Muscheln am Strand von Gaza: Erinnerungen an ein zerstörtes Land
Eine Geschichte von Verlust, Mut und der ungebrochenen Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten
Lesung und Diskussion mit Hamza Howidy
Veranstaltungsreihe BETWEEN THE LINES (Part 3)
Hamza Abu Howidy erzählt uns vom Aufwachsen im Gaza der 2000er-Jahre, von seiner Familie, besonders seinem Vater, der ihm beim Muschelsammeln die großen Lektionen des Lebens beigebracht hat, aber auch von den blutigen Kämpfen zwischen Fatah und Hamas, direkt vor seiner Haustür, und wie sehr das Leben in Gaza von Terror geprägt war.
Jahre später protestiert er gegen die Hamas und wird festgenommen, gefoltert und muss fliehen. Heute zählt er zu den wichtigsten politischen Stimmen aus der palästinensischen Exilgemeinde, dabei lässt er sich weder von pro-israelischer noch pro-palästinensischer Seite vereinnahmen.
Ein sehr persönliches Buch, das Hoffnung und Plädoyer zugleich für eine demokratische und friedliche Lösung des Nahostkonflikts ist.
Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt. Eine Übersetzung wird gewährleistet.
Lesung und Buchvorstellung mit Ken Merten
Vom verschneiten Erzgebirge reist Jungkommunistin Kira für mehrere Monate ins sonnige Kuba. Zurück lässt sie ihren zynischen Exfreund Ben und dessen lebensmüden Vater, einen Räuchermännchenmacher. Aus der Entfernung formt sich zögernd ein Zwiegespräch. Als Ben, der sich als Youtuber und Hatefluencer in der Aufmerksamkeitsökonomie verdingt, seine Greiffener Adresse preisgibt, bricht in das dauerweihnachtliche Spielzeugdorf die Welt garstig ein.
Während das alles erklärende Buch über Ostdeutschland wieder und wieder geschrieben wird, ist Kleiner als drei ein intimer Feldpostbriefroman aus dem Systemkampf zwischen Realsozialismus und -kapitalismus. Ein Dialog am Rande, von teilnehmender Bolschewistin zu giftigem Memefaschisten.
Wie schon in seinem Debüt Ich glaube jetzt, dass das die Lösung ist entwickelt Ken Merten auch in seinem neuen Roman einen unverwechselbaren, treibenden Sound.
Eigentlich wollte Julius Fischer keine Menschen mehr hassen. Positive Stimmung verbreiten, Komplimente verteilen, lieben und geliebt werden. Da hat er aber die Rechnung ohne die Menschen gemacht. Und dann hat er auch noch zwei Kinder gekriegt. Was heißt gekriegt. Er war dabei. Darüber hat er ein Buch geschrieben. Worum geht es?
Es ist dunkel in Leipzig. Alles schläft. Alles? Nein. Ein Kind leistet erbittert Widerstand. Der Vater, dem Autoren nicht ganz unähnlich, zieht das letzte Register: eine Spazierfahrt mit dem Buggy. Mit ungewissem Ausgang und nicht vorhersehbarer Dauer. Wie die Odyssee. Dabei trifft er natürlich Menschen. Leider. Und denkt über das Elternsein nach. Während er gleichzeitig ein Elter ist. Ein angestrengter Elter. Das macht es nicht besser.
Ein Buch für alle, die auch Kinder haben. Oder keine Kinder wollen. Oder nicht wissen, was die Odyssee ist. Im Programm zum Buch liest er, wie sich alle denken können, die lustigsten Texte aus dem Buch vor und singt zwischendurch Liebeslieder ohne Happy End. Eigentlich geht er nur auf Tour, um mal wieder auszuschlafen. Nicht auf der Bühne. Klar. Außer, das Publikum will auch schlafen. Dann wird es eine schöne Gruppentherapie.
Und da die Welt eh bald untergeht, schadet so ein Abend dann auch nicht.
Was das Publikum erwarten kann: witzige Texte, witzige Lieder, eine Pause, ggf. gemeinsame Schlaftherapie, laaange Elterngespräche am Büchertisch. Was es nicht geben wird: Gedichte (leider ist sein Gedichtband "Stille" gerade vergriffen bzw. noch nicht erschienen bzw. noch nicht geschrieben), Kinderbilder, Crowdwork, Livepainting, Verschwörungstheorien.
Das sagt der Autor dazu: "Ich würde mir das angucken, wenn ich nicht selbst 'nen Auftritt hätte!
