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Unsere Empfehlungen

Ich war Diener im Hause Hobbs
empfohlen von:

Maria-Christina Piwowarski

Maria-Christina Piwowarski

Ich war Diener im Hause Hobbs

gebunden

Was für ein wunderbar leichtfüßiger, spritzig geschriebener, sprachlich brillanter und kluger Roman!

Verena Rossbacher erzählt die Geschichte des Dieners Christian und seiner Anstellung bei der wohlhabenden Zürcher Anwaltsfamilie Hobbs.
Dass das Dienstverhältnis beendet ist, legt schon der Titel nahe.
Auch, dass ein großes Unglück damit in Verbindung steht wird schnell klar, schließlich berichtet Christian bereits auf der ersten Seite vom Fund eines in seinem Blute liegenden Familienmitglieds des Hobbs'schen Haushalts.
Aber was genau vorgefallen ist, wie genau Christian möglicherweise darin verwickelt ist, das verbirgt die Autorin geschickt auf den folgenden 350 Seiten. Stattdessen nimmt sie uns Leser*innen in federleichten und trotzdem wunderbar komplex konstruierten Sätzen mit auf einige (vermeintliche) Umwege, die allerdings am Ende nicht nur für das Erfassen der Zusammenhänge wesentlich sind, sondern vor allem eine rauschende Feier des feinen Humors, der messerscharfen Beobachtungsgabe und der begnadeten Sprachkunst sind.

Zudem hat Verena Rossbacher mit den ersten beiden Sätzen hier beste Chancen auf meinen persönlichen Lieblingsromananfang:
»Es war ein schlampiger Tag. Dies ist eine einfache Geschichte.«

zum Produkt € 22,00*

Die Reise zum Mittelpunkt des Waldes
empfohlen von:

Eva Voigt

Eva Voigt

Die Reise zum Mittelpunkt des Waldes

gebunden

Krümelchen ist noch nicht einmal geboren aber sein Papa hat sich schon aus dem Staub gemacht - das denken zumindest alle. Dabei ist es doch ganz anders.
Klar, er ist verschwunden, ohne sich zu verabschieden, hat sich zwölf Tüten Fruchtgummi in den Rucksack gepackt und in den Wald geschlagen aber doch nur, weil er einen Geburtsvorbereitungskurs braucht. Er muss das Vatersein lernen. Und zwar schnell. Denn wie kann man eine Familie beschützen, wenn man sich bisher immer nur unter der Bettdecke verkrochen hat?
Was wenn die Erde bebt, der Strom ausfällt oder Aliens angreifen? Er kann ja nicht einmal Feuer machen oder Nahrung in der Wildnis finden. Aber von wem kann man so etwas lernen, wenn man selbst keinen Vater hat?

Natürlich vom Reuber.
Mit dem Auftauchen des riesigen, furchteinflößenden Reubers beginnt eine Geschichte um die Rückbesinnung aufs Wesentliche, immer ganz nah an der Natur. Es geht dabei aber nicht nur um Pfadfindergrundwissen sondern auch um Dinge wie "Koppausleern" und "Luffuddern", um nur zwei Worte aus Reubers eigentümlicher, genuschelten Sprache zu nennen, die so etwas wie meditative Atemübungen beschreiben.
Ich selbst bin während des Lesens ganz ruhig geworden.

Aber ist dieses Buch ein Kinderbuch?
Nachdem ich mich darin verlaufen und wieder herausgefunden habe kann ich ganz klar sagen:
Ja. Nein. Definitiv. Aber nicht nur. Vor allem ist es ein gleichzeitig fantastisches und authentisches Stück Wald, das zwischen zwei Buchdeckel gebannt wurde.
Gestalterisch ist es übrigens wunderschön, mit seinem geprägtem Einband, den rohen Kanten und den außergewöhnlichen Illustrationen von Ran Flygenring, die im Inneren auf die Leser*Innen warten.
Die Inspiration für seinen Reuber fand Finn-Ole Heinrich im gleichnamigen Film seines Freundes Axel Ranisch.

