Ulrike Almut Sandig, Ron Winkler (c) ocelotevent
Andrea Schmidt, Jan Kuhlbrodt, Hanna Mittelstädt (c) ocelotevent

Veranstaltungsarchiv

Buchpremiere: Jörg Magenau "Bestseller"

14.02.2018 20:00 Uhr - 22:30 Uhr

Buchpremiere: Jörg Magenau "Bestseller"
Preis: Der Eintritt ist frei!

Für Bestseller gibt es keine Zauberformel,
aber viele gute Gründe!

Bestseller sind mehr als erfolgreiche Bücher. Sie sind Spiegel ihrer Zeit. Jörg Magenau fahndet in den Bestsellerregalen von 1945 bis heute danach, was die Bücher über uns als Gesellschaft und unsere Stimmungen erzählen.

Jeder Leser weiß es: Ein Platz auf der Bestsellerliste ist kein Qualitätsmerkmal. Und doch gibt es Gründe und Bedingungen dafür, dass Tausende Leser zur selben Lektüre greifen. Denn Bücher sind nicht nur ein Teil unseres Lebens, auch wir Leser sind in ihnen enthalten. Zwischen den Seiten finden wir unsere Ängste, Hoffnungen und Wünsche, wir befriedigen unsere Neugier und Sensationslust.
Jörg Magenau hat Bücherregale und Bestsellerlisten gesichtet, um diese Hintergrundgeschichte der Bestseller zu erzählen. Warum traten bestimmte Bücher zu ihrer Zeit eine Debatte los oder lösten einen Hype aus? Warum wurden bestimmte Themen so mächtig? Eine Geschichte des Lesens – eine Geschichte unseres Landes.

Jörg Magenau studierte in Berlin Philosophie und Germanistik. Er gehörte zu den Gründern der Wochenzeitung Freitag, deren Literaturredakteur er bis 1996 war. Er arbeitete für die taz, die FAZ und ist seit 2002 freier Autor, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung und Deutschlandfunk Kultur. Nach umfassenden Biographien über Christa Wolf, Martin Walser und über Ernst und Friedrich Georg Jünger erschienen von ihm zuletzt Princeton 66. Die abenteuerliche Reise der Gruppe 47 und bei Hoffmann und Campe Schmidt–Lenz. Geschichte einer Freundschaft (2014).

Moderation: Ursula März

Diese Veranstaltung findet statt in Kooperation mit dem Verlag Hoffmann und Campe.

Sachen mit Wœrtern #8 Release-Lesung

03.02.2018 20:00 Uhr - 23:30 Uhr

Sachen mit Wœrtern #8 Release-Lesung
Preis: Der Eintritt ist frei!

Schnitt, Schnapp, Schnaps: Die 8. Ausgabe von Sachen mit Wœrtern ist eben erschienen, und das will gefeiert werden! Am 3. Februar lädt das Berliner Literaturmagazin deshalb ab 20 Uhr ins Ocelot ein. Das Heft präsentiert sich in neuem Outfit und mit einer erlesenen Mischung aus junger Lyrik und Prosa, Essays und Interviews zum Titelthema SCHNITT. Von lyrischen Horrorfilmminiaturen über eine Graphic Short Story bis hin zu frisch übersetzter Literatur aus dem ungarischen Sprachraum testen die Beiträge das Themenfeld über Schnittstellen mit anderen Kunst- und Wissensbereichen aus. Ebenso abwechslungsreich geht es auch an diesem Abend zu: Sara Hauser, Kinga Tóth, Saskia Warzecha und Christopher Wasmuth lesen Texte, die zwischen Spannung und Sprachexperiment wechseln, in Klassenzimmer, Unterseeboote, das ewige Eis und das menschliche Gehirn entführen – und unter die Haut gehen. Die Schnitte, die sie vornehmen, dringen durch stabil erscheinende Oberflächen und kehren das Innerste nach außen, bringen verborgene Mechanismen zum Vorschein und die vorgegebene Ordnung durcheinander.

Über die Lesenden
Sara Hauser, geboren 1986 in Calw. Arbeitet als Literaturvermittlerin in Tübingen. Dort und in Stockholm studierte sie Jura, Philosophie, Komparatistik und Literarisches Schreiben. Auszüge ihres Abschlussprojekts am Tübinger Studio Literatur und Theater – "In den Fernrohrverkaufspausen" – erschienen 2017 in Zeitschriften und wurden in Zürich als Kurzhörstück produziert. https://www.youtube.com/watch?v=ua8fvo-6VzA

Kinga Tóth, Sprachwissenschaftlerin, Schriftstellerin, (Klang-)Poet-Illustratorin und Performerin. Darüber hinaus ist sie Songwriterin und Frontfrau des Tóth Kína Hegyfalu-Projekts sowie Vorstandsmitglied des József-Attila-Kreises für junge Schriftsteller. Zuletzt erschienen ihre Gedichtbände "Wir bauen eine Stadt" (Parasitenpresse, 2016) und "ALLMACHINE/Allmaschine" (Magvető, Akademie Schloss Solitude, 2014).

Saskia Warzecha studierte Computerlinguistik, Sprachkunst und Literarisches Schreiben in Potsdam, Wien und Leipzig. Veröffentlichungen zuletzt in der "Edit", "BELLA triste" und im "Jahrbuch der Lyrik". Sie war Finalistin beim 24. open mike 2016, gewann den Lyrikpreis München 2017, ist Herausgeberin der "Tippgemeinschaft 2016" und der Lyrik-Anthologie "Ansicht der leuchtenden Wurzeln von unten" (poetenladen, 2017) und arbeitet als Redakteurin bei "STILL" sowie als Computerlinguistin im Bereich Spracharchitektur/Roboterjournalismus in Berlin.

