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Eine singuläre weibliche Stimme, die das Leben selbst zur Sprache brachte und unbeirrbar ihren eigenen Weg ging. Das Prag der Dreißigerjahre war für viele Künstler die erste Station des Exils. Für Lenka Reinerová ist es die Stadt ihrer Jugend - eine Stadt der Theater und Kundgebungen, in der der drohende Krieg die Energie der Jungen bis zum Äußersten steigert. Mit sechzehn besucht sie nach der Arbeit als Schreibkraft Versammlungen und entlockt Erich Kästner die Erlaubnis, sein 'Pünktchen und Anton' mit ihrer Theatergruppe zu inszenieren, weil ihr die Aufführung im Neuen Deutschen Theater zu 'schal' war. Und sie spricht ungewöhnlich offen über eine der großen Lieben ihres Lebens: den Schauspieler Wolfgang Langhoff, der bereits verheiratet ist, als sie ihn kennenlernt. Die Erzählung führt durch ihre Haft im französischen Exil und mündet Jahrzehnte später in einen Premierenabend mit Jean-Paul Sartre. Noch vor der Pause verändert sich die Welt erneut: In den USA wird John F. Kennedy erschossen.
Lenka Reinerová wurde 1916 als Tochter eines Prager Eisenwarenhändlers und einer Deutschböhmin in einer jüdischen Familie geboren. Seit 1936 arbeitete sie für die Arbeiter-Illustrierte-Zeitung. 1939 floh sie nach Frankreich, wo sie interniert wurde, und entkam über Marokko nach Mexiko. Nach Kriegsende kehrte sie nach Prag zurück. Als Opfer der stalinistischen Säuberungen verbrachte sie fünfzehn Monate in Untersuchungshaft, wurde anschließend mit ihrer Familie in die Provinz abgeschoben und erst 1964 rehabilitiert. Nach dem Ende des Prager Frühlings 1968 bekam sie Schreibverbot und verlor ihre Stelle in einem Verlag, 1999 erhielt sie den Schillerring der Deutschen Schillerstiftung. 2002 wurde sie Ehrenbürgerin ihrer Heimatstadt. Sie starb 2008 in Prag.