Wolfgang Kubin

Das Buch der Zähren.

Swatower Oden, Wiener Elegien. Empfohlen von 16 bis 99 Jahre. Illustrationen. 20,4 cm / 12,9 cm / 1,4 cm ( B/H/T )
Buch (Hardcover), 92 Seiten
EAN 9783991140412
Veröffentlicht Oktober 2023
Verlag/Hersteller BACOPA Verlag

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19,99
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Beschreibung

Das Wort vor dem Wort
Wenn ich einmal mehr eine Form behaupte, die ich gar nicht streng einhalte, was soll dann ihr Name? Eine Orientierung. Alles muß einen, wenn auch flüchtigen Halt haben, selbst wenn dieser brüchig wird. Ich habe mich in der Vergangenheit bereits an Balladen, Hymnen, Sonetten und weiter an Elegien versucht. Nun nehmen die Oden vorlieb und danach nochmals Elegien? Ja, so scheint es. Das griechische Wort Ode heißt zunächst nichts anderes als Lied, es war Gesang, ohne Endreim und nach strenger Metrik verfaßt. Ich liebe den Stabreim. Insofern waren und sind eigentlich alle meine Gedichte gereimt, also selbst die, welche mit freien Versen daherschweben. Da bin ich weiter ein alter Germane. Typisch für die griechische und lateinische Ode ist das Lob bzw. die Besingung von etwas Konkretem. In meinem Fall zum Beispiel der Preis der Bülbüls (Sperlinge) von Swatow. Swatow, so lautet die alte Schreibung für Shantou, der Hafenstadt in Südwestchina, wo ich seit Jahren zuhause bin. Oder zum Beispiel die Rühmung der Bauhinien, der Orchideenbäume (Bauhinia), launisch verbreitet bis nach Hongkong. Diese werfen üppig ihre farbigen Blätter von sich, so daß man auf den Wegen der paradiesischen Universität Shantou fast über sie steigen muß, um bei Regen nicht auszugleiten. In der chinesischen Literatur mag es für die Besingung der schönen Dinge dieser Welt bereits Vorläufer gegeben haben, denn an den aristokratischen Höfen des Mittelalters (220-960) besangen die Dichter anläßlich von Banketten das Wohl der einzelnen Naturerscheinung. Hierzu scheint die Elegie als Klagelied in einem Gegensatz zu stehen. Ideal und Wirklichkeit fallen bei ihr bekanntlich auseinander. Wir können das ähnlich bei den Liedern des Südens (Chuci) in China sehen. Um 300 v. Chr. beseufzen die Dichter eine Loslösung des Religiösen vom Gesellschaftlichen. Der Philosoph Mo Zi (etwa 479-381) hatte zuvor gemeint, alles Unglück entstehe aus der Vernachlässigung der Götter. Überhaupt soll die Elegie aus Asien nach Griechenland gekommen sein. Auffällig ist jedenfalls die Verwandtschaft der Thematik: Der Wein und der Tod, der Krieg und das Leid, das schwere Grab und des Lebens leichte Kürze. Auch hier spricht man von Friedhofselegien. Doch die sehnlichst erwartete Göttin, ob in Gestalt einer Fee oder in der Form einer Menschin hebt den poetischen Ton. Die Oden haben hauptsächlich die Vogelgärten der Universität Shantou zum Gegenstand, die Elegien verweilen nicht immer bei Wien, der Hauptstadt der Melancholie. Sie folgen der Traurigkeit der Ströme in den Norden und machen sich am Geschick junger Mädchenblüte fest. Ob Drachenfels oder Drachenburg, das Siebengebirge mischte sich begierig ein. So oder so sind die Texte nicht erdacht, sondern zwischen September 2021 und Pfingsten 2022 aus der leidmütigen Geschichte sowie aus der lebhaften Gegenwart entstanden. Damit erklärt sich manch leichte Ironie. Zum ersten Mal folgen die Gesänge chronologisch aufeinander, sind, so traurig wie übermütig, aus jeweils einem Guß. Corona war ihr Hintergrund, ob in Shantou Ende des letzten Jahres oder in Bonn Anfang der Zeitenwende erarbeitet. Jede Strophe verlangte ihre tiefe Nacht vor dem zeitigen Morgen.
Wolfgang Kubin, Pfingsten 2022 in Holzlar am Fuße des Ennert

Portrait

Wolfgang Kubin (chin. Gu Bin), geb. 1945 in Celle, arbeitet und lehrt seit 2011 als Senior Professor erst in Peking, nun in Shantou. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit übersetzt und schreibt er Lyrik, Essays, Erzählungen. Er hat viele Preise in China und Deutschland gewonnen.

