Veranstaltungen

 

Eva Weissweiler: Luise Straus-Ernst. Pariser Impressionen. Texte aus dem Exil

16.05.2026 18:30 Uhr

Veranstaltungsort: Kalker Buchladen gUG
Vorverkauf: -

16.05.2026, 18:30 Uhr
Luise Straus-Ernst. Pariser Impressionen. Texte aus dem Exil
Lesung mit Eva Weissweiler
Moderation: Gabriele Ewenz

Zum Buch:
Paris 1933 bis 1938. Die Kölner Schriftstellerin und Journalistin Luise Straus-Ernst, erste Frau des berühmten Malers Max Ernst, sucht in kleinen Hotels Zuflucht vor den Nazis und hält sich, wie tausende anderer EmigrantInnen, mit schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs über Wasser. Französische Zeitungen haben keine "Verwendung" für sie. Eine offizielle Arbeitserlaubnis ist kaum zu bekommen. Doch dann erscheint die erste Ausgabe des deutschsprachigen "Pariser Tageblatts", das künftig vielen AutorInnen des Exils ein Forum bieten wird, Irmgard Keun, Joseph Roth, Klaus Mann und auch Luise Straus-Ernst. Sie entwickelt nach und nach ein ganz eigenes Genre für dieses Blatt: episodenhafte Kurz- und Kürzestgeschichten, Vignetten, subtile Momentaufnahmen, die an Filme von René Claire erinnern und vom täglichen Leben in Paris handeln, auf dem Flohmarkt, in der Metro, im Vorstadt-Variété, auf den Boulevards oder in Emigranten-Hotels. Die Kölner Autorin Eva Weissweiler, Verfasserin der ersten Biographie über Luise Straus-Ernst (Notre Dame de Dada, Köln 2016) hat für dieses Buch fünfzehn Texte ausgewählt, die durch ihre bildhafte, poetische Sprache bestechen. Anders als ihrem weltbekannten Ex-Mann gelang es Luise Straus-Ernst nicht, nach Amerika zu emigrieren. Sie wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Kurzbio
Die promovierte Musik-, Literatur- und Islamwissenschaftlerin Eva Weissweiler widmet sich in ihrem literarischen und wissenschaftlichen Werk vor allem den Biografien von Frauen und der Erforschung deutsch-jüdischer Lebenswege: darunter Eleanor Marx, die jüngste Tochter von Karl Marx, Dora Sophie Kellner, die geschiedene Frau Walter Benjamins, und Lisa Fittko, die vor allem als Fluchthelferin bekannt wurde.

Eva Weissweiler

 

Jonas Linnebank: aus dem Benzindampf der Via Foria

28.05.2026 19:30 Uhr - 21:30 Uhr

Veranstaltungsort: Kalker Buchladen gUG
Vorverkauf: 0,00

aus dem Benzindampf der Via Foria
Lesung mit Jonas Linnebank
Moderation: Anne Pretzsch

Zum Buch:
aus dem Benzindampf der Via Foria steigt abstrakte Geschichte auf in die Konkretheit privater Biografie. Themen sind die Eltern- und Nachkommenschaft, die Gleichzeitigkeit vom Täter- und (Groß-)Elternsein, Erziehung, die eigenen Kinder, der Verlust von Kindern und der Umgang mit dieser Trauer.


"ich will unsichtbar werden und immer hier sitzen bleiben die
Jacke nicht ausziehen ungesehen von hier verschwinden
ein Geist werden und ich frage mich ob ich meine
toten Verwandten besuchen würde gäbe es eine
Geisterwelt ich fürchte nein"

Kurzbio:
Jonas Linnebank lebt und schreibt in Kalk. Er hat in Köln und Salerno studiert und arbeitet seit dem Ende seiner Elternzeit wieder als DaZ-Dozent in der Erwachsenenbildung oder hilft im Kalker Buchladen aus. Er war Mitbegründer der Kölner Literaturzeitschrift sowie Teil des Kurator*innen-Teams des Europäischen Literaturfestivals Köln Kalk. aus dem Benzindampf der Via Foria ist der zweite Lyrikband, der in der parasitenpresse erscheint. Dort sind bereits sein Debüt verlassene Hunde und das von ihm herausgegebene Kalk Alphabet erschienen.


