Unsere Empfehlungen

Die Buchhändlerin empfiehlt im Januar 2023

empfohlen von:

Elvira Hanemann

Elvira Hanemann

Demut Szczepan Twardoch

gebunden

Die Buchhändlerin empfiehlt im März 2022

Szczepan Twardoch, Demut
Übersetzt von Olaf Kühl
Rowohlt Verlag 25 €

Twardoch, preisgekrönter Schriftsteller aus Oberschlesien, ist auch den deutschen Leser:innen kein unbekannter mehr. Mit „Morphin“, „Drach“ spätestens aber seit den großartigen Romanen „Der Boxer“ und „Das schwarze Königreich“ hat er sich einen Namen gemacht.
Sein neues Buch „Demut“ erzählt die Geschichte von Alois Pokora, einem jungen Soldaten, der die grauenhaften Erlebnisse während des 1. Weltkriegs nicht verwinden kann. Doch viel Zeit sich mit seinen Traumata zu beschäftigen, bleibt ihm nicht, denn in Berlin gerät er in den Strudel der Wirren der jungen Räterepublik. Er schließt sich den Spartakisten um Liebknecht und Luxemburg an. Doch so eindeutig ist seine politische Richtung nicht, auch ob er sich mehr als Deutscher oder als Pole oder gar als Schlesier fühlt, das hängt immer auch ab von den Menschen um ihn herum.

Er, aus einer armen Bergarbeiterfamilie stammend, als Kind vom Vater übersehen und von Mitschülern gemobbt, dann aber als erster der Familie Student, lässt sich oft treiben und in verschiedene Richtungen drängen. Deutsche Nationalisten wollen ihn, Träger des Eisernen Kreuzes, ebenso wie polnische für die nationale „Sache“ gewinnen – doch mehr als Politik interessiert ihn seine Jugendliebe Agnes. Man versteht bald, dass ihm diese sicher nicht guttut, doch er selbst versteht es lange nicht. Und dann als er es versteht, ist es zu spät – oder doch nicht?

Twardoch gelingt es, in seiner unnachahmlichen bildmächtigen Sprache hautnah Geschichte zu vermitteln, packende Figuren zu zeichnen und uns Lesende mitzunehmen und in einen Strudel der Gefühle, der Widersprüche zu werfen. Was Twardoch von vielen anderen Schriftstellern unterscheidet, ist seine Drastik, seine Wucht und sein kompromissloser Stil.
Ein Ausnahmetalent!

Elvira Hanemann

zum Produkt € 25,00*

empfohlen von:

Elvira Hanemann

Elvira Hanemann

Das Versprechen Damon Galgut

gebunden

Die Buchhändlerin empfiehlt im Februar 2022

Damon Galgut, Das Versprechen
Übersetzt von Thomas Mohr
Luchterhand Verlag 24 €

Bücher, die mit dem Bookerpreis ausgezeichnet wurden, haben mich eigentlich noch nie enttäuscht. Ich kenne nicht alle, aber die ich kenne haben sich alle gelohnt. Das war ein Grund zu diesem Buch zu greifen, der andere, dass ich vor Jahren „Der gute Doktor“ von Galgut gelesen und für sehr gut befunden hatte. Und wieder bestätigt sich mein positives Vorurteil gegenüber dem Bookerpreis!

Damon Galgut, 1963 in Pretoria geboren, ein weißer südafrikanischer Schriftsteller, hat mit „The Promise“ einen Familienroman geschrieben. Es geht um die Familie Swart, aber auch um die jüngere Geschichte Südafrikas.

Mit dem frühen Tod der Mutter und deren Beerdigung setzt die Geschichte ein. Rahel hat sich am Ende ihres Lebens dem Judentum, ihrer ursprünglichen Religion, wieder zugewandt, was den christlichen Teil der Verwandschaft verärgert. Ein Streitpunkt ist auch Rahels letzter Willen. Ihr Mann hatte ihr auf dem Totenbett versprochen, dass Salome, ihr Dienst“mädchen“, eine Schwarze, das Haus, in dem sie lebt und das auf der Farm der Swarts steht, erben sollte.

Keinen von der Familie kümmert das weiter. Nur Amor, die jüngste Tochter versucht das Versprechen wach zu halten. Doch eine 13-jährige kann da nicht viel ausrichten.

