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In römischer Zeit bildete der Euphratraum eine wesentliche Kontakt- und Konfliktzone. Die politische und soziokulturelle Verortung Tadmors steht daher seit Jahrzehnten im Zentrum historischer Forschung, die bis heute für einen römischen Charakter der lokalen Eliten plädiert. Basierend auf Tadmors epigraphischem Erbe stellt Ann-Christine Sander dieses Bild auf den Prüfstein und verortet das kaiserzeitliche Tadmor und seine lokalen Eliten im Spannungsfeld zwischen polymorpher Stammesgesellschaft und Polis-Gemeinschaft neu. Ausgehend von den unterschiedlichen, wenngleich eng miteinander verflochtenen Handlungs- und Aktivitätenfeldern, auf denen Elitenangehörige soziales Prestige und Status erwerben konnten, zeichnet der Band das Bild einer tief in den Logiken der Steppengrenze verankerten Lokalelite, die aufgrund ihrer tribalen und polymorphen Prägung das in römischer Zeit zunehmende Machtvakuum im Euphratraum zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen wusste. Ein Blick auf die gesellschaftspolitische Funktion der Frauen erlaubt zudem, die besondere politische Rolle Tadmors in der Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.
Der Forschungsschwerpunkt von Ann-Christine Sander liegt auf der Geschichte des Nahen Ostens in hellenistisch-römischer Zeit. Zentrale Themen sind die historische Entwicklung Palmyras und die palmyrenische Sozialgeschichte sowie Fragen zum Verhältnis von Nomadentum und Sesshaftigkeit in römischer Zeit.