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Ausgehend von dem Konsens, dass das lukanische Doppelwerk eine Ethik des Teilens vertritt und Reiche zum Einsatz ihrer Mittel für Bedürftige aufruft, zeigt Kaja Wieczorek in ihrem Band: Klassische Deutungen bleiben meist hinter einer Ethik gerechter Umverteilung zurück. Da milde Gaben Abhängigkeiten verstärken, statt Beziehungen auf Augenhöhe zu fördern, plädiert sie in ihrer Studie dafür, die Pluralität lukanischer Handlungsansätze ernst zu nehmen und eine bloße Almosenethik zu überwinden. Zugleich widerspricht sie der These eines romfreundlichen, politisch harmlosen Doppelwerks: Lk 1-2 und Apg 2 und 4 werden als Gegenbilder zur römischen Panegyrik gelesen, als narrative "Lesebrille" subtiler Herrschaftskritik - postkolonial hermeneutisch geschärft über Homi K. Bhabhas Mimikrybegriff. Vor diesem Hintergrund kritisiert die Besitzethik die sozioökonomischen Verhältnisse im Imperium und motiviert christusgläubige Gemeinden zu alternativen Lebensmodellen als Gegenwirklichkeit zum Kaiserkult.
Kaja Wieczorek ist Pfarrerin in Mannheim-Feudenheim.
E-Mail: productsafety@degruyterbrill.com