Christopher Wasmuth wurde 1990 in Oldenburg in Holstein geboren. Er studierte am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Spaltungen. Suizid übersetzen. Die Literaturübersetzerin Claudia Hamm und der Kulturwissenschaftler Thomas Macho diskutieren über den Selbstmord des Autors.

25.01.2018 20:00 Uhr

Preis: 5 €

Ein Selbstmord stellt sämtliche Gewissheiten in Frage, das gilt für den, der in der Literatur inszeniert wird, wie auch für den, der ein Leben beendet. Der französische Autor Edouard Levé nahm sich 2007, wenige Tage nach der Abgabe seines Manuskripts "Selbstmord", das Leben. Welche Poesie geht einer solchen Entscheidung voraus? Wie bedingen das Schreiben über Suizid und der Suizid des Schreibenden einander? Wie nah ist ein Übersetzer dem Thema, das er/sie zu verhandeln hat? Welche Rolle spielt das für die sprachliche Gestaltung? Thomas Macho geht in seinem neuen Buch "Das Leben nehmen" in einem großen kulturwissenschaftlichen Aufriss auf solche Fragen ein. In einem gemeinsamen Gespräch nähern sich die Levé-Übersetzerin Claudia Hamm und Thomas Macho den Aufspaltungen eines Ichs, die es am Ende auslöschen.

Moderation: Ludwig Lohmann (ocelot)

Diese Veranstaltung findet statt in Kooperation mit:

Weltlesebühne e.V. Übersetzer über Bücher
Suhrkamp Verlag
Matthes & Seitz Berlin

Spaltungen. Suizid übersetzen.  Die Literaturübersetzerin Claudia Hamm und der Kulturwissenschaftler Thomas Macho diskutieren über den Selbstmord des Autors.

Kirsten Becken: "Seeing her Ghosts" - Vernissage und Lesung

04.01.2018 20:00 Uhr

Preis: Der Eintritt ist frei!

"Seeing Her Ghosts / Ihre Geister sehen" ist ein Kompendium von Fotografien, künstlerischen Arbeiten und Texten initiiert von der Fotografin Kirsten Becken. Mit Arbeiten renommierter Beitragender wie Siri Hustvedt, Andrew Solomon oder Bessel van der Kolk bietet das Buch einen spannenden Dialog über den Umgang mit Psychose in der Familie.


Die Idee zu "Seeing Her Ghosts” entstand, als ich zum ersten Mal auf die Zeichnungen meiner Mutter stieß, an denen sie bereits im Alter von 18 Jahren und später auch innerhalb psychotischen Phasen zu arbeiten begann. Mein Vater bewahrte beinahe alle dieser Aquarelle in einem Portfolio auf. Als ich sie zu Weihnachten zusammen mit meinem Sohn auslegte, um sie genauer zu betrachten hatte das Gefühl, dass diese Aquarelle eine Geschichte erzählen. Also habe ich sie in Fotografien übertragen, um diese Geschichten in meine Realität zu übersetzen und für viele sichtbar zu machen. Für mich mussten sie in einem Studio inszeniert und von Personen verkörpert werden, weil ich das starke Bedürfnis hatte, den Visionen meiner Mutter einen Raum zu geben. Mein Ziel ist es durch die im Buch versammelten visuellen Arbeiten und Texte ein neues Selbstvertrauen gegenüber psychotischen Erleben aufzubauen und eine Hilfestellung zu bieten die eigentliche Motivation einer Psychose herauszufinden. Was liegt hinter deinem Kampf? Dieser künstlerische Dialog bildet das Herzstück von "Seeing Her Ghosts" und alle Essays, Gedichte und Kunstwerke fügen sich zu einem Gespräch mit vielen Beteiligten zusammen. Die transgenerationale Weitergabe von unbearbeiteten Gefühlen, Traumata und unausgesprochenen Seelenleiden begleitet uns immer noch."Seeing Her Ghosts" soll dazu beitragen, die Hemmschwelle gegenüber seelischen Krankheiten zu verringern und mit Hilfe von Kunst einen offeneren Zugang zu finden.


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Am 4.1. lesen Mirna Funk "Mein geliebter Tornado”, Saralisa Volm "Einer tanzt allein” und Dayna Gross "Her Episodes".

Kirsten Becken: "Seeing her Ghosts" - Vernissage und Lesung

Alle Jahre wieder! Der ocelot, Weihnachtsabend.

12.12.2017 20:00 Uhr - 22:30 Uhr

Alle Jahre wieder! Der ocelot, Weihnachtsabend.
Preis: Der Eintritt ist frei!

Jauchzet frohlocket ihr Lieben!
Wir möchten Euch wie jedes Jahr zu unserem ocelot, Weihnachtsabend einladen! Alle ocelots werden da sein und Euch ihr Lieblingsbuch des Jahres vorstellen. Dazu gibt es Glühwein und Plätzchen und überhaupt wird es an diesem Abend sehr gemütlich in Eurem Wohnzimmer der guten Literatur.

Weihnachten kann auch sinnlich sein!

Eure ocelots

ocelot Lesekreis

16.11.2017 20:30 Uhr

Wir möchten wieder mit Euch über Literatur reden!

Diesmal wird es sehr amerikanisch. Wir lesen:

Richard Ford "Zwischen Ihnen" (Hanser Literaturverlage)
und
Colson Whitehead "Underground Railroad" (Hanser Literaturverlage).

