Unsere Empfehlungen

Ich erwarte die Ankunft des Teufels
empfohlen von:

Magda Birkmann

Magda Birkmann

Ich erwarte die Ankunft des Teufels Mary Maclane

gebunden

Im Jahr 1901 beschloss eine junge Frau aus einer Bergbaustadt in Montana, dass sie nur eine Möglichkeit habe, um der beengten Atmosphäre ihrer Umgebung, in der sie sich unverstanden und einsam fühlte, zu entfliehen: sie musste ein Buch schreiben und damit berühmt werden. Also setzte sich die 19jährige Mary MacLane an den Schreibtisch und verfasste innerhalb von drei Monaten ein Manuskript, das kurze Zeit später tatsächlich zur literarischen Sensation werden und sie zum großen Star machen würde. Jetzt ist das Buch nach über 100 Jahren erstmals auch auf Deutsch erschienen - in einer Übersetzung von Ann Cotten.

MacLane erklärt sich in diesem Buch selbstbewusst zum Genie und nimmt keinerlei Rücksicht auf die Befindlichkeiten ihrer Leser*innen. Zu einer Zeit, in der jungen Mädchen von der Gesellschaft keine Ambitionen, keine
Sinnlichkeit und schon gar keine selbstbestimmte Sexualität zugestanden werden, berichtet sie offen von ihrer Faszination für ihren eigenen Körper, schildert freimütig ihre Liebe zu und ihr sexuelles Verlangen nach einer ehemaligen Lehrerin, verschweigt ihre Abneigung gegenüber dem Konzept der heterosexuellen Ehe genauso wenig wie ihr angebliches Hobby des gelegentlichen Diebstahls. Und immer wieder bringt Mary MacLane den Teufel ins Spiel, nach dem sie sich als einem Befreier sehnt, der sie aus der intellektuellen Beschränktheit von Butte und aus der für sie vorgesehenen gesellschaftlichen Rolle retten, aber ihr auch ihre geheimsten sexuellen Wünsche erfüllen soll.
Das Buch sorgte bei seiner Erstveröffentlichung für einen großen Skandal, Kritiker*innen und Moralapostel waren entsetzt, junge Mädchen traten scharenweise Mary MacLane-Gesellschaften bei. Auch wenn uns heutzutage Mary MacLanes schonungslose Offenheit weitaus weniger erschüttert als die damaligen Leser*innen, bleibt dieses selbsterklärte Genie aus Montana dennoch eine unglaublich faszinierende Person und die lyrische Sprache, mit der sie ihren Wunsch nach einem Ausbruch aus der intellektuellen Ödnis und Einsamkeit schildert, reißt uns heute kein bisschen weniger mit als damals.

zum Produkt € 18,00*

Aufzeichnungen eines Serienmörders
empfohlen von:

Cecilia Drain

Cecilia Drain

Aufzeichnungen eines Serienmörders Young-Ha Kim

gebunden

Byongsu Kim, ein pensionierter Tierarzt, verbringt seine Zeit damit Klassiker zu lesen und Gedichte zu schreiben. Allerdings ist er nicht nur pensionierter Tierarzt, sondern auch „pensionierter“ Serienmörder. Die Morde sind inzwischen alle verjährt, der letzte ist mehr als 25 Jahre her.
Byongsu Kim wohnt mit seiner Tochter in einem beschaulichen Dorf, in dem nun erneut ein Serienmörder sein Unwesen treibt und junge Frauen tötet. Durch Zufall trifft Byongsu Kim auf einen Mann, bei dem er dieselbe Mordlust erkennt, die auch ihn damals antrieb. Sofort wird ihm klar, dass er seine Tochter schützen und folglich einen letzten Mord planen muss. Doch das ist gar nicht so einfach. Byongsu Kim leidet an einer beginnenden Demenz, in die er immer weiter hineintaumelt.
Tragisch-komisch schildert Young-Ha Kim, wie Byongsu Kim mit Notizen und Voicerecorder gegen die Vergesslichkeit ankämpft und es ihm doch nicht gelingt. Das passiert so geschickt und geht soweit, dass ich am Ende des Buches selbst nicht mehr wusste, ob nun Byongsu Kims Version der Geschichte oder doch die der ermittelnden Polizei stimmt.


