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Welche Rolle spielt Sokrates für die deutschsprachige Aufklärung? Die vorliegende Monographie untersucht erstmals systematisch den Sokratismus als literarisches und poetologisches Phänomen der Aufklärung. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Figur des Sokrates von Autoren des 18. Jahrhunderts aufgegriffen, umgeformt und für unterschiedliche ästhetische, anthropologische und erkenntnistheoretische Fragestellungen produktiv gemacht wird. Die Studie zeigt, dass sich die Aufklärung in einem Spannungsverhältnis bewegt: Einerseits sucht sie ihre Legitimation im Rückgriff auf die Antike und insbesondere auf Sokrates, andererseits ringt sie um ihre eigene geistige Selbstständigkeit und emanzipiert sich zunehmend von ihren antiken Referenzmodellen. Sokrates wird dadurch nicht nur zum philosophischen Vorbild, sondern zu einer poetologischen Modellfigur, an der die Epoche ihre eigenen Ziele, Möglichkeiten und Grenzen reflektiert. So erscheint die Geschichte der deutschsprachigen Aufklärung aus der Perspektive des Sokratismus in einem neuen Zusammenhang. Die Monographie eröffnet damit einen neuen Zugang zum Verhältnis von Literatur, Philosophie und Aufklärung und leistet einen neuen, grundlegenden Beitrag zur Literatur- und Aufklärungsforschung.
Hannes Mittermaier, Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), München.