 

Musa Deli: Unsichtbare Mauern. Stadtbild – Selbstbild – Weltbild

29.05.2026 19:00 Uhr - 22:00 Uhr

Veranstaltungsort: Kalker Buchladen gUG
Vorverkauf: 0,00

Unsichtbare Mauern. Stadtbild – Selbstbild – Weltbild
Lesung mit Musa Deli
Moderation: Michael Schikowski

Zum Buch:
Musa Deli beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Paradigma der Integration. Trotz zahlreicher Programme, Konzepte und politischer Bekenntnisse scheitert sie allzu oft. Deli zeigt, dass viele dieser Bemühungen nur an der Oberfläche wirken – als Versprechen, die unsere Strukturen, Institutionen und Denkweisen, unser Selbst- und Weltbild also, kaum erreichen. Was Integration blockiert, sind nicht nur fehlende Maßnahmen, sondern unausgesprochene Erwartungen, stille Normen und tief verankerte Bilder von Zugehörigkeit. "Die Mauern, die uns trennen, stehen nicht zwischen Kulturen – sie stehen in den Köpfen derer, die glauben, sie hätten keine."
Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen jene unsichtbaren Mauern, die Teilhabe erschweren: unbewusste Haltungen, vertraute Muster der Ungleichheit und Bilder von Normalität, die häufig unausgesprochen bleiben. Sie formen unser gesellschaftliches Zusammenleben stärker, als es uns bewusst ist. Deli zeigt, dass Integration nicht nur an Migranten scheitert, sondern auch an einer Dominanzgesellschaft, die Vielfalt nur akzeptiert, wenn sie möglichst unsichtbar bleibt. Diese Mauern wirken nicht laut, sondern leise – in Klassenzimmern, Ämtern, Betrieben und Alltagsbegegnungen. Gerade weil sie unsichtbar sind, prägen sie Biografien, Selbstwert und Chancen über Generationen.

Zur Person
Musa Deli ist Sozialpsychologe und Leiter des Gesundheitszentrums für Migrantinnen und Migranten in
Köln. Er veröffentlichte zahlreiche Beiträge zu Migration, Integration und gesellschaftlichem Wandel.
2022 erschien sein Buch Zusammenwachsen. Die Herausforderungen der Integration, 2023 folgte eine Son-
derausgabe bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Im April 2026 erscheint sein neues Buch Unsicht-
bare Mauern: Warum unser Paradigma der Integration scheitert – und Migration Zukunft statt Bedrohung
bedeutet im Bonifatius Verlag, Paderborn

Musa Deli

 

Mona Yahia „4 Tage“

30.05.2026 18:30 Uhr - 21:00 Uhr

Veranstaltungsort: Kalker Buchladen
Vorverkauf: 0,00
Preis: 0,00

Zum Buch:
Alles beginnt an einem Novembertag 1918. Hayim Smeké – jüdischer Arzt, Vertrauter und Freund des Walis von Mossul – ist in der Zwickmühle: Die Briten stehen vor den Toren Mossuls und wollen das Osmanische Reich endgültig in die Geschichtsbücher verbannen. Die Freundschaft zum Wali Khalil Bey gebietet ihm, diesem in die Hauptstadt Istanbul zu folgen. Doch liegt ein unausgesprochener Konflikt zwischen beiden Männern: die Liebe zu der kleinen Serafine. Wie auch immer er sich entscheidet – für die Familie Smeké stellt sich von nun an die Frage, wo in dieser Welt Platz für sie ist. »Vier Tage« erzählt – anhand jeweils eines Tages – das Leben von vier Generationen einer jüdischen Familie. Sie alle, Hayim und Ehefrau Nazli, seine Töchter Rebekka und Serafine, Rebekkas Sohn Nemir und dessen Tochter Leila, erleben radikale und einschneidende Veränderungen. Sie alle sind verwoben mit der Erfahrung und den Traumata des Exils, mit den Fragen nach Identität und innerer Zugehörigkeit.

