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Vom Karthago der Phönizier und Punier ist aufgrund der Überbauung bis in die Spätantike im heutigen mondänen Villenvorort von Tunis-Carthage nur wenig sichtbar. Die Ausgrabung von der Abteilung Rom des Deutschen Archäologischen Instituts in der Rue Ibn Chabâat eröffnet neue Perspektiven auf Karthagos phönizisch-punische Vergangenheit und gibt Einblicke in die früh- bis spätpunische Entwicklung der antiken Mittelmeermetropole: Bereits seit 725/700 v.Chr. lässt sich hier eine systematische Stadtplanung mit mehreren Bauphasen der Häuser nachweisen. Durch stetiges Anheben der Wohn- und Laufniveaus in früh- bis mittelpunischer Zeit entstanden eindrucksvolle Schichtpakete, deren Fundinhalte bestmögliche Grundlagen für die Datierungen erlauben. Unter dem Adelsgeschlecht der Magoniden entwickelte sich Karthago zu einer blühenden Handelsmetropole von internationaler Bedeutung. Nach Abriss der Wohnhäuser im "Quartier Didon" entstand hier um 530/480 v.Chr. ein öffentlicher Platz mit zwei L-förmig angeordneten Gebäuden, einer davon ein Tempel. Größe und Bearbeitung der Sandsteinblöcke für diese Großbauten zeugen von der Monumentalisierung der Stadt. Trotz der militärischen Niederlage Karthagos in Zweiten Punisch-Römischen Krieg (218-201 v.Chr.) erlebte die Stadt eine späte Blüte. Auch im "Quartier Didon" lassen sich in dieser Zeit umfangreiche Bauarbeiten feststellen. Durch den Abriss des südlichen Großbaus wurde der repräsentative Platz deutlich nach Süden erweitert; Gefäßstandspuren vor dem Tempel zeigen, dass im Hof Opferhandlungen stattfanden. Der Tempel selbst bestand bis zur vollständigen Zerstörung der Stadt durch die Armeen des Publius Cornelius Scipio Africanus im Jahre 146 v. Chr. Band 5 der Karthago-Reihe ist aufgrund der detaillierten Befundauswertung und der ausführlichen Diskussion der Funde ein Standardwerk für alle, die sich für die städtebauliche Entwicklung einer der größten Metropolen der antiken Welt interessieren.