Lesenswert
DANKE an Annika Büsing für "Magisch"!
Ich liebe die Geschichte von Marie und Magisch, deren Liebe nach 15 Jahren eine zweite Chance und somit einen zweiten Frühling bekommt. Eine Liebe, die trotz schlimmer Rahmenbedingungen bestehen kann, denn Maries Bruder Andi ist ein Nazi und hat Magisch vor vielen Jahren krankenhausreif geschlagen. Als Magisch wieder in sein Elternhaus zurückkehrt, kommen Feindschaften, Schuldgefühle und Verletzungen wieder an die Oberfläche. Marie und Magisch positionieren sich, unterstützen Menschen in Asylunterkünften gegen einen Aufmarsch der rechten Szene. Bei einer Demo kochen bei Marie die Emotionen hoch und lassen sie eskalieren. Trotzdem versucht sie gemeinsam mit Magisch ihren Bruder zu finden, der seit ein paar Tagen verschwunden ist. Ihre Mutter ist verzweifelt und der Vater hilflos. In diesen Situationen fordern sie die Hilfe ihrer Tochter als Vermittlerin immer wieder ein.
Was macht es mit Familien, Eltern und ihren Kindern oder der Beziehung zwischen Geschwistern, wenn der Sohn/Bruder sich in einer rechten Partei organisiert?
Ein Ort im Ruhrgebiet ist Schauplatz, ein Dorf mit all seinen teils verschrobenen Bewohnern. Entsorgte Tierkadaver, ein Mord und eine stärker werdende rechte Szene. Wie gut, dass es dort auch die Liebesgeschichte von Marie und Magisch gibt.
zum Produkt € 24,00*
INHALT: Normalerweise verbringt Lou die Sommerurlaube mit dem Geschwisterpaar Sophie und Raf. Doch dieses Jahr gibt es eine Änderung... Sophies Freundin Nora wird mit dabei sein. Allerdings springt Sophie kurzfristig ab. So machen sich Lou, Raf und Nora zu dritt auf den Weg ins Ferienhaus nach Dänemark. Drei junge Menschen, Urlaub und ein Haus am Meer... doch durch die neue Konstellation entwickelt sich eine Dynamik, die jegliche Unbeschwertheit schluckt, Unsicherheiten schürt und Konflikte aufflammen lässt.
MEINUNG: Ann-Christin Kumm hat mit ihrem Debüt einen Roman geschaffen, der mich in einen Zwiespalt gestürzt hat. Sie erzeugt von Beginn an so eine Spannung und einen Sog, dass Lesende einfach immer weiter mitgerissen werden. Und gleichzeitig konfrontiert sie uns mit zwei Charakteren, deren Verhalten und Beziehung zueinander so eine Aversion in mir hervorgerufen hat, dass ich das Buch manchmal am liebsten in die Ecke gepfeffert hätte. Aber... ich musste ja wissen, wie es weitergeht.
Es brodelt und es knistert in Erwartung des großen Knalls. Dass der kommt ist schon von der ersten Seite an klar, aber wann und wie, das realisieren wir erst dann, wenn wir mitten im Plot Twist hängen.
Die Autorin schreibt klar und nüchtern. Sie präsentiert uns hier einen ganzen Strauß an Formen psychischer wie physischer Gewalt, manchmal ganz offensichtlich, manchmal subtil zwischen den Zeilen. Die Geschichte springt kapitelweise zwischen Gegenwart und Vergangenheit, was dem Lesefluß nicht schadet.
Ein Buch für alle die gern Geschichten mit unterschwelliger Spannung und toxischen Beziehungsmustern lesen. Mich hat die zwischenmenschliche Dynamik gleichzeitig abgestoßen wie fasziniert.
Beim Lesen fühlte ich mich immer wieder an Mareike Fallwickls Roman "Dunkelgrün fast schwarz" aus 2018 erinnert. Zwar unterscheiden sich die Romane in Handlung und Stil, aber es gibt doch einige Parallelen.
Insbesondere die Figur Raf ist nicht nur dem Namen nach identisch mit der Fallwickls, auch Rafs Charakterzüge sind so ähnlich, dass ich manchmal das Gefühl hatte einen Spin-Off zu lesen.
Verzichtet hätte ich gern auf die zig Zigaretten die im Laufe der Geschichte geraucht wurden, aber auch die haben ihren Teil zur Atmosphäre beigetragen.
Also... was soll ich sagen: Ich kann diesen vor Manipulation und Zigarettenqualm überquellenden Roman absolut empfehlen.
Empfehlung von Lara Kiwitt aus dem Team der Stadtbücherei Wermelskirchen
zum Produkt € 23,00*
Was für ein wunderbares Buch in dem ich ein neues Lieblingswort gefunden habe. HAUTVERZIERER!
