Blick ins Buch

Melchior Palágyi

Melchior (Menyhért) Palágyi. Politische Philosophie / Gespräche mit Palágyi

Herausgegeben von Heiko Heublein und eingeleitet von László Székely. 21,0 cm / 14,8 cm / 1,4 cm ( B/H/T )
Buch (Softcover), 252 Seiten
EAN 9783948958251
Veröffentlicht Februar 2026
Verlag/Hersteller Igel Verlag
€ 28,00 inkl. MwSt.
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Beschreibung

Nach seinen Werken zur Logik, Erkenntnistheorie und Wahrnehmungslehre wendete er sich für einige Jahre, ab ca. 1908, gesellschaftsphilosophischen und politischen Überlegungen zu. Palágyi überträgt seinen Vitalismus und seine "monistische Polaritätsphilosophie" auf seine Gesellschaftsphilosophie. "Monismus" steht dabei für das, trotz unendlicher Fortschrittsfähigkeit des menschlichen Bewusstseins, nie erreichbare Ziel vollendeter Harmonie und für ein Erkenntnisstreben, das an klassische Metaphysik erinnert. Das Polaritätsdenken ermöglicht eine Fülle von erhellenden Unterscheidungen und die Betrachtung des Ineinanderverwobenseins der Gegensätze, ohne die gleichsam organisch verbundenen Pole auseinanderzureißen. In der Vorrede zur zweiten Auflage seiner "Naturphilosophischen Vorlesungen" (1924) schreibt Palágyi: "Man sieht also, daß mein Denken von der mangelhaften Polarität des Menschen ausgeht und in die vollendete kosmische Polarität einmündet." So ist sein Werk, trotz ausgeprägter Skepsis und Desillusioniertheit, von einem deutlichen vitalistischen Wissenschaftsoptimismus geprägt.
Im Licht seiner monistischen Polaritätsphilosophie erscheint jede politische/philosophische Ideologie als eine zum System erhobene Einseitigkeit und zum System erhobener Selbstwiderspruch. Diese haben fatale Auswirkungen für die Menschheit, sofern sie in die Realität umgesetzt werden. In seinem Essay "Philosophie des nationalen Gedanken" (1908) entwickelt er die polare Beziehung von Nation und Völkersystem. Die Nationen stehen in einem Verhältnis von Konkurrenz und Solidarität. Der Nationenbegriff wird deutlich positiv gefasst. Eine Nation soll sich nicht in chauvinistischer Überheblichkeit über andere stellen, aber jede Nation wird als eine Gemeinschaft gesehen, die sich auf ihre individuelle Art und Weise bemüht, stellvertretend alle Probleme der Menschheit zu lösen. Nur dadurch sei ein Beitrag einer Nation zum Menschheitsfortschritt möglich. Palágyi sieht eine sich gegenseitig durchdringende Einheit von nationaler Existenz und universeller Menschheit bzw. europäischem Völkersystem. Revolutionäre Bewegungen, die demokratische Nationalstaaten mitgeschaffen haben, werden bejaht. Dagegen steht seine radikale Ablehnung von Ideologien, deren Weltanschauung auf falschen Gegensätzen beruhen, wie dem von sich ausschließender europäischer und nationaler Verpflichtung. Seit er denken könne, sei er ein Gegner von chauvinistischer und imperialistischer Politik gewesen. Praktisch zeigt Palágyi das in seinen während des Ersten Weltkrieges publizierten Aufsätzen (Die Krise der europäischen Zivilisation). Im Gegensatz zu anderen bedeutenden Wissenschaftlern lässt sich Palágyi in dieser Zeit nicht von einem sich euphorisch-idealistisch gegebenden Patriotismus, bzw. brutalem Chauvinismus anstecken. Seine Kritik ist stets mit einer konstruktiven Skizze seiner Gesellschaftsphilosophie verbunden, z.B. im Antwortschreiben an den französischen Schriftsteller und Ökonomen Alfred de Tarde (1880-1925).
1909 veröffentlichte Palágyi seine Studie "Marx und seine Lehre" (hier um ca. 1/3 gekürzt). Palágyi verwirft in dieser Marxismuskritik die Theorie des Klassenkampfes und einen einseitigen wirtschaftlichen Materialismus, dessen entmenschlichende Züge er scharf vorausgesehen hat. Er spürt der subjektiven Psychologie von Marx nach und legt Selbstwidersprüche in seinem Begriffssystem dar, die für Palágyi die logische Grundlage der zerstörerischen Seite des Marxismus bilden. Er stellt die Wirkung der Französischen Revolution auf Marx- Philosophie dar, sowie den doppelten Charakter der Französischen Revolution von 1789. Im letzten Abschnitt skizziert Palágyi wieder einige Grundlagen eines noch zu schaffenden Gesellschaftsbildes, das Geist und Seele des Menschen und die Vielfalt der konstruktiven Kräfte berücksichtigt. Neben dem monumental begabten, aber in Palágyis Auffassung zerstörerischem Marx sieht er Ferdinand Lassalle (Lassalle und die Sozialisten, 1913) als überragenden Vertreter eines menschlich-konstruktiven, verbürgerlichten Sozialismus. Nicht das Postulat des Klassenkampfes (als falsche Gleichsetzung von Zerstörung mit konstruktiver Schöpfung) habe dieser vertreten, sondern eine Art ethischer Selbstprüfung des Arbeiterstandes gefordert, ob dieser der Aufgabe gewachsen sei, die Führung bei Erneuerung und Aufbau der Nationen zu übernehmen.

Portrait

Melchior (Menyhért / Menachem) Palágyi (ursprünglich Silberstein), ungarischer Philosoph und Mathematiker jüdischer Herkunft. Bis 1900 vielfältige publizistische Tätigkeit in Ungarn, ab 1900 großenteils auf deutsch verfasste philosophische Schriften, lebte ab 1900 in Halle, Frankfurt am Main, Darmstadt.

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