Aus dem Koreanischen von Inwon Park.

zum Produkt € 20,00*

Dankbarkeiten
empfohlen von:

Jacqueline Masuck

Jacqueline Masuck

Dankbarkeiten Delphine de Vigan

gebunden

Mischka ist eine ältere Dame, die ihre Sprache langsam verliert. Sie leidet an beginnender Aphasie, fühlt sich "zerlöchert" und "ausgeschöpft". Regelmäßig sagt sie "Dante" statt "Danke".
An ihrer Seite - die junge Marie und ihr Logopäde Jérôme.
In wechselnden Perspektiven sind wir abwechselnd bei Mischka oder diesen beiden Menschen. Als Mischka einem alten Ehepaar, das ihr einmal sehr geholfen hat, noch ein spätes Dankeschön sagen möchte, unterstützt besonders Jérôme sie aktiv bei diesem Wunsch. Ein Wettlauf mit der Zeit!
Mit wenigen Worten erzählt Delphine de Vigan diese große Geschichte, erschüttert und berührt gleichermaßen.
Großen Respekt habe ich vor der Leistung der Übersetzerin Doris Heinemann. Sicher brauchte es besondere Akribie und Sorgfalt, um Mischkas verdrehte Sprache in einen gut lesbaren Text zu verwandeln. Ein wundervolles Buch.
Und was könnte besser passen in diese Zeit, als ein Roman über Dankbarkeit, Respekt und Achtsamkeit.

zum Produkt € 20,00*

Flexen in Miami
empfohlen von:

Eva Voigt

Eva Voigt

Flexen in Miami Joshua Groß

gebunden

"Ich ahnte überall Glitches, das geht zurück auf meine Mutter.
Ein Misstrauen gegenüber dem Wirklichen, eine parawissenschaftliche Wachheit bezüglich der Instabilität. Ich wurde von Immersionen gemartert und meine eigene Existenz war eine entsetzliche Mühsal.
Deshalb rauchte ich so viel Marihuana. Es entspannte mich und gleichzeitig kam ich mir vor, als würde ich schlafwandeln. Das war erträglicher als meine innere Gefangenschaft, als das klarsichtige Ausgesetztsein in der Trap, umgeben von Außerirdischen und meiner Niedergeschlagenheit. Trotzdem kam ich nicht runter und war nervös und glaubte, mein Herz sei kurz davor, zu explodieren. Ich redete mit ihm und murmelte Beschwörungsformeln. Um meinen Hals hingen zwielichtige Amulette."

In diesem schmalen, atmosphärischen Roman lässt Joshua Groß die digitale und reale Welt ineinanderfließen, bis sie sich kaum noch voneinander trennen lassen. Dieser Prozess geht angenehm unaufgeregt voran und fühlt sich beim Lesen, vor allem für digital natives, fast natürlich an.
Seinen gleichnamigen Protagonisten hat der Autor in einem kleinen Appartement in Miami platziert. Versorgt wird dieser von der Rhoxus Foundation, die ihn via Drohne mit Bargeld und Astronautennahrung beliefert und ihm automatisch seinen sprechenden Kühlschrank füllt. Im Gegenzug wird er von ihnen überwacht.
In diesem Zustand der einsetzenden Paranoia und geistiger Umnachtung lernt er die Meeresbiologin Charlotte kennen und beginnt mit ihr eine fragwürdige Romanze. Sie begegnen sich sowohl in der echten(?) Welt, als auch in der digitalen Welt von Cloud Control, einem Computerspiel, das nach und nach einen größeren Stellenwert in Joshuas Leben einnimmt. Als Charlotte schwanger wird, lernt Joshua den überdrehten Rapper Jellyfish P kennen, der, neben ihm, als möglicher Vater des ungeborenen Kindes in Frage kommt.
Gemeinsam gehen die beiden Ungereimtheiten nach, die vermehrt in Cloud Control auftreten und verlieren sich in einem wabernden Zerrbild.
Die zurechnungsfähigste Figur in diesem Roman ist zweifelsfrei der Kühlschrank.

