Veranstaltungen

 

BUCHPREMIERE EEVA-LIISA MANNER »DAS MÄDCHEN AUF DER HIMMELSBRÜCKE«

11.10.2022 20:00 Uhr

Preis: 5€

Der Übersetzer Maximilian Murmann und Antje Rávik Strubel, Autorin des Nachworts, im Gespräch mit Verleger Sebastian Guggolz

Die finnische Autorin Eeva-Liisa Manner (1921–1995) ist hierzulande noch fast unbekannt. In Finnland kennt man sie heute vor allem als die Dichterin, die in den 1950er Jahren die Moderne ins Land brachte. 1951 schrieb sie den Roman »Das Mädchen auf der Himmelsbrücke«, der auf ihren Kindheitserinnerungen in der karelischen Stadt Viipuri basiert. Manner erzählt mit magischer bildreicher Sprachkraft eine tieftraurige aber ebenso beglückende Erzählung aus der Sicht der neunjährigen Leena, die sich allein gelassen und unverstanden fühlt und der Welt abhandengekommen ist. Als sie bei ihren einsamen Streifzügen durch die Küstenstadt in einer Kirche mit Orgelmusik von Bach in Berührung kommt, erfährt Leena eine starke und erlösende Erschütterung, nach der nichts mehr bleiben kann wie zuvor.

Maximilian Murmann und Antje Rávik Strubel werden im Gespräch mit dem Verleger Sebastian Guggolz von ihrem persönlichen Blick auf Eeva-Liisa Manner und den Roman berichten und viele Gründe dafür liefern, warum die Autorin und ihr Roman genau jetzt entdeckt werden sollten.

»In Manners literarischem Universum hört Erfahrung nicht an den Grenzen des Wirklichen auf. Schon in diesem ersten berührenden Prosawerk bringt sie zur Sprache, was in wiederkehrenden Metaphern des Wassers, des Lichts und der Echos in ihrem Gesamtwerk zum Ausdruck kommt: Wie lückenhaft das, was wir für wirklich halten, tatsächlich ist.«
Antje Rávik Strubel

Die Veranstaltung wird durch die großzügige Unterstützung des Finnland-Instituts in Deutschland ermöglicht sowie durch den Verein Das finnische Buch.

BUCHPREMIERE EEVA-LIISA MANNER »DAS MÄDCHEN AUF DER HIMMELSBRÜCKE«
 

der 30. ocelot-Lesekreis

13.10.2022 20:30 Uhr

Alle sechs bis acht Wochen stellen wir hier abends ein paar Stühle im Kreis auf und feiern mit euch das, weshalb wir diesen Beruf auch gewählt haben: den intensiven Austausch über Literatur.
Wir wollen unserem Lesen noch genauer auf den Grund gehen, wollen Bücher auf noch mehr prüfen als allein auf ihre Form und ihren Inhalt.

Im Austausch mit anderen hat eine Lektüre so viel mehr Seiten, als wir allein je entdecken könnten.

Der Eintritt ist frei. Wir freuen uns auch auf neue Teilnehmer*innen.

Beim 30. Lesekreis Mitte Oktober sprechen wir über:

Emily Segal
Rückläufiger Merkur
übersetzt von Cornelia Röser

Emily, Trendforscherin und Erzählerin dieses bestechend klugen Romans, entschlüsselt die kulturellen Codes der Gegenwart, um der Zukunft auf die Spur zu kommen. Dabei erscheint ihre eigene Zukunft im rezessionsgeplagten New York nur wenig verheißungsvoll. Eine Chance, ihre literarischen Ambitionen zu verfolgen und zugleich einer prekären finanziellen Lage zu entkommen, bietet ihr schließlich das Start-up eXe. Die Firma hat sich der ominösen Aufgabe verschrieben, das Internet mit einer neuen Bedeutungsschicht zu überziehen, und heuert Emily als Markenstrategin an. Kurzerhand macht sie ihren Job zur künstlerischen Praxis und sieht sich gleichzeitig mit den Widersprüchen einer bizarren Unternehmenskultur konfrontiert, in der neue Arbeitsformen auf alte Machtverhältnisse treffen. Rückläufiger Merkur ist der Künstler*innenroman der New Economy, in der Arbeit und Privatleben, kreative Selbstverwirklichung und kommerzieller Erfolg, Kunstprojekt und Marketingkampagne untrennbar miteinander verwoben sind. Mit Scharfsinn und feiner Ironie erkundet Emily Segals Roman das komplizierte Verhältnis zwischen Selbstbehauptung und Mitläufertum im sinnentleerten Kapitalismus des frühen 21. Jahrhunderts.