Das Leben der Familienmitglieder wird nun über viele Jahrzehnte hinweg beschrieben, Amor, ihre ältere Schwester und der Bruder Anton, der Schriftsteller werden möchte, aber dem Alkohol verfällt, bilden den inneren Kern des Romans. Enttäuschte Lebenserwartungen, hoffnungsvolle Anfänge und traurige Enden verbindet Galgut mit den ebenfalls enttäuschten Erwartungen an ein besseres Südafrika nach dem Fall der Apartheid.

Ein Roman, der den Preis verdient hat, eine bereichernde Lektüre!

zum Produkt € 24,00*

empfohlen von:

Elvira Hanemann

Elvira Hanemann

Welten auseinander Julia Franck

gebunden

Die Buchhändlerin empfiehlt im November 2021

Julia Franck
Welten auseinander

Fischer Verlag 23 €

Julia Franck, die 2007 den Deutschen Buchpreis für „Die Mittagsfrau“ erhielt – einige erinnern sich vielleicht an eine sehr intensive und schöne Lesung mit ihr in unserer Buchhandlung – hat nun nach einer langen Pause ein neues Buch veröffentlicht.

Wie in einigen ihrer vorherigen Romane verarbeitet sie auch hier ihre eigene Familiengeschichte. Diesmal geschieht das jedoch auf noch persönlichere Art und Weise: das Mädchen Julia steht im Mittelpunkt der Geschichte.

Dieser Roman kam für mich wie ein unerwartetes Geschenk. Da ich ihre anderen Bücher bereits mit großem Gewinn und großer Freude gelesen hatte, war ich bestürzt, als ich hörte, sie habe aufgehört zu schreiben. Ich bin nun umso froher, dass es anders gekommen ist.

Julia wird in Ostberlin als Zwillingsschwester geboren. Der Vater spielt sehr lange in ihrem Leben keine Rolle. Die Mutter ist Schauspielerin und mit den Kindern schwer überfordert. So wird „das Mädchen“ eine lange Odyssee durch Pflegefamilien, Heime, Aufenthalten bei Verwandten und Freunden, und später durch Wohngemeinschaften durchmachen, bis sie zur Ruhe kommen darf. Immer wieder auch macht sie Station bei ihrer hochinteressanten, aber harten Großmutter, der berühmten Bildhauerin Ingeborg Hunzinger.

Ein sehr berührendes, sehr ehrliches und auch spannendes Buch. Franck zeichnet eine ungewöhnliche Familiengeschichte, aber auch die erste große Liebe auf einfühlsame Weise. Trauer, Angst, Scham und Schmerz, doch Julia zerbricht nicht. Durch ihr exzessives Schreiben gelingt es ihr sich zu entfalten und zu behaupten.

Wie immer bei Julia Franck ist dieser literarische Text in einem klaren und ästhetischen Stil geschrieben. Ein absolutes Muss für alle, die die Autorin schon kennen und schätzen, aber auch sehr gut lesbar als Einstieg in ihr Werk.

zum Produkt € 23,00*

empfohlen von:

Elvira Hanemann

Elvira Hanemann

Herren der Lage Castle Freeman

gebunden

Die Buchändlerin empfiehlt im Oktober 2021

Castle Freeman
Herren der Lage

übersetzt von Dirk van Gunsteren
Hanser Verlag 20 €

Sheriff Lucian Wing bekommt in seinem kleinen Nest in Vermont hohen Besuch. Ein Anwalt aus New York beauftragt ihn bzw. befiehlt ihm, die Stieftochter seines Mandanten zu finden. Diese ist zusammen mit einem Freund ausgerissen und versteckt sich in den Wäldern der Gegend. Der Mandant ist stinkreich, einflussreich und absolut davon überzeugt, dass alle ihm gehorchen müssen und jedermann bestechlich ist. Doch da gibt es ein kleines Dorf in Gallien… jetzt bin ich wohl abgedriftet, denn das Dorf liegt ja in Vermont… Immerhin hat aber auch ein Wildschwein einige nicht unwesentliche Auftritte!

