Der Büchermarkt ist riesig: Hunderte Verlage bringen jeden Monat etliche Neuerscheinungen heraus. In diesem schier unendlichen Angebot die wirklich guten Bücher zu entdecken, ist manchmal gar nicht so leicht. Deswegen stellen wir Ihnen an dieser Stelle neue Literatur vor, die wir für besonders lesenswert halten - und auch tolle Bücher, die vielleicht schon etwas älter sind, uns aber trotzdem bewegen und die wir gern mit Ihnen teilen möchten.
Ein Hammer fällt vom Balkon in einer israelischen Stadt, ein Junge ist tot. Man beschuldigt den arabischen Handwerker, war das nicht ein Terroranschlag? Die Rachegelüste treiben die Leute im Viertel fast zu einem Mord, nur Naomi, die weiß, dass ein Unschuldiger im Gefängnis sitzt, schweigt. Wenig später bringt sie den Mut auf, die Wahrheit zu sagen, doch der Tod eines Menschen lastet auf ihr, das Gefühl, Leid und Hass heraufbeschworen zu haben.
Vor den Blicken der Nachbarn und den eigenen Schuldgefühlen flieht sie mit der Familie nach Nigeria, ihr Mann hat sich dort für einen Auslandseinsatz gemeldet. Beide möchten Abstand zu dem Geschehenen gewinnen, aber in Lagos toben Bandenkriege, Sicherheit für Nicht-Einheimische ist nur hinter hohen Mauern zu finden. In der kleinen Gemeinschaft israelischer Gleichgesinnter scheint das Leben noch schwieriger als im heimischen Viertel. Kann die reiche Nigerianerin Ayobami eine neue Freundin werden? Oder die Psychologin Noga, die sich um die Schreianfälle ihres Sohnes kümmern soll? Die alten Gewissensbisse bleiben, neue Probleme tauchen auf…
In diesem Buch wird der Leser in einem atemberaubenden Tempo hineingezogen in die gespaltene israelische Gesellschaft. Kleinste Unregelmäßigkeiten im Alltag lassen hier Schlimmes befürchten, die Suche nach Normalität ist eine Lebensaufgabe.
Die Autorin Ayelet Gundar-Goshen, selbst als Psychotherapeutin in Tel Aviv tätig, ist mit den Folgen traumatischer Erfahrungen vertraut. Packend wie schon in ihren vorigen Romanen erzählt sie vom Umgang mit Verantwortung, scheinbar unauflöslichen Widersprüchen und schicksalhaften Verstrickungen. Dabei zeigt sie bei aller Kritik an den politischen Umständen immer Verständnis für das zutiefst Menschliche in den Figuren ihrer Geschichte.
Wer mehr über das Innere des israelisch-palästinensischen Konfliktes erfahren will, lese dieses Buch!
zum Produkt € 25,00*
Liebhaber von feinem englischen Humor kommen bei diesem Krimi voll auf ihre Kosten!
Carol Quinn ist gestandene Serienmörderin, hat endlich ihre Strafe verbüßt und lebt nun - reichlich unspektakulär - in einem Seniorenheim. Doch ihre Hoffnung auf ein geruhsames Leben wird schnell enttäuscht. Denn es geschieht ein Mord im Haus, und natürlich fällt der Verdacht auf sie. Zu prägend scheint ihre Vergangenheit, zu wenig traut man ihr einen Neuanfang zu.
Notgedrungen beginnt Carol, auf ihre ganz eigene Weise zu ermitteln. Unterstützt wird sie dabei von Mitbewohnern, die auch keine unbeschriebenen Blätter sind: eine ehemalige Innenministerin, ein Kriminalkommissar und eine Pathologin. Gemeinsam bewegt sich die schräge Gruppe durch eine Geschichte, die weniger auf klassische Spannung setzt als auf ihre Figuren, die Dialoge und den schon erwähnten schwarzen Humor.
Was “Betreutes Morden” dabei besonders macht, ist der Ton. Fergus Craig erzählt ruhig, beinahe beiläufig, und lässt gerade dadurch die Absurdität der Situation umso stärker wirken. Zwischen skurrilen Begegnungen und pointierten Gesprächen blitzen immer wieder ernstere Gedanken auf: über Schuld, über Alter, über die Möglichkeit, dem eigenen Leben eine neue Richtung zu geben.