Ganz ehrlich? Bei diesem Wort würde ich zuerst einmal an Tattoos, Cremes, Schminke im Allgemeinen oder aufgeklebte Strasssteinchen im Besonderen denken. Aber ich gehöre zu den Wissenden, die das Buch schon gelesen haben.
Es geht um Giesbert und Nilla. Zwei, die unzertrennlich sind und um eine besondere „Freundschaft“ bis zu dem Zeitpunkt, als in der Schule Schwimmunterricht auf dem Stundenplan steht, denn Giesbert ist eine Warze, die auf Nillas Schulter lebt. Und das ist das Dilemma. Giesbert freut sich darauf, andere Hautverzierer kennenzulernen. Nilla versteckt ihn unter dem Träger des Badeanzugs oder unter ihrer Hand. Wer möchte schon gerne seine Warze zeigen?
In diesem wunderbaren Sachbilderbuch wird humorvoll von Warzen, Muttermalen oder Alterswarzen erzählt, die wie aufgeklebte Rosinen aussehen und vielleicht auf dem Rücken von Menschen ihren Platz im „Seniorenheim“ für Warzen gefunden haben. Es lohnt sich in jedem Fall Nilla und Giesbert ins Schwimmbad zu begleiten, um mehr über Hautverzierer zu erfahren, und zu erleben. wie Giesbert eine Freundin findet und Nilla ihn nicht mehr versteckt.
Ein großartiges Buch, in dem wir Hautverzierer aller Art kennen lernen und am Ende der Geschichte die Steckbriefe von Adelgunde, Balduin, Balthasar, Berni, Eustachius, Gwenda, Noberto, Ophelia, Priscilla, Rosalinde und den Warzelchen finden. Was für klangvolle Namen!
WICHTIG!!! Das Buch wurde von Prof. Dr. med. Silke Hofmann auf fachliche Richtigkeit durchgeschaut.
zum Produkt € 15,00*
Venedig ist wohl einer der Orte auf diesem Planeten, wo krasse Extreme aufeinander treffen… Die Lage am und über dem Wasser in Kombination mit einer weit zurück reichenden Geschichte von Handel, Politik, Kunst, Kultur und Architektur machen die Stadt zu einem äußerst besonderen Ort.
Diese Attraktivität kehrt sich insofern gegen die Stadt, als dass sie Jahr für Jahr von Touristenmassen überschwemmt wird, die unter anderem von riesigen Kreuzfahrtschiffen ans Ufer gebracht werden. Dazu kommt die Gefahr des durch die Klimakrise ansteigenden Meeresspiegels…
Vor diesem Hintergrund entwickelt sich Isabelle Autissiers Roman „Acqua Alta“ .
Venedig ist nach einem katastrophalen Hochwasser von der Flut zerstört worden. Die Leser:innen begleiten Guido Malegatti, einen reichen Wirtschaftsrat, durch die überflutete Stadt. In Rückblicken erzählt die Autorin vom Konflikt in der Familie, die gespalten wird durch unterschiedliche Positionen im Hinblick auf Klimawandel und Kapitalismus.
Guido hat sich aus ärmlichen Verhältnissen emporgearbeitet und will mit allen Mitteln Geld aus Tourismus und Industrie pressen. Seine Frau stammt aus einer der alten und bedeutsamen venezianischen Familien. Durch ihre Heirat hat sie Mittel um ihren Haushalt mit Kunst und Kultur auszustatten, währenddessen sie dem alten Venedig nachtrauert. Zwischen diesen beiden Personen steht ihre Tochter Lea. Die Studentin gerät über Ihre Beziehung zu einem Professor in eine Gruppe Klimaaktivisten und stellt sich immer mehr gegen ihren Vater…
Ich finde „Acqua Alta“ ein großartiges Beispiel dafür, wie Literatur Einblicke und Eindrücke vermitteln kann ohne sich auf eine Seite zu stellen. Isabelle Autissier schafft es mit klarer und präziser Sprache Menschen und Positionen so darzustellen, dass man eindrücklich vor Augen geführt bekommt, wie Konflikte in unserer Zeiten entstehen und auch Familien daran zerbrechen können.
Ein beeindruckendes Buch, dem ich viele Leser:innen wünsche!
zum Produkt € 14,00*
Jessica Lind startet ihren Roman mit einer Szene, die direkt unter die Haut geht: Jonas und Pia, Eltern eines siebenjährigen Sohnes, werden in die Schule gerufen, weil es einen Vorfall zwischen ihrem Kind und einer Klassenkameradin in einem leeren Klassenzimmer gab. Was ist wirklich geschehen?
