boxer

gebunden

Die Buchhändlerin empfiehlt im April 2018

Szczepan Twardoch
"Der Boxer"

Übersetzer: Olaf Kühl
Rowohlt Verlag 22,95 €

Twardoch, geb. 1979, hatte seinen Durchbruch 2012 mit „Morphin“, für seinen Roman „Drach“ erhielt er den höchsten Literaturpreis Polens „Nike“.

Sein neuer Roman „Der Boxer“ bekommt nicht nur in den Feuilletons hervorragende Besprechungen, sondern kommt auch bei den Lesern sehr gut an. Kein Wunder, denn es handelt sich um ein Buch, das ich – einmal angefangen – nicht mehr aus der Hand legen konnte und wollte.

Die Geschichte spielt in Warschau des Jahres 1937, Jakub Shapiro ist ein großartiger Boxer, Jude, ein attraktiver Mann und Mitglied einer mafiösen Bande. Beim Eintreiben der Schutzgelder befolgt er die Anweisungen des „Paten“ und tötet Naum Bernstein, einen frommen Juden, der sich weigerte, Schutzgeld zu zahlen. Dessen halbwüchsiger Sohn – der Ich-Erzähler des Romans– wird jedoch in die Familie Shapiros aufgenommen.

Neben der eigentlichen Handlung, die sich Shapiros Leben, seiner Familie, der „Arbeit“, dem Boxen und seinen Liebschaften widmet, werden auch die politischen Kämpfe im Vorkriegs-Warschau dargestellt. Das Aufkommen der faschistischen Gruppen, das Festhalten der Sozialisten an ihren Idealen, der erstarkende Zionismus, aber auch die wie selbstverständlich erscheinenden Verbindungen quasi aller politischen Gruppierungen mit kriminellen Banden vermittelt uns Twardoch mit einer unglaublichen literarischen Kraft. Eine Atmosphäre des drohenden Unheils schwebt über der Stadt, man spürt geradezu die dunkle Wolke, die sich –nicht nur – über den polnischen Juden zusammenzieht.

Es gibt hier (nahezu) keine Guten, doch sehr viele Böse, sehr viel Gewalt und Brutalität. Auch wenn das an manchen Stellen fast zu intensiv ist, zieht einen das Buch dank seiner bildmächtigen Sprache, und des sinnlich-mitreißenden Stils absolut in seinen Bann.
Durch eine kluge Erzählperspektive entstehen dann noch einige überraschende Wendungen, die verblüffen und begeistern.
Szczepan Twardoch ist eine echte Entdeckung, ein Autor von hohem Format – literarisch anspruchsvoll und extrem spannend!

Elvira Hanemann

zum Produkt € 22,95*

Unter der Drachenwand
empfohlen von:

Elvira Hanemann

Elvira Hanemann

Unter der Drachenwand

gebunden

Die Buchhändlerin empfiehlt im März 2018:

Arno Geiger
Unter der Drachenwand
Hanser Verlag 26 €

Arno Geiger, geboren 1968 in Bregenz, arbeitete nach einem Studium der Deutschen Philologie, Alten Geschichte und Vergleichenden Literaturwissenschaft in Wien und Innsbruck als Videotechniker. Seit er 1996 zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb eingeladen wurde, ist er freier Schriftsteller. Mit „Es geht uns gut“ (2005) war er der erste Träger des Deutschen Buchpreises. Nach seinem großen Erfolg mit „Der alte König in seinem Exil“ und weiteren Büchern hat er nun wieder einen neuen Roman veröffentlicht.

Wir befinden uns im Jahre 1944 in einem kleinen österreichischen Ort namens Mondsee. Ein Ort gleich neben einem Berg, der Drachenwand.
Veit Kolbe, Soldat, kehrt wegen einer schweren Verwundung auf Urlaub aus dem Russlandeinsatz zurück nach Wien. Bei seiner Familie, überzeugten Nazis, hält er es nicht aus, er zieht aufs Land nach Mondsee. Er wartet auf das Ende des Krieges, doch er hat große Angst, wieder eingezogen zu werden.

