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Die Moderne hat vielfache Entschuldungen entwickelt: Soziale, psychologische, pathologische, gesellschaftspolitische Schranken engen den Entscheidungsraum und damit die Schuld des Handelnden ein oder verstellen sie sogar gänzlich. Auch unter naturwissenschaftlichen Vorzeichen wird eine Schuldfähigkeit des Menschen bestritten: Handeln, Fühlen, Denken seien neurobiologisch festgelegt. Dem stehen jedoch Argumente einer grundsätzlichen Schuldfähigkeit des Menschen gegenüber - sogar bei verminderter Freiheit. Ist Verminderung von Freiheit vielleicht selbst schon ein Anzeichen von (eigener oder fremder) Schuld? Als denkbare Lösung wird ein Wortspiel ausgeleuchtet: Im Absoluten gibt es Absolution. Vergebung als "reine Gabe" wurde zu Beginn des neuen Millenniums eingefordert. Was kann das heißen, und wer spricht die Gabe zu? "Gibt es" die Verzeihung des Unverzeihlichen nicht nur als Spiegelung des (vergeblich) Erhofften? Was ändert Vergebung am Geschehen und für die Opfer, wirklich und wirksam? Und ist Reue eine "Bedingung" - aber hebt sie die "reine Vergebung" dann nicht wieder auf? Ein Sturzbach an Fragen also, die in eine nachdenkliche Tiefe verfolgt werden.
Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, 1993-2011 Inhaberin des Lehrstuhls für Religionsphilosophie und vergleichende Religionswissenschaft an der TU Dresden, 2011-2026 Vorstand des Europäischen Instituts für Philosophie und Religion" (EUPHRat) an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. im Stift Heiligenkreuz/Wienerwald
I Währende Schuld? Einleitung 1. Zum Drama von Opfer und Täter im 20. Jahrhundert 2. Rückkehr der Schuld in das Gespräch 3. Methodisches Vorantasten: Über Mythen, Religionen, philosophische Reflexion
II Landschaften? Zu einem ungewöhnlichen Topos 4. Landschaft und Seelenraum in Philosophie und Dichtung 5. Mythische Landschaften: Von den Inseln der Verfehlung zu den Bergen des Heils 6. Die neuzeitliche Entdeckung von Landschaft: Petrarca gegenüber Dante 7. Landschaft und Zeit-Raum 8. Wüste, Landschaft des Adieu: Jacques Derrida
III Landschaften der Schuld 9. "Große Erzählungen" 10. Der Garten: Selbstüberhebung zur Gottgleichheit 11. Der Acker: Selbstdurchsetzung im Brudermord 12. Die Stadt: Selbstherrlichkeit des Kollektivs
IV Vertiefungen: Spielraum zwischen Schuld und Sünde 13. Schuld als tödliche Beziehungslosigkeit: Der jüdische Schuldmythos 14. Exkurs: Was der Fall ist. Eine klassisch-theologische Auslegung: Hildegard von Bingen 15. Die Bergpredigt Jesu: Neuer Horizont der Schuld und Schuldfreiheit 16. Befleckung der Schöpfung: Kosmisches Schuldverhängnis durch den menschlichen Fall? 17. Leidwesen gleich Schuldwesen? 18. Dasein selbst als Schuld: ontisch 19. Vormoralische Schuldigkeit gegenüber der Herkunft: "Erbschuld" des Lebens 20. Individuelle moralische Täterschuld: Sünde 21. Dasein als Habe oder als Gabe? Das Auftauchen der Sünde aus der Schuld
V Gegenreden gegen die Schuld des Menschen 22. Erste Gegenrede: Nur eingebildete Schuld? 23. Zweite Gegenrede: "Notwendigkeit" der Erbsünde für die Entwicklung? 24. Dritte Gegenrede: Schuld Gottes? 25. Vierte Gegenrede: Schuld als Ausdruck menschlicher Verkümmerung? Friedrich Nietzsche (Moral selbst als Quelle von Schuld; Die Rückholung des Göttlichen auf die schuldlose Erde)
VI Gegenfragen, weitergedacht 26. Kein Verschuldetsein, keine Gabe: Vom Stillstand des Lebendigen 27. Schuld und Freiheit 28. Schuld als Selbstverschließung ins Nichts: Romano Guardini 29. Die Schuld Babels, oder: Sakralisierung von Politik: Simone Weil (Die Versuchung des "Großen Tieres": Kollektive Selbstanbetung; Gemeinschaft aus dem Übernatürlichen)
VII Rache und Reue im Widerstreit um die Gerechtigkeit? 30. Rache als triebhafte Gerechtigkeit 31. Reue: "Mittlerin" zur Gerechtigkeit? (Erste Einkreisung; Reue: Ausdruck von Freiheit) 32. Gewissen: Kognitives Werkzeug der Reue (Frühe Schritte zum Gewissen: Griechenland; Genealogie des "Herzens" aus der Vergebung: Altes Testament; Entlarvung des Gewissens, Sinnlosigkeit der Reue?; Friedrich Nietzsche und Sigmund Freud; Wandlung der Reue in Sorge: Martin Heidegger; Gegenrede: Romano Guardini; Herzraum Personalität) 33. Reue und Gerechtigkeit
VIII Vor der Vergebung: die Unvordenklichkeit der Gabe 34. Freilegungen 35. Von der Urgabe des Daseins: Michel Henry (Leben als Sich-Gegebensein; Leben als Selbstand; Nächtiger Kern des Lebens: Sprung aus dem Ursprung; Der Unterschied zwischen Henrys 'Leben' und Nietzsches 'Selbstbehauptung'; Simulation: das besessene Leben)
IX Das Umsonst der Vergebung 36. Nachlaß, Vergebung und Verzeihung: Unterscheidungen 37. Die Gabe von oben und das Umsonst der Gabe: Sören Kierkegaard 38. Der anklagende und feststellende Blick 39. Der übersehende und vergebende Blick
X Verzeihung des Unverzeihlichen? 40. Die reine Gabe: Jacques Derrida (Die Grenzen der Tauschlogik von Geben und Wiedergeben; Gabe ohne Rückgabe) 41. Die reine Vergebung 42. Exkurs: Gerechtigkeit für die Opfer? Jürgen Habermas
XI Von der Gabe zum Geber 43. Kontrastbeziehung zwischen Philosophie und Theologie ("Vernünftigkeit" der Offenbarung: pro und contra; Transrationalität des Glaubens) 44. Aufklärung über den Mangel der Aufklärung 45. Von der Gabe zum Geber 46. Auch Nehmen ist Geben: Meister Eckhart (Einheit von Armut und Reichtum; Wechsel von Mein zu Dein; Einheit von Handeln und Erleiden)
XII Nur im Absoluten gibt es Absolution 47. Ungültigkeit der Geschichte? 48. Die Rücksendung der Schuld
XIII Landschaften der Vergebung: Große Erzählungen 49. Wüste: Von der Landschaft des Abfalls zur Landschaft der Verwandlung 50. Entsühnung des Kosmos und Antwort auf Babel: Vom Garten zur Stadt 51. Der Fluß: Das Abwaschen der Schuld am Schuldlosen 52. Nochmals der Garten: Ostermorgen
XIV Vergebung: größer als die Schöpfung 54. Vom ersten zum achten Tag 55. Schuld gibt es nur, wo es Vergebung gibt, oder: Felix culpa
Literaturverzeichnis Personenregister