Das Seniorenheim wird dabei zur kleinen Welt im Großen - ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart unweigerlich aufeinandertreffen. Hinter der humorvollen Oberfläche verbirgt sich eine leise Melancholie, die dem Roman eine zusätzliche Tiefe verleiht.
Natürlich ist die Handlung nicht frei von Konstruktion, und wer minutiöse Polizeiarbeit erwartet, wird hier nicht fündig. Doch das ist auch gar nicht der Anspruch dieses Buches. Es geht vielmehr um Figuren, um Haltung, um das Spiel mit Erwartungen - und um die Frage, ob ein Mensch mehr ist als seine Geschichte.
Ich habe das Buch an zwei Tagen durchgelesen und mich keine Minute gelangweilt.
zum Produkt € 16,00*
Dieses Buch hat mich, wie man so sagt, entschleunigt. Es nimmt das Tempo heraus, spricht über den Alltag und meint die Welt als Ganzes. Mit dieser sehr philosophischen Haltung sind wir auch schon beim Helden des Romans, dem alten Matteo.
Der ist nämlich studierter Philosoph, eigenbrötlerisch und schroff. Zurückgezogen haust er in einer Gartenlaube auf der Südseite der Alpen, vom Leben erwartet er nichts mehr. Bis eines Tages ein gänsegroßer Vogel mit einem krummen Schnabel in seinem Garten steht. Das Tier gehört zur Gattung der Waldrappe (ja, die gibt es wirklich). Es schafft, was seit langer Zeit keinem Menschen mehr gelang: Matteo öffnet ihm sein Herz. Er tauft den Vogel auf den Namen Schopenhauer, pflegt ihn zusammen mit seiner Freundin Leyla gesund und spricht mit ihm wie mit einem menschlichen Gegenüber.
Doch eines Tages wird klar, dass sich schon einmal andere Menschen um Schopenhauer gekümmert haben müssen. Leyla entdeckt, dass er von einer Vogelstation nördlich der Alpen beringt wurde, dort gibt es offenbar viele seiner Art.
Matteo will den philosophischen Vogel trotzdem für sich behalten, aber dies widerspricht seiner grundlegenden Einstellung zur Freiheit allen Lebens. So macht sich unser Gelehrter widerstrebend mit seinem alten Rennrad auf den Weg, um den Waldrapp zurück ins Reservat zu bringen. Auf dem langen Weg dorthin wird der menschenscheue Alte nicht nur mit verschiedenen Problemen moderner Zivilisation konfrontiert, sondern auch mit den verdrängten Themen der eigenen Vergangenheit.
Der ernste Hintergrund dieser Geschichte: Wegen seines Fleisches wurde der Waldrapp so gut wie ausgerottet, sein natürlicher Lebensraum ist stark geschrumpft. Erst seit Mitte der 1990er-Jahre gibt es Wiederansiedelungsprojekte für die Tiere, dennoch steht die Art weiter auf der roten Liste der bedrohten Arten.
Tom Diesbrock hat mit diesem Roman ein herzerwärmendes Buch vorgelegt, das Reisebericht, Naturbeobachtung und Charaktererzählung miteinander verknüpft.
Sprachlich eher schlicht erzählt er eine Geschichte mit vielen philosophischen Einsprengseln, die nicht nur auf den Urlaub Lust macht, sondern auch auf den Frühling!
zum Produkt € 15,00*
Es ist eines der Bücher, die man wegen des Titels mitnimmt. "Stadt der Hunde" klingt ja erst mal nach Krimi oder nach irgendwas mit Straßenhunden in Südeuropa. Dieser Roman ist jedoch vielfältiger: düster, poetisch, politisch - genau die richtige Lektüre für einen Sommer, in dem man vielleicht nicht nur ausspannen, sondern auch denken will.
De Winter hat diesen eigenartigen Ton, irgendwo zwischen melancholischem Weltschmerz und einer fast filmischen Klarheit. Die Stadt in seinem Buch - Jerusalem - ist heiß, staubig, angespannt und das Drama entfaltet sich gleich zu Beginn.
Jaap, ein international anerkannter Gehirnchirurg, lebt allein in seinem riesigen Haus, seine Frau hat ihn verlassen, die einzige Tochter Lea ist vor Jahren auf einem Trip in der israelischen Wüste verschwunden. Auf der inzwischen aussichtslos erscheinenden Suche nach ihr kommt Jaap noch einmal mit seiner eigenen Vergangenheit in Kontakt, führt eine letzte aufsehenerregende Gehirnoperation durch und begegnet dem Herrscher des saudischen Königshauses. Damit eröffnet sich ihm eine neue Möglichkeit, die verschollene Lea zu suchen.