Wir freuen uns auf eine neue Runde angenehm angewandter Literaturkritik!

Eure ocelots,

ocelot Lesekreis

Präsentation "Verlag Das kulturelle Gedächtnis"

26.10.2017 20:00 Uhr - 22:00 Uhr

Preis: Der Eintritt ist frei!

Der VERLAG DAS KULTURELLE GEDÄCHTNIS hat sich zum Ziel gesetzt, notwendige Bücher der Literatur- und Kulturgeschichte neu zu verlegen – um schon gemachte Erfahrungen einzubringen, erreichte Standards des Denkens und Schreibens hochzuhalten. Wir müssen nicht einsam in der Geschichte und in der Gegenwart stehen.
Dieses Ziel verfolgen ein Kuratorium von Gesellschaftern mit heiterer Gelassenheit, Widerborstigkeit und Liebe zur Buchkunst, um den jahrhundertealten Errungenschaften der Buchkultur ein schillerndes Mosaiksteinchen hinzuzufügen.

Am 26. Oktober 2017 präsentieren die Gesellschafter Thomas Böhm, Peter Graf, Carsten Pfeiffer und Tobias Roth in der Buchhandlung Ocelot das zweite Programm des VERLAGS DAS KULTURELLE GEDÄCHTNIS: Titel von Walt Whitman, Ernst Ottwald, Erich Wulffen, Oswald Bauer und den Gebrüdern Grimm. Es geht um die Feier des multikulturellen New York, die symptomatische Rechtblindheit der deutschen Justiz, ehrbaren Handel und gut gemachte Hochstapelei – und nicht zuletzt die Schönheit der deutschen Sprache.

Präsentation "Verlag Das kulturelle Gedächtnis"

Theresia Enzensberger liest "Blaupause"

24.10.2017 20:00 Uhr - 22:00 Uhr

Preis: 5 €

***ACHTUNG: NEUES DATUM!!! *** DIE LESUNG FINDET JETZT AM 24.10 STATT!!!***

Luise Schilling ist jung, wissbegierig und voller Zukunft. Anfang der brodelnden zwanziger Jahre kommt sie an das Weimarer Bauhaus. Sie studiert bei Professoren wie Gropius oder Kandinsky und wirft sich hinein in die Träume und Ideen ihrer Epoche. Luise will viel erreichen im Leben – doch wenig davon hat zu tun mit der Huldigung großer Männer.
Zuerst verliebt sich Luise in den schillernden Kunststudenten Jakob, dann in den politisierten Grafiker Hermann. Doch das sind nur zwei Figuren einer überbordenden Zeit. Zwischen Technik und Kunst, Kommunismus und Avantgarde, Populismus und Jugendbewegung lernt Luise gesellschaftliche Utopien kennen, die uns bis heute prägen. Wie beim Blick in eine aktuelle Zeitung wird ihr immer klarer, dass der Kampf um die große Freiheit vor dem eigenen kleinen Leben nie Halt macht. Rasant und äußerst gegenwärtig erzählt Theresia Enzensberger von einer jungen Frau in den Wirren ihres Lebens: Von den brutalen Konflikten zwischen Rechts und Links bis zum Sprung eines jungen Liebespaares in einen nächtlichen Fluss, damals vor fast hundert Jahren.

Theresia Enzensberger wurde 1986 in München geboren und lebt in Berlin. Sie studierte Film und Filmwissenschaft am Bard College in New York und schreibt als freie Journalistin unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, ZEIT Online, Krautreporter und Monopol. 2014 gründete sie das vielfach preisgekrönte BLOCK Magazin.

Moderation: Maria-Christina Piwowarski (ocelot)

Foto Theresia Enzensberger (c) Rosanna Graf

Theresia Enzensberger liest "Blaupause"

Buchpräsentation! Zurab Karumidze liest aus "Dagny oder Ein Fest der Liebe"

17.10.2017 20:00 Uhr - 22:00 Uhr

Preis: 5 €

Nicht nur für Georgien-LiebhaberInnen wird das ein ganz besonderer Abend! Gemeinsam mit dem Weidle Verlag, dem ქართული წიგნის ეროვნული ცენტრი Georgian National Book Center und der Embassy of Georgia to the Federal Republic of Germany laden wir den georgischen Schriftsteller Zurab Karumidze zu uns ein!

Mit Live-Musik von Luise Enzian (Harfe).

Und worum geht es in diesem Buch? Fast wäre es leichter aufzuzählen, was in diesem Roman nicht vorkommt, denn Zurab Karumidze hat alles in sein großes postmodernes Spiel gepackt, dessen er nur irgend habhaft werden konnte. Immerhin aber hat er uns eine zentrale Figur geschenkt, Dagny Juel. Die gab es wirklich, sie wurde am 4. Juni 1901 in Tiflis von einem nicht erhörten Liebhaber erschossen. Sich selbst erschoß er dann auch. Am 8. Juni 1901, ihrem 34. Geburtstag, wurde Dagny in Tiflis beerdigt.
Dagny Juel war Norwegerin, sie lernte Edvard Munch kennen und wurde sein Modell (etwa für die berühmte »Madonna«). Später traf sie auf August Strindberg, der sie erst liebte und dann in einem Drama vernichtete. Schließlich aber heiratete sie den Bohemiensatanisten Stanisław Przybyszewski, mit dem sie in dem Berliner Künstlerkreis um die Kneipe »Das Schwarze Ferkel« unterwegs war. Przybyszewski überließ sie dann seinem Jünger Władysław Emeryk, der sie nach Tiflis mitnahm.
Wer tritt sonst noch auf in diesem Roman? Zunächst der georgische Mystiker Georges Gurdjieff und der Volksdichter Wascha-Pschawela. Weiter ein sprechender Rabe vom Saturn, der Maler Niko Pirosmani, ein tibetanischer Schamane, August Strindberg, Albert Schweitzer und viele andere. Sie alle sind beteiligt an einem »Fest der Liebe«, das dann gründlich schiefgeht, weil sich der junge Revolutionär Koba einmischt, der ein Auge auf Dagny geworfen hat. Er wird später als Josef Stalin in die Geschichte eingehen.
Und natürlich spielt das georgische Nationalepos, Der "Recke im Tigerfell" von Schota Rustaweli, eine wichtige Rolle.

