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Komtesse Helene entfaltet ein Gesellschafts- und Charakterbild, in dem aristokratische Herkunft, weibliche Selbstbehauptung und die Zwänge standesgemäßer Konventionen aufeinanderstoßen. Wachenhusen erzählt mit der Anschaulichkeit des Feuilletons und der Spannung des Unterhaltungsromans, zugleich aber mit einem wachen Blick für die moralischen Codes des 19. Jahrhunderts. Die Titelfigur erscheint nicht bloß als romantische Heldin, sondern als Prüfstein einer Welt, deren höfische Formen innere Konflikte nur mühsam verdecken. Hans Wachenhusen, Journalist, Reiseschriftsteller und produktiver Erzähler, brachte in seine Romane die Erfahrung eines bewegten Beobachterlebens ein. Seine Tätigkeit als Berichterstatter und seine Reisen schärften seinen Sinn für Milieus, gesellschaftliche Rituale und politische Atmosphäre. Gerade diese Verbindung aus Weltkenntnis, erzählerischer Routine und Interesse an sozialen Grenzlagen dürfte Komtesse Helene geprägt haben. Empfohlen sei dieses Buch Lesern, die den deutschsprachigen Gesellschaftsroman zwischen Romantiknachklang und realistischem Zeitbild entdecken möchten. Es bietet historische Atmosphäre, psychologische Spannung und einen aufschlussreichen Blick auf Geschlecht, Rang und Pflicht. Wer literarische Dokumente bürgerlich-aristokratischer Konfliktwelten schätzt, wird hier reich belohnt.
Hans Wachenhusen (1823 -1898) war ein deutscher Kriegskorrespondent und Reise- und Romanschriftsteller. 1859 war er als Korrespondent im österreichischen Hauptquartier tätig und fasste seine Berichte in einer Art Tagebuch zusammen. Neben seinen zahlreichen Kriegs- und Reiseschilderungen hat er auch einige Romane und Erzählungen verfasst. Viele seiner Werke erschienen als sogenannte Eisenbahnliteratur in Verlagen, die sich auf Conversations- und Reiseliteratur spezialisiert hatten und die in kleinen Formaten von 50 bis 100 Seiten.