Emily Segal, 1988 in New York geboren, lebt als Künstlerin, Autorin und Trendprognostikerin in Los Angeles. Sie ist Mitbegründerin des Beratungsunternehmens Nemesis und des Verlags Deluge Books. Als Mitglied des Künstlerkollektivs K-HOLE prägte Segal den für die 2010er-Jahre popkulturell einflussreichen Begriff »normcore«. Mercury Retrograde ist ihr erster Roman.


Fang Fang
Wütendes Feuer
übersetzt von Michael Kahn-Ackermann

Von der Autorin des Wuhan Diary: Ein großer, aufrüttelnder Roman über die Unfreiheit von Frauen im modernen China Nicht lang ist es her, da schien Yingzhi die Welt offen zu stehen: Aufgewachsen im ländlichen China hatte sie es geschafft, als Sängerin in einer kleinen Band bekannt zu werden. Ihr Traum von einem freien und selbstbestimmten Leben war zum Greifen nah, bis eine Affäre alles zum Einsturz bringt. Yingzhi wird schwanger und ist gezwungen, den Vater des Kindes zu heiraten und in sein Elternhaus einzuziehen - so will es die Tradition. Als die Schulden ihres spielsüchtigen Mannes zu hoch werden und Yingzhi Geld verdienen soll, öffnet sich ein kleines Fenster, das ihr einen kurzen Blick auf die Freiheit schenkt. Doch dann gerät ihr eine kleine Unbedachtheit zum Verhängnis und gipfelt in einer Katastrophe für sie und ihre ganze Familie.

Fang Fang ist eine der bekanntesten Schriftstellerinnen Chinas. Sie wurde 1955 geboren und lebt seit ihrem zweiten Lebensjahr in Wuhan. In den letzten 35 Jahren hat sie eine Vielzahl von Romanen, Novellen, Kurzgeschichten und Essays veröffentlicht. Stets spielten die Armen und Entrechteten in ihren Werken eine große Rolle. 2016 veröffentlichte sie den von der Kritik gefeierten Roman Weiches Begräbnis, für den sie mit dem renommierten Lu-Yao-Preis ausgezeichnet wurde.

der 30. ocelot-Lesekreis
 

Buchpremiere: Rakel Haslund-Gjerrild "Adam im Paradies"

08.11.2022 20:00 Uhr

Preis: 5€

Die dänische Autorin Rakel Haslund-Gjerrild stellt gemeinsam mit Übersetzer Andreas Donat ihren preisgekrönten Roman "Adam im Paradies" vor – eine im wörtlichen Sinne kunstvolle Reise durch die queere Gedankenwelt des dänischen Meistermalers Kristian Zahrtmann.
Moderiert wird der Abend von Tobias Schiller.

"Adam im Paradies" ist eine sprachgewaltige Ode an die Schönheit, die Sehnsucht und die Kunst, aber auch ein erschütterndes Manifest gegen Unrecht und Hetze im Zeichen der Homophobie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In dem Roman lässt Rakel Haslund-Gjerrild den dänischen Meistermaler Kristian Zahrtmann (1843-1917) als Ich-Erzähler auftreten. In neun Kapiteln – allesamt nach Werktiteln aus dessen Oeuvre benannt – zeichnet die Autorin ein literarisches Porträt des Künstlers und Menschen Zahrtmann und damit ein Sittenbild seiner Zeit. Es geht um rauschende Maskenbälle, konspirative Künstlertreffs und nicht zuletzt um die Entstehung des titelgebenden Gemäldes "Adam im Paradies" – für das Zahrtmann nicht nur sein Atelier in einen Urwald verwandelt, sondern auch einen schönen, jungen Soldaten zu sich zitiert, der ihm als Modell dient und ungestillte Sehnsüchte wachruft.
Die Erzählung wird durchbrochen von historischen Dokumenten über die Sittlichkeitsprozesse der Jahre 1906/07, im Rahmen derer in Dänemark Homosexuelle verfolgt und einige (darunter der berühmte Schriftsteller-Dandy Herman Bang) aus dem Land vertrieben wurden – ein ebenso subtiler wie genialer Kunstgriff, um Zahrtmanns nie eingestandene Homosexualität zu spiegeln.