Zurab Karumidze (geb. 1957) ist einer der bekanntesten Autoren Georgiens. Sein Werk umfaßt Romane, Kurzgeschichtensammlungen, Novellen sowie ein Buch über Jazz, das den wichtigen georgischen Literaturpreis SABA gewann. Darüber hinaus ist er Herausgeber und Mitherausgeber einiger Essaybände über die georgische Politik und Kultur.
Sein Roman Dagny or A Love Feast wurde 2012 auf die Longlist des »Dublin International Literary Award« gewählt.
Zurab Karumidze lebt in Tiflis und ist als außenpolitischer Berater der georgischen Regierung tätig. Er wird voraussichtlich zur Buchmesse nach Frankfurt kommen.
Der Roman erschien zuerst 2011 in Tiflis. Er wurde in englischer Sprache geschrieben, eine Übertragung ins Georgische gibt es (noch) nicht. Bislang wurde er lediglich ins Türkische übersetzt.

Moderation: Barbara Weidle
Deutsche Lesung und Übersetzung: Stefan Weidle.

Eintritt 5 €

Für weitere Informationen:

http://www.weidleverlag.de/
http://book.gov.ge/en/ (Georgian National Book Centre)
http://germany.mfa.gov.ge/index.php?lang_id=GER&sec_id=60&lang_id=GER (Botschaft von Georgien in der Bundesrepublik Deutschland)

Buchpräsentation! Zurab Karumidze liest aus "Dagny oder Ein Fest der Liebe"

WOHIN MIT DEM ICH? Der Hieronymustag im ocelot!

30.09.2017 20:00 Uhr - 22:30 Uhr

WOHIN MIT DEM ICH? Der Hieronymustag im ocelot!
Preis: 5 €

Claudia Hamm und Frank Weigand übersetzen Emmanuel Carrère und Dieudonné Niangouna in Zeitraffer und Echtzeit.

Im Mai diesen Jahres wurde der Hieronymustag am 30. September von den Vereinten Nationen ganz offiziell zum International Translation Day ernannt. Auf der Frankfurter Buchmesse ist in diesem Jahr Frankreich als Gastland vertreten. Die Buchhandlung Ocelot nimmt beides zum Anlass, um mit den beiden Übersetzern aus dem Französischen Claudia Hamm (Prosa) und Frank Weigand (Dramatik) einen Abend mit Weltliteratur, Fragen zum Über-setzen, eigenen Versuchen und Wein zu verbringen.

L’Adversaire ist das erste Buch des Erfolgsautors Emmanuel Carrère, das in der ersten Person geschrieben wurde. Carrère erweiterte damit den Tatsachenroman um eine folgenreiche Perspektive. Eine Neuübersetzung dieses Buchs, das schon einmal den Titel Amok trug und nun Der Widersacher heißen wird, stellt vor besondere Herausforderungen. Claudia Hamm stellt sie in Lesung und Selbstgespräch vor.

Das Format Lost in Translation ist Mini-Workshop und Echtzeit-Übersetzungsperformance in einem. Angesichts der Schwierigkeiten, auf die Frank Weigand bei der Live-Übertragung eines ihm unbekannten Theatertextes des neuen Hausregisseurs des Berliner Ensembles, Dieudonné Niangouna, stößt, verwandeln sich die Zuschauer nach und nach in die eigentlichen Übersetzer.

Claudia Hamm ist Theaterregisseurin, Autorin von Bühnentexten und Übersetzerin aus dem Französischen. Sie arbeitete u.a. am Burgtheater Wien, am Theater Luzern, den Sophiensaelen sowie mit ihrem Ensemble 15febbraio und eigenen Stücken an zahlreichen Theatern und Festivals in Italien, Frankreich und Deutschland. In den letzten Jahren inszenierte sie vor allem Musiktheaterproduktionen.
Für ihre Übersetzungen – u.a. von Emmanuel Carrère, Édouard Levé und Mathias Énard –war sie 2016 für den Übersetzerpreis der Leipziger Buchmesse nominiert und wurde mit dem Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft ausgezeichnet.

Frank Weigand, Geboren 1973 in Stuttgart, Studium der Romanistik, Philosophie und Komparatistik in Mainz und Dijon, lebt als freiberuflicher Kulturjournalist und Übersetzer in Berlin. Er interessiert sich vor allem für kollaborative Übersetzungsprozesse und den machtpolitischen Aspekt sprachlicher und kultureller Übertragung. In diesem Zusammenhang leitet er regelmäßig Übersetzerworkshops in Deutschland, Frankreich und Kanada (FU Berlin, UdK Berlin, LMU München, Festival d'Avignon, La Mousson d'été, École Nationale de Théâtre du Canada, Deutscher Übersetzerfonds etc.). Bislang hat er rund 100 Theaterstücke hauptsächlich französischer und frankophoner Dramatiker sowie Sachbücher aus den Bereichen Soziologie, Philosophie und Performancetheorie ins Deutsche übertragen. Seit 2011 gibt er gemeinsam mit der Regisseurin Leyla-Claire Rabih die Theateranthologie "SCÈNE - neue französische Theaterstücke" im Verlag Theater der Zeit heraus.
Als Journalist ist er für Medien wie Die Deutsche Bühne, Tanz, Theater der Zeit, taz, Die Welt, Berliner Morgenpost tätig und betreut regelmäßig redaktionell die Programme und Publikationen verschiedener Festivals und Institutionen (Tanz im August, Tanzkongress, Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz Berlin...).