Lucian Wing ist nicht der große Held, der sich in aussichtslose Kämpfe verstrickt. Gewissenhaft erledigt er seine Aufgabe als Sheriff und findet die jungen Leute. Doch bald tauchen immer mehr Hinweise auf, dass die Gefahr für diese weniger in den wilden Wäldern liegt, sondern bei den Auftraggebern der Suche. Amüsant und spannend lesen sich die Tricks, mit denen Wing und sein Deputy versuchen, die jungen Menschen zu schützen und sich trotzdem ans Gesetz zu halten.

Wer actionreiche Krimis mit viel Blut und Brutalitäten liebt, wird hier nicht auf seine/ihre Kosten kommen. Doch für Menschen, die lakonischem Humor verbunden mit einer guten Geschichte und sympathischen Ermittlern etwas abgewinnen können, ist Castle Freeman ein heißer Tipp!

Der Verlag wirbt mit Querverweisen zu Filmen wie „Fargo“ und „Three Billboards outside Missouri“ –das passt ganz gut. Sowohl dank des Themas als auch des plastischen Stils kann ich mir das Buch gut verfilmt vorstellen.

„Herren der Lage“ ist der dritte Roman um diesen Landei-Sheriff. Für mich war es der erste, aber ich freue mich schon darauf, diese Leselücke bald zu schließen!

zum Produkt € 20,00*

empfohlen von:

Elvira Hanemann

Elvira Hanemann

Die Anomalie Hervé Le Tellier

gebunden

Die Buchändlerin empfiehlt im September 2021

Hervé Le Tellier , Die Anomalie
Übersetzt von Romy und Jürgen Ritte
Rowohlt Verlag 22 €

Der 1957 in Paris geborene Schriftsteller erhielt für diesen Roman den Prix Goncourt 2020, den höchsten französischen Literaturpreis.

Zum Inhalt:

Ein Flugzeug gerät auf dem Flug Paris – New York in heftige Turbulenzen, die Passagiere stehen Todesängste aus. Doch alles geht gut aus. Sonderbar ist nur, dass zwei Monate später dieselbe Maschine nochmal landet. Mit denselben Passagieren. Sie werden an einen abgeschiedenen Ort gebracht und man versucht herauszufinden, was eigentlich passiert ist. Auch wenn die Gründe dieser Anomalie nicht aufgeklärt werden können, so steht doch fest: alle Menschen im Flugzeug gibt es nun doppelt! Zwei Monate älter bzw. jünger, mit unterschiedlichen Lebensentwicklungen.

Der ältere Mann und seine junge Geliebte, ein Auftragsmörder, ein Schriftsteller, ein afrikanischer Sänger, eine Schauspielerin – die unterschiedlichsten Menschen sehen sich nun gezwungen, sich mit ihrer eigenen Identität auseinander zu setzen. Wer ist das wirkliche „Ich“?


Le Tellier gelingt es hier einen hervorragenden Spannungsroman zu schreiben, wie auch mitreißende Einblicke in die unterschiedlichsten Leben und Charaktere zu geben. Die Anklänge an Science-Fiction-Literatur erhöhen meiner Meinung nach den Reiz dieses Gedankenspiels zusätzlich. Philosophische Fragestellungen, Komik und Thriller – kann diese eigenartige Mischung wirklich funktionieren?
„Die Anomalie“ beweist, dass das sehr wohl und ganz hervorragend geht!

Gehobene Unterhaltung oder Literatur? Die Einteilung in Schubladen ist nicht immer nötig, dieser Roman überzeugt gerade durch seine Genre sprengende Kraft.

Eines ist klar: langweilen wird sich beim Lesen garantiert niemand!

zum Produkt € 22,00*

empfohlen von:

Elvira Hanemann

Elvira Hanemann

Dein ist das Reich Katharina Döbler

gebunden

Die Buchändlerin empfiehlt im August 2021

Katharina Döbler: "Dein ist das Reich" Claasen Verlag 24€

Katharina Döbler, Jahrgang 1957, studierte Theaterwissenschaften, experimentierte als Kabarettistin und Punksängerin, schrieb Theaterstücke, Hörspiele und bereits einen Roman. Als Journalistin arbeitet sie für den Rundfunk und Le Monde Diplomatique, sie lebt in Berlin.

