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In einem Paradigmengebet und einer Reimrede verarbeitet Hensel Lebenter, ein Nürnberger Kandelgießer, seine Haft im Schuldturm und schildert in seiner "Lochordnung" die Bedingungen in den Nürnberger Lochgefängnissen unter dem Rathaus. Diese dilettantische Gefängnisdichtung des 'kleinen Mannes', datierbar auf die Zeit zwischen 1500 und 1530, ist zwar keine 'große' Literatur, sie beeindruckt jedoch, weil sich darin die Grenzen zwischen literarischer Inszenierung und tatsächlichem Erlebnis angesichts des Schreckens und der glaubhaft vermittelten Bestürzung über die Grausamkeiten reichsstädtischer Strafjustiz fortwährend überlagern. Die Texte zeigen, zu welchen Argumentations- und Bewältigungsstrategien ein ungebildeter Mann 'von der Straße' greift, um seine Hafterlebnisse am Abgrund stadtbürgerlicher Existenz dichterisch zu vermitteln. Lebenters Texte sind eine wertvolle Quelle für die Sprach- und Rechtsgeschichte. Sie geben nämlich Einblick in das um geschriebene bzw. gesprochene Nürnbergisch und enthalten teils detailreiche Anspielungen auf Gepflogenheiten und Abläufe der Gefängnishaft (Personal, Folterwerkzeuge, Räumlichkeiten). Literaturgeschichtlich von Interesse sind die Inszenierung von Autorschaft, die Rezeption durch das städtische Publikum und Bezüge zu mittelalterlicher Gefängnisliteratur (prison writing) auch außerhalb Nürnbergs
Stefan Abel, PD Dr., geb. 1978, Studium der Germanistik und Romanistik an der Universität Augsburg; Dozent für germanistische Mediävistik an der Universität Bern und wissenschaftlicher Mitarbeiter am dortigen -Parzival--Projekt