ocelot-Farbschnitt

Unsere Empfehlungen

Tagesanbruch
empfohlen von:

Maria-Christina Piwowarski

Maria-Christina Piwowarski

Tagesanbruch

gebunden

Ein schmales Bändchen, fürwahr.
Trotzdem gehört es für mich zu den vielleicht gewichtigsten Neuerscheinungen in diesem Frühjahr.
Treichel hatte es noch nie nötig zu schwafeln, doch diese Reduziertheit ist ein großer Wurf.
Der Monolog einer Mutter über ihrem gerade verstorbenen (erwachsenen) Sohn ist unsentimental, bewegend - und wunderschön. Und kratzt vielleicht gerade deshalb so wohltuend an den tieferen Schichten der Seele.

zum Produkt € 17,95*

Kleider machen Leute
empfohlen von:

Ludwig Lohmann

Ludwig Lohmann

Kleider machen Leute

gebunden

Gottfried Keller, der große Schweizer Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, fristet derzeit eine etwas unpopuläre Existenz in den Lektürelisten der Oberstufe und den ersten Germanistiksemestern. Titel wie „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ etwa wecken bei vielen nur Erinnerungen an längst verdrängte Lesezwänge statt Wiederentdeckungslust. Das ist bedauerlich, vermochte es Keller doch besonders in seinem Novellenzyklus „Die Leute von Seldwyla“ (vollendet 1875) in der kleinen Form menschliche Parabeln mit zeitloser Aussagekraft zu entwickeln. Man kann seine Sujets produktiv in andere Zeiten und Orte versetzen, ohne dass ihre Botschaften antiquiert wirken.
In herausragender Weise hat sich Martin Krusche nun einem der bedeutendsten Texte Kellers angenommen, der Novelle „Kleider machen Leute“. Der Berliner Künstler und Illustrator versetzt Kellers Geschichte um Wenzel Strapinski, der ohne Geld, aber adrett gekleidet, zufällig von einer prunkvollen Kutsche bis in die nächste Ortschaft mitgenommen und dort ob seiner äußeren Erscheinung für einen reichen Fürsten gehalten wird, in die Gegenwart. Strapinski arbeitet hier Angestellter in einem Supermarkt, die Kutsche ist eine teure Limousine und er wird nicht für einen Fürst, sondern entsprechend der kapitalistischen Machtordnung, für einen Geschäftsmann gehalten. In der Grundstruktur des Plots bleibt Krusche dennoch nah bei Keller. Strapinski wird überhäuft mit Geschenken, Einladungen, üppigen Speisen, will sich der Verwechslung entziehen, verliebt sich und gerät in das bekannte Dilemma: Lüge und Genuss oder Wahrheit und Ausgrenzung.
Kunstvoll erfrischend ist Krusches Zugang zum Stoff. Er erzählt die Geschichte um den schönen trügerischen Schein als Graphic Novel. Dabei bedient er sich einer Formsprache, die an gegenwärtige Tattooästhetik ebenso erinnert wie an die urbanen Prints auf Kleidung und Plattencovern. Krusche, der mit seinem Label Yackfou ebensolche auch entwirft und vertreibt, besitzt großes Talent für effektvolle Kontraste, klare Linien und den satten Einsatz von Farbe. Im Fall von „Kleider machen Leute“ sind das besonders die Farben Rot und Blau, die in der wunderschönen Ausgabe der Edition Büchergilde durch kontrastive Stimmungen die Botschaft des Textes herausarbeiten. Die bedruckte Wildseide des Umschlags, die Fadenheftung und das spezielle Druckverfahren lassen das Buch auch unter anderen Graphic Novels zu einem herausragenden Kunstwerk werden.
Für alle, die nach dem Lesen und Schauen Lust bekommen, Kellers Originaltext wiederzulesen, ist dieser dankenswerterweise im Anhang vollständig abgedruckt.

Mein Fazit: Bei Krusches Keller-Adaption trügt der Schein nicht. Das ist Kunst und Können.

zum Produkt € 28,00*

Am Ende bleiben die Zedern
empfohlen von:

Ludwig Lohmann

Ludwig Lohmann

Am Ende bleiben die Zedern

gebunden

„Wer glaubt, er habe den Libanon verstanden, dem hat man ihn nicht richtig erklärt.“