Und ja, da sind auch Hunde. Und sie sind nicht nur Kulisse. Sie sind Schatten, Spiegel, manchmal Seismografen des menschlichen Unfriedens. Aber das sollte man selbst lesen.
Wer im Sommer nicht nur Cocktailgeschichten sucht, sondern etwas, das auch nach dem Strandtag noch in einem arbeitet, ist mit diesem Buch gut beraten. Es ist keine leichte Lektüre - aber eine, die leichter macht, weil sie einen für ein paar Stunden (oder Tage) aus der eigenen Welt katapultiert.
zum Produkt € 26,00*
Halten Sie sich fest, denn dieses Buch wird Sie mit auf eine Reise nehmen! Eine Reise über den Globus und durch die Zeit, von der amerikanischen Westküste bis in die Tiefsee der Südseeatolle, von der Turnschuhgeneration der Siebziger bis in die moderne Social-Media-Welt.
Richard Powers verknüpft in seinem neuen Roman Wissensgebiete wie Biologie, Meeresgeologie, Klimawissenschaft und Anthropologie und führt gleichzeitig durch die Lebensgeschichten von vier sehr unterschiedlichen Menschen.
Da ist die Meeresbiologin Evelyne Beaulieu, die auf einer südpazifischen Insel aufwuchs und das Kommunikationsverhalten von Tintenfischen untersucht. Sie schafft es, viele Menschen für die Schönheit der Unterwasserwelt zu begeistern und muss dennoch miterleben, wie Überfischung und Umweltverschmutzung die Ozeane zerstören.
Die Freunde Rafi und Todd verbindet die Leidenschaft für das Go-Spiel und die Liebe zu Ina, doch während der Büchernarr Rafi sein Glück in der Beziehung zu ihr findet, gewinnt Robert in der Social-Media-Welt immer mehr Macht und verschwindet zunehmend in dem weltumspannenden Computerspiel, das er selbst geschaffen hat.
Ina selbst versucht die Enttäuschung über die zunehmende Vermüllung des Meeres mit künstlerischen Mitteln zu verarbeiten, sie ist in ihre Heimat Makatea in Polynesien zurückgekehrt und baut eine riesige Skulptur aus angeschwemmten Plastikgegenständen.
Die Stärke dieses Romans liegt nicht zuletzt in Powers’ Fähigkeit, die Wunder der Unterwasserwelt mit einer beinahe mystischen Intensität zu beschreiben. Korallengärten leuchten in fluoreszierenden Farben, riesige Mantarochen gleiten schwerelos durchs Wasser, und das Flüstern der Walgesänge scheint uralte Geschichten zu erzählen.
Besonders eindrucksvoll ist die Darstellung der Südsee: eine Region, die in der Vorstellung vieler romantisch verklärt ist – hier aber zugleich als verwundbarer Raum gezeigt wird, der unter den Folgen des Klimawandels leidet. Der steigende Meeresspiegel, der kleine Atolle langsam verschluckt, wird nicht nur als geopolitisches Drama inszeniert, sondern auch als emotionaler Verlust – ein Untergang von Lebensräumen, Erinnerungen und kultureller Identität.
Ein Meisterwerk über die Tiefen der Seele und der Ozeane, über alles, was wir verlieren und vielleicht noch retten können.
zum Produkt € 26,00*
Davide kann nicht lesen und schreiben. Er ist Schweinehirt und muss seinem jähzornigen Vater gehorchen. Er hat ein Lieblingsschwein, “Nero - der Schwarze”, das ihn verteidigt.
Teresa lebt im selben italienischen Dorf ist aber die Tochter des Seilers und macht für ihren Vater die Buchhaltung. Eines Tages erscheint Nicolas, ein zwangsumgesiedelter jüdischer Junge aus Neapel.
Eine Dreierfreundschaft und der Sommer ihres Lebens. Bis der Krieg das Dorf erreicht, sie sich verlieren - doch nie ganz - und sich viele Jahre später wiedersehen und alles ist vertraut, doch anders.
zum Produkt € 24,00*
Ihr wollt euch mal wieder so richtig kringelig lachen? Am besten mit der ganzen Familie? Dann solltet ihr unbedingt “Kissenschlacht im Nachtexpress” lesen!