Es sind die Frauen in der Familie, die ihr Leben in die Hand nehmen, wird Nemir als Erwachsener im Rückblick auf die Familiengeschichte sagen. Und nach Verbindungen und Antworten suchen: warum ihn seine Mutter Rebekka zurückgelassen hat, als sie 1936 in die noch junge Stadt Tel Aviv auswanderte; warum seine Tochter Leila unbedingt die »erste Uniform in der Familie« tragen wollte und erleben musste, wie 1973 an Jom Kippur die ägyptische Armee Israel in den Krieg stürzte; warum seine Tante und, nach Rebekkas Fortgang, Stiefmutter Serafine ihn und ihre Familie ebenfalls verließ und in Istanbul zu Ende führte, was vor so langer Zeit in Mossul mit Wali Khalil Bey begann. Und er wird sich fragen, was die Geschichte seiner Familie ausmacht, die – wie die fast aller jüdischen Familien der arabischen Welt – die Narben des Exils mit Entwurzelung, Anpassung und Neuorientierung unauslöschlich in sich trägt.

Kurzbio:
Mona Yahia, geb. 1954 in Bagdad, floh mit ihrer Familie 1970 in den Iran und wanderte von dort 1971 nach Israel ein. Nach ihrem Militärdienst studierte sie Psychologie und französische Literatur an der Universität Tel Aviv. In den 1980er- Jahren absolvierte sie ein Studium der Freien Kunst bei Harry Kramer an der Gesamthochschule Kassel und arbeitete im Bereich Konzeptkunst, bevor sie zum Schreiben kam. Ihr Debütroman Durch Bagdad fließt ein dunkler Strom (im Original: When the Grey Beetles Took over Baghdad), erhielt 2001 in London den Jewish Quarterly Wingate Price for Fiction. Daneben veröffentlichte sie Erzählungen und Essays, u. a. in englischen und deutschen Literaturzeitschriften und Anthologien, sowie zwei Fotobände über die historische Karawansereien Istanbuls. Mona Yahia schreibt auf Englisch und lebt in Köln.

Mona Yahia

 

Son Lewandowski „Die Routinen“

13.06.2026 18:30 Uhr - 21:00 Uhr

Veranstaltungsort: Kalker Buchladen
Vorverkauf: 0,00
Preis: 0,00

Zum Buch:
Ein Gummibärchen essen, heute den Arm, morgen ein Bein. Was sich anhört wie ein Witz, ist Alltag für die Leistungsturnerin Amik. Für sie zählt jedes Gramm, jeder Wettkampf, jede Wiederholung. Und jede überschrittene Grenze nimmt Amik dafür hin. »Die Routinen« seziert eine Welt, von der jeder ahnt, dass sie hart ist, aber niemand sieht oder sehen will, wie ausbeutend ein System ist, auf dem so viel Glitzer und Glanzspray liegt.
München. Montreal. Tokio. Wenn die olympischen Spiele anstehen, blickt die ganze Welt auf eine Stadt, auf eine Mannschaft, auf eine Leistungsturnerin. Die Mädchen und Frauen trainieren ihr gesamtes Leben auf diesen Moment hin. Aus diesem Wir der Turnerinnen, das in olympischen Jahren denkt, vom Training auf die Waage zu den Wettkämpfen gedrängt wird, entspringt ein Ich, die Turnerin Amik. Sie beugt sich den gnadenlosen Wettbewerbsprinzipien ihres Sports und mit jedem weiteren Schritt auf ein Siegerinnenpodest entfernt sie sich mehr von den Mädchen, die sie gestern noch getröstet haben. Auf kraftvolle Weise erzählt Son Lewandowski von Sport und Politik, von fragilen Beziehungen und den Grenzen des eigenen, alternden Körpers. Die Geschichten von berühmten Turnerinnen und der größte Missbrauchsskandal der Sportgeschichte werden in die Geschichte von Amik eingewebt und machen »Die Routinen« zu einer atemlosen Leseerfahrung.

Kurzbio:
Son Lewandowski lebt als Autorin und Kuratorin in Köln. 2023 wurde sie zum Klagenfurter Literaturkurs und der Autor:innenwerkstatt des LCB eingeladen. Mit Die kurzen Karrieren stand sie im selben Jahr Jahr auf der Shortlist des Edit-Essaypreises. Die Routinen ist ihr Debütroman, mit dem sie für den lit.Cologne-Debütpreis nominiert ist.

Son Lewandowski