Wir lesen aus Passion. Hier findet ihr die Bücher, die wir besonders gemocht haben, und wir sagen euch auch, warum.
Was denn mit ihm sei, ob er ihn umbringen wolle? Auf den Stufen zu Titos Mausoleum hatte der Erzähler seinen Vater gefragt, was dieser im Leben am meisten bereuen würde.
Ein Hauch von Existenzialismus und Melancholie umgibt den Erzähler und färbt diese Geschichte von vier Geschwistern, die sich fünf Jahre nach dem Tod der Mutter im Rahmen verschiedener Familientreffen zusammenfinden. Die vier sind das Zentrum einer leicht erratischen und kosmopolitischen Künstlerfamilie, die in erster Linie via Ironie und Spott kommuniziert. Sie haben ein unfassbares Verständnis und Gespür für- und miteinander, aber die Abwesenheit der Mutter und die damit verbundene tiefe Trauer bleibt unbesprechbar.
Lakonisch und herzerwärmend zeigt David Vajda nicht nur die Absurdität des Konstrukts Familie, sondern vor diesem Hintergrund auch die Kuriosität des Lebens und Sterbens generell. Exzentrik und Ironie sind in einem ewigen Kreislauf Bewältigungsmechanismus und Voraussetzung und es stellt sich die Frage, ob es überhaupt anders sein könnte?
Eine große Leseempfehlung und das bisherige Jahreshighlight.
zum Produkt € 23,00*
Die Brüder Hazen und Thad führen ein beschauliches Leben in und mit der Natur im ländlichen Montana, unweit des Yellowstone Nationalparks. Ein halbwegs sicheres Auskommen generiert ihnen der Verkauf von Feuerholz, doch seit dem Tod des Vaters nehmen die Rechnungen und Mahnungen ein uneinhegbares Ausmaß an.
Ein dubioser Charakter, der nur "der Schotte" genannt wird und für den die Brüder gelegentliche Zusatzgeschäfte erledigen, macht ihnen ein Angebot, das sie aus finanzieller Perspektive kaum ausschlagen können. Der emotional-versponnen wie pragmatisch veranlagte Hazen würde keine Sekunde zögern, und die erdrückende Last der Schulden bringt letzten Endes auch den bedachten und verantwortungsbewussten Thad wider besseres Wissen dazu sich auf den Deal einzulassen und einen Plan zu schmieden, der nicht wie gedacht aufgeht.
"Bärenzähne" ist eine ruhige aber Unruhe bereitende Geschichte vom Leben und Überleben in der Abgeschiedenheit und am Rande der ökonomischen Sicherheit; davon was es bedeutet füreinander Verantwortung zu übernehmen und wie wichtig das Dach über dem Kopf ist.
Landschaft und Natur sind hier Ort und Bedingung zugleich, beschrieben in beinahe spürbaren Bildern und ohne je in die Romantisierung zu kippen, wie auch die Handlung an sich antiklimaktische Wendungen nimmt. Empfehlung!
zum Produkt € 25,00*
Shaun Bythell ist Inhaber des Book Shop in Wigtown, dem größten Second Hand Buchladen in Schottland. Ein Jahr lang berichtet er vom alltäglichen Zirkus namens Buchhandel: die kuriosesten Charaktere gehen hier ein und aus (haarsträubende Erwartungshaltungen im Gepäck), renitente Mitarbeiter:innen, die tiefen Abgründe des Online-Handels und die merkwürdigerweise unvermeidbare Lücke zwischen der Menge des Einkaufs und der des Verkaufs …
Ein Level von Witz und Sarkasmus, Selbstironie, latenter Misanthropie und einem unerschütterlichen Glauben an Bücher und die Literatur, das annährend zu erreichen man nur hoffen kann.
zum Produkt € 13,00*
"Don’t let me go“ von Kevin Christopher Snipes ist ein Jugendroman aus dem Jahr 2025. Es handelt von zwei Jungs, einer hetero, der andere homo, die sich durch einen Freund kennenlernen und durch Traumzeitreisen näherkommen und Gefühle füreinander entwickeln.
Was ich an diesem Buch toll finde, ist, wie die Autorin aus beider Sicht erzählt, also die Geschichte wird von beiden Jungs abwechselnd erzählt. Dies ist eindrucksvoller, als nur eine Blickrichtung auf das Geschehnis zu haben. Durch die Zeitsprünge wird das Buch nie langweilig, wenn eine Stelle kommt, wo es einfarbig werden könnte, kommt sofort eine Zeitreise und bringt wieder Spannung wie einen neuen „Plot-Twist“ ein.
