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Eines Morgens wird Renata von einem unbändigen Freiheitsdrang erfasst: Sie kündigt ihre Stelle als Hausmädchen, setzt sich auf die Parkbank zu den Vögeln, lässt den Alltag vorbeistreifen. Und sie entfernt sich aus dem Korsett der Stadt und ihrer Beziehungen. Ein Handschuhverkäufer, ein Busfahrer, ein Zeitungsjunge - alle, die in ihren Weg geraten, fegt sie davon. Wer nach Befreiung strebt, dem wird das gewohnte Leben fremd. 'Renata wasweißich' von Catherine Guérard ist ein radikaler Klassiker von 1967 und ein waghalsiges Kunststück über den gesellschaftlichen Preis der Unabhängigkeit. 'Schrill wie ein Schrei in der Nacht, ergreifend wie ein Abschied, ein innerer und wandernder Monolog.' Jérôme Garcin, Le Nouvel Obs
Catherine Guérard ist die große Unbekannte der französischen Literatur. 1929 als Catherine Dreyfus in Le Vésinet in eine jüdische Familie der Oberschicht geboren, die Vorfahren waren Diamantenhändler und Richter, hatte sie früh eine Liebesbeziehung mit Francois Mitterrand, später mit einem seiner Freunde, Paul Guimard, der zu dieser Zeit mit Benoîte Groult verheiratet war, der berühmten Autorin von 'Salz auf unserer Haut'. 1955 veröffenlichte sie ihr Debüt 'Ces Princes', zwölf Jahre später 1967 'Renata wasweißich', ein von der Kritik gefeierten Roman in einem Satz. Damit war Catherine Guérard für den Prix Goncourt nominiert, doch anschließend verschwand sie aus der Öffentlichkeit. Heute weiß man, dass sie unter Pseudonym noch vereinzelte Geschichten veröffentlichte, außerdem eine Musikkolumne in der Zeitschrift 'Elle' verfasste und an der Gründung des Prix d-Honneur beteiligt war, einem feministischen Literaturpreis. Guérard und ihr Werk wurden vergessen. 2010 starb Catherine Guérard in Paris, elf Jahre nach ihrem Tod wurde 'Renata wasweißich' in Frankreich mit großem Erfolg neuaufgelegt und mit dem Prix Mémorable ausgezeichnet.