Ich mag's!

zum Produkt € 20,00*

Sarah
empfohlen von:

Ludwig Lohmann

Ludwig Lohmann

Sarah Scott Mcclanahan

gebunden

„Ich begann ein Gespräch mit den Chicken Wings, als wären sie noch am Leben. Ich fragte, was die Zukunft für mich bereithielt. Und die Chicken Wings lachten und sagten nur ein Wort: ‚Schmerzen.‘“

Ich weiß gar nicht, ob ich dieses Buch wirklich empfehlen sollte. Denn es ist bedrückend traurig und sehr bitter. „Sarah.“ ist die Geschichte einer Scheidung. Es ist die Geschichte vom Ende der Beziehung zwischen Sarah und dem Erzähler Scott McClanahan. Von ihrer ersten Begegnung in einer Kleinstadt im mittleren Westen der USA, sie war 16 und verkaufte Slushies, er war elf und an der Hand seiner Mutter. Von ihrer zweiten Begegnung, ein paar Jahre später. Von ihren Gesprächen, in denen sie ihr schwarzer Humor verband, von dem alten Hund, den sie gemeinsam bis zu dessen Tod pflegten, von den gemeinsamen Kindern, dem Haus und den vielen Konflikten, Verletzungen und ausweglosen Situationen, die der Scheidung vorangingen. Es ist die Geschichte eines erwachsenen Mannes, der in seiner naiven Haltung der Welt gegenüber dieser elfjährige Junge geblieben ist und Trost sucht, nach dem er wieder etwas angestellt hat. Scott liebt Sarah auf eine fast schon heilige Weise, aber sein Unvermögen, die Folgen seines Handelns abzuschätzen und empathisch auf ihre Bedürfnisse zu reagieren führt zwangsläufig zu ständigen Eskalationen. Er ist ein naiver Träumer, ein romantisch verklärter Clown, der weiß, dass nichts bestand hat in der Welt und eben darum zerstört werden kann. Und er leidet an diesem Wissen mit der Aufrichtigkeit und Ernsthaftigkeit eines Kindes. Zu ändern vermag er dabei nichts an der Welt. Also spielt er seine Rolle. Er fährt betrunken Auto, er zündet die Hochzeitsbibel an, er liest ihr Liebesgedichte vor, wenn sie am Telefon streiten. Er verweigert sich jeglicher Rationalität und ergibt sich mit bedingungsloser Hingabe seiner Melancholie. Vielleicht ist es das, was ich an diesem außergewöhnlichen Text so gemocht habe. Scott lehnt logisches Verhalten ab, er steht bis zu den Knien in Sachen, die sehr stinken, aber er glaubt auf eine entwaffnend reine, helle, klare Art an die Liebe.

Scott McClanahan bannt die Widersprüchlichkeit der Welt in einen kompromisslosen Text. Deswegen ist „Sarah“ gute Literatur und sollte gelesen werden. Auch wenn es weh tut.

Außerdem hat Clemens J. Setz die deutsche Übersetzung besorgt. Muss ich noch mehr sagen?

zum Produkt € 22,00*

Ich sehe Hunde, die an der Leine reißen
empfohlen von:

Maria-Christina Piwowarski

Maria-Christina Piwowarski

Ich sehe Hunde, die an der Leine reißen Christoph Heubner

gebunden

Christoph Heubner, der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees hat unter dem Titel „Ich sehe Hunde, die an der Leine reißen“ drei Erzählungen veröffentlicht, die von dem handeln, was für uns so schwer fassbar ist - und was wir doch nie vergessen dürfen.
Gleich in der ersten Erzählung über die Auschwitz-Überlebende Ungarin Magda Bermann schlägt er die Brücke zu aktuellem Antisemitismus, als sie 2018 in Pittsburgh knapp dem Anschlag auf die dortige Synagoge entgeht.
Wie viele (ungelesene?) Berichte von Zeitzeug*innen und literarische Aufarbeitungen des Holocaust gibt es wohl in unseren Regalen? Das muss die erste Quelle sein. Diesen Geschichten sind wir verpflichtet.
Aber darüber hinaus müssen auch die Nachfolgenden ihren Weg finden, das Erinnern wach zu halten.
Christoph Heubner, der mit vielen Überlebenden des Nationalsozialismus gesprochen hat, ist das literarisch beeindruckend und respektvoll gelungen.