Meine Altersgenossen assoziieren mit dem Libanon ein Krisengebiet. Beirut wird weniger als Stadt, denn als Symbol für Bürgerkrieg, zerbombte Häuser und schlimmste Massaker gedacht. Die andere Seite des Landes, die imposanten Berge, die mächtigen Bäume, die einzigartige religiöse Vielfalt, die jahrtausendealte Kultur, das Nachtleben oder das funkelnde Meer in der Abendsonne wird von den Schreckensmeldungen aus den Nachrichten nahezu vollständig überlagert. Aktuell scheint der Libanon nicht viel mehr zu sein als eines der größten Flüchtlingslager der Welt. (Jeder vierte Einwohner des Libanon ist ein Flüchtling.) Auch der Vater von Pierre Jarawan floh vor dem libanesischen Bürgerkrieg, erst nach Jordanien und dann nach Deutschland. Sicher lag es auch an seinen Wurzeln, die den deutschsprachigen Poetry-Slam-Meister dazu brachten, mehr über das Land seiner Vorfahren erfahren zu wollen. Vielleicht war es aber auch der Wunsch, die Geschichte durch Geschichten verständlich und nachfühlbar zu machen. Ein Wunsch, der ihn schließlich vor einigen Jahren in die Archive führte. Dort begann eine Suche nach historischen Konflikten, Schicksalen und Fluchtbewegungen, die ihn hinter die Bilder aus den Nachrichten blicken ließen. Das Ergebnis dieser Recherche liegt nun als ein in allen Dimensionen außergewöhnlichem Roman vor. Außergewöhnlich, weil er bereits als Debüt von einer poetologischen Reife zeugt, die selbst bei erfahrenen Schriftstellern nicht oft zu finden ist. Außergewöhnlich, weil „Am Ende bleiben die Zedern“ eben nicht nur ein fiktionsgewordenes Rechercheergebnis ist, sondern den Leser mitnimmt auf diese Suche, auf die Irrwege, ihn hoffen lässt, enttäuscht und überrascht. Außergewöhnlich auch, weil die Waage zwischen Fakt und Fiktion so meisterhaft gehalten wird, dass ich als Leser emotional und intellektuell stets nah an der Handlung bleibe und doch das große Ganze nicht aus dem Blick verliere. Doch wie gelingt das Jarawan? Als narrativen Trick nutzt er die Aufspaltung der Chronologie in zwei Erzählstränge. Einer beginnt noch vor der Geburt des Protagonisten Samir und folgt ihm bis ins junge Erwachsenenalter. Der zweite setzt ein, wenn er als Erwachsener kurz vor seiner Hochzeit in den Libanon reist, um dort seinen verschollenen Vater zu finden. Beide Erzählstränge wechseln sich in kurzen Kapiteln ständig ab, sodass durch gezielte Querverweise und Cliffhänger ein wahrer Lesesog entsteht.

Was den beiden Samirs in der Auseinandersetzung mit dem Vater-Phantom widerfährt, lässt sich in Härte und Brutalität kaum Erahnen. Umso wirkungsvoller ist die Zuneigung und Bewunderung, die seitens der doppelten Hauptfigur dem Vater entgegengebracht wird. Die hintergründige Liebe, die Samir für ihn empfindet, überträgt sich auf das Land seiner Herkunft und offenbart den besonderen Kunstgriff des Romans. Die Faszination für die Vaterfigur verbindet sich mit der Faszination für den Libanon: Beide sind rätselhaft, beide versperren sich klaren Deutungen. Diese elegante Vielschichtigkeit muss Jarawan erst einmal jemand nachmachen.

zum Produkt € 22,00*

Der neue Chef
empfohlen von:

Ludwig Lohmann

Ludwig Lohmann

Der neue Chef

gebunden

Der Bielefelder Soziologe Niklas Luhmann starb im Jahr 1998. Nun ist bei Suhrkamp ein neues Buch von ihm erschienen. Das könnte eine wahre Entdeckung sein oder die Verwertung von Manuskripten, die besser in der Schublade geblieben wären. Im Falle von „Der neue Chef“ liegt der Schlüssel zum Urteil in der Perspektive. Zwei der drei Texte in diesem schmalen Bändchen sind bereits vor vielen Jahren in Publikationen mit den vielversprechenden Namen „Verwaltungsarchiv“ (1962) oder „Verwaltung. Eine einführende Darstellung“ (1965) veröffentlicht wurden. Der dritte Text mit dem Titel „Unterwachung oder die Kunst, Vorgesetzte zu lenken“ ist ein bisher nicht publiziertes Typoskript aus dem Nachlass Luhmanns, überarbeitet von dem FAZ-Mitherausgeber Jürgen Kaube.