Der begabte Kurt spielt wunderbar Geige und will an einem Musikwettbewerb in Sankt Petersburg teilnehmen. Um dorthin zu kommen, reist er mit seiner Oma Karola und deren Katze im Nachtexpress in die russische Metropole. So zumindest der Plan. Denn unterwegs geht so einiges schief...
Schon im ersten Kapitel erwischen die beiden nur ganz knapp den Zug - ihr halsbrecherisches Manöver samt rotem Rollkoffer hat bei meinen Kindern und mir direkt für die ersten Kicherbauchschmerzen gesorgt.
Und spannend ist die Geschichte auch. Denn im Zug scheint es zu spuken und dann ist da ja auch noch dieser komische Mann mit dem schwarzen Bart... zu gruselig wird’s aber nie.
Alexander von Knorre ist ein tolles Kinderbuch gelungen, das man auch super mit Geschwisterkindern in verschiedenem Alter lesen kann. Auch wenn die Altersempfehlung bei 6 Jahren liegt, können schon aufgeweckte 4-Jährige mit der Geschichte gut etwas anfangen und nach oben gibt es sowieso keine Grenze - das herrliche Chaos wird einigen erwachsenen Familienmitgliedern sehr bekannt vorkommen.
Die witzigen Bilder hat der Autor höchstpersönlich gezeichnet - und so haben auch die Kleinen während des Vorlesens etwas zum Anschauen. Ich kann die “Kissenschlacht im Nachtexpress” allen Familien wärmstens empfehlen!
zum Produkt € 18,00*
Bei diesem neuen Kriminalroman von Wolf Haas sticht sofort die Namensgleichheit des Hauptprotagonisten mit dem berühmten Illusionskünstler M.C. Escher ins Auge. Der Escher im Buch ist ein schräger Alleingänger, der seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Trauerreden bestreitet, riesige Puzzles zusammensetzt und gern Mafia-Romane liest. Er wartet auf einen Elektriker, der ihm eine Steckdose reparieren soll.
So weit, so gut. Doch dann passiert etwas, das mit dem Titel des Werkes zu tun hat und das man als Leser zunächst verdauen muss: “Wackelkontakt” kippt zwischen den Handlungsebenen.
Escher wartet also und liest, und in diesem Moment der Lektüre wird der Mafia-Killer aus dem Buch zur handelnden Figur. Elio, so heißt der geständige Ex-Mafioso, kommt in ein Zeugenschutzprogramm und bekommt eine neue Identität. Wir erfahren, dass er ein bürgerliches Leben in Deutschland unter neuem Namen beginnen soll, vorläufig aber noch im Gefängnis sitzt. Während seines Aufenthaltes dort liest er in einem Buch - über Escher. Die Handlung kippt, wir sind zurück bei eben diesem in der Küche, wo gerade der Elektriker klingelt.
Das Wechselspiel, das hier entsteht, gleicht den sich einander zeichnenden Händen des Malers mit den unmöglichen Bildern. Ursache und Wirkung wechseln, immer rascher, bis sie selbst als sinnvolle Begriffe verschwinden. Wirklich ist eben immer nur das, was wir gerade dafür halten.
Und doch ist dieses Buch keine Fantasy. Alltägliches und Skurriles münden vielmehr in einen spannend-komischen Krimi mit Tod, Entführung und Erpressung, garniert mit dem von diesem Schriftsteller gewohnten lakonischen Sprachwitz.
Lesevergnügen ist also bei “Wackelkontakt” garantiert - ja, Sie werden es verschlingen. Aber passen Sie auf, dass es Sie nicht verschlingt!
zum Produkt € 25,00*
“Wer Leben will, muss sich mit dem Tod anfreunden”, resümiert Katja Lewina am Ende ihres Buches, und sie weiß aus eigener Erfahrung, was sie da schreibt. Selbst noch im mittleren Alter, ist sie vom Tod eines ihrer Kinder und einer lebensbedrohlichen Herzerkrankung betroffen. Die Fragen, die sie nun hat, stellt sie uns allen: Wie gehen wir mit der Tatsache um, sterben zu müssen? Und was bedeutet das für unser jetziges Leben? Wie geht Sterben - und: Was hinterlassen wir danach?