In „Dein ist das Reich“ setzt sie sich mit der Geschichte ihrer eigenen Familie auseinander. Beide Großelternpaare gingen als Missionare kurz vor dem Ersten Weltkrieg aus Neuendettelsau nach Papua-Neuguinea. Döbler schildert das Leben von Menschen, die wenig eigene Entscheidungen treffen konnten. Sie beugten sich den Wünschen der Familien und der alles bestimmenden Diakonie. Auch die Ehen waren nicht immer selbst gewählt.

So unterschiedlich die Großeltern Marie und Heiner und Nette und Jakob auch waren, so einte sie doch das Bewusstsein, dass sie in den deutschen Kolonien das Richtige taten, dass sie den armen Heiden dort das Wort Gottes beibrachten und ihnen, den „Wilden“ die Zivilisation ermöglichten.

Wie viel Leid und Unterdrückung die Missionare den Menschen dort brachten, übrigens auch durch eingeschleppte Krankheiten, wurde nie reflektiert, zumindest nicht für die Nachwelt erkennbar.

Doch auch sie selbst und ihre Kinder litten. Besonders klar wird das, als die Kinder – darunter Döblers Mutter – aus ihrem Leben in Papua-Neuguinea – herausgerissen wurden, nach Deutschland verschifft und dort in ein Kinderheim gebracht wurden. Warum? Weil das so üblich war, und weil die Kinder ihre eigene Kultur, die deutsche, lernen sollten. Einsamkeit, Qual und Traumata waren die Folge.

Beim Lesen spürt man zwar, dass die Autorin dem einen Großelternpaar sehr viel mehr Sympathie entgegenbringt als dem anderen, doch versucht sie anhand ihrer Aufzeichnungen und Nachforschungen der Wahrheit gerecht zu werden.

Hoch interessant finde ich die gelungene Verknüpfung einer gut recherchierten und erschütternden Familiengeschichte und einer ganz persönlichen Aufarbeitung des Themas deutscher Kolonialismus. In ruhigem Tonfall schreibt sie auch über das Leben von Menschen, die den aufkommenden Faschismus von außen mitbekommen.

Zudem bereichert dieser Roman die gerade – meiner Meinung nach endlich - öffentlich diskutierte Debatte um die Rolle Deutschlands im Kolonialismus durch ihre individuelle Auseinandersetzung mit dem Thema.

zum Produkt € 24,00*

empfohlen von:

Elvira Hanemann

Elvira Hanemann

Schicksal Zeruya Shalev

gebunden

Die Buchändlerin empfiehlt im Juli 2021

Zeruya Shalev „ Schicksal“
Berlin Verlag 24 €

Das Warten auf den neuen Roman der israelischen Schriftstellerin Zeruya Shalev hat sich gelohnt!

In „Schicksal“ entwirft sie eine eindringliche und schmerzhafte Familiengeschichte um zwei Frauen, deren Leben miteinander verknüpft ist, ohne dass sie voneinander wussten. Gleichzeitig erhellt sie einen eher unbekannten Aspekt der israelischen Geschichte.

Die Architektin Atara lebt zusammen mit Mann und Sohn. Die beiden hatten vor Jahren ihre jeweiligen Ehepartner verlassen, weil es „die“ große Liebe war. Vieles, was Atara zustößt, betrachtet sie seither unter dem Aspekt der Strafe für die Zerstörung zweier Familien. Mittlerweile gibt es viel Streit zwischen Atara und ihrem Mann, der Sohn leidet nach seinem Militäreinsatz unter Depressionen, die Tochter lebt im Ausland und Atara nörgelt sich so durch die Tage.

Als ihr harter und gnadenloser Vater starb, sprach er Atara mit Rachel an und war so zärtlich wie sonst nie. Atara begibt sich auf die Suche nach Rachel, der ersten Frau ihres Vaters, über die nie gesprochen werden durfte. Sie findet sie und lernt die Geschichte der Lechi, einer Widerstandsgruppe aus den Anfängen Israels kennen. Die Lechi kämpften gegen die Briten, sie hatten die Vorstellung, friedlich mit den Arabern leben zu können, wenn erst mal die Besatzungsmacht weg wäre. Verbittert wohnt diese alte Frau nun unter Siedlern, angefeindet von allen. Nach einem dramatischen Ereignis müssen beide einen neuen Weg finden für ihr Leben.

Die Verquickung historischer wie aktueller politischer Themen mit einer individuellen Geschichte gelingt Shalev sehr gut. Sie schreibt introspektiv und detailreich über das Seelenleben der Protagonistinnen.