Ein möbliertes Zimmer bei einer nur vom Endsieg faselnden Zimmerwirtin, zögerliche Kontakte zu einer Lehrerin eines nahegelegenen Schullandheims, Gespräche mit einer wachen Schülerin sowie eine scheue Freundschaft mit den gärtnernden Nachbarn, dem „Brasilianer“ prägen sein Leben dort. Seine Zimmernachbarin, eine junge Mutter, deren Mann im Krieg ist, wird seine Geliebte. Veit, immer wieder von traumatischen Kriegserinnerungen heimgesucht und gegen seine Depression ankämpfend, findet in dieser Liebe Trost und so etwas wie die Ahnung von Glück und einem guten Leben.
Absolut bemerkenswert ist Arno Geigers Kunst, aus Briefen, Tagebuchnotizen und anderen Aufzeichnungen einen so „wahren“ Roman entstehen zu lassen, der mich an manchen Stellen glauben macht, ich höre meine Großeltern und deren Zeitgenossen sprechen.

Er erzählt mit einer undramatisch daherkommenden Lakonie von der Absurdität des Krieges, die gerade wegen des nüchternen Tons unheimlich berührt.

Ich fand Geiger schon immer gut, aber dieses Buch ist nochmal um vieles besser als alles was er bisher geschrieben hat. Ein echtes Meisterwerk!
Elvira Hanemann

zum Produkt € 26,00*

Exit West
empfohlen von:

Elvira Hanemann

Elvira Hanemann

Exit West

gebunden

Die Buchhändlerin empfiehlt im Februar 2018

Mohsin Hamid
Exit West
Übersetzt von Monika Köpfer
Dumont 22 €

Mohsin Hamid, geboren in Pakistan,lebte nach einem Harvard Studium in New York und London, heute wieder in Lahore. Nach seinen Romanen „Der Fundamentalist der keiner sein wollte“ und „So wirst du stinkreich im boomenden Asien“ legt er nun mit „Exit West“ ein beeindruckendes Buch vor, das ein grandioser Genremix aus Zukunftsroman, sozialem wie magischem Realismus und einer Liebesgeschichte darstellt.

Themen des Romans sind Flucht und Migration. In Nadjas und Saaeds fiktiven islamischen Land übernehmen Extremisten die Macht, ein schrecklicher Bürgerkrieg bricht aus. Die beiden fliehen, genauer gesagt sie gehen durch eine „schwarze Tür“, eine Tür wie wir sie aus Märchen kennen: man geht hindurch und landet in einer anderen Welt. Diesmal ist es Mykonos, später wird es London sein, noch später San Francisco.
Die ganze Welt ist auf den Beinen, durch massenhafte Migrationswanderungen verändert sich alles überall. Helfende und mitfühlende Menschen kommen vor, aber auch viele, die mit Hass und Gewalt auf die Fremden reagieren. Ebenso gibt es Flüchtlinge, die mit Fleiß und Kraft ein neues Leben aufbauen wollen, wie auch jene, die ihren Hass mitgebracht haben.

Hamid schreibt ruhig, ja elegant und liebevoll über unruhige und schlimme Zeiten. Er bringt uns Gefühle nahe, von denen wir hoffen, sie nicht selbst erleben zu müssen: die Angst vor Bomben und Schüssen, die Angst davor, seine Wohnung zerstört zu finden, vergewaltigt zu werden, sein Leben im Bürgerkrieg oder auf der Flucht zu verlieren, die Angst in den Zufluchtsorten unerwünscht zu sein und die Hoffnung, weiterleben zu dürfen.
Der Autor bleibt ganz nahe bei seinen Protagonisten, diesem ungleichen Paar, das sich trotz des Wissens, sich in der Fremde mehr denn je zu brauchen, immer weiter voneinander entfernt.

Ich bin fasziniert von der unvergleichlichen Art, wie Hamid sowohl leise Melancholie wie auch Trost und Hoffnung in diesen Roman, der vom Thema her auch einfach nur schrecklich und traurig sein könnte, mit einfließen lässt.

Ein richtig großer Roman!

