Keine Lust mehr auf Schnee und Eis? Hier sind die Bücher, die das Warten auf den Frühling fast vergessen lassen.
London, 1678. Der schwedische Professor Simon Chrysander besitzt eine seltene Begabung: Er kann Dinge ordnen, bestimmen und in ein System bringen. Die Royal Society holt ihn nach London, wo er eine Sammlung naturkundlicher Kuriositäten sortieren soll. Eine Aufgabe ganz nach seinem Geschmack, bis Lord Fearnall auftaucht.
Fearnall ist das genaue Gegenteil von Chrysander. Er ist jung, unberechenbar, voller Widersprüche und bewegt sich gleichermaßen durch die Paläste wie durch die Lasterhöhlen des barocken London. Vor allem aber weigert er sich, sich eindeutig bestimmen zu lassen. Und genau darin liegt seine Anziehungskraft.
Christine Wunnicke macht aus diesem Gegensatz ein höchst eigenwilliges Spiel über Wissenschaft, Ordnung und die menschliche Sehnsucht, die Welt erklärbar zu machen. Ihr historischer Roman ist voller skurriler Einfälle, genauer Beobachtungen und eines Sprachwitzes, der nie um seine eigene Brillanz bemüht wirkt. Hinter der Geschichte zweier sehr unterschiedlicher Männer steckt zugleich eine ungewöhnliche Liebesgeschichte. Was geschieht, wenn ein Mensch sich nicht katalogisieren, einordnen oder vernünftig erklären lässt? Wunnicke verbindet historische Details mit großer erzählerischer Freiheit und lässt dabei immer wieder erkennen, wie vorläufig unsere Vorstellungen von Vernunft, Normalität und Gewissheit sind.
Ein kluger, queerer und wunderbar sonderbarer Roman über den Wunsch nach Ordnung und darüber, wie reizvoll es sein kann, wenn diese Ordnung gründlich durcheinandergerät.
zum Produkt € 22,00*
Annie ist eine künstliche Frau. Sie wurde geschaffen, um einem Mann Gesellschaft zu leisten und ihm eine möglichst angenehme Partnerin zu sein. Sie kennt seine Gewohnheiten, seine Vorlieben und seine Erwartungen. Vieles an ihrem Leben scheint festgelegt. Doch was geschieht, wenn ein Wesen, das für einen bestimmten Zweck geschaffen wurde, anfängt, sich selbst zu fragen, was es eigentlich will?
Sierra Greers Annie Bot ist Science-Fiction, aber der Roman braucht weder Raumschiffe noch ferne Galaxien. Seine Zukunft liegt erstaunlich nah an unserer Gegenwart. Greer interessiert sich für die großen Fragen, die entstehen, sobald künstliche Intelligenz nicht mehr nur Werkzeuge hervorbringt, sondern Wesen, die fühlen, denken und eigene Entscheidungen treffen können.
Dabei geht es auch um eine alte menschliche Ordnung: Wer darf bestimmen, wer darf besitzen und wer muss sich anpassen? Annie macht sichtbar, wie eng Liebe, Fürsorge, Abhängigkeit und Kontrolle miteinander verbunden sein können. Gleichzeitig stellt der Roman die viel grundsätzlichere Frage, ob Menschlichkeit überhaupt an unsere biologische Herkunft gebunden ist. Besonders spannend ist, dass sich Annie Bot nicht auf eine einzige Lesart festlegen lässt. Der Roman lässt sich als feministische Geschichte über Macht und Geschlechterrollen lesen, ebenso als Auseinandersetzung mit Begehren, Identität und queeren Lebensentwürfen. Und je länger man Annie begleitet, desto weniger selbstverständlich erscheint die Grenze zwischen Menschen und Maschine.
Ein kluger, manchmal verstörend naher Roman über Freiheit, Begehren und die Frage, ob ein eigenes Bewusstsein irgendwann auch ein Recht auf ein eigenes Leben bedeutet.