Die Veranstaltung findet statt im Rahmen von «Francfort en français - Frankfurt auf Französisch» mit freundlicher Unterstützung des Institut français.

Weitere Informationen zum Auftritt Frankreichs auf der Frankfurter Buchmesse 2017 findet Ihr hier:
http://www.francfort2017.com/#!/

Buchpremiere: Jo Frank "Snacks"

28.09.2017 20:00 Uhr - 22:00 Uhr

Preis: Der Eintritt ist frei!

Nichts ist so verbindend und trennend zugleich wie die Sprache: Jo Frank erzählt in multilingualen Texten von einem Leben, das geprägt ist von Radikalität, von einer Kindheit zwischen BBC und Deutschlandfunk, auf dem Rücksitz eines Wagens mit unbekanntem Ziel. Die einzige Heimat ist Sprache, nicht Deutsch oder Englisch oder Hebräisch, sondern der Versuch einer Überbrückung der Distanz zwischen zwei Menschen, und zwischen Gegenwart und Erinnerung: »sage ich sprache, meine ich meine sprache. meine ich eine sprache, die nach cadbury’s chocolate schmeckt.«

Jo Frank lebt als Autor, Verleger und Übersetzer in Berlin. 2005 gründete er mit Dominik Ziller und Andrea Schmidt das Verlagshaus Berlin. Er übersetzte u.a. Die Erbärmlichkeit des Krieges. Kriegsgedichte von Wilfred Owen ins Deutsche (2014).

Moderation: Odile Kennel

Buchpremiere: Jo Frank "Snacks"

Buchpremiere! Julia Rothenburg liest "Koslik ist krank"

07.09.2017 20:00 Uhr - 22:00 Uhr

Preis: 5 €

Alles war in bester Ordnung, bis René Koslik, ein Mann Anfang vierzig mit geregeltem Alltag als Volkshochschullehrer in Freiburg, plötzlich wegen Verdachts auf einen Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert wird. Mit ihren labyrinth-artigen Gängen und ihrer undurchschaubaren Choreographie von Ärzten und Pflegern erscheint ihm die Klinik wie eine Parallelwelt. Die übrigen Patienten gleichen Schauspielern in einem absurden Theaterstück: Kosliks duldsamer Bettnachbar Friese, der redselige Rheinländer Bude, die esoterische Maltherapeutin Klemm - und eine Gestalt im Bademantel, die sich als Frank entpuppt, ein ehemaliger Kommilitone und ewiger Konkurrent von Koslik. Die angekündigten Untersuchungen verzögern sich, und eine diffuse Unruhe ergreift von ihm Besitz; er fühlt sich wie ein Angeklagter, der vergeblich auf sein Urteil wartet. Die treffsicheren Dialoge, die bestechend minimalistische Dramaturgie und die skalpellscharfe Beobachtungsgabe von Julia Rothenburg machen Koslik ist krank zu einem in jeder Hinsicht bemerkenswerten literarischen Debüt. Der Autorin gelingt ein verstörendes Kammerspiel, eine literarische Endoskopie eines Mannes mittleren Alters mit dem Finger auf der Reset-Taste.


Julia Rothenburg wurde 1990 in Berlin geboren. Sie studierte Soziologie und Politikwissenschaft, zuerst in Freiburg und dann in Berlin. Für ihr Romanmanuskript "Koslik ist krank" erhielt sie den Retzhof-Preis für junge Literatur. Die Autorin war Stipendiatin der Schreibwerkstatt der Jürgen-Ponto-Stiftung. Koslik ist krank ist ihr Debütroman.

Moderation: Anne Michaelis, Frankfurter Verlagsanstalt

Eintritt 5€

Buchpremiere! Julia Rothenburg liest "Koslik ist krank"

Der zweite ocelot, Lesekreis!

21.08.2017 20:30 Uhr - 22:00 Uhr

Preis: Der Eintritt ist frei!

Endlich! Der zweite ocelot, Lesekreis findet statt!
Doch was bedeutet das eigentlich? Sitzen wir da alle im Kreis und lesen uns was vor? Nein, weder Kreis noch vorlesen. Bei unserer täglichen Arbeit im ocelot geraten wir immer wieder in Situationen, in denen aus Beratungen längere Diskussionen über einzelne Bücher entstehen. Das sind meist Bücher, in denen brisante Themen der Gegenwart verhandelt werden oder die durch ihren Stil herausstechen.
Im Lesekreis möchten wir Euch und uns Raum und Zeit geben, über ausgewählte Lektüren zu diskutieren. Ohne Hierarchien, ohne Vorgaben. Einzig das in der letzten Sitzung ausgewählte Buch sollte vorher gelesen werden.
Der Lesekreis findet einmal im Quartal statt. Zu jeder Sitzung wählen wir gemeinsam das Buch für die nächste Sitzung aus. (Meist sind das Bücher mit einer bestimmten "Welthaltigkeit", das heißt, sie behandeln in literarischer Form wichtige aktuelle Diskurse.)
Jede/r ist zu dieser Veranstaltung herzlich eingeladen. Wer sich unsicher ist, ob er/sie direkt mitdiskutieren möchte oder das Buch noch nicht gelesen hat, darf auch gern als Zuhörer/in kommen.
Wir freuen uns auf kontroverse, gut argumentierte Kritiken, auf Perspektivenvielfalt und ungewöhnliche Lesarten. Auch wenn jede/r den gleichen Text vor sich hat, liest jede/r ein anderes Buch!