Thema aller 3 Texte sind Kommunikationsstrukturen und -strategien unter dem „Gesetz des Wiedersehens“: die tägliche Arbeit in hierarchisch organisierten Institutionen. Angesichts der rasanten Entwicklung von Coaching, Human Resource Management und Führungstheorie in den letzten Jahren scheint Luhmanns Untersuchungsgegenstand etwas antiquiert und für aktuelle Anwendung unzureichend. Aber das muss es auch nicht. „Der neue Chef“ ist kein Lehrbuch. Was Luhmann in diesen drei kurzen Texten meisterhaft zeigt, ist die Fähigkeit durch präzise Beobachtung vom Alltag auf Theorie zu abstrahieren. Seine schon in den 60er Jahren bemerkenswerte Belesenheit, seine Lakonie und seine (für mich bis heute) beispiellose sprachliche Begabung lassen „Der neue Chef“ zu einem kleinen Kunststück des ausformulierten Denkens werden. Um das schätzen zu können, bedarf es auch nicht zwingend die Beherrschung systemtheoretischer Terminologie. Eine kleine, latente Respektlosigkeit gegenüber starren Denkmustern (oder dem eigenen Chef) genügt.

Die beste Stelle:

„Jede Organisation besteht aus Handlungen. Kein Mensch aber kann handeln, ohne selbst dabei zu sein. Er bringt sich selbst, seine Persönlichkeit, mit an die Arbeitsstelle. Die Organisation fordert ihm jedoch nur spezifische Leistungen ab. Seine Gefühle und seine Selbstdarstellungsinteressen werden dabei kaum beansprucht. Sie lungern während der Arbeit funktionslos herum und stiften Schaden, wenn sie nicht unter Kontrolle gehalten werden.“ (S. 43)

zum Produkt € 10,00*

Das Reich Gottes
empfohlen von:

Maria-Christina Piwowarski

Maria-Christina Piwowarski

Das Reich Gottes

gebunden

An Carrères neuestem Werk arbeite ich mich noch immer ab. Ich ackere regelrecht. Denn es ist so großartig, wie komplex.
Neben Espedal und Knausgård gehört er für mich zur heiligen Dreifaltigkeit der autobiografischen Schriftsteller und er wird in meinen Augen immer besser, aber auch immer vielschichtiger, immer komplizierter.
"Das Reich Gottes" ist weit mehr, als ein Roman über Glaubens- und Unglaubenskrisen. Carrère schreibt die Anfangsgeschichte des Christentums neu.
Dabei ist er so philosophisch, so politisch, so literarisch, so wahr und so pointiert, dass es unmöglich ist, dieses Buch in das Korsett eines Genres zu pressen.

zum Produkt € 24,90*

Glückskind mit Vater
empfohlen von:

Maria-Christina Piwowarski

Maria-Christina Piwowarski

Glückskind mit Vater

gebunden

Christoph Hein hat einen sehr ruhigen und vielleicht gerade deshalb so kraftvollen Roman über das Erbe unserer Geschichte geschrieben. Über Schatten werfende tote Väter. Über Söhne und Mütter. Der Erzählton ist unaufgeregt, fast beiläufig, lässt aber niemals den ernst einer Situation vermissen und schafft gerade durch seine Sachlichkeit eine hohe Dramatik. Ich mochte den Protagonisten Konstantin Boggosch sofort. Ein in bester Tradition gekonntes Buch.

zum Produkt € 22,95*

Unorthodox
empfohlen von:

Maria-Christina Piwowarski

Maria-Christina Piwowarski

Unorthodox

gebunden

Trotz dieses eigentlich erschütternd ernsten Themas, ist Deborah Feldman ein spritziges, literarisch prickelndes Buch gelungen. Feldman wirkt an keiner Stelle verbittert oder gar selbstmitleidig, sondern offenbart uns eher mit Staunen eine schier unglaubliche Welt orthodoxen Judentums in einer chassidischen Satmar-Gemeinde in New York.

zum Produkt € 22,00*

Die Installation der Angst
empfohlen von:

Ludwig Lohmann

Ludwig Lohmann

Die Installation der Angst

kartoniert

Schon der Titel von Rui Zinks Erzählung ist vielversprechend: Die Installation der Angst. Wenn es Aufgabe der Kunst ist, mit Gewohnheiten zu brechen und Sichtweisen infrage zu stellen, gelingt dies durch die Verbindung der Worte „Installation“ und „Angst“ exemplarisch. Bei „Installation“ denkt man an Heizungsrohre, an Computerprogramme, an Schrauben, Zangen, Werkzeug. Auf der anderen Seite steht die Angst: ein starkes Gefühl, diffus, nicht greifbar, nicht steuerbar, seelisch.
Was ist das also für ein Text, der einer intensiven emotionalen Regung mit technischem Werkzeug beizukommen sucht? Im besten Sinne unerhört, eine Novelle also, die in deutlicher Traditionslinie zu Kafkas Strafkolonie zwei verschiedene Akteure in ein surreales Kammerspiel schickt. Eine Frau, Mutter eines Kindes, erhält Besuch von zwei staatlich beauftragten Installateuren die „zum Wohl aller“ die Angst bei ihr installieren sollen. Statt Zangen und Schrauben sind es allerdings Geschichten, kleine Episoden und gesellschaftskritische Abhandlungen, die die beiden, wie aus einem Mund sprechenden, Installateure als Instrumente nutzen. In diesen Geschichten werden durch gezielte Polemik, durch Zweifel und Verunsicherung verschiedenste Ängste geschürt: die Angst vor den „Märkten“, die Angst vor epidemischen Krankheiten, die Angst vor Flüchtlingen. Und warum das alles? Um den sozialen Frieden zu sichern und den Mensch als Bürger von der staatlichen Unterdrückung abzulenken. („Mehr Angst = weniger Störung“, „Mehr Angst = mehr Unterhaltung“)

Das liest sich als recht offensichtliche Kritik an totalitären Regimen, als Globalisierungskritik und als kleine Lehrstunde in der Psychoanalyse. Interessant dabei ist, dass Zink durch die Verwendung von unzähligen Phrasen a lá „Es gibt keine Alternative“ oder „Ja, die wirtschaftliche Situation ist besorgniserregend“ auf jene sprachliche Realität referiert, die uns täglich in den Nachrichten begegnet. Auch wenn diese Kritik an medialer Politik zu simpel ausbuchstabiert wird und dem Leser die Schlussfolgerung regelrecht aufgeschwatzt wird, bleibt dennoch eine produktive Störung zurück. Wenn mit Wittgenstein im Gepäck behauptet wird, „Etwas zu benennen heißt, dessen Existenz anzuerkennen“, lernen wir zwar nichts Neues, rufen jedoch Erkenntnisse der Sprachphilosophie auf, die im Winter 2016 aktueller nicht sein können. Die Gefahr, die vermeintlich von den Flüchtlingen ausgeht, wird zur realen Angst, weil sie formuliert und verbreitet wird. Jeden Tag, in den Nachrichten, in den Zeitungen, in den Talkshows.

Weil Rui Zink uns diesen Crash-Kurs Propaganda-Psychologie in eine kurze, nachhallende Geschichte packt, lohnt es sich „Die Installation der Angst“ zu lesen. Und weil das Ende dramaturgisch genial gemacht ist, aber hier ich hab Angst, zu viel zu verraten.

zum Produkt € 18,00*

Der Flaneur
empfohlen von:

Maria-Christina Piwowarski

Maria-Christina Piwowarski

Der Flaneur

gebunden

Nach New York streifen wir nun also mit Edmund White durch die französische Hauptstadt.
Wir wandeln gemeinsam mit ihm auf den Spuren der ganz Großen, wie Balzac, Baudelaire oder Hemingway, folgen aber auch unbekannten Pfaden und lernen zu staunen und zu genießen.
Sein wacher Blick und sein offener Geist sind mir die liebsten Begleiter auf literarischen Reisen.

zum Produkt € 19,99*

Bestimmt wird alles gut
empfohlen von:

Maria-Christina Piwowarski

Maria-Christina Piwowarski

Bestimmt wird alles gut

gebunden

Eine Herzenssache!

Kauft dieses Buch! Lest es Euren Kindern vor.
Lest es in den Kitas und Schulen Eurer Kinder vor.
Verschenkt es an alle Kinder, die Ihr kennt.
Vielleicht auch an die, die Ihr nicht kennt.
Lasst es in den Hausfluren liegen. Tragt es in die Welt!!!

Verzeiht, dass ich so im Imperativ unterwegs bin, aber dieses Buch ist wirklich so unglaublich wichtig, so richtig und so grandios liebevoll und umsichtig gemacht, dass es den Keim des Verständnisses für anderer Menschen Leid und Hoffnung in uns alle legen kann.

Die wahre Flucht-Geschichte einer syrischen Familie, nacherzählt von Kirsten Boie, illustriert von Jan Birck auf Deutsch und Arabisch, erschienen im wunderbaren Klett Kinderbuch Verlag.
Ein Buch, das die Welt besser machen wird!
Danke an Euch, die Ihr es gemacht habt!
Danke an Euch, die Ihr es kauft!

zum Produkt € 9,95*

1 ... 8 9 10 ... 11
 
Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt. und ggf. zzgl. Versand