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Thomas Mann: "Lotte in Weimar" - Das Genie Goethe neu entdeckt: zwischen Mythos und Menschlichkeit
Ein Roman wie ein Gespräch über Kunst, Ruhm und den Preis der Genialität: Thomas Manns 1939 im Exil vollendetes Meisterwerk ist weit mehr als historische Kulisse. "Lotte in Weimar" eröffnet einen faszinierenden Blick auf das "Phänomen Goethe" und stellt die Frage, wo der Mensch endet und der Mythos beginnt.
Die Ausgangslage: Im September 1816 reist Charlotte Kestner (geb. Buff) nach Weimar. Mehr als vierzig Jahre nach dem Welterfolg des "Werther" begegnet die einstige Muse dem nun "olympisch" verehrten Dichterfürsten. Aus dieser verbürgten Episode formt Mann ein vielstimmiges Panorama der späten Weimarer Klassik, elegant, präzise und voller psychologischer Spannung.
Das Besondere: Goethe erscheint nicht sofort, sondern wächst Kapitel für Kapitel aus den Stimmen seiner Umgebung heraus. Sekretär Riemer, Sohn August und andere zeichnen das Bild eines übermächtigen, manchmal erschreckend egozentrischen Genies. Der Höhepunkt: das berühmte siebte Kapitel, ein virtuoser innerer Monolog, der Goethes Schöpfergeist und seine kompromisslose Haltung gegenüber dem Leben sprachlich meisterhaft verdichtet.
Im Zentrum steht die Ambivalenz der Kunst: Lotte, die reale Frau hinter dem Werther-Mythos, erkennt schmerzhaft, dass sie für Goethe vor allem "Stoff" war. Thomas Mann spiegelt darin zugleich die Einsamkeit des Künstlers und die Frage nach dem Opfer, das das Leben der Kunst bringt.
Warum dieses Buch in jede Bibliothek gehört
Sprachliche Brillanz: Manns bewusste Annäherung an den Goethe-Ton verbindet stilistische Präzision mit feiner Ironie. Humanistisches Manifest: Als Werk aus dem Exil verteidigt es ein anderes, humanistisches Deutschland gegen ideologische Vereinnahmung. Psychologische Tiefe: Ein intensiver Roman über Altern, Ruhm, bürgerliche Existenz und das Unvereinbare im genialischen Schaffen.
Jetzt entdecken: "Lotte in Weimar" ist ein literarisches Ereignis für alle, die Thomas Mann lieben und für alle, die Goethe nicht nur verehren, sondern verstehen wollen.
Thomas Mann (1875-1955), einer der bedeutendsten deutschen Repräsentanten der literarischen Moderne, erlangte bereits 1901 mit seinem Debütroman "Buddenbrooks" Weltruhm und erhielt dafür 1929 den Nobelpreis für Literatur. Geboren in Lübeck, prägte er durch monumentale Werke wie "Der Zauberberg" oder "Doktor Faustus" die intellektuelle Debatte seiner Zeit, wobei sein Schaffen oft das Spannungsfeld zwischen bürgerlicher Lebensform und künstlerischem Geist thematisiert. Als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus emigrierte er 1933 zunächst in die Schweiz und später in die USA, von wo aus er als "Stimme des anderen Deutschlands" agierte, bevor er seine letzten Lebensjahre am Zürichsee verbrachte.