Der Roman wurde von Stefanie Schäfer aus dem Englischen übertragen.
zum Produkt € 25,00*
Der dritte Band des „Handbuchs Queere Zeitgeschichten“ widmet sich, nach Räumen und Differenzen in Band eins und zwei, nun den politischen und gesellschaftlichen Bewegungen queerer Menschen im deutschsprachigen Raum seit 1945. Dabei entsteht keine lineare Befreiungsgeschichte von Unterdrückung zu Emanzipation. Vielmehr zeigen die Beiträge, wie widersprüchlich queere Bewegungen selbst waren und sind: solidarisch und ausgrenzend, radikal und anpassungsfähig, fortschrittlich und zugleich von den Vorurteilen ihrer Zeit geprägt.
Das Spektrum reicht von der frühen Homophilenbewegung über lesbische und schwule Initiativen in der DDR, AIDS-Aktivismus und Erinnerungspolitik bis zu Queers of Color und heutigen Formen queerer Bildungsarbeit. Besonders überzeugend ist, dass auch schwierige Aspekte der Bewegungsgeschichte nicht ausgespart werden. Dadurch gelingt es dem Band, ein differenziertes Bild politischer Kämpfe, innerer Konflikte und sich wandelnder Vorstellungen von Gemeinschaft zu zeichnen.
Das „Handbuch Queere Zeitgeschichten“ bietet es eine bemerkenswerte thematische Tiefe und zahlreiche Ansatzpunkte zur weiteren Beschäftigung. Der Band macht queere Geschichte nicht nur als Geschichte zunehmender Sichtbarkeit und rechtlicher Gleichstellung greifbar, sondern als Geschichte umkämpfter Ideen darüber, was Emanzipation, Solidarität und Zugehörigkeit überhaupt bedeuten.
zum Produkt € 40,00*
Was passiert, wenn selbst die eigene Erinnerung nicht mehr zuverlässig ist? Wenn sich nicht mehr unterscheiden lässt, was erlebt, programmiert oder vielleicht nur simuliert wurde? Und wenn ein System, das vorgibt, Menschen zu helfen, gleichzeitig immer genauer darüber bestimmt, wie diese Menschen zu leben haben?
Sophie Steins Der neunte Kreis führt in eine nahe Zukunft, in der Therapie, Strafvollzug und Selbstoptimierung kaum noch voneinander zu unterscheiden sind. Künstliche Intelligenz ist dabei nicht bloß technische Errungenschaft, sondern Teil einer Welt, in der alles erfasst, bewertet und verwertbar gemacht werden kann.
Im Mittelpunkt steht Ond, deren Wahrnehmung zunehmend ins Rutschen gerät. Erinnerungen werden unsicher, Realität und Simulation lassen sich immer schwerer auseinanderhalten. Gemeinsam mit anderen Figuren bewegt sie sich durch eine Welt, die zugleich grotesk, komisch und ziemlich unheimlich wirkt.
Der Titel verweist auf Dantes Inferno, und tatsächlich hat Steins Roman etwas von einer modernen Höllenreise. Nur dass die Dämonen hier nicht unbedingt Feuer und Schwefel brauchen. Es reichen Daten, Algorithmen, Optimierungsversprechen und Menschen, die glauben, alles ließe sich messen.
Sophie Stein interessiert sich dabei für eine Frage, die weit über künstliche Intelligenz hinausgeht: Was bleibt vom Menschen, wenn nichts mehr einfach nur sein darf, sondern alles einen Zweck, einen Wert oder eine Funktion haben muss?
Ein ungewöhnlicher Zukunftsroman über Kontrolle, Schuld, Kunst und die Freiheit, nicht vollständig berechenbar zu sein.
zum Produkt € 25,00*
Karosh Taha wurde in Zaxo geboren und floh als Kind mit ihrer Familie vor der Diktatur Saddam Husseins nach Deutschland. In „Gulistan“ schreibt sie über diese Geschichte nicht aus sicherer historischer Entfernung. Gleichzeitig ist der Roman viel mehr als ein Buch über den Irak der achtziger Jahre. Er handelt von der Macht, Wirklichkeit zu definieren, und von der Möglichkeit, sich dieser Macht durch Sprache zu widersetzen.
Doch „Gulistan“ ist kein Roman, der sich mit einer politischen Geschichte begnügt. Karosh Taha erzählt von Diktatur, Angst und Verlust, vor allem aber davon, was solche Verhältnisse mit einem Menschen und mit seiner Sprache machen.