zum Produkt € 14,80*

Was wir sind
empfohlen von:

Maria-Christina Piwowarski

Maria-Christina Piwowarski

Was wir sind Anna Hope

gebunden

„Was wir sind“ von Anna Hope (aus dem Englischen übersetzt von Eva Bonné) erzählt die Geschichte der Freundschaft zwischen Cate, Hannah und Lissa.
Es erzählt von den Möglichkeiten, die mit Anfang zwanzig noch unendlich scheinen, als die drei in einer Londoner WG leben und zieht sich über Kunst, Karriere und Kinder durch die Jahre der Entwicklung, der Erkenntnis und oft auch der Enttäuschung, wenn in den Vierzigern Weichen gestellt und Entscheidungen getroffen sind, die dieses Allesistnochmöglichgefühl langsam dämmernd oder schneidend schnell widerlegen.
Doch das, was stattdessen in den drei so unterschiedlichen Frauen gewachsen ist, deren Freundschaft zu keinem Moment als linear oder statisch beschrieben wird, habe ich lesend liebend gern beobachtet.

zum Produkt € 22,00*

Das Monster
empfohlen von:

Ludwig Lohmann

Ludwig Lohmann

Das Monster Madame Nielsen

gebunden

Nach „Der endlose Sommer“ ist nun endlich der zweite Roman der dänischen Performance-Künstlerin, Sängerin und Autorin Madame Nielsen erschienen. Im Gegensatz zum „endlosen Sommer“ spielt „Das Monster“ nicht in einem scheinbar aus der Zeit gefallenen Hof in der dänischen Provinz, sondern ganz konkret in New York zu Beginn der 1990er Jahre. Hauptfigur und Erzähler ist ein junger Mann, der, nachdem er eine Performance der Wooster-Group irgendwo in Europa gesehen hatte, dieser fasziniert nach New York folgt. Um den Schauspieler Willem Defoe probt diese in einem umfunktionierten Fabrikgebäude, der ‚garage‘. So ganz wird weder dem Erzähler noch mir klar, was die da genau machen. Aber sie machen die ganze Zeit irgendwas. Ein Probentag ist lang und so bleibt viel Zeit zum Nachdenken über Kunst, über Wiederholung, Strukturen und deren Aufhebung. Wenn der Erzähler immer wieder durch New Yorker streift, setzen sich diese Reflexionen fort. Auch wenn das nach wenig Handlung klingt, ist es vielleicht genau jene Leere, das Beobachten und das Nichtentschlüsseln-Können, was ein Licht wirft auf das, was eigentlich mit Kunst und Theater im postmodernen NY der 90er gedacht wurde. Aus dieser Perspektive ist „Das Monster“ im besten Sinne ein New-York-Roman, der mit jeder Pore Kunstwillen atmet und dabei selbst zum Kunstwerk wird. Dafür findet Madame Nielsen wieder diese herrlich sphärische, poetische und tastende Sprache, die mich schon in „Der letzte Sommer“ so fasziniert hat und die ihr Übersetzer Hannes Langendörfer wieder elegant und sehr sanft ins Deutsche übertragen konnte.