"Alex schreibt eine hoffnungslose Doktorarbeit und isst kein Fleisch" - das scheint das Wesen von Alex zusammenzufassen. Allerdings sieht es in Alex' Kopf ganz anders aus, denn dort türmen sich Fragen über Fragen: Was sind 'Ost' und 'West'? Gibt es das überhaupt? Warum trägt dieser Typ Müll mit sich herum? Ist die Doktorarbeit zum Scheitern verurteilt? Und wer tröstet hier eigentlich wen?Die Verwirrungen des alltäglichen und des außergewöhnlichen Lebens nehmen kein Ende: Sofiia, die aus der Ukraine fliehen musste, kocht mit Putinisten Piroggen. Liz will, dass Alex endlich für sich selbst einsteht und das Kurioseste - der Kater Genosse braucht kein Katzenklo.Mit einer überraschenden Leichtigkeit nimmt der Roman das schwere Thema des Ukraine-Kriegs auf und erzählt von Alex' Versuch, den Konflikt zwischen Ost und West zu verstehen oder zumindest weniger verwirrend zu finden.
Wie können wir bereits realisierte Utopien für eine Mehrheit der Gesellschaft öffnen? Ein Angriff auf die Alternativlosigkeit des Status quo
Michael Hirsch und Kilian Jörg starten den Versuch, die linke Vorstellungskraft wieder aufzuforsten – inspiriert von dem in Frankreich berüchtigten Konzept der »zu verteidigenden Zone« (Zone à défendre – ZAD). Die berühmte ZAD in Notre-Dame-des-Landes besteht seit über fünfzehn Jahren als ein aus Verwertungszusammenhängen herausgelöstes Gebiet, in dem mit neuen sozialen Beziehungen, mit neuen Verhältnissen zu Arbeit und Ökologie experimentiert wird. Können diese Erfahrungen auf größere Maßstäbe übertragen werden? Dieses Buch ist eine radikale Spekulation, ein Text, der Mut für zukünftige Kämpfe macht und verdeutlicht, dass hinter der trüben Lethargie des kapitalistischen Realismus noch immer die Möglichkeit einer Vielfalt anderer Welten liegt.
Buchvorstellung und Diskussion
- Eine Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen
Rechts, wo die Mitte ist
Die AfD und die Modernisierung des Rechtsextremismus
Mit Thorsten Mense, Judith Goetz (Herausgeber*innen) und Steven Hummel (Autor)
Die ›Alternative für Deutschland‹ hat sich seit ihrer Gründung von einer kleinen rechtspopulistischen Anti-Euro-Partei zur größten rechtsextremen politischen Kraft in der Bundesrepublik seit Ende des Nationalsozialismus entwickelt. Mittlerweile vertritt sie ein offen rassistisches, nationalistisches und antifeministisches Programm, Geschichtsrevisionismus und Antisemitismus sind ebenso fester Bestandteil ihrer Agenda. Je völkischer die AfD auftritt, umso mehr scheint ihr gesellschaftlicher Rückhalt zu wachsen. Zugleich findet eine fortschreitende Normalisierung der Partei und ihrer rechtsextremen Positionen in den Medien und der Politik statt. In der Flüchtlingspolitik bestimmt die AfD auch ohne Regierungsbeteiligung längst den politischen Diskurs.
Der Erfolg der AfD muss im Kontext der schon seit einigen Jahren anhaltenden gesellschaftlichen Rechtsverschiebung gesehen werden, in deren Folge rechtsautoritäre Einstellungen bis weit in die sogenannte bürgerliche Mitte Verbreitung finden. Das Buch vereint verschiedene Analysen zur AfD und zeichnet ein Bild einer Partei, die exemplarisch für den modernisierten Rechtsextremismus steht, der modern daherkommt, aber keineswegs weniger gefährlich ist als seine historischen Vorläufer.
Das Buch und einzelne Beiträge werden vorgestellt von Thorsten Mense (Herausgeber), Judith Goetz (Herausgeberin) und Steven Hummel (Autor). Das Buch "Rechts wo die Mitte ist. Die AfD und die Normalisierung des Rechtsextremismus" ist im August 2024 beim Unrast-Verlag erschienen.
Judith Goetz ist Literatur- und Politikwissenschaftlerin, Genderforscherin, Rechtsextremismus-Expertin, Lehrbeauftragte an unterschiedlichen österreichischen Universitäten und Mitglied der Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit (FIPU).
Thorsten Mense ist Soziologe (Dr. phil.) und freier Journalist. Seine Forschungsschwerpunkte sind Nationalismus, rechte Bewegungen und Autoritarismus. Er lebt und arbeitet in Leipzig und war lange Zeit Mitglied im Forum für kritische Rechtsextremismusforschung (FKR).
