Veranstaltungen

 

Buchpremiere: Dinçer Güçyeter "Unser Deutschlandmärchen"

01.12.2022 20:00 Uhr

Preis: 5€

Dinçer Güçyeter
Unser Deutschlandmärchen. Roman
Es moderiert Kaśka Bryla

Unser Deutschlandmärchen ist eine Familiengeschichte in vielen Stimmen. Frauen mehrerer Generationen und der in Almanya geborene Sohn erinnern sich in poetischen, oft mythischen, kräftigen Bildern und in Monologen, Dialogen, Träumen, Gebeten, Chören. Dinçer Güçyeter erzählt vom Schicksal türkischer Griechen, von archaischer Verwurzelung in anatolischem Leben und von der Herausforderung, als Gastarbeiterin und als deren Nachkomme in Deutschland ein neues Leben zu beginnen.

"Ich kenne und liebe Dinçers Lyrik. Dass er nun einen Roman geschrieben hat, ist eine sehr gute Nachricht."
Saša Stanišić

"Eine sehr eigenständige Stimme."
Insa Wilke

"dinço weiß nicht, was ein essay ist (das weiß niemand), aber er versteht es, aus schwarz-weiß-fotos farbfilme zu machen. den peter-huchel-preis für den ghetto-prinzen hat er mit pommes gefeiert und am nächsten tag einfach weiter malocht. poesie ist arbeit. dinço ist poesie-arbeiter."
lütfiye güzel

"Güçyeter ist ein umarmend handelnder Solitär ins ‚Gem:einsame‘ heutiger Dichter:innenwirklichkeiten, wo sich Sprachen und Kulturen poetisch begegnen und sein dürfen."
José F.A. Oliver

Dinçer Güçyeter, geboren 1979 in Nettetal ist ein deutscher Theatermacher, Lyriker, Herausgeber und Verleger. Güçyeter wuchs als Sohn eines Kneipiers und einer Angestellten auf. Er machte einen Realschulabschluss an einer Abendschule. Von 1996 bis 2000 absolvierte er eine Ausbildung als Werkzeugmechaniker. Zwischenzeitlich war er als Gastronom tätig. Im Jahr 2012 gründete Güçyeter den ELIF Verlag mit dem Programmschwerpunkt Lyrik. Seinen Verlag finanziert Güçyeter bis heute als Gabelstaplerfahrer in Teilzeit. 2017 erschien Aus Glut geschnitzt, und 2021 Mein Prinz, ich bin das Ghetto. 2022 wurde Güçyeter mit dem Peter-Huchel-Preis ausgezeichnet. Er ist Vater von zwei Kindern und lebt in Nettetal. Unser Deutschlandmärchen ist sein erster Roman.

Kaśka Bryla wurde in Wien geboren und ist zwischen Wien und Warschau aufgewachsen. Sie studierte Volkswirtschaft in Wien, Szenisches Schreiben an der UDK in Berlin und Literarisches Schreiben in Leipzig, wo sie 2015 das Autor*innennetzwerk und die Literaturzeitschrift PS – Politisch Schreiben mitbegründete, in deren Redaktion sie bis heute ist. Ebensolange gibt sie Kurse zu Kreativem Schreiben unter anderen in Gefängnissen, für geflüchtete Frauen und Menschen mit Migrationserfahrung. Während sie ihre Theaterarbeit in der freien Szene realisiert – so wurde erst 2021 ihr Stück Das verkommene Land an der Schaubühne Lindenfels in Leipzig vom Theaterkollektiv ongoing project inszeniert – veröffentlicht sie ihre Langprosa im österreichischen Residenz Verlag. 2020 erschien dort ihr Debütroman Roter Affe, der in Deutschland, Österreich und der Schweiz breit besprochen wurde. Im März 2022 erschien der zweite Roman Die Eistaucher. Kurzprosa von Kaśka Bryla wurde in diversen Anthologien und Literaturzeitschriften publiziert. Unter ihren Stipendien und Auszeichnungen finden sich der österreichische Exil-Preis, das österreichische Startstipendium und zuletzt das Wiener Literaturstipendium 2022.

Ein gemeinsamer Abend von ocelot und mikrotext.

Die Abendkasse öffnet um 19 Uhr.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Wir freuen uns auf euch!

Buchpremiere: Dinçer Güçyeter "Unser Deutschlandmärchen"

 

Der 31. ocelot-Lesekreis

05.12.2022 20:30 Uhr

Alle sechs bis acht Wochen stellen wir hier abends ein paar Stühle im Kreis auf und feiern mit euch das, weshalb wir diesen Beruf auch gewählt haben: den intensiven Austausch über Literatur.
Wir wollen unserem Lesen noch genauer auf den Grund gehen, wollen Bücher auf noch mehr prüfen als allein auf ihre Form und ihren Inhalt.