Ein faszinierendes Buch, das ich allen, die ernsthafte psychologische Romane mögen, ans Herz lege. Ein Muss für Shalev – Fans, aber auch ein guter Einstieg für alle, die es noch werden möchten!

Elvira Hanemann

zum Produkt € 24,00*

empfohlen von:

Elvira Hanemann

Elvira Hanemann

Was, wenn wir einfach die Welt retten? Frank Schätzing

gebunden

Die Buchhändlerin empfiehlt im Juni 2021

Frank Schätzing "Was, wenn wir einfach die Welt retten? Handeln in der Klimakrise"
Kiepenheuer & Witsch Verlag
20 €

Auch wenn Schätzing eher als Thrillerautor bekannt ist, handelt es sich hierbei nicht um sein erstes Sachbuch.
Nimmt er dieses Mal den Mund nicht etwas voll - einfach die Welt retten? Einerseits ja, denn so einfach ist es nicht und das weiß er auch. Andererseits nein, denn möglich ist es! Die Anfangsidee des Buches besteht darin, dass wir alle in einem Thriller leben, einem mit wahnsinnig vielen Gefahren, in dem wir als Protagonisten den Ausgang mitgestalten können.

Schätzing beschreibt die aktuelle Situation, in der sich die Erde aufgrund des Klimawandels befindet. Was er da beschreibt, kann und sollte uns Angst machen. Er hat viel recherchiert, das Buch ist faktenorientiert und genügt wissenschaftlichen Ansprüchen. Es gelingt ihm, sehr anschaulich und mit einprägsamen Vergleichen uns Lesern die ganze Misere vor Augen zu führen.

Durch seinen unterhaltsamen Schreibstil liest sich das Buch spannend und sogar lustig. An manchen Stellen war es mir zugegebenermaßen etwas zu flapsig, aber besser so als zu trocken!

Gründe für den Klimawandel, dessen Ausmaß, Möglichkeiten, das Rad noch herumzureißen, die Verantwortung der Einzelnen wie der Politik und Wirtschaft - auf all das geht er ein. Er beschönigt die Situation nicht, aber er bietet Vorschläge dazu, wie uns der Ausweg aus der Katastrophe noch gelingen kann. Praktische Tipps die Veränderung des eigenen Lebensstils betreffend und Hinweise auf politische Handlungsmöglichkeiten verknüpft er mit einem Best Case-Szenario, das mich amüsiert hat und das Hoffnung gibt.

Ist das nun d a s eine große Buch zur Klimakrise? Sicherlich gibt es wissenschaftlichere Bücher, aber es ist ein großartiger Einstieg, der sehr gut verständlich ist und bei dem das Lesen Spaß macht. Ein Buch, das auch noch die letzten Klimaskeptiker zum Nachdenken bringen müsste.

Ein Buch, dem ich einen großen Erfolg wünsche!


Mehr unter: https://www.einfachdieweltretten.com

zum Produkt € 20,00*

Klara und die Sonne Kazuo Ishiguro

gebunden

Die Buchhändlerin empfiehlt im Mai 2021

Kazuo Ishiguro
Klara und die Sonne

Übersetzt: Barbara Schaden
Blessing Verlag 24 €

Ishiguro, Literaturnobelpreisträger und Autor so wunderbarer Bücher wie „Was vom Tage übrig blieb“ oder „Alles was wir geben mussten“ begibt sich mit seinem neuen Roman in die Gefilde der Künstlichen Intelligenz.
Klara ist eine KF, eine künstliche Freundin. Ihre Aufgabe ist es, einsamen Kindern zur Seite zu stehen. Natürlich können sich das nicht alle leisten in dieser – das wird nur dezent angedeutet – Klassengesellschaft.

Klara wird für Josie gekauft, diese, ein schwerkrankes Mädchen und Klara werden tatsächlich Freundinnen. Als Leser:in sieht man die ganze Geschichte mit Klaras Augen. Sie ist intelligent, lernfähig und selbstlos. Andererseits versteht sie die menschliche Welt nicht ganz und zieht immer wieder falsche Schlüsse. So ist sie überzeugt davon, dass die Sonne – Klara ist solarbetrieben – eine Art helfende Gottheit darstellt und sie unternimmt alles, um Klara zu retten.

