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Deutsche Kulturkader und ihre Verstrickungen in das repressive kommunistische System in der Sowjetunion und in der DDR
Von Hitler verfolgt, lag es für deutsche Kommunisten nahe, im 'Vaterland der Werktätigen' Zuflucht zu suchen. Welche Chancen, Zumutungen und Gefährdungen die Jahre des Exils in der Sowjetunion für sie bereithielten und wie sie in diesem Rahmen agierten, rekonstruiert Anne Hartmann am Beispiel des Kulturbereichs. Im Mittelpunkt stehen 16 'Kulturkader', darunter Anton Ackermann, Johannes R. Becher, Willi Bredel, Alfred Kurella, Inge und Gustav von Wangenheim, Erich Weinert, Friedrich Wolf und Hedda Zinner. Alle hatten sich in der Weimarer Zeit der KPD angeschlossen und waren im linken Kultur- und Politikbetrieb tätig. Das Exil überstanden sie äußerlich unbeschadet und traten nach dem Krieg an, das neue Deutschland aufzubauen. Als Betroffene und Beteiligte waren sie allerdings tief in die Gewaltgeschichte des Stalinismus verstrickt. Kaderakten aus dem Moskauer Kominternarchiv sowie weitere umfangreiche russische und deutsche Aktenbestände erlauben gänzlich neue Einblicke in Wege und Stationen des Exils, Mechanismen der Bürokratie und Repression, Alltag und berufliche 'Verwendung', kulturpolitische Kampagnen und Cliquenkämpfe im Kontext sowjetischer Politik und ideologischer Diskurse. Damit eröffnen sie die Frage nach dem Fortwirken des erlebten und gelebten Stalinismus in der DDR.
Anne Hartmann, geb. 1954, ist Slawistin und Germanistin. Nach der Promotion und Lehrtätigkeit in Liège und Namur war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ruhr-Universität Bochum, zuletzt in dem Forschungsprojekt 'Nach Moskau. Deutsche Emigranten im sowjetischen Exil und im Kulturbetrieb der DDR'. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten zählen die sowjetische 'Leitkultur' in der SBZ/DDR, Gulag- Diskurse, westliche Intellektuelle und der Stalinismus. Veröffentlichungen u. a.: Tribunale als Trauma. Die Deutsche Sektion des Sowjetischen Schriftstellerverbands. Protokolle, Resolutionen, Briefe (1935-1941) (Hg. zus. mit Reinhard Müller, 2022); 'Auf nach Moskau!' Reiseberichte aus dem Exil (Hg. zus. mit Hermann Haarmann, 2018); 'Ich kam, ich sah, ich werde schreiben.' Lion Feuchtwanger in Moskau 1937. Eine Dokumentation (2017).