Für den Lesekreis im August lesen wir:

Saleem Haddad: Guapa (Albino Verlag 2017)

und

Theresia Enzensberger: Blaupause (Hanser 2017).

Wir freuen uns auf Euch!

Der zweite ocelot, Lesekreis!

Buchpremiere! Simon Strauß liest "Sieben Nächte"

13.07.2017 20:30 Uhr

Preis: Der Eintritt ist frei!

Schließt die Augen und zerbrecht das Glas

Es ist Nacht, ein junger Mann sitzt am Tisch und schreibt. Er hat Angst. Davor, sich entscheiden zu müssen. Für eine Frau, einen Freundeskreis, einen Urlaubsort im Jahr. Er hat Angst, dass ihm das Gefühl abhandenkommt. Dass er erwachsen wird. Doch ein Bekannter hat ihm ein Angebot gemacht: Sieben Mal um sieben Uhr soll er einer der sieben Todsünden begegnen. Er muss gierig, hochmütig und wollüstig sein, sich von einem Hochhaus stürzen, den Glauben und jedes Maß verlieren. Sieben Nächte ist ein Streifzug durch die Stadt, eine Reifeprüfung, die vor zu viel Reife schützen soll, ein letztes Aufbäumen im Windschatten der Jugend.
Simon Strauß erzählt von einem jungen Mann an der Schwelle, der alles aufbringt, um sich Gewohnheit und Tristesse zu verwehren. Er muss gierig, hochmütig und faul sein, neiden und wüten, Völlerei und Wollust treiben. Sich dem Leben preisgeben, um sich die Empfindung zu erhalten. Im Schutze der Nacht entwickelt er aus der Erfahrung der sieben Todsünden die Konturen einer besseren Welt, eines intensiveren Lebens.

»Simon Strauß erzählt von einem, der auszog, um die ewige Jugend zu suchen – und schreibt ein Buch, das so klug und berührend ist, dass man ihm auf der Stelle folgen will.« Theresia Enzensberger

Simon Strauß, geboren 1988 in Berlin, studierte Altertumswissenschaften und Geschichte in Basel, Poitiers und Cambridge. Hospitanzen und eine Gastdramaturgie am Theater. Mitorganisator des Jungen Salons in Berlin. 2017 promovierte er an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer althistorischen Arbeit über »Konzeptionen römischer Gesellschaft bei Theodor Mommsen und Matthias Gelzer«. Er lebt in Frankfurt, ist Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Moderation: Ijoma Mangold!

Foto Simon Strauß (c) Martin Walz

Buchpremiere! Simon Strauß liest "Sieben Nächte"

Jugendliche im Gespräch zu aktuellen Jugendbuch-Nominierungen des Deutschen Jugendliteraturpreises

03.07.2017 19:00 Uhr - 20:00 Uhr

Jugendliche im Gespräch zu aktuellen Jugendbuch-Nominierungen des Deutschen Jugendliteraturpreises
Preis: Der Eintritt ist frei!

Jugendliche der LIN - Literaturinitiative Berlin diskutieren mit prominenten Gästen die aktuellen Nominierungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis.

Moderation: Knut Elstermann

Buchpräsentation: Barbara Schaeffer-Hegel liest "Erfolgreich aus dem Nichts"

29.06.2017 18:30 Uhr - 20:00 Uhr

Preis: Der Eintritt ist frei!

Die Berliner Professorin Barbara Schaeffer-Hegel gründete Anfang der Neunzigerjahre die Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft, die EAF. Die pragmatische Rebellin und Außenseiterin der Frauenbewegung setzte sich mit ihrer Europäischen Akademie das Ziel, jungen Frauen mit Führungspotenzial den Aufstieg im beruflichen Leben zu erleichtern und ihnen dabei zu helfen, eine passende »work/ life balance" zwischen Familie und Beruf zu finden. Die EAF richtet sich an die Frauen, die zwischen konservativem Rollendiktat und feministischer Männerfeindlichkeit bisher keinen Ort und keine Zustimmung finden konnten. »Erfolgreich aus dem Nichts« berichtet hautnah und beispielhaft darüber, wie durch die Entschlossenheit Einzelner namhafte Nicht-Regierung-Organisationen ins Leben gerufen und zur Entwicklung einer lebenswerten Gesellschaft beitragen können. Obwohl ein Sachbuch, ist Schaeffer-Hegels Bericht eine spannende Lektüre. Ihre Sprache ist anschaulich, ihre Bilder sind packend, immer wieder werden Spannungsbögen aufgebaut und immer wieder unterbrechen überraschende Anekdoten die Schilderung von thematischen Zusammenhängen. Die Gründungsgeschichte der EAF und der Femtec, von Barbara Schaeffer-Hegel meisterhaft erzählt, ist auch insofern von besonderer Bedeutung, als der Gründerin kein Gründungskapital, kein Gründungsponsor, und keine institutionelle Förderung zur Verfügung standen. »Aus dem Nichts« heraus haben die Autorin und ihr Team zwei Organisationen aufgebaut, die bis heute im beruflichen Bildungsbereich fest etabliert sind.