Ein Nachbarsjunge ist Josies bester Freund und hat einen wichtigen Anteil in dem Roman. Ebenso wie die Mutter, die nach dem Tod ihrer ersten Tochter um Josie bangt und eine sehr eigenwillige Idee zu ihrer Rettung hat: Klara und ein Künstler spielen dabei eine Rolle.

Wer sich von diesem Roman eine technisch-fiktionale Auseinandersetzung mit dem Thema KI erwartet, dürfte enttäuscht werden. Um Technik geht es hier nicht, sondern um die Frage was Menschlichkeit ausmacht.

Ishiguro schreibt hier in einem naiv anmutenden Stil. Immerhin spricht Klara, das Robotermädchen zu uns; doch die Fragen, die sie stellt, sind universell und moralisch relevant.

Ich war beim Lesen – trotz oder wegen? – der eher nüchternen Schreibweise ergriffen und emotional berührt. Ich hätte nicht gedacht, dass ein Roman aus der Innensicht einer KI bei mir so ein Mitfühlen bis hin zu echten Tränen führen könnte.

Ich bin begeistert von Ishiguros Beobachtungsgabe, der klugen Konstruktion des Romans und seiner Fähigkeit, etwas zum Schwingen zu bringen.

zum Produkt € 24,00*

empfohlen von:

Elvira Hanemann

Elvira Hanemann

Adas Raum Sharon Dodua Otoo

gebunden

Die Buchhändlerin empfiehlt im April 2021
2021Sharon Dodua Otoo
Adas Raum

Fischer Verlag 22 €

Sharon Dodua Otoo, geboren 972 in London, seit 2006 in Berlin lebend, hatte bei uns in der Buchhandlung 2017 aus dem Buch gelesen, für das sie 2016 mit dem Ingeborg Bachmann Preis ausgezeichnet worden war.

Sicher können sich viele von Ihnen an diese Lesung, die ein echtes Highlight war, erinnern. Sehr gerne hätten wir sie auch 2021 wieder zu uns eingeladen. Aber es geht halt nicht…

Otoo ist Aktivistin in der „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“, sie setzt sich besonders gegen Rassismus und für Frauenrechte ein, vor allem aber ist sie Schriftstellerin.

Nach Kurzgeschichten, kurzen Prosa- und journalistischen Texten legt sie mit „Adas Raum“ nun ihren ersten Roman vor.

Ada ist eine Frau, doch es sind vier Adas, deren Leben erzählt wird:
Eine Ada lebt in Ghana (das damals noch nicht so hieß) im 15. Jahrhundert, eine andere ist Ada Lovelace, eine britische Mathematikerin, die Mitte des 19. Jahrhunderts den Vorläufer des Computers entwickelt hatte, eine weitere Ada lebt als Zwangsprostituierte im KZ Dora-Mittelbau 1945, die vierte Ada kommt 2019 aus Ghana nach Berlin, um hier zu studieren.

Doch wer erzählt die Geschichte der vier Adas? Hier erlaubt sich Otoo einen genialen Kunstgriff!

Es ist eine Art „Geist“, der sich mal als Reisigbesen manifestiert, mal als Türknauf, mal als Zimmer oder auch mal als berlinernder Gott. Ebenso wie ein bestimmtes Armband, das in jeder Epche bei jeder der Frauen auftaucht, eine wichtige Rolle spielt, so spielen diese Gegenstände quasi die Rolle des allwissenden Erzählers.

Es geht immer um die Rolle der Frau, um das Leid von Müttern, um Solidarität, um Verbrechen und um Stärke, das klingt allgemein, ist es aber nicht, da jede der Adas genügend „Raum“ erhält, ihre Geschichte entwickeln zu lassen.
Respekt auch vor der sicher nicht einfachen Entscheidung, eine der Adas ins KZ zu versetzen, aber auch das gelingt der Autorin auf eine achtungsvolle und subtile Weise sehr gut.

Ich bin tief beeindruckt von diesem vielschichtigen, literarisch sehr kreativen Roman über vier Frauen quer durch die Jahrhunderte und die Kontinente. Es ist ein Roman, den man konzentriert lesen sollte, dann erschließt sich das ganze Spektrum dieser Adas erst richtig.

zum Produkt € 22,00*

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