Während Jonas, der ausgeglichenere Elternteil, seinem Sohn vertraut und keinen Zweifel daran hegt, dass sich alles klären lässt, steht Pia mit ganz anderen Gefühlen da. Direkt im Anschluss an das Geschehen werden sie aus dem Klassenchat geworfen und Pia gerät in einen Sog von Unsicherheit und Zweifel, wem und was sie glauben kann und will. Plötzlich erscheint ihr Luca, der eigene Sohn, in vielen Situationen fremd…
Wir erfahren aber, dass es in Pias eigener Kindheit einen Todesfall, Geheimnisse, Schweigen und viel Unausgesprochenes gegeben hat, was stark in die Gegenwart wirkt und nun alles an die Oberfläche drängt. Spannend wie ein Krimi und beunruhigend mit seinem Einblick ins Innere von Menschen und wie unsere Wahrnehmung von der Vergangenheit geprägt ist, schafft es Jessica Lind mit einer sehr klaren Sprache die Personen und ihre Motivationen darzustellen.
zum Produkt € 14,00*
Karibikflair, waschechte Piratinnen und eine Liebesgeschichte mit Hindernissen - wer in eine exotische Welt voller Abenteuer abtauchen möchte, findet in Elisabeth Herrmanns Roman "Pearl - Königin der Meere" den richtigen Schmöker.
Long story short: In der Karibik, im 18. Jahrhundert, kämpft Pearl, die Tochter der legendären Piratin Anne Bonny, auf über 600 Seiten um ihr Leben, ihre Liebe und ihren Traum von einem Neuanfang am anderen Ende der Welt.
Auch wenn sich früh abzeichnet, mit wem Pearl auf der letzten Seite des Buches an welchem Ort zu finden sein könnte, liest sich der Weg dorthin unterhaltsam, spannend und nicht so kitschig wie das Cover befürchten ließ. Mir hat gut gefallen, wie Elisabeth Herrmann die dramatische Lebensgeschichte Pearls in einen historischen Roman verpackt hat, der einen unsentimentalen Blick auf die Zeit wirft. Hier ist die Karibik kein Paradies für alle und das Piratenleben alles andere als romantisch. Auf mich wirkt es so, als genieße es die Autorin, Menschen mit einer spannenden Geschichte zu unterhalten und dabei historische Fakten und Details, die sie selbst überrascht haben, mit ihren Leserinnen zu teilen. Neugierig, freundlich, auf Augenhöhe.
zum Produkt € 17,00*
Was für ein Cover. Das war mein erster Gedanke. Ein rosa Rosenstrauß in einer Vase auf einer weißen, kleinen Tischdecke mit Lochmuster. Der Titel in sonnengelber Schrift und Großbuchstaben: VORWIEGEND FESTKOCHEND. Was haben rosa Rosen mit vorwiegend festkochenden Kartoffeln gemeinsam?
Minna ist 92 Jahre alt und bekommt Unterstützung von Pfleger:innen des Pflegedienstes „Freundliche Engel“. Ist es nicht schon schwer genug, dass sie Ihren Alltag nicht mehr allein bestreiten kann? Dazu kommt die Zumutung, dass es einen ständigen Personalwechsel gibt. Oft sind die Claudias, Sabines oder Natašas zu laut und gestresst. Nie ist Minna sich sicher, wer vor der Tür steht und sich um ihre Bedürfnisse kümmert. Das und die Ignoranz, mit der das Personal ihre Einkaufszettel berücksichtigt, verärgern Minna gehörig.
Bis eines Tages Moni vor Ihrer Tür steht. Moni beschreibt Minna als kleine zerbrechlich wirkende Person, die sich die Haare zu dunkel färbt und deren Kleidung auch nicht vom faltigen Gesicht mit den zusammengepressten Lippen, der aussieht wie ein Strichmund, ablenkt. Aber Moni ist die erste, die Fragen zum Einkaufszettel stellt.
„Möchten Se die mehlig oder fest?“ fragte Moni mit dem Blick auf das Wort Kartoffeln.
Und wenn sich Minna mit einem auskennt, dann sind es die richtigen Kartoffeln für das richtige Rezept.
„Wenn Sie schon fragen: vorwiegend festkochend, bitte“
Beide Frauen brauchen Zeit, um sich miteinander bekannt zu machen und das geschieht auf ganz leise Weise. Ein wundervolles Buch über Alter, Pflegesituation, Vertrauen und Menschlichkeit.
Diese Erzählung auf nur 56 Seiten umfasst zwei Leben. Das von Moni und Minna und die Geschichte der rosa Rosen.
Als Bonus gibt es am Ende des schmalen Bändchens drei Rezepte mit Kartoffeln. Was mich zusätzlich zur Erzählung berührt hat, sind die Danksagungen für Handschrift und Kartoffeldruck. Solche Details, die ein Buch zu einem schönen Ganzen machen, finden sich selten.