So. Und nun bitte vorlesen, selber lesen, verschenken und verlaufen!

zum Produkt € 20,00*

Der Vogelgott
empfohlen von:

Magda Birkmann

Magda Birkmann

Der Vogelgott

gebunden

Ein Ornithologe entdeckt auf einer Forschungsreise einen eigenartigen, ihm bisher völlig unbekannten großen Vogel, der von der einheimischen Bevölkerung als Gott verehrt wird. Jahrzehnte später geraten seine drei inzwischen erwachsenen Kinder auf jeweils ganz unterschiedliche Weise in den Sog dieses schwer durchschaubaren Vogelmythos: Der jüngste Sohn, Thedor, reist mit einer zwielichtigen Hilfsorganisation in das Land der Aza, wo der Vogelgott einst erstmalig verehrt wurde – und verbringt nach seiner Rückkehr sein Leben im Krankenzimmer einer psychiatrischen Einrichtung. Dora, die an ihrer kunsthistorischen Dissertation arbeitet, entdeckt auf einem alten Gemälde Hinweise darauf, dass der Kult um den geheimnisvollen Vogelgott zu Zeiten des dreißigjährigen Krieges auch hierzulande seine Anhänger hatte. Und Lorenz, der gescheiterte Journalist, kommt einer pharmazeutischen Verschwörung auf die Spur, der vor allem Kinder zum Opfer zu fallen scheinen...

Susanne Röckels beklemmender Roman liest sich bisweilen wie ein Fiebertraum, entwickelt aber schnell einen unglaublichen Sog, der seine Leser*innen atemlos, fasziniert und zugleich verstört zurücklässt. Ein literarisch anspruchsvoller Horrorroman erster Güte, der meiner Meinung nach vollkommen zu Recht auf der diesjährigen Longlist zum Deutschen Buchpreis steht.

zum Produkt € 22,00*

Die Wahrheit über das Lügen
empfohlen von:

Alex Bachler

Alex Bachler

Die Wahrheit über das Lügen

gebunden

Die kleine Enttäuschung, dass Benedict Wells uns mit seinem neuen Buch diesmal (noch) keinen neuen Roman, sondern "nur" Erzählungen beschert, ist absolut ungerechtferigt.
Dieser Band mit Kurzgeschichten aus den letzten zehn Jahren, ist eine gelungene Wundertüte voller Überraschungen!
Keine Erzählung gleicht der anderen, manche berühren tief, stimmen nachdenklich, andere erinnern an Märchen oder gar beinahe klassische Schauergeschichten.
Seit Tagen denke ich ständig immer wieder ganz plötzlich an die eine oder andere Geschichte und möchte sie am liebsten gleich nochmal lesen!

zum Produkt € 22,00*

Mein Weg mit Vanessa
empfohlen von:

Alex Bachler

Alex Bachler

Mein Weg mit Vanessa

gebunden

Huch?! Ein Bilderbuch von Kerascoët?!
Ich kannte das französche Künstler*innen-Duo, bestehend aus Marie Pommepuy und Sébastien Cosset, bisher nur von aufwändig gestalteten und wunderschönen Graphic Novels für Erwachsene (u.a. "Jenseits", "Schönheit") und bin schwerauf begeistert von diesem wunderschönen Kinderbilderbuch aus dessen kreativer Feder!

Kerascoët beweisen, dass eine starke Geschichte komplett ohne Worte auskommen kann, obwohl es hier um ganz viele Sätze geht: verletzende, gemeine Sätze. Sätze, die zu guten Ideen werden und Sätze, die Türen und Freunschaften öffnen.

Die Zeichnungen deuten klar auf Kerascoëts Comic-Herkunft hin: Liebevolle, federleichte, morderne und ausdrucksstarke Bilder erzählen die Geschichte eines Mädchens, das auf dem Schulweg Zeugin eines Mobbing-Vorfalls wird und beschließt, nicht tatenlos und still zuzusehen, sondern Unterstützung und Begeleitung für den gemeinsamen Weg anbietet.

Ein großartiges Buch als Geschenk für die Schultüte, einfach so zwischendurch oder auch als Denkanstoß für Betroffene.

zum Produkt € 14,95*

Das Weiße Schloss
empfohlen von:

Maria-Christina Piwowarski

Maria-Christina Piwowarski

Das Weiße Schloss

gebunden

Dieses Debüt von Christian Dittloff hat mich erst ziemlich überrascht, dann hellauf begeistert.
Ada und Yves leben das perfekte Leben, sie macht in der Stadt Karriere, er arbeitet als Künstler - im eigenen Atelier in einer perfekten kleinen Eigenheimsiedlung.
Zwischen Bohème und finanzieller Sorglosigkeit, ausgesprochen gutem Sex und anregenden Gesprächen sind sie nun bereit für ein neues Projekt: ein Kind. Aber klug und klar, wie die beiden sind, bitte ohne die ganze breiverschmierte Selbstaufgabe drumherum.
Wie gut, dass "Das weiße Schloss" die (Kinder-)Wünsche seiner zahlungskräftigen Kundschaft perfekt zu erfüllen weiß - in Bioqualität natürlich. Hier gehen prenzlberger Yogawellness und neueste Medizintechnik eine fruchtbare Verbindung ein.