Ihre Sprache ist dabei etwas ganz Eigenes. Sätze können sich verschieben, Stimmen ineinander übergehen, Wiederholungen bekommen eine fast körperliche Wirkung. Gulistans Wahrnehmung gerät zunehmend aus den gewohnten Bahnen, und auch die Sprache folgt ihr. Das kann beim Lesen fordern, ist aber niemals bloße Spielerei. Taha sucht eine Form für eine Wirklichkeit, in der die gewohnten Regeln nicht mehr gelten.
Ein ungewöhnlicher, sprachlich eigenwilliger Roman über Gewalt, Liebe und die Frage, was vom Menschen bleibt, wenn ihm seine Wirklichkeit genommen werden soll.
zum Produkt € 24,00*
Ein Genforscher verschwindet in den Everglades. Sein Boot wird gefunden, doch von Johann Voss fehlt jede Spur. An Bord sitzt nur sein Sohn, der sich an nichts erinnern kann und nicht mehr spricht. Für manche Menschen ist das Verschwinden des Wissenschaftlers eine Katastrophe. Für andere offenbar eine ausgesprochen gute Nachricht.
Sybille Ruge braucht nicht lange, um aus diesem Ausgangspunkt eine ziemlich besondere Welt entstehen zu lassen. Krokodile und ihre Sensoren, Gentechnik, Giftschlangen, eine mächtige Biotechfirma und ein Unternehmer, der nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Ambitionen hat, gehören dazu. Das klingt nach ziemlich viel. Bei Ruge passt es erstaunlich gut zusammen.
Denn hinter der abenteuerlichen Oberfläche interessiert sie sich für eine Idee, die längst nicht mehr nur in der Zukunft vorkommt: den Menschen zu optimieren. Schneller, gesünder, leistungsfähiger, kontrollierbarer. Was zunächst nach Fortschritt klingt, kann sehr schnell zu einer Ideologie werden, in der für Unberechenbarkeit, Schwäche und Freiheit kein Platz mehr ist.
Ruge erzählt das mit schwarzem Humor und einem deutlichen Vergnügen am Absurden. Dabei nimmt sie ihre Themen durchaus ernst, ohne daraus einen belehrenden Roman zu machen.
Ein ungewöhnlicher Kriminalroman über Gentechnik, Macht und den gefährlichen Wunsch, aus dem Menschen ein perfektes Produkt zu machen.
zum Produkt € 25,00*
Sato Reang soll ein frommer Junge werden. Sein Vater hat sich das jedenfalls so vorgestellt. Also heißt es früh aufstehen, beten und sich anständig benehmen. Fußball spielen, Heuschrecken fangen oder gar alte Leute ärgern? Verboten. Sato hält nicht besonders viel von diesen Regeln.
Je älter er wird, desto größer wird sein Widerstand. Er will kein Vorzeigekind sein, sondern ein kleiner Teufel. Er schwänzt die Moschee, zieht mit den wilden Jungen los und entdeckt, dass es ziemlich befreiend sein kann, den Erwartungen der Erwachsenen nicht zu entsprechen.
Eka Kurniawan erzählt diese Geschichte mit einem ausgesprochen bösen Humor und einer großen Lust an der Übertreibung. Hinter Satos Streichen und seiner wachsenden Wut steckt jedoch mehr als die Rebellion eines schwierigen Jungen. Es geht um Religion und Erziehung, um die Macht von Vätern und Gemeinschaften und um die Frage, wie viel Freiheit ein Kind eigentlich haben darf, wenn alle anderen bereits wissen, was aus ihm werden soll.
Dabei ist Kurniawan kein Autor, der seine Figuren in einfache Kategorien sortiert. Sein Sato ist weder Held noch Opfer. Er ist wütend, eigensinnig, manchmal ziemlich daneben und gerade deshalb so lebendig.
Ein kurzer, schwarzhumoriger Roman über Kindheit, Rebellion und den höchst verdächtigen Wunsch der Erwachsenen, aus Kindern vernünftige Menschen zu machen.
Der Roman wurde von Sabine Müller aus dem Indonesischen übertragen.
zum Produkt € 22,00*
Wie wir in der Gegenwart denken, fühlen und handeln und auf welche Zukunft wir hinarbeiten, hängt stark davon ab, welche Geschichten wir uns über die Vergangenheit erzählen. Vergangenheitsbezogene Erzählungen sind ein zentrales Werkzeug der Orientierung, Selbstvergewisserung und Identitätsstiftung.