Eine unbedingte Leseempfehlung, die mich als Lesende noch lange begleiten wird
zum Produkt € 18,00*
Ein Zuhause im Frühling (Roman)
Julie Caplin
„Ich bin Illustratorin. Für Kinderbücher.“ (S.60)
Von London ins Dorf Wilsgrave: Ella ist Ende zwanzig und hat aufgrund einer Beziehungskrise zugestimmt, das Cottage ihrer Patentante zu bewohnen, während diese auf Reisen ist. Eigentlich wollte Sie im Cottage vor allem ein Atelier unterm Dach einrichten, um ihre aktuellen Schaffensschwierigkeiten als Illustratorin zu überwinden. Stattdessen sieht sie sich Dank der Vorkehrungen Ihrer Patentante in eine sehr aktive Dorfgemeinschaft eingebunden und bekommt zusätzlich noch die Fürsorge für die Labradorhündin Tess aufgedrückt. Das ist eigentlich so gar nicht ihr Fall, genauso wenig wie die Sache mit der vielen Zeit in Wald und Flur. Was aber, wenn es genau das ist, was sie gerade braucht… und was, wenn sie ihre liebevollen Illustrationen nur der Anfang von etwas sind…
Kategorisiert mit Country-Escape ist es eine der Geschichten, die auf einer anderen Ebene viel mehr vom Hineinwachsen statt von einem Entfliehen erzählt. Der Sommerband der Reihe ist mittlerweile erschienen und lädt zum leichten Begleitetwerden durchs Jahr ein.
Empfohlen von Jana van Wahden
zum Produkt € 14,00*
Natalie Heller Mills hat es geschafft. Als einflussreiche Influencerin berichtet sie unzähligen Follower:innen im Internet aus ihrem Leben als „Tradwife“ (obwohl sie es selber nie so nennen würde…). Verheiratet mit dem jüngsten Sohn eines hochrangigen Politikers, lebt sie auf einer Farm und steht vor der Geburt ihres sechsten Kindes. Gesunde Ernährung, eigene Hühner, gutes Aussehen, unzählige bewundernde Stimmen im Netz und ein ansehnliches Einkommen aus ihren Internetauftritten, da scheint es nur natürlich zu sein, dass sich auch Stimmen des Neids melden – die „wütenden Weiber“, wie Natalie sie nennt.
Doch dann wacht sie eines morgens auf und alles ist anders. Statt Vorzeige-Farm und makelos gekleideter Kinder ist sie in einem Haus, welches ihrem ähnelt, aber ohne Strom und jegliches Anzeichen von Modernität und Komfort ist. Fast als hätte sie eine Zeitreise zweihundert Jahre in die Vergangenheit gemacht…
Natalie gerät in Panik.
Mich hat dieser Roman sehr gefesselt.
Natalie ist eine sehr polarisierende Hauptfigur. Sie wächst in einer amerikanischen Kleinstadt mit einer Schwester bei ihrer Mutter in sehr religiös geprägtem Umfeld auf. Mit eisernem Willen nutzt sie jede Chance um ihrem Umfeld zu beweisen, dass sie ein „besseres“ Leben führt. Nur wir Leser:innen sehen, was wirklich hinter der Fassade vor sich geht.
Unterhaltsam, bitterböse und auf jeden Fall lesenswert!
zum Produkt € 24,00*
“Die Hand an die Türklinke legen
die Tür aufmachen
die Schwelle überschreiten…” (Klappentext)
Der Ich-Erzähler in diesem Jugendroman ist sechzehn Jahre alt und kann das Haus, in dem er mit seinen Eltern lebt, nicht verlassen. Allein der Gedanke daran, die Türklinke zu berühren und so die Tür zu öffnen, versetzt ihn in Panik.
Seit einem halben Jahr ist er in Therapie bei Madame Arnaud. Die Therapiestunden finden telefonisch statt. “Höhlensyndrom” lautet die Diagnose.
Eindringlich und zugleich sensibel lässt Ludovic Lecomte die Lesenden am Alltag des Ich-Erzählers teilhaben. Der Erzählton wechselt je nach Tagesverfassung oder der Situation entsprechend von Tagebucheinträgen, in Listen oder inneren Monologen. Und zwischendrin immer wieder die Beschreibung der Atmung, um sich aus der Panik und den Turbulenzen der Gedanken zu befreien.
Ein beeindruckender Roman eines Jugendlichen, geprägt von Ängsten zum Klimawandel und der Weltlage und der Hilflosigkeit von Familie und Freunden, die seinem Krankheitsbild oft machtlos gegenüberstehen.
Das offene Ende lässt Raum für ein Ende aus Sicht der Lesenden.
Empfehlung für Leser:innen ab 14 Jahre
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zum Produkt € 14,00*