Ja, ich weiß, ich habe gerade ziemlich oft das Wort 'perfekt' geschrieben.
Das klingt kalt und abstoßend glatt. Die Vision dieses Romans mag damit spielen. Die Art und Weise, in der Dittloff die Geschichte erzählt, kann weit mehr als das.
Ich hatte einen kühlen, leicht dystopischen Roman erwartet, vielleicht sogar eine Horrorvision von durchgestylten In-Vitro-Föten, von einer Welt ohne Zufälle, ohne Unfälle. Vielleicht wäre das die leichter zu erzählende Geschichte gewesen.
Christian Dittloff hat sich aber NICHT den leichten Weg gesucht - und damit einen wunderbaren Roman geschaffen.
Die Sympathien, die Ada und Yves in mir geweckt haben, sind mit sehr wenigen ProtagonistInnen vergleichbar, mit denen ich zuletzt lesend Zeit verbracht habe. Er beschreibt sie warm und klug, wohl durchdacht, aber gänzlich ohne Berechnung.
Er zeigt ihre teilweise messerscharfen Ecken und Kanten, er leuchtet sie aus, macht ihre Handlungen plausibel, zeigt ihre schwächsten Punkte, aber er führt sie nicht vor, er verrät sie nicht.
Während sich mir beim Lesen eine tiefgreifende Liebesgeschichte offenbarte, umkreist der Roman große gesellschaftliche Themen (Selbstverwirklichung und Elternschaft, Perfektionismus und Kontrollwahn, Geschlechterrollen und Elitarismus), mit spielerischer Eleganz ohne sich auf Schwarzweißmalerei einzulassen oder aus einer überlegenen Position heraus zu urteilen.

Ein wendungsreicher, tiefsinniger, vor allem aber: ein warmer Roman!

zum Produkt € 22,00*

Luzidin oder Die Stille
empfohlen von:

Eva Voigt

Eva Voigt

Luzidin oder Die Stille

gebunden

Aus buchhändlerischer Sicht ist dieses Buch eine absolute Katastrophe.
Es ist eigenwillig, irritierend, 563 Seiten stark und das Geschehen in wenigen Sätzen zusammen zu fassen ist schlicht und ergreifend unmöglich. Das könnte auch der Grund sein, warum es keinen Klappentext hat.

Um Ihnen trotzdem einen winzigen, unzureichenden Einblick in den Plot zu geben:
Das Universum ist groß und es dehnt sich aus. Justus Geheimnis wird von einem seltsamen Dröhnen verfolgt. Die Wunderdroge Luzidin befindet sich in der Testphase. Gott ist krebskrank und inkontinent. Wien boxt gegen Berlin. Wir befinden uns im Zeitalter des Homo communicans. Die Gruppe der sieben Gefahren verkörpert die sieben Todsünden der Gegenwart: Schuld, Amputation, Verzicht, Einsamkeit, Verwahrlosung, selbstausbeuterische Pflicht, Ankunft. Ladislav Kampf testet Toiletten. Die aus der Schweiz importierte Kreismaschine lässt Realitäten kollidieren. Stille.

Verantwortlich für dieses wortgewaltige Ungetüm ist Lukas Meschik, der „Luzidin oder die Stille“ bereits 2012 veröffentlichte.
Ich liebe dieses Buch und wie das beim sich verlieben manchmal so ist, kann ich nicht rational erklären warum. Was ich jedoch mit Gewissheit sagen kann, ist, dass ich lange nicht mehr so viele Seiten markiert und Sätze unterstrichen habe. Und nachdem der letzte Satz gelesen war, habe ich minutenlang and die Wand gestarrt.

zum Produkt € 25,00*

Bleib bei mir
empfohlen von:

Magda Birkmann

Magda Birkmann

Bleib bei mir

gebunden

Eines hat Yejide ihrem Mann Akin schon zu Beginn ihrer Beziehung klargemacht: für die nigerianische Tradition der Vielehe ist sie nicht zu haben. Doch als Jahr für Jahr vergeht und trotz aller ärztlichen Untersuchungen, Gebete und mystischen Rituale einfach kein Nachwuchs in Sicht ist, nimmt die Schwiegermutter das Heft in die Hand – und plötzlich sitzt die junge Funmi in Akins und Yejides Wohnzimmer. Yejide sieht nur einen Weg, um ihre Ehe zu retten: sie muss schwanger werden, um jeden Preis ...