Barbara Schaeffer-Hegel studierte Politikwissenschaften, Geschichte, Philosophie und Romanistik. Sie lehrte an Hochschulen in Bonn, Münster, Wien, Innsbruck, Berlin und San Diego. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Fragen der politischen Bildung und zur feministischen Grundlagenforschung sowie ein Band mit Kurzgeschichten. In Berlin gründete sie die Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF) und zusammen mit dem Präsidenten der Technischen Universität Berlin die Femtec GmbH. 2002 erhielt Barbara Schaeffer-Hegel das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse; 2011 wurde ihr vom Land Berlin die Luise Schroeder Medaille verliehen. Barbara Schaeffer-Hegel ist verheiratet und hat 4 Kinder.

Als Gäste diskutieren mit: Die Rechtsanwältin Dana Peić-Thiel und der Ministerialdirigent Hartmut Grübel.

Foto Barbara Schaeffer-Hegel (c) Bernd Hartung

Buchpräsentation: Barbara Schaeffer-Hegel liest "Erfolgreich aus dem Nichts"

Berlin Heartbeats - Vernissage

01.06.2017 20:00 Uhr

Preis: Der Eintritt ist frei.

FOTOKUNST IM OCELOT!

Ausstellungseröffnung und Buchpräsentation mit Videoauszügen aus den Interviews, Fotosequenzen und Live-Musik

Der im Suhrkamp Verlag erscheinende Bildband »Berlin Heartbeats« erzählt in intensiven Fotoessays und exklusiven Gesprächen die wegweisenden und die weniger bekannten, dafür umso erstaunlicheren Storys aus der jüngeren Geschichte der Stadt.

In den Filmen und Texten kommen zu Wort: Klaus Biesenbach, Frank Castorf, Flake, Dimitri Hegemann, Judith Hermann, Robert Lippok, Sven Marquardt, Christiane Rösinger, OL und Sasha Waltz.

Mit Bildern von Ben de Biel, Harald Hauswald, Ute Mahler, Hendrik Rauch, Philipp von Recklinghausen, Markus Werner und Rolf Zöllner.

Foto (c) Hendrik Rauch

Berlin Heartbeats - Vernissage

Endlich! Der 1. ocelot, Lesekreis findet statt!

09.05.2017 20:00 Uhr

Preis: Eintritt ist frei!

Wer kennt sie nicht, diese Bücher, die einen nicht loslassen? Die man liest, und die dann lang nachhallen, einen beschäftigen, verstören oder auch ärgern. Was kratzt uns da auf in den Geschichten? Was ist das Besondere an der Form? Wo liegen die Grenzen zwischen fiktiver Figur und realer Biographie? Oft lesen wir Romane, die ein Nachfragen benötigen, ein Einordnen, einen Austausch mit anderen LeserInnen. Das radikale Aufdecken des eigenen Lebens in den Büchern Karl Ove Knausgårds wäre so ein Fall oder die bis an die Grenze des Erträglichen getriebene Prosa von Hanya Yanagihara. Diese Lektüren fordern Folgegespräche.
Wir möchten mit einem neuen Veranstaltungsformat jenen Büchern Raum geben. Einen physischen Raum in unserem Laden. Und einen Gesprächsraum. Mit Euch. Einmal im Quartal wählen wir ein Buch, das wir lesen und dann gemeinsam diskutieren möchten. Jeder kann kommen. Einzige Bedingung ist die vorhergehende Lektüre des zu besprechenden Buches.
Den Auftakt bildet "Ein Gott ein Tier", das neue Buch des französischen Prix Goncourt Preisträgers Jérôme Ferrari. Wer seine "Predigt auf den Untergang Roms" kennt, weiß, dass dieser Autor zu den interessantesten und sprachmächtigsten Autoren der europäischen Gegenwartsliteratur zählt. "Ein Gott ein Tier" ist die Geschichte eines Mannes, der scheitert, weil er seinem Leben keinen Sinn zu geben vermag. Ob dieses Scheitern universal ist und auch uns betrifft, wäre eine Frage, die wir mit Euch diskutieren könnten.

Wir sind gespannt auf Eure Perspektiven!
Eure ocelots,

Endlich! Der 1. ocelot, Lesekreis findet statt!

Buchpräsentation: Antanas Škėma "Das weiße Leintuch"

19.04.2017 20:30 Uhr

Antanas Škėma (1910 – 1961) hinterließ einen Roman, der bis heute bedeutenden Einfluss auf die litauische Literatur ausübt: »Das weiße Leintuch«. Geschrieben zwischen 1952 und 1954, wurde er noch nie zuvor ins Deutsche übersetzt. Der Protagonist Antanas Garšva, ein litauischer Exilschriftsteller, arbeitet als Liftboy in einem vielstöckigen New Yorker Hotel. Antanas Garšva, Alter Ego von Antanas Škėma, ist vor den Sowjets aus Litauen geflohen, hadert aber mit der bigotten litauischen Leitkultur und der Trivialität der amerikanischen Konsumgesellschaft. In Rückblenden und Reflexionen versucht er seinen dramatischen Lebensweg zu verarbeiten und ihm einen Sinn zu geben, in der New Yorker Gegenwart findet er sich verstrickt in ein Dreiecksverhältnis mit seiner Geliebten Elena und ihrem Ehemann.