Der entscheidende Punkt für mich ist, wie das Leben als LGBTQ bzw. diverser Mensch dargestellt wird. Die Probleme und Verurteilung, die angesprochen werden, sind realistisch und nachvollziehbar.
Im Buch gibt es lustige und schöne wie auch grausame und bittersüße Anteile. Der einzige negative Punkt könnten die von Zeit zu Zeit kitschigen Ausdrücke sein, die meiner Meinung jedoch zu den Momenten passen.
Ich selbst habe das Buch in etwas mehr als 48 Stunden gelesen, obwohl es über 50 Kapitel hat.
Meine Empfehlung für das Buch steht fest, wenn man nach einem queeren Liebesroman mit Spannung, echten Problemen wie einer guten Story sucht.
Das Buch wurde frisch ins Deutsche übersetzt von Sybille Uplegger.
zum Produkt € 14,99*
"Wie hatte das passieren können? Der betrunkene Mann in meinem Bett und unser Kind, das kaum ein halbes Jahr alt ist und neben uns schläft."
Anne liebt Richard. Und Richard liebt Anne. Nur leider ist die Liebe selten so einfach. Denn hier ist Anne, in einer liebevollen Familie in Geborgenheit und dem für uns so normalen, aber kaum aushaltbaren Überfluss aufgewachsen. Und da Richard, der sein Zuhause, Kibera-Slum nahe Nairobi, verlassen musste und sich auf den Weg machen für ein besseres Leben.
Beide stellen zunächst kaum Fragen.
Aber zu unterschiedlich sind ihre Prägungen, ihre Vorstellungen von Liebe, Freiheit und Verantwortung.
Beide müssen sich fragen, wie weit sie bereit sind zu gehen für ihre Liebe, für ein gemeinsames Leben.
Eigentlich eine universelle Frage, oder?
Lest dieses Buch!!!
zum Produkt € 24,00*
So war die Welt ist ein an Personen, Themen, Motiven und Gefühlen überbordender Roman. Die Handlung spielt im fiktionalen Argus, North Dakota, im Red River Valley. Der Zuckerrübenanbau bestimmt Wirtschaft und Gesellschaft des kleinen Örtchens. Im Zentrum stehen Crystal, die als LKW-Fahrerin für den nächtlichen Transport der Zuckerrüben verantwortlich ist, und ihre Tochter Kismet, die noch vor Ende der Highschool aus ihr selber nicht ganz eindeutigen Gründen den verzweifelten Heiratsantrag von Gary Geist annimmt, Sohn der größten und profitabelsten Zuckerrübendynastie und gebrochener Footballheld. Als würde diese kuriose Hochzeit nicht schon für genug Gesprächsstoff sorgen, kommt noch das Verschwinden von Kismets Vater Martin hinzu, im Gepäck hat er mutmaßlich den gesamten, von der Gemeinschaft aufgebrachten Fond für die Renovierung der Kirche. Und wenn nicht im Gepäck, dann auf dem Gewissen, denn in seiner Veranwortung lag die Anlage des Geldes und es ist das Jahr 2008.
Die Figuren sind spleenig und alles steht immer nur einen winzigen Schritt vom Bizarren entfernt, was sich nie unglaubwürdig anfühlt. "So war die Welt" ist aber eben nicht nur ein Kleinstadtroman über Ehekrisen und Teenagerverliebtheiten und mental kaputte Footballer, sondern auch ein spannender Beitrag zum Thema Landwirtschaft, umweltfreundlicher oder -schädlicher Nutzpflanzenanbau, Düngung - wer bzw. wessen Betrieb kann wie und unter welchen Bedingungen profitabel sein? Wem gehört das Land und zu welchem Preis ist es erworben worden?
Große Empfehlung!