In einer Zeit, in der das Leben immer länger wird und die medizinischen Möglichkeiten beinahe grenzenlos erscheinen, bietet unsere Gesellschaft wenig Raum, über den Tod in seiner vollen Bedeutung nachzudenken. Warum sollte man sich damit jetzt überhaupt befassen, ist dazu nicht noch später Zeit? Kann man das nicht einfach auf sich zukommen lassen? An der Stelle macht die Autorin Mut, sich dem Thema zu stellen und hat durchaus tröstliche Gedanken für den Leser im Gepäck.
Die Auseinandersetzung mit dem Tod dient letztlich dazu, die Angst vor ihm einzudämmen, schreibt sie. Wer weniger Angst hat, kann sein Leben mehr genießen, wer sich der eigenen Begrenztheit bewusst ist, kann sich auf das Wesentliche konzentrieren. Dadurch wird Gelassenheit möglich, Gelassenheit und ja - auch Heiterkeit.
Eine Heiterkeit, derer sich die Autorin gern bedient. Da etwa, wo sie ihren Umgang mit dem eigenen, durchaus überschaubaren Erbe schildert, ihre Hilflosigkeit angesichts einer Patientenverfügung oder die bemühte Unbekümmertheit bezüglich beginnender Alterserscheinungen. Philosophische Erörterungen gehen bei Lewina immer wieder in lebenspraktische Fragestellungen über, doch erfrischenderweise werden keine abgestandenen Weisheiten verkündet.
“Was ist schon für immer” ist kein trauriges Buch. Es will helfen, das Sterben als Teil des Lebens zu begreifen, ihm seinen Schrecken zu nehmen und darüber ins Gespräch zu kommen. In der nie versiegenden Hoffnung, in der Endlichkeit des Daseins einen tieferen Sinn zu finden.
zum Produkt € 20,00*
Hartes Neonlicht. Da schwebt eine Schere in der Luft und weiter hinten ein Mensch. Der Blick aus dem Fenster zeigt nicht Bäume und Sträucher, keine Straße und kein Haus. Er zeigt: das Nichts. Vollkommene Schwärze, in der sich eine sanft bläulich schimmernde Erde dreht.
Die Autorin nimmt uns in ihrem Roman mit zur Internationalen Raumstation, diesem von Menschen gemachten Himmelskörper, der über unseren Köpfen seine Umlaufbahnen beschreibt. Sechzehn Mal innerhalb von vierundzwanzig Stunden zieht die ISS mit ihren Sonnensegeln um die Erde, genau so oft geht die Sonne in dieser Zeit für die Besatzung auf und unter. Alle 45 Minuten, über Alaska oder dem Pazifik, über Westafrika oder Sibirien.
Sechs Astronauten von allen Kontinenten der Erde sind hier einem streng geregelten Programm unterworfen, das von Experimenten, Reparaturen und Berichten geprägt ist, dem Zusammenleben auf engstem Raum. Im Privaten verbleiben höchstens die täglichen Mahlzeiten, gelegentliche Gespräche oder die täglichen Sporteinheiten. Ohne letztere würden in der Schwerelosigkeit die Muskeln verkümmern.
Da sind die Russen Anton und Roman, romantisch der eine, zupackend der andere. Die Japanerin Chie, deren Mutter während Chies Zeit auf der ISS stirbt und der Biologe Shaun aus den USA. Nell, die früher Taucherin war und Pietro, der Käsenudeln liebt.
Mit all ihren individuellen Schicksalen teilen sie als Besatzung die eine elementare Erfahrung, die sich einzubrennen scheint durch die Sicht auf die dahin treibende Erde: Wir Menschen haben nur diesen Planeten. “Ohne die Erde sind wir alle erledigt. Nicht eine Sekunde könnten wir ohne ihre Gnade überleben, wir sind Seefahrer auf dunkler, gefährlicher See, ohne unser Schiff würden wir ertrinken”, heißt es an einer Stelle, die fast wie die zentrale Botschaft des Buches erscheint.
Dieser Roman kommt daher wie ein funkelnder Diamant, schlicht und erhaben zugleich, verdichtet durch eine Sprache, die selten gesehene Szenarien mit elementarer Wucht beschreibt.
Lassen Sie sich einfangen vom Meisterwerk der Trägerin des Booker Prize 2024 Samantha Harvey - es lohnt sich!
zum Produkt € 22,00*