Aus den aufwühlenden Episoden ergibt sich ein Puzzle des 20. Jahrhunderts, das Škėma mit kraftvollem sprachlichem Reichtum schildert – ein Wirbel an Wahrnehmungen und Erinnerungen, die über Garšva hereinbrechen, um deren Bewältigung er mit immer neuen literarischen Anläufen ringt. Eindrücke von den Straßen New Yorks, Liedverse und Reminiszenzen an Litauen drängen assoziativ in den Text hinein, treiben den Protagonisten voran, bedrängen ihn. »Das weiße Leintuch« erzählt aber auch von der Verantwortung des Schriftstellers in einer unsicheren Welt, von Formen der Anpassung und Möglichkeiten des Widerstands. In der alle Register ausschöpfenden Übersetzung von Claudia Sinnig ist der Roman nun auf Deutsch zu entdecken, in dunkler Schönheit und mit all seinen bis heute nicht beantworteten existenziellen Fragen.

Antanas Škėma (1910 – 1961) wird im damals zum Russischen Reich gehörenden polnischen Łódź geboren, wohin sein Vater, ein litauischer Lehrer, versetzt worden war. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs flieht die Familie ins russische Hinterland, Škėma durchlebt eine traumatische Kindheit, zunächst in Woronesch und dann während der russischen Revolution in der Ukraine. 1921 kehrt die Familie in das nun unabhängige Litauen zurück. 1929 beginnt Škėma in Kaunas Medizin, später Jura zu studieren. Ab 1935 widmet er sich zunehmend dem Theater, er arbeitet als Schauspieler, später auch als Regisseur am Staatstheater Vilnius. 1944 flieht er vor der sowjetischen Besatzung nach Deutschland, wo er, wie Zehntausende seiner Landsleute, mehrere Jahre in Displaced Persons Camps lebt. 1947 veröffentlicht Škėma einen Kurzgeschichtenband und verfasst erste Dramen, 1949 siedelt er in die USA über, wo er seinen Lebensunterhalt als Fabrikarbeiter und Liftboy verdient. In litauischen Exilkreisen engagiert er sich im Theater, verfasst zahlreiche Beiträge für Zeitungen und Zeitschriften der Emigrantenpresse und publiziert zwei weitere Novellenbände, Essays und Gedichte. Wegen seiner existenziellen Themen wird Škėma als »litauischer Camus« bezeichnet. 1961 stirbt er bei einem Autounfall in Pennsylvania.

Lesung: Claudia Sinnig
Claudia Sinnig, 1965 geboren, aufgewachsen in Gotha. Sie studierte Russisch und Englisch in Leipzig sowie Litauisch in Vilnius. 1989 war sie Mitbegründerin des Lithuanian Review, der ersten unzensierten englischen Zeitung Litauens, 1990 Mitarbeiterin für das erste frei gewählte litauische Parlament. Seit 1992 ist sie freie Autorin und Übersetzerin. Sie übersetzte u. a. Tomas Venclova, Jonas Mekas, Eugenijus Ališanka und Sigitas Parulskis. Claudia Sinnig lebt in Wuhden im Oderbruch.

Moderation: Sebastian Guggolz.

Die Veranstaltung wird vom Lithuanian Culture Institue gefördert.

Der Eintritt ist frei.

Buchpräsentation: Antanas Škėma "Das weiße Leintuch"

ACHTUNG! LEIDER ABGESAGT: Lesung: Tomas Espedal und Hinrich Schmidt-Henkel "Biografie, Tagebuch, Briefe"

18.04.2017 20:30 Uhr - 22:00 Uhr

Preis: 5 €

Edit 17. April: Leider müssen wir diese Veranstaltung bis auf Weiteres verschieben. Aus gesundheitlichen Gründen kann Tomas Espedal vorerst nicht nach Berlin kommen. All unsere guten Wünsche sind bei ihm. Wenn sich ein neuer Termin abzeichnen lässt, melden wir uns.

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Ein Buch wie ein Vermächtnis. Tomas Espedal schreibt in seinem bislang intimsten Buch über die Orte, an denen er lebte, die Frauen, die er begehrte, die Gesichter derer, die er als junger Boxer zertrümmerte, die Bücher, die er las, und über die Liebe zu seiner sterbenden Mutter. Espedal lotet die Grenzen von fiktionalem und autobiografischem Schreiben aus : In jedem der in sich eigenständigen Texte »Biografie«, »Tagebuch« und »Briefe« gibt er schmerzvoll preis, wie er wurde, was er ist, bis am Ende der Schriftsteller über die Privatperson siegt.

Tomas Espedal, geboren 1961 in Bergen, gab sein literarisches Debut 1988 mit dem Roman »En vill flukt av parfymer« (Eine wilde Flucht vor dem Parfüm). Seither veröffentlichte er zahlreiche in Norwegen preisgekrönte Romane und gilt neben seinem Freund Karl Ove Knausgård als einer der wichtigsten Schriftsteller Norwegens.

Moderation und Übersetzung: Hinrich Schmidt-Henkel

Hinrich Schmidt-Henkel geboren 1959 in Berlin. Als einer der renommiertesten deutschen Übersetzer übertrug er zahlreiche namhafte literarische Werke aus dem Französischen, Norwegischen und Italienischen, u.~a. von Louis-Ferdinand Céline, Yasmina Reza, Michel Houellebecq, Jean Echenoz, Marie Darrieussecq, Jon Fosse, Camus, Ibsen und Diderot. Zudem ist er Vorsitzender des Verbands deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke. Er wurde u.a. mit dem Jane-Scatcherd-Preis und dem Paul-Celan-Preis geehrt. Schmidt-Henkel lebt in Berlin.



Foto Tomas Espedal (c) Helge Skovdin

ACHTUNG! LEIDER ABGESAGT: Lesung: Tomas Espedal und Hinrich Schmidt-Henkel "Biografie, Tagebuch, Briefe"