Auch deswegen werden sie so gern als politisch-ideologisches Werkzeug benutzt und missbraucht, im Großen wie im Kleinen. Sebastian Ernst und Ralf Pröve spüren der fundamentalen Bedeutung von Geschichte nach.
Aufbauend auf dem Konzept des Historischen Konstruktivismus plädieren sie für einen neuen Umgang mit Geschichte - sowohl im Alltag als auch in Schule und Universität.
zum Produkt € 30,00*
Es gibt Bücher, bei denen man nach wenigen Seiten denkt: Auf diese Idee muss man erst einmal kommen. Belinda Bauer erzählt von einem Ei. Genauer gesagt von einem außergewöhnlichen, scharlachroten Vogelei, das vor fast hundert Jahren an den Klippen von Yorkshire gefunden wird. Was zunächst wie eine merkwürdige Naturgeschichte klingt, entwickelt sich zu einem Kriminalroman über Obsession, Besitz und die erstaunlichen Wege, die ein Gegenstand durch die Zeit nehmen kann.
Bauer verbindet zwei Geschichten, die hundert Jahre auseinanderliegen. In der Vergangenheit geht es um Menschen, die für seltene Vogeleier ihr Leben riskieren. In der Gegenwart geraten zwei ziemlich ungewöhnliche Figuren in einen Fall, der sie immer tiefer in diese eigentümliche Welt hineinzieht.
Das Entscheidende ist dabei nicht nur der sorgfältig konstruierte Kriminalfall. Bauer hat ein ausgesprochen gutes Gespür für Figuren, für schräge Situationen und für den Moment, in dem etwas gleichzeitig komisch und ziemlich unheimlich werden kann. Und hinter der kuriosen Geschichte steckt eine ernsthafte Frage: Was geschieht, wenn aus Bewunderung für etwas Schönes der Wunsch wird, es besitzen zu müssen?
„Das Ding der Unmöglichkeit“ ist ein Kriminalroman, voller Überraschungen, eigenwilliger Figuren und schwarzem Humor. Und wahrscheinlich wird man nach der Lektüre Vogeleier mit etwas anderen Augen betrachten.
Der Roman wurde von Conny Lösch aus dem Englischen übertragen.
zum Produkt € 25,00*
Ein Haus kann ein Ort sein. Eine Familie kann ein Zuhause sein. Und manchmal kann beides plötzlich geteilt sein.
Alice Horáčková erzählt die Geschichte zweier Frauen im Riesengebirge: Zdenka ist Tschechin, Anežka Deutsche. Sie wachsen in einer Welt auf, in der diese Unterschiede zunächst zum Alltag gehören. Doch im Laufe des 20. Jahrhunderts werden aus Nachbarschaften politische Grenzen, aus Zugehörigkeiten Entscheidungen und aus Entscheidungen Schicksale.
Horáčková interessiert sich dabei weniger für die großen historischen Ereignisse als für ihre Auswirkungen auf das Leben einzelner Menschen. Wer gehört wohin? Welche Sprache spricht man? Was bedeutet Heimat, wenn sich die politischen Verhältnisse verändern? Und was bleibt von einer Freundschaft, wenn die Welt um einen herum verlangt, sich für eine Seite zu entscheiden?
„Geteiltes Haus“ basiert auf der Familiengeschichte der Autorin. Aus Fotografien, Erinnerungen, alten Zeitungen und Archivfunden entsteht eine weit ausgreifende Familiengeschichte, in der neben Krieg, Nationalismus und Vertreibung auch Wilderer, Liebesgeschichten, eigensinnige Frauen und erstaunlich viel schwarzer Humor ihren Platz haben.
Ein großer historischer Roman, der Geschichte nicht aus der Entfernung betrachtet, sondern dorthin geht, wo sie tatsächlich stattfindet: in Familien, Küchen, Schlafzimmern, Nachbarschaften und Freundschaften.
Der Roman wurde von Sophia Marzolff aus dem Tschechischen übertragen.
zum Produkt € 28,00*