Inhaltsverzeichnis

Wenn ich einmal mehr eine Form behaupte, die ich gar nicht streng einhalte, was soll dann ihr Name? Eine Orientierung. Alles muß einen, wenn auch flüchtigen Halt haben, selbst wenn dieser brüchig wird. Ich habe mich in der Vergangenheit bereits an Balladen, Hymnen, Sonetten und weiter an Elegien versucht. Nun nehmen die Oden vorlieb und danach nochmals Elegien? Ja, so scheint es. Das griechische Wort Ode heißt zunächst nichts anderes als Lied, es war Gesang, ohne Endreim und nach strenger Metrik verfaßt. Ich liebe den Stabreim. Insofern waren und sind eigentlich alle meine Gedichte gereimt, also selbst die, welche mit freien Versen daherschweben. Da bin ich weiter ein alter Germane. Typisch für die griechische und lateinische Ode ist das Lob bzw. die Besingung von etwas Konkretem. In meinem Fall zum Beispiel der Preis der Bülbüls (Sperlinge) von Swatow. Swatow, so lautet die alte Schreibung für Shantou, der Hafenstadt in Südwestchina, wo ich seit Jahren zuhause bin. Oder zum Beispiel die Rühmung der Bauhinien, der Orchideenbäume (Bauhinia), launisch verbreitet bis nach Hongkong. Diese werfen üppig ihre farbigen Blätter von sich, so daß man auf den Wegen der paradiesischen Universität Shantou fast über sie steigen muß, um bei Regen nicht auszugleiten. In der chinesischen Literatur mag es für die Besingung der schönen Dinge dieser Welt bereits Vorläufer gegeben haben, denn an den aristokratischen Höfen des Mittelalters (220-960) besangen die Dichter anläßlich von Banketten das Wohl der einzelnen Naturerscheinung. Hierzu scheint die Elegie als Klagelied in einem Gegensatz zu stehen. Ideal und Wirklichkeit fallen bei ihr bekanntlich auseinander. Wir können das ähnlich bei den Liedern des Südens (Chuci) in China sehen. Um 300 v. Chr. beseufzen die Dichter eine Loslösung des Religiösen vom Gesellschaftlichen. Der Philosoph Mo Zi (etwa 479-381) hatte zuvor gemeint, alles Unglück entstehe aus der Vernachlässigung der Götter. Überhaupt soll die Elegie aus Asien nach Griechenland gekommen sein. Auffällig ist jedenfalls die Verwandtschaft der Thematik: Der Wein und der Tod, der Krieg und das Leid, das schwere Grab und des Lebens leichte Kürze. Auch hier spricht man von Friedhofselegien. Doch die sehnlichst erwartete Göttin, ob in Gestalt einer Fee oder in der Form einer Menschin hebt den poetischen Ton. Die Oden haben hauptsächlich die Vogelgärten der Universität Shantou zum Gegenstand, die Elegien verweilen nicht immer bei Wien, der Hauptstadt der Melancholie. Sie folgen der Traurigkeit der Ströme in den Norden und machen sich am Geschick junger Mädchenblüte fest. Ob Drachenfels oder Drachenburg, das Siebengebirge mischte sich begierig ein. So oder so sind die Texte nicht erdacht, sondern zwischen September 2021 und Pfingsten 2022 aus der leidmütigen Geschichte sowie aus der lebhaften Gegenwart entstanden. Damit erklärt sich manch leichte Ironie. Zum ersten Mal folgen die Gesänge chronologisch aufeinander, sind, so traurig wie übermütig, aus jeweils einem Guß. Corona war ihr Hintergrund, ob in Shantou Ende des letzten Jahres oder in Bonn Anfang der Zeitenwende erarbeitet. Jede Strophe verlangte ihre tiefe Nacht vor dem zeitigen Morgen.
Dem Verleger Walter Fehlinger ist zu danken, daß er einen Zusammenhang zwischen dem gewaltigen Maler Friedrich Zettl in Wien und dem gewaltigen Poeten aus Bonn entdeckt hat. Ob der eine oder der andere Künstler, beide stehen unter dem Einfluß des Taoismus und des Zen! So erklärt sich hier die Freundschaft einer neuen heiligen Dreieinigkeit.
Wolfgang Kubin, Pfingsten 2022 in Holzlar am Fuße des Ennert
Swatower Oden
Ode auf eine alte Brücke Der Trost und die Frau Chrysantheme und Schwert An eine früh Verstorbene Auf ein Totenbild Mit Xiao Xiao in den Bergen von Swatow Zurück zur Brücke Bauhinia Ode auf eine Glocke Tauben in Swatow Miradouro Ode auf der Muße Tee Das gewellte Buch Die Frau an der Seite, die Frau ohne Uhr Eine kleine Variation zur Uhr und zur Zeit Das neue Schenkenbuch Hier ist noch eine Die Unaussprechliche Weißer Lotos und schwarzer Schwan Seltsame Fragen Zwischen alter und neuer Akademie Mobile Dichter Bitterer Tee In einem kranken Haus Bauhinia und Seidenreiher Bauhinia. Eine kleine Variation Bauhinia. Eine Variation der Variation In einem buddhistischen Paradies
Wiener Elegien
Schloß der Träume Die Dame mit dem Fächer Julia in der Hofburg Reisebesteck. Eine Variation Schwarzes Band und bloßer Arm Zurück im Caf Museum Wiener Melange Eine Frau wie diese Die Frau und das Zimmer Neulich in Schönbrunn Auch dies sei ein Bild von ihr Der Ablaut und sein Reim Bad, bad Whiskey Auch sie Il distratto Sie nicht Der neue Weinberg Die Gäste sind da Drachenschloß und Drachenfels Julias neue Pilgerfahrt Die Legende von dem Model J. Göttliche Winde Spazierengehen in Poppelsdorf. Eine prosaische Variation

Hersteller
BACOPA Verlag
Waidern 42

AT - 4521 Schiedlberg

E-Mail: office@bacopa.at

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