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Lesung mit Silvia Gingold und Dr. Ulrich Schneider
Zum Buch
Peter Gingold (1916–2006) war einer der profiliertesten jüdischen Widerstandskämpfer und Kommunisten in der Bundesrepublik. Besonders seit den 70er Jahren trat er als Redner auf politischen Kundgebungen gegen Naziaufmärsche und als Zeitzeuge in Schulen und bei Jugendgruppen auf. Er hatte viel zu berichten: Die Zeit des aufkommenden Faschismus in Deutschland, Exil in Frankreich und Widerstand in den Reihen der Résistance (Illegalität, politische Agitation unter deutschen Besatzungssoldaten, Flucht aus den Fängen der Gestapo und Teilnahme am Aufstand zur Befreiung von Paris 1944). Den 8. Mai 1945, das »Morgenrot der Menschheitsgeschichte«, erlebte er in Turin mit der italienischen Resistenza. Zurückgekehrt nach Deutschland, gestaltete er dort den politischen Neuanfang aktiv mit, musste jedoch erleben, wie er und seine Familie danach fast zwei Jahrzehnte der erneuten Verfolgung, der Ausbürgerung und des Berufsverbots erlebten. Trotzdem verstand er sich stets als »Mut-Macher«, seine Maxime: »Nie aufgeben!«
Ulrich Schneider, Dr. phil., *1954. Historiker und Lehrer. Langjähriger Bundessprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) sowie Generalsekretär der Fédération Internationale des Résistants (FIR). Zahlreiche Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen zu Faschismus, antifaschistischem Widerstand und Neofaschismus.
Buchvorstellung mit dem Autor Olivier David
Ausgehend von dem Slogan "Die Waffen liefern die Reichen – die Armen liefern die Leichen." versammelt Olivier David Texte über Krieg, Klassengewalt und Kultur. Der Band fragt nach den Verbindungen zwischen Aufrüstung nach außen und sozialem Krieg nach innen. Denn Kriege finden nach David nicht in einem luftleeren Raum statt, "sie sind nur die blutrünstigste Ausprägung der selben Gewalt, der ein Teil der Arbeiter*innenklasse tagtäglich ausgeliefert ist".
Die Armen liefern die Leichen ist eine Sammlung gegen die Vorstellung, Armut sei individuelles Scheitern, und damit gegen die Vereinzelung. David verbindet politische Analyse mit persönlicher Erfahrung und fragt, wer in dieser Gesellschaft leben darf, wer überleben muss und wer immer wieder für die Interessen von Kapital und Nation herhalten soll. Seine wütenden und parteilichen Texte bestehen darauf, dass Betroffenheit nicht nur eine Wunde ist, sondern auch Ausgangspunkt von Widerstand werden kann.
Dabei geht es auch um Kultur: Um einen Literaturbetrieb, der sich gern an Sprache abarbeitet, während die gesellschaftlichen Ursachen der Verrohung unangetastet bleiben. Um eine Kunst, die sich nicht aus den Kämpfen der Gegenwart heraushalten sollte, da sie selbst Teil des Problems ist. Über allem schwebt die Frage: Wie kann das Schreiben den herrschenden Verhältnissen tatsächlich etwas entgegensetzen?
Der Band ist in drei Teile gegliedert: Positioniert euch – radikalisiert euch – organisiert euch. Damit ist Die Armen liefern die Leichen nicht nur eine Diagnose, sondern auch ein Aufruf: zum Widerspruch, zur Solidarität und zum Handeln.
Buchvorstellung
Spätestens seit Oktober 2023 dient die deutsche Staatsräson als Sicherheit Israels der Verwandlung staatlicher Gewalt in einen Akt der Wiedergutmachung. Wie konnte die Erinnerungskultur zu einem Instrument rassistischer und antilinker Verfolgung werden? Und wie ist diese Staatsräson – angesichts des globalen Rechtsrucks – zu verstehen? Der Sammelband beleuchtet Vergangenheit und Gegenwart der herrschenden deutschen Ideologie und plädiert für ein universelles Nie wieder.