Steven Hummel ist Politikwissenschaftler. Er arbeitet als Bildungsreferent bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen und ist ehrenamtlich bei der Dokumentations- und Rechercheplattform chronik.LE aktiv. Sein Schwerpunktthema ist die extreme Rechte.
"Generation abgestumpft" ist ein "Aufrüttel"-Buch für jeden, der aufgerüttelt werden will. Generationsübergreifend. Es handelt von der Notwendigkeit, die Scheuklappen abzulegen. "Sieht nix, hört nix, sagt nix" kann und darf nicht die Devise sein, in keiner Generation! Und es stellt sich die Frage – kann man Abgestumpftheit und Gleichgültigkeit wieder "verlernen"? Fühlen Sie sich eingeladen, mit der Autorin auf Antwortsuche zu gehen.
Die eigene psychische Gesundheit wird im Aktivismus oft hintangestellt, obwohl Selbstfürsorge für lange währendes ehrenamtliches Engagement grundlegend ist. Doch wie schafft man es, sich etwas Gutes zu tun, wenn man das Gefühl hat, die Welt brenne?
Kathrin Rothenberg-Elder und Elli Kutscha stellen sich in ihrer Arbeit dieser Frage und begründeten zusammen das wissenschaftlich fundierte Programm EfA - Empowerment für Aktivist*innen. Es wurde ursprünglich für den Einsatz im Klimaaktivismus entwickelt, um die eigene Gesundheit und Belastungsgrenzen strategisch zu schützen und zu stärken.
Die gewonnenen Erkenntnisse aus diesen Forschungen und Erfahrungen bilden einen Leitfaden, der Menschen jeden Geschlechts und aus verschiedenen ehrenamtlichen Bereichen dazu einlädt, die vielseitigen praxisnahen Übungen für sich selbst anzuwenden oder auch neue, autonome EfA-Gruppen zu bilden. Darüber hinaus geben die Autorinnen einen Überblick über Resilienz und Empowerment im Aktivismus aus psychologischer Perspektive.
Interaktive Lesung/ Workshop mit der Autorin Elli Kutscha
Warum Brüste so viel mehr sind als nur ein Körperteil
Brüste werden nie übersehen, aber selten wirklich angeschaut. Diese Texte verhandeln ein oft objektifiziertes Körperteil als das, was es eigentlich ist: etwas wahnsinnig Subjektives.
Wer darf seine Brüste offen zeigen und wer nicht? Was sagt die Betrachtung und ständige Beurteilung dieses Körperteils über unsere Gesellschaft aus? Wie funktioniert Sexualisierung, was sind die Mechanismen dahinter und wie machen wir uns von ihnen endlich frei? Was würden wir im Gespräch über Brüste gern mal laut aussprechen oder schwarz auf weiß lesen? Und was können wir nicht mehr hören? Mit diesen und weiteren Fragen setzen sich die Autor*innen in ihren Texten auseinander.
Es lesen Herausgeberin Miku Sophie Kühmel, Autorin Bettina Wilpert und Autor*in Audrey Naline.
Einlass: 19:00 Uhr
Was sie verbindet? Die eine hat die andere geboren.
Der Hund ist jetzt da, nun muss man sich eben um ihn kümmern, sagt Mutti. So wie die Kinder, die waren damals auch plötzlich da und man musste sich eben kümmern. Das will ihre Tochter Karla in jedem Fall anders machen. Also ist sie von Leipzig nach Köln geflohen, hat den Kontakt zur Mutter abgebrochen, das ist einfacher als mit Gerda zu diskutieren. Aber jetzt hadert Karla mit der Ausbildung, kämpft mit der Miete, und mit ihrer Freundin könnte auch mal der nächste Schritt kommen. Ob es eine gute Idee von Karlas Geschwistern war, den beiden zu ihren Geburtstagen – zum 30. und 60. – eine gemeinsame Reise nach Hamburg zu schenken? Wahrhaftig, voller Witz und Zärtlichkeit erzählt Paula Irmschler von zwei grundverschiedenen Frauen, die zufällig Mutter und Tochter sind.
Paula Irmschler, 1989 in Dresden geboren, zog 2010 für ihr Studium nach Chemnitz. Nach fünf mehr oder weniger erfolgreichen Jahren ging sie nach Köln und schrieb für u. a. »Jungle World«, »Missy Magazine« und »Musikexpress«. Seit 2018 ist sie Redakteurin bei TITANIC. Ihr Debüt »Superbusen« war ein Spiegelbestseller und wurde für die Bühne adaptiert.
"Paula Irmschler lesen ist wie Saufen mit der besten Freundin, aber ohne Kater. Magisch." Margarete Stokowski