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Vor über 170 Jahren kam im Zusammenhang mit Auffüllarbeiten in Meilen am Zürichsee ein ganzes Pfahlfeld zum Vorschein. Ferdinand Keller interpretierte dieses als Rest einer vorrömischen Pfahlbausiedlung und setzte damit die urgeschichtliche Pfahlbauforschung in Gang. Heute gelten die prähistorischen Pfahlbauten rund um die Alpen als die wichtigste Quelle zum Verständnis des Neolithikums und der Bronzezeit in dieser Region und sind deshalb seit 2011 Teil des UNESCO-Welterbes. Allerdings ist ihre Erforschung nicht einvernehmlich verlaufen. Lebten die Menschen damals am oder über dem Wasser? Errichteten sie ihre Gebäude im Wasser, auf dem Land oder auf wechselfeuchtem Untergrund? Diese sogenannte 'Pfahlbaufrage' wurde so kontrovers diskutiert, dass sie phasenweise zum Pfahlbaustreit eskalierte. Wiederholt wurde er zwischen Archäologen und Naturwissenschaftlern ausgetragen, war phasenweise Stellvertreterkrieg persönlicher Rivalen und geriet in den 1930er- und 1940er-Jahren zwischen die ideologischen Fronten. Dabei spielte die mangelnde Emanzipation von dominanten Forscherpersönlichkeiten keine unbedeutende Rolle und bis in die jüngste Zeit werden Interpretationen immer wieder an vorgefasste Meinungen angepasst.
Das vorliegende Werk zeichnet die über 170-jährige Forschungsgeschichte und die Entwicklung der Debatte nach. Dabei zeigt sich, dass einige auch heute noch etablierte Vorstellungen dringend zu hinterfragen sind, so etwa das Postulat ebenerdiger Ufersiedlungen bei guter organischer Erhaltung oder ein grosser Einfluss des Klimas auf Seepegelschwankungen.
Im Anschluss daran bietet das Werk einen Überblick über wichtige Indikatoren zur Interpretation von Feuchtbodensiedlungen, diskutiert diese im Detail und eignet sich so als Einstieg in die Problematik der Pfahlbaufrage. Schliesslich folgen Empfehlungen für künftige Grabungen und Auswertungen. Als Interpretationsgrundlage werden fünf Szenarien vorgeschlagen, die eine ebenerdige oder abgehobene Bauweise auf weitgehend trockenem (Szenario A-B) oder ausnahmsweise, saisonal oder ganzjährig überflutetem Boden (Szenarien C-E) kombinieren.
Um Antworten auf die komplexe Pfahlbaufrage zu finden, bedarf es einer differenzierten Betrachtung, die die spezifischen Gegebenheiten des jeweiligen Ortes berücksichtigt. Dabei ist die Zusammenarbeit von Archäologie und Naturwissenschaften unabdingbar. Eindimensionale Erklärungen und einfache Modelle werden der Realität der prähistorischen Gesellschaften nicht annähernd gerecht.
After completing his masters degree in cultural engineering at ETH Zurich, Christian Harb studied prehistoric archaeology at the University of Zurich (Switzerland). His dissertation at the Institute of Archaeological Sciences at the University of Bern (Switzerland) on the pile-dwelling question resulted from his main concern of interdisciplinary cooperation and his many years of work in wetland archaeology in various cantons of Switzerland. Harb coordinated the work of the UNESCO World Heritage 'Prehistoric Pile Dwellings around the Alps', led major evaluations such as Zurich-Parkhaus Opéra or Cham-Eslen (Zug) and carried out various excavations in pile dwellings. He is currently a research assistant at the Lucerne Cantonal Archaeological Service and is also responsible for the archaeology in the cantons of Nidwalden and Obwalden in central Switzerland.