Elvira Hanemann

zum Produkt € 22,00*

Irgendwas mit Internet
empfohlen von:

Elvira Hanemann

Elvira Hanemann

Irgendwas mit Internet

gebunden

Die Buchhändlerin empfiehlt im Januar 2018

Markus Dirr & Luis Hanemann
Irgendwas mit Internet

Hanser Fachbuchverlag 30 €

Wie viele von Ihnen schon durch unsere Einladung zur Buchvorstellung am 10. Januar wissen, hat unser Sohn Luis gemeinsam mit Markus Dirr ein Buch geschrieben. Wir freuen uns sehr darüber und möchten natürlich auch gerne zur Verbreitung und zum Bekanntwerden dieses Buches beitragen.

Es ist uns bewusst, dass wir normalerweise keine Wirtschaftsfachbücher hier vorstellen und dass wir sie sonst auch nicht im Programm haben. Wir sind ja vorwiegend eine belletristische Buchhandlung. Aber eben nicht nur! Und wer sagt denn, dass es nicht auch unter Ihnen Menschen gibt, die sich für die Digitalisierung der Wirtschaft interessieren?

Deshalb erlauben wir uns, diesmal „Irgendwas mit Internet – Mit der 45 Min.-Toolbox auf die digitale Erfolgsspur“ als Buch des Monats vorzustellen.
Dr. Markus Dir und Luis Hanemann sind jeweils seit gut 17 Jahren im digitalen Marketing tätig. Sei es als Gründer, Firmenpartner oder als Führungskräfte und als Investoren. Als anerkannte Experten der Zukunftsthemen Change Management und Online-Marketing sind sie gefragte Ansprechpartner.

Das Buch stellt sich die Frage wie Unternehmen digital erfolgreich – oder auch erfolgreicher – werden können. Dafür muss erst einmal eine Bestandsaufnahme gemacht werden „Wo stehen wir?“ .
Danach wird auf die Frage „Wo wollen wir eigentlich hin, was ist unser Ziel?“ eingegangen um mit möglichen Antworten zu schließen: „Was müssen wir tun?“

In übersichtlichen und klar aufgeteilten Kapiteln wird beispielsweise erklärt wie man eine „Activity Map“ (ein Netz-Diagramm) aufbaut und wie sie funktioniert oder wie man durch kluge Nutzung von Plattform-Ökonomie andere zu beiderlei Nutzen für sich arbeiten lässt. Beispiele finden sich auch dafür, wie Netzwerke als Wachstumskatalysator genutzt werden können oder wie man durch ein verändertes Mindset auf sinnvolle neue Ideen kommt.

Ein Buch, das sich an Unternehmen verschiedenster Größe, an Verantwortliche in Unternehmen, an Start-Ups wie auch an interessierte Laien richtet.

Elvira Hanemann

zum Produkt € 30,00*

Zeithain
empfohlen von:

Elvira Hanemann

Elvira Hanemann

Zeithain

gebunden

Die Buchhändlerin empfiehlt im Dezember 2017

Michael Roes
Zeithain
Schöffling Verlag 28 €

Michael Roes ist kein Unbekannter mehr, immerhin ist dies sein zwölfter Roman, doch der ganz große Durchbruch ist bisher ausgeblieben. Ich würde ihm wünschen, dass er mit diesem Roman kommt!

Es geht um Hans Hermann von Katte, den Jugendfreund Friedrichs des Großen. Man erinnert sich: Friedrich war ein sensibler junger Mann, der unglaublich unter seinem strengen Vater litt. Gemeinsam mit seinem Freund Katte möchte er, während eine Militärparade in Zeithain stattfindet, die -so hoffen die beiden – den Vater ablenkt – ins Ausland fliehen. Doch es kommt zur Entdeckung und Katte wird vor den Augen Friedrichs hingerichtet. Dieses einschneidende Erlebnis traumatisiert und verändert Friedrich für immer.

Roes lässt diese historischen Abläufe aus dem Blickwinkel Philip Stanhopes, eines Nachfahren Kattes erzählen. Dieser findet alte Briefe einer Tante, diese bringen ihn dazu, die Orte des Dramas aus dem 18. Jahrhundert aufzusuchen und die alte Geschichte zu rekonstruieren.

