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In der gegenwärtigen Auseinandersetzung über die Ursachen und Folgen der ökologischen Verwüstung erfährt eine zentrale Kategorie der Kritischen Theorie zu wenig Aufmerksamkeit: das Subjekt. Doch nur wenn eine kritische Gesellschaftstheorie die subjektiven Bedingungen der Klimakatastrophe analysiert, kann sie in Zeiten umfassender Naturzerstörung sowohl die Beharrungskräfte eines destruktiven Kapitalismus als auch den Aufstieg einer veränderten Form des Autoritarismus verstehen.
Die theoretischen und empirischen Beiträge des Buches widmen sich dieser Problemstellung mithilfe der für die Kritische Theorie charakteristischen Verbindung von neomarxistischer Gesellschaftstheorie und psychoanalytischem Subjektbegriff. Sie verknüpfen den gesellschaftskritischen und interdisziplinären Anspruch der Kritischen Theorie und leisten so eine Bestimmung des Subjekts als unverzichtbaren Ansatzpunkt zur Analyse und Kritik ökologischer Verwüstung. Zugleich zeigen die Beiträge, inwiefern zentrale Begriffe der Kritischen Theorie angesichts neuer und zugespitzter Formen sozialer und ökologischer Destruktivität einer Neubestimmung bedürfen.
https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Dr. Thomas Barth ist wissenschaftlicher Geschäftsführer am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main.
Dr. Ricarda Biemüller ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main.
Tobias Heinze promoviert im Fach Philosophie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und ist Doktorand am Institut für Sozialforschung.
Dr. Heiko Stubenrauch ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie und Kunstgeschichte der Leuphana Universität Lüneburg und Post-Doc am DFG-Graduiertenkolleg 'Kulturen der Kritik'.
Inhalt
Subjekte der ökologischen Verwüstung: eine Programmatik Thomas Barth, Ricarda Biemüller, Tobias Heinze und Heiko Stubenrauch
Kritische Theorie der Natur
Apocalyptic Wasteland. Romantische Verklärung der -Natur- als Problem einer kritischen Theorie der Verwüstung Jennifer Stevens
Die Normativität der Natur und die Fallstricke verändernder Praxis Philip Hogh
Zur Wendung des material turn. Neuer Materialismus, Historischer Materialismus und kritische Theorie Susanne Lettow
Ökomarxismus und die Kritische Theorie der Natur. Zwei Perspektiven auf Ökologie und Dialektik Carl Cassegård
Subjekttheorie der ökologischen Verwüstung
Verbundenheit als Zwang. Die Kritische Theorie spätkapitalistischer Subjektivität im ökologischen Diskurs Heiko Stubenrauch
Den Klimawandel genießen. Jouissance als politischer Faktor Lucas Pohl und Erik Swyngedouw
Erziehung zum Genießen. Zur historischen und pädagogischen Genese der Subjekte der ökologischen Verwüstung Ricarda Biemüller
Subjektivation zwischen Abhängigkeit und Aggression
'Ich werde nicht aufhören, in den Urlaub zu fliegen, nur weil meine Kindes-Kindes-Kinder irgendwann mal an der Sonnenkrise verrecken'. Erlebnisweisen des Klimawandels Charlie Kaufhold und Andrea Lilge-Hartmann
Ohnmacht, Omnipotenz und das Dazwischen. Das Subjekt in der ökologischen Zerstörung Delaram Habibi-Kohlen
Zwischen Autarkie und Masse. Manische Abwehr von Abhängigkeit bei Selbstversorger:innen Anna Rosa Ostern
Der potenzielle Fossil-Faschist. Züge eines klimarebellischen Einstellungssyndroms Julian Niederhauser
Kritik und Widerständigkeit
Das kritische Potenzial apokalyptischen Denkens. Vom Ende als Möglichkeit Jochen Gimmel
'Die Landschaft dauert länger als das Individuum' - ein neuartiges, kritisch-kollektives Subjekt der Disruption mit und nach Heiner Müller Anne Gräfe
Von der Freiheit, -Möglichkeiten ungenutzt zu lassen-, und derNotwendigkeit zu handeln. Anmerkungen zur Massenpsychologie der Klimakrise Christine Kirchhoff
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