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In diesem bislang unveröffentlichten und umfassenden Vortrag von 1989 stellt Badiou die Frage, ob die Psychoanalyse philosophische Grundlagen hat, nicht um sie zu beantworten, sondern um sie zu unterlaufen: Wäre dies der Fall, wäre die Psychoanalyse selbst nichts anderes als Philosophie - und hätte damit ihren eigenen Einsatzpunkt verfehlt.
Anders als zu anderen Gelegenheiten liefert dies jedoch nicht den Auftakt zu einer Erörterung der Psychoanalyse als Anti-Philosophie, wie sie vermeintlich von Jacques Lacan vertreten würde. In Auseinandersetzung mit Lacans Ontologie, die das Subjekt zwischen Buchstaben (lettre) und Ankunft (avènement) verortet, erwägt Badiou stattdessen die minimalen Rahmenbedingungen eines 'Friedensvertrags' zwischen Philosophie und Psychoanalyse. Auch wenn er einen solchen Friedensschluss letztlich verwirft, kommt er dabei zu dem überraschenden Schluss: 'Wenn das die Psychoanalyse ist, dann ist [Lacans] Philosophie eine, die mit der meinigen übereinstimmt.'
In einem ausführlichen Nachwort nimmt Lorenzo Chiesa diesen einmaligen Vorstoß Badious ernst und begreift ihn als wegweisend für die Zukunft der Psychoanalyse. Er entdeckt darin nicht weniger als ein Programm, eine Philosophie zu entwerfen, die es vermag, unter der Bedingung der Psychoanalyse zu stehen: eine Philosophie, die, wie Lacan sagt, nun auf ihren Füßen stünde.