Im Austausch mit anderen hat eine Lektüre so viel mehr Seiten, als wir allein je entdecken könnten.

Der Eintritt ist frei. Wir freuen uns auch auf neue Teilnehmer*innen.

Beim 31. Lesekreis Anfang Dezember sprechen wir über:

SCHÖNE MUTANTEN von Deborah Levy
übersetzt von Marion Hertle für den Aki Verlag

Deborah Levys kühnes Debüt erzählt von Außensei­terinnen, die rastlos und rasterlos leben und eben da­durch miteinander verbunden sind. In kurzen Passagen blickt Levy durch die Augen der schönen Mutanten auf die Welt.Sie erzählt von der russischen Exilantin Lapinski, ih­rerseits eine Sammlerin von Geschichten, von der Poetin, die am Fließband tiefgefrorene Hamburger formt, vom Nachbarn, der Lapinski eine »schamlose Cunt« nennt, von der anorektischen Anarchistin und der pyromanischen Bankerin, die einst Gemma war, und von einem Lama.In Schöne Mutanten offenbart Deborah Levy eine Welt, deren Figuren aufbrechen und sich neu zusammen­ setzen, sich gegenseitig und ihre Leserinnen abstoßen und anziehen. Roh und bezaubernd und schön und vul­gär. Eine provokative Prosa, die die Kerben, die Europa durchziehen, beschreibt und in den Bruchstellen Sonnen­blumen pflanzt.Levy schreibt mit Scharfsinn und Witz und zieht das Groteske dem Naturalistischen stets vor. Vielleicht zeigt sich erst aus der Distanz die wahre Absurdität unserer Welt, in der zu leben offenbar bedeutet, Geld auszugeben.

DEBORAH LEVY glaubt nicht an Genregrenzen. Sie helfen ihr zwar, sich in Buchhandlungen zurechtzufinden, aber sie ist davon überzeugt, dass wirklich gute Bücher keine Schubladen brauchen. Und so ist auch ihr Schreiben ungeheuer vielschichtig, verbinden sich darin doch essayistische und lyrische Momente, autobiographisches und fiktionales Erzählen miteinander. Levy, geboren 1959, emigrierte mit ihrer Familie aus Südafrika nach Großbritannien, als sie neun Jahre alt war. Sie lebt und arbeitet heute in London. Ihre Romane Heim schwimmen (2011), Heiße Milch (2016) und Der Mann, der alles sah (2019) waren für den Man Booker Prize nominiert. Für ihr dreiteiliges autobiographisches Projekt wurde sie 2020 mit dem Prix Femina Étranger ausgezeichnet.


und wir sprechen über
HUND, WOLF, SCHAKAL von Behzad Karim Khani
erschenen bei Hanser Berlin

Behzad Karim Khanis Debüt über das Schicksal zweier Brüder verbindet die Härte der Straße mit der Melancholie iranischer Prosa. "Zehnmal besser als jedes ,4 Blocks'." (Ijoma Mangold)
Nach der Hinrichtung der Mutter im Tumult der Iranischen Revolution fliehen der elfjährige Saam und sein kleiner Bruder Nima mit ihrem Vater nach Deutschland. Doppelt fremd im arabisch dominierten Neukölln, fristet der Vater ein Leben zwischen Taxifahren, Backgammon und Scham, während Saam versucht, die Rolle des Familienoberhaupts auszufüllen. Mit allen Mitteln erkämpft er sich Respekt unter den brutalen Straßengangs, um seinen Bruder Nima zu beschützen. Bis er eines Tages zu weit geht.In seinem spektakulären Debüt schreibt Behzad Karim Khani über die komplizierten Schicksale von Revolutionären, Kleindealern und Messerstechern und entwickelt dabei einen ganz eigenen Sound, in dem sowohl die Melancholie iranischer Prosa als auch die Härte afroamerikanischen Raps anklingen.

BEHZAD KARIM KHANI wurde 1977 in Teheran geboren, seine Familie ging 1986 nach Deutschland. Er studierte Medienwissenschaften und lebt heute in Berlin-Kreuzberg, wo er schreibt und die Lugosi-Bar betreibt. Für sein Debüt Hund, Wolf, Schakal (2022) erhielt er den Debütpreis des Harbour Front Literaturfestivals.

Der 31. ocelot-Lesekreis