Ayọ̀bámi Adébáyọ̀ hat ein sehr poetisches und zugleich unglaublich trauriges Buch darüber geschrieben, wie starre Geschlechterrollen, gesellschaftlicher Druck und männlicher Stolz Leben zerstören können. Ich war beim Lesen abwechselnd wütend, sprachlos vor Erstaunen und den Tränen nahe. Ein ganz starkes Debüt!

zum Produkt € 22,00*

Kudos
empfohlen von:

Julia Rothenburg

Julia Rothenburg

Kudos

gebunden

Endlich ist er da, der abschließende Teil von Rachel Cusk Trilogie um die Odyssee von Schriftstellerin Faye. Wobei abschließend vielleicht zu viel gesagt ist. Man kann jeden der drei Romane (die übrigens alle drei von Eva Bonné ausgezeichnet ins Deutsche übersetzt wurden) – Outline, In Transit, Kudos – für sich lesen, oder als Zirkel, oder als Trilogie, oder einfach immer und immer wieder in verschiedener Reihenfolge. Jeder Roman schildert das Leben – oder vielmehr die Begegnungen – von Schriftstellerin Faye, Rachel Cusk alter Ego. Faye geht auf Lesereise oder baut ihr Haus um, gibt ein Seminar zu Creative Writing, geht zum Friseur oder shippert auf einem Boot herum – und begegnet dabei den verschiedensten Menschen, die ihr aus ihrem Leben erzählen. Und nicht nur irgendetwas aus ihrem Leben: eine richtige Talfahrt ist jedes Gespräch, das Faye führt, direkt hinein in die Abgründe ihres arglos plaudernden Gegenübers, direkt hinein in dessen Lebensnarrationen, Selbstlügen und Vorwürfen an sich wie andere. Über Faye erfährt der/die Leser_in dabei so gut wie nichts. Eine Autobiografie ohne Autobiografin quasi. Und trotzdem bis oben hin voll mit den persönlichsten, abgründigsten, witzigsten Geschichten.

Das ist das besondere und berauschende – und für mich Literaturverständnisverändernde – an dieser Trilogie. Dass Rachel Cusk in ihr nicht abseitige, außergewöhnliche Geschichten heraussuchen muss, um aus ihnen Literatur zu machen – nicht unseren Horizont mit Geschichten zu erweitern sucht, die uns in unserem Leben nie begegnen würden. Sondern gerade das Banalste, das, was ein Mensch beim Wein ausplaudert, in Literatur verwandelt. In eine sehr scharfsinnige, bissige und unterhaltsame noch dazu.
Kudos ist für mich der krönende und, wie ich finde, sich tatsächlich noch etwas zuspitzende (deswegen würde ich doch empfehlen, die Reihenfolge Outline-Transit-Kudos beim Lesen beizubehalten) Abschluss von Rachel Cusk Trilogie. Ich wünschte, ich hätte sie noch nicht gelesen. Aber nicht, weil ich mich, ob der ganzen Plauderei, so unendlich gelangweilt hätte. Sondern, weil ich wünschte, ich könnte sie noch einmal wie beim ersten Mal entdecken.

zum Produkt € 20,00*

Zerfall des Atoms
empfohlen von:

Ludwig Lohmann

Ludwig Lohmann

Zerfall des Atoms

gebunden

Eines meiner großen Lebensbücher ist Fernando Pessoas „Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares“. Dieses Buch muss immer in meiner Nähe sein, ich brauche es, wenn mein Empfinden der Welt gegenüber wie ein Instrument verstimmt ist. Nur wenige Sätze Pessoa lassen mich die Schönheit wieder sehen und Ruhe finden im Chaos der Welt. Dafür braucht es keine Handlung, es genügt die Introspektion der Hauptfigur. Bernardo Soares betrachtet sich in einer Sprache, die so klar, so poetisch, so durchdrungen von Licht und Dunkelheit zu gleich ist, wie ich bisher keine andere gelesen habe. Bis jetzt. Auch wenn Georgij Iwanows „Zerfall des Atoms“ im Umfang nicht mal annähernd an „Das Buch der Unruhe“ heranreicht, so zeigen sich doch deutliche Parallelen. In diesem fiktiven Abschiedsbrief eines Selbstmörders spricht auch ein Aus-der-Welt-Gefallener. Auch hier möchte ich jeden zweiten Satz unterstreichen. Auch hier offenbart sich die radikale Hinwendung zum Wesen der Dinge in einer Sprache, die alles um einen herum still werden lässt. Mit dem von Alexander Nitzberg genial übersetzten „Zerfall des Atoms“ bekommt meine sehr überschaubare Bibliothek der Lebensbücher nun Zuwachs.

zum Produkt € 16,00*

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