Bei der Präsentation des Romans (der in diesem Jahr für den renommierten Literaturpreis des Nordischen Rates nominiert ist) werden Rakel Haslund-Gjerrild und Andreas Donat ausgewählte Passagen aus "Adam im Paradies" lesen und im Gespräch mit Tobias Schiller über die Entstehung des Projekts und dessen Übersetzung berichten.

Die Veranstaltung wird durch die großzügige Unterstützung des Kulturreferats der Königlich Dänischen Botschaft in Berlin ermöglicht.

Buchpremiere: Rakel Haslund-Gjerrild "Adam im Paradies"
 

Buchpremiere: Dinçer Güçyeter "Unser Deutschlandmärchen"

01.12.2022 20:00 Uhr

Unser Deutschlandmärchen ist eine Familiengeschichte in vielen Stimmen. Frauen mehrerer Generationen und der in Almanya geborene Sohn erinnern sich in poetischen, oft mythischen, kräftigen Bildern und in Monologen, Dialogen, Träumen, Gebeten, Chören. Dinçer Güçyeter erzählt vom Schicksal türkischer Griechen, von archaischer Verwurzelung in anatolischem Leben und von der Herausforderung, als Gastarbeiterin und als deren Nachkomme in Deutschland ein neues Leben zu beginnen. Die Handlung, die sich vom Anfang des letzten Jahrhunderts bis beinah in die Jetztzeit erstreckt, lässt nichts aus, keine Vergewaltigung, kein Missverständnis, keinen Konflikt am Arbeitsplatz, ganz gleich ob in der Schuhfabrik, beim Bauern auf dem Feld oder in der eigenen Kneipe. Und dann ist da noch die Erwartung der Mutter an den heranwachsenden Sohn, der ihr als starker Mann zur Seite stehen soll, selbst jedoch eine gänzlich andere Vorstellung von einem erfüllten Leben hat ... "Eine sehr eigenständige Stimme." Insa Wilke "dinço weiß nicht, was ein essay ist (das weiß niemand), aber er versteht es aus schwarz-weiß-fotos farbfilme zu machen. den peter-huchel-preis für den ghetto-prinzen hat er mit pommes gefeiert und am nächsten tag einfach weiter malocht. poesie ist arbeit. dinço ist poesie-arbeiter." lütfiye güzel "Güçyeter ist ein umarmend handelnder Solitär ins ,Gem:einsame' heutiger Dichter:innenwirklichkeiten, wo sich Sprachen und Kulturen poetisch begegnen und sein dürfen." José F.A. Oliver

Dinçer Güçyeter, geboren 1979 in Nettetal ist ein deutscher Theatermacher, Lyriker, Herausgeber und Verleger. Güçyeter wuchs als Sohn eines Kneipiers und einer Angestellten auf. Er machte einen Realschulabschluss an einer Abendschule. Von 1996 bis 2000 absolvierte er eine Ausbildung als Werkzeugmechaniker. Zwischenzeitlich war er als Gastronom tätig. Im Jahr 2012 gründete Güçyeter den ELIF Verlag mit dem Programmschwerpunkt Lyrik. Seinen Verlag finanziert Güçyeter bis heute als Gabelstaplerfahrer in Teilzeit. 2017 erschien "Aus Glut geschnitzt", und 2021 "Mein Prinz, ich bin das Ghetto". 2022 wurde Güçyeter mit dem Peter-Huchel-Preis ausgezeichnet. Er ist Vater von zwei Kindern und lebt in Nettetal.