zum Produkt € 26,00*
Ihre Großmutter liegt im Sterben, und Eva durchstreift die Flure des Krankenhauses. Dort trifft sie auf Jamie. Obwohl die beiden wenig gemeinsam haben, erwächst aus der Zufallsbegegnung Schritt für Schritt eine platonische Liebe, die alles verändert. Sie ist sechzehn und wächst in einer typischen Mitteklassefamilie in Brooklyn auf. Er ist gleich alt, aber der jüngste Spross einer superreichen Familie aus Upper Manhattan. Sie ist zurückhaltend, beobachtet viel und wünscht sich nichts mehr, als normal zu sein. Er hingegen ist mutig, exzentrisch, mysteriös. Evas Familie nimmt Jamie herzlich in ihre Mitte auf, sein eigenes Zuhause meidet er jedoch so oft es geht. Als Eva für das Studium wegzieht, sich verliebt und wieder entliebt, verliert Jamie den Boden unter den Füßen und sucht schließlich Halt in einem atemlosen politischen und religiösen Fanatismus. Es scheint, als hätte das Leben die beiden für immer voneinander fortgetrieben, doch tatsächlich kreisen Eva und Jamie beide auf ihre Weise um dieselbe Frage: Wie ist das Dasein in einer gespaltenen und ungleichen Welt auszuhalten? 'Frag mich noch einmal' ist eine mit großem Witz und außerordentlicher Präzision angelegte Kartografierung der Intimität durch alle Zeiten hindurch. Eine Liebes- und Coming-of-Age-Geschichte, die auslotet, wie sehr unsere Beziehungen uns prägen und verändern, und die uns eine Zukunft offenbart, die wir niemals für möglich gehalten hätten.
zum Produkt € 17,99*
Kafka meets Feminism meets 'Poor Things'. In einem Laden für Antiquitäten sucht Melanie nach einer Wiege für ihr Baby. Doch stattdessen weckt eine viktorianische Chaiselongue ihre Aufmerksamkeit, kopfüber auf einem Haufen gestapelt, mit klobigen Beinen, in die Luft ragend wie ein auf dem Rücken liegendes Schaf. Als sie nach der Geburt ihres Kindes zum ersten Mal auf ebendiesem Sofa einschläft, erwacht sie nach einer Zeitreise im Körper ihres Alter Ego Milly, achtzig Jahre zuvor ... Der Roman verwickelt uns in ein aufwühlendes Gedankenspiel über die Verwirrung der Identität und den Raum zwischen den Extremen: der Ekstase und dem Grauen. Der Time-Travel-Klassiker erstmals auf Deutsch - die Entdeckung einer der Lieblingsautorinnen von Annie Ernaux
zum Produkt € 24,00*
Drei Geschwister, ein großes Erbe und ein zweifelhaftes Vermächtnis - eine packende Familiengeschichte von Anna Hope
Als der Egomane Philip Brooke stirbt, kommen seine Kinder Frannie, Milo und Isa für fünf Tage auf dem gewaltigen Familienanwesen in Sussex zusammen. Haupterbin Frannie hat hier vor Jahren die Führung übernommen. Sie will die Ländereien renaturieren und für ihre siebenjährige Tochter eine Zukunft schaffen. Doch der unstete Milo hat andere Pläne - und den Segen seines Vaters dafür. Isa kämpft gegen innere Dämonen, sie hat die Tochter von Philips langjähriger Geliebter zur Beerdigung eingeladen. Und die kennt das wahre Erbe der Brookes aus den Zeiten des Empire. "Wo wir uns treffen" ist ein meisterlich komponierter Familienroman über die Beziehungen, die uns für immer prägen, über ererbten Besitz und historische Verantwortung - feinsinnig, klug und packend bis zum Schluss.
zum Produkt € 25,00*
Longferry, England, Sechzigerjahre. Thomas Flett ist Anfang zwanzig und lebt mit seiner Mutter in ärmlichen Verhältnissen. Seinen Vater hat er nie kennengelernt. Die Schule hat er abgebrochen, er verdingt sich als Krabbenfischer: ein Handwerk, das ihn sein Großvater gelehrt hat. Niemand kennt das Meer und seine Gezeiten so gut wie Thomas. Früh am Morgen bei Niedrigwasser fährt er mit Pferd und Kutsche los, um sich den Unterhalt für den Tag zu verdienen, ein Leben von der Hand in den Mund. Heimlich lernt er Gitarre spielen und träumt von Joan, der Schwester seines besten Freundes. Aber für Träume ist kein Platz in Longferry. Als der amerikanische Regisseur Edgar Acheson in der Stadt eintrifft, wird Thomas' vermeintlich einfaches Leben erschüttert. Er bekommt eine Ahnung von der großen, weiten Welt, davon, was da draußen auf ihn warten könnte, und schließt Freundschaft mit dem Mann, der in jeder Hinsicht anders ist als er. Ein Funke in ihm ist entzündet - aber nichts ist so, wie es scheint. Nur eines ist sicher: Am nächsten Morgen bei Niedrigwasser wird Thomas wieder dem Ruf des Meeres folgen.
Für 'Der Krabbenfischer' wurde Benjamin Wood mit dem Nero Book Awards 2025 und Platz 11 des SPIEGEL Buchpreis 2025 ausgezeichnet und stand auf der Longlist des renommierten Booker Prize 2025.
zum Produkt € 24,00*