(Ganz bewusst habe ich nichts von der anderen Seite dieser Geschichte erzählt, den vollkommen bizarren Nächten des Erzählers. Man kann auch keinen Cronenberg-Film nacherzählen ohne das etwas wesentliches verloren geht. Den muss man sehen. Und „Das Monster“ muss man lesen. Viel Spaß bei der Verstörung!)

zum Produkt € 20,00*

Schutzzone
empfohlen von:

Maria-Christina Piwowarski

Maria-Christina Piwowarski

Schutzzone Nora Bossong

gebunden

„Ich habe die Fähigkeit, binnen weniger Minuten einem Menschen zu verfallen, aber nicht wegen dieser Schwäche, sondern aus grundsätzlicheren Bedenken hatte man mich zunächst nicht fahren lassen, mir diesen Job nicht anvertrauen wollen, für den man im Auto eine Augenbinde umgebunden bekam, weil niemand, auch nicht die Vereinten Nationen, wissen durfte, wo die Treffen stattfanden, wo die Rebellen sich aufhielten, wo die Strippenzieher zu Abend aßen. Solche Jobs waren meinen männlichen Kollegen vorbehalten, doch ich hatte nicht akzeptieren wollen, dass nur Männer die Heldengeschichten erzählen dürften, die nichts mit Heldentum zu tun hatten, nur mit der Fähigkeit, nicht gleich in Panik zu geraten, und von der Dialektik der Grausamkeit zu hören, mit Milizionären auf der Ladefläche eines Ford Ranger zu lachen, mit einem Mörder am Grill zu stehen ...“

Ich habe mit anfänglicher Skepsis (weil ich keine Freundin von Menasses „Hauptstadt“ war) „Schutzzone“ von Nora Bossong gelesen (in dem es zwar nicht um die EU und Brüssel, wohl aber um die UN und Genf geht) und bin diesem Buch binnen weniger Seiten verfallen.
So melancholisch, so sprachgewandt, so rätselhaft, so vielschichtig beschreibt Nora Bossong durch die Stimme ihrer Protagonistin Mira die große, unfassbare Weltpolitik und die große, noch schwerer zu fassende Liebe.

zum Produkt € 24,00*

Laufen
empfohlen von:

Ludwig Lohmann

Ludwig Lohmann

Laufen Isabel Bogdan

gebunden

Isabel Bogdan hat ein ganz außergewöhnliches Buch geschrieben. Es ist die Geschichte einer Frau, die ein Jahr nach dem Suizid ihres Lebensgefährten beginnt zu laufen. Ins Leben zurückzulaufen. Wieder frische Luft, wieder der Schmerz des Körpers, statt nur dem der Seele. Wieder atmen können, denken, nach vorn blicken. Am Anfang sind es nur kleine Strecken, die man, aus der konsequenten Perspektive eines inneren Monologs, mit ihr durch den Hamburger Frühling läuft. Dabei weckt die Umgebung Erinnerungen in ihr, wie gut er sich mit Bäumen auskannte, welche Sorte Eis er immer aß, auch - sehr bitter - der zu späte Kinderwunsch der beiden. Bogdans Erzählerin durchlebt die ganze Klaviatur der Gefühle, die diejenigen durchleben, die nach dem Freitod eines geliebten Menschen weiterleben müssen: Traurigkeit, Wut, Einsamkeit, Schuld, Selbstvorwürfe, Sehnsucht. Sogar das schlechte Gewissen bei dem Wunsch, wieder glücklich sein zu wollen. Die Erzählerin läuft wieder in ein Leben, das nicht nur aus Trauer bestehen soll.
Genau hier liegt die Stärke des Buches. Obwohl es so ein ernstes Thema verhandelt, ist es kein deprimierendes Buch. Es nimmt die Schattenseiten des Lebens ernst und wendet sich dennoch voller Kraft dem Licht zu. Der Optimismus, den die Erzählerin durch ihre Freunde, durch die Musik und die körperliche Bewegung empfindet, steckt an, er bestärkt und er spendet Zuversicht, egal mit welchem Hintergrund man dieses Buch liest. Das könnte kitschig werden, wird es aber nicht. Denn Isabel Bogdan nutzt ihr feines Gespür für sprachliche Register, um die emotionale Flughöhe sensibel zu brechen. So ist es ihr Humor, die manchmal leicht schnodderige Sprache, (Die viele schon in ihrem Roman „Der Pfau“ so gemocht haben) und der stete Rhythmus des Laufens, die die Geschichte nicht ins Sentimentale abrutschen lassen. Ich habe lange kein Buch gelesen, in dem so viel Leben steckt!

zum Produkt € 20,00*

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