Der Autor hat sehr viel und genau recherchiert, doch handelt es sich keineswegs um eine historische Biografie. Viel zu sehr fühlt er sich in sein Romanpersonal ein, verleiht ihm persönliche Gedanken, Gefühle und Tiefe. Manches im Roman ist auch ein wenig surreal, anderes wiederum sehr deftig, gerade was Körperliches anbelangt. Homoerotische Beziehungen waren damals zwar natürlich genau so verbreitet wie heute, aber nur mit sehr viel mehr Unterdrückung und Heimlichkeiten möglich. Wenn es um so in der Öffentlichkeit stehende Persönlichkeiten ging wie hier, dann war das einfach „unmöglich“.

Michael Roes schreibt die Geschichte aus vielen verschiedenen Perspektiven, seine Sprache ist großartig! Wie er nahtlos hin- und herwechselt zwischen einem eleganten, der damaligen Zeit angepassten kunstvollen Stil und rauem authentischem Jetztzeitjargon, kann ich nur bewundern.

Ein großes absolut überzeugendes Buch!

Elvira Hanemann

zum Produkt € 28,00*

Tyll
empfohlen von:

Elvira Hanemann

Elvira Hanemann

Tyll

gebunden

Die Buchhändlerin empfiehlt im November 2017

Daniel Kehlmann „Tyll“
Rowohlt Verlag
22,95 €

Daniel Kehlmann wurde 1975 in Wien geboren, er studierte Germanistik und Philosophie. Man muss ihn spätestens seit seinem bahnbrechenden Erfolg von „Die Vermessung der Welt“ (2005) niemandem mehr vorstellen. Kehlmann schreibt Romane, Erzählungen, Essays, Vorlesungen und literaturwissenschaftliche Beiträge. Er ist einer der renommiertesten Vertreter der Gegenwartsliteratur.

In seinem neuen Roman spielt Tyll Ulenspiegel die Hauptrolle. Doch schon damit verblüfft uns der Autor, denn der echte Eulenspiegel, falls es ihn wirklich gegeben hat, lebte der Überlieferung nach im frühen 14. Jahrhundert. Kehlmann versetzt ihn aber in den 30-jährigen Krieg, also ins 17. Jahrhundert. Er richtet sich damit nach nach dem weniger bekannten Charles de Costers „Ulenspiegel“

Er erzählt von Leiden, Verfolgung, Inquisition, Hexenjagden, von Folter, Hunger, tiefster Armut, politischen Intrigen, Machtkämpfen und immer wieder von Krieg, Krieg, Krieg.

Der kleine Tyll, Sohn eines für seinen Stand viel zu wissensdurstigen Müllers, muss seine Heimat verlassen, nachdem sein Vater als Ketzer von der Inquisition hingerichtet und seine Mutter vertrieben wurde. Er flieht gemeinsam mit Nele, einem Mädchen aus dem Dorf, die ihm früh schon zugeraten hatte, seine Seiltanzversuche ja nicht aufzugeben, denn es sei immer gut, etwas zu haben, was einen von anderen unterscheidet.
Gemeinsam mit Nele schlägt er sich durch, sie schließen sich Gauklern und dem fahrenden Volk an, Tyll wird bald berühmt und berüchtigt im ganzen Land. Sein unwahrscheinliches Geschick und seine Tricks bringen die Menschen zum Lachen - und das haben sie in diesen bitteren Zeiten mehr als alles andere nötig.
Wir lernen den „Winterkönig“ Friedrich von der Pfalz und seine Frau Elizabeth Stuart kennen , auch Gustav Adolf, den Schwedenkönig und viele andere historische Persönlichkeiten, immer aber auch arme Leute wie Soldaten oder Bergarbeiter. Tyll selbst bleibt ein höchst interessanter und rätselhafter Charakter.
Wer sich einen historischen Aufklärungsroman erhofft, wird möglicherweise unzufrieden sein mit „Tyll“, man „erfährt“ zu wenig über den 30-jährigen Krieg (doch es gibt ja gute Sachbücher darüber). Wer sich jedoch einen packenden, klug konstruierten, gewitzt und elegant geschriebenen Roman erhofft, den man absolut nicht mehr aus der Hand legen mag, der ist hier bestens bedient.
Ein großes Lesevergnügen!

Elvira Hanemann

zum Produkt € 22,95*

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