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Unsere Empfehlungen

Kudos
empfohlen von:

Julia Rothenburg

Julia Rothenburg

Kudos

gebunden

Endlich ist er da, der abschließende Teil von Rachel Cusk Trilogie um die Odyssee von Schriftstellerin Faye. Wobei abschließend vielleicht zu viel gesagt ist. Man kann jeden der drei Romane (die übrigens alle drei von Eva Bonné ausgezeichnet ins Deutsche übersetzt wurden) – Outline, In Transit, Kudos – für sich lesen, oder als Zirkel, oder als Trilogie, oder einfach immer und immer wieder in verschiedener Reihenfolge. Jeder Roman schildert das Leben – oder vielmehr die Begegnungen – von Schriftstellerin Faye, Rachel Cusk alter Ego. Faye geht auf Lesereise oder baut ihr Haus um, gibt ein Seminar zu Creative Writing, geht zum Friseur oder shippert auf einem Boot herum – und begegnet dabei den verschiedensten Menschen, die ihr aus ihrem Leben erzählen. Und nicht nur irgendetwas aus ihrem Leben: eine richtige Talfahrt ist jedes Gespräch, das Faye führt, direkt hinein in die Abgründe ihres arglos plaudernden Gegenübers, direkt hinein in dessen Lebensnarrationen, Selbstlügen und Vorwürfen an sich wie andere. Über Faye erfährt der/die Leser_in dabei so gut wie nichts. Eine Autobiografie ohne Autobiografin quasi. Und trotzdem bis oben hin voll mit den persönlichsten, abgründigsten, witzigsten Geschichten.

Das ist das besondere und berauschende – und für mich Literaturverständnisverändernde – an dieser Trilogie. Dass Rachel Cusk in ihr nicht abseitige, außergewöhnliche Geschichten heraussuchen muss, um aus ihnen Literatur zu machen – nicht unseren Horizont mit Geschichten zu erweitern sucht, die uns in unserem Leben nie begegnen würden. Sondern gerade das Banalste, das, was ein Mensch beim Wein ausplaudert, in Literatur verwandelt. In eine sehr scharfsinnige, bissige und unterhaltsame noch dazu.
Kudos ist für mich der krönende und, wie ich finde, sich tatsächlich noch etwas zuspitzende (deswegen würde ich doch empfehlen, die Reihenfolge Outline-Transit-Kudos beim Lesen beizubehalten) Abschluss von Rachel Cusk Trilogie. Ich wünschte, ich hätte sie noch nicht gelesen. Aber nicht, weil ich mich, ob der ganzen Plauderei, so unendlich gelangweilt hätte. Sondern, weil ich wünschte, ich könnte sie noch einmal wie beim ersten Mal entdecken.

zum Produkt € 20,00*

Zerfall des Atoms
empfohlen von:

Ludwig Lohmann

Ludwig Lohmann

Zerfall des Atoms

gebunden

Eines meiner großen Lebensbücher ist Fernando Pessoas „Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares“. Dieses Buch muss immer in meiner Nähe sein, ich brauche es, wenn mein Empfinden der Welt gegenüber wie ein Instrument verstimmt ist. Nur wenige Sätze Pessoa lassen mich die Schönheit wieder sehen und Ruhe finden im Chaos der Welt. Dafür braucht es keine Handlung, es genügt die Introspektion der Hauptfigur. Bernardo Soares betrachtet sich in einer Sprache, die so klar, so poetisch, so durchdrungen von Licht und Dunkelheit zu gleich ist, wie ich bisher keine andere gelesen habe. Bis jetzt. Auch wenn Georgij Iwanows „Zerfall des Atoms“ im Umfang nicht mal annähernd an „Das Buch der Unruhe“ heranreicht, so zeigen sich doch deutliche Parallelen. In diesem fiktiven Abschiedsbrief eines Selbstmörders spricht auch ein Aus-der-Welt-Gefallener. Auch hier möchte ich jeden zweiten Satz unterstreichen. Auch hier offenbart sich die radikale Hinwendung zum Wesen der Dinge in einer Sprache, die alles um einen herum still werden lässt. Mit dem von Alexander Nitzberg genial übersetzten „Zerfall des Atoms“ bekommt meine sehr überschaubare Bibliothek der Lebensbücher nun Zuwachs.

zum Produkt € 16,00*

Warum bin ich so traurig, wenn ich doch so süß bin?
empfohlen von:

Eva Voigt

Eva Voigt

Warum bin ich so traurig, wenn ich doch so süß bin?

kartoniert

Das Debüt der Norwegerin Ingvild Lothe „Hvorfor er jeg så trist når jeg er så søt“
trägt auf Deutsch den charmanten Titel „Warum bin ich so traurig, wenn ich doch so süß bin“.
In diesem Gedichtband seziert Ingvild das Herauswachsen aus ihrem Kinderkörper und das Ankommen in ihrer neu gewonnenen Weiblichkeit und stößt dabei vor allem auf Weltschmerz und Apathie.
Ungeniert umreißt sie intime Momentaufnahmen auf ihrer Suche nach Bestätigung und Liebe.
Ich bin gespannt auf weitere Veröffentlichungen der Autorin, denn die Traurigkeit, die ihr Schreiben jetzt noch färbt, ist eine Traurigkeit, die der sich unverstanden fühlenden Jugend vorbehalten ist.
Ich würde ihr gerne dabei zusehen, wie sie diese Melancholie hinter sich lässt.

zum Produkt € 15,00*

Under the Udala Trees
empfohlen von:

Magda Birkmann

Magda Birkmann

Under the Udala Trees

kartoniert

When Ijeoma is eleven, civil war breaks out in Nigeria and her father is killed by a bomb. Because her mother is busy trying to build up a new life for them, she sends Ijeoma away to a childless couple who give her room and board in exchange for helping them in the household. One day, another young girl displaced by the war follows her home and the two children become inseparable. What develops between Ijeoma and Amina is more than friendship, though, it is a love that tests their resolve and shakes the foundations of Ijeoma’s faith …

Chinelo Okparanta’s debut novel follows Ijeoma through her war-torn childhood, the awakening of her sexuality and the difficult decisions that come with growing up. It is a powerful examination of the violence and pain of war and religious extremism. But, most importantly, it is a beautiful and hopeful story about love.

zum Produkt € 10,00*

Wie hoch die Wasser steigen
empfohlen von:

Jane Stemmler

Jane Stemmler

Wie hoch die Wasser steigen

gebunden

Waclaw verliert seinen besten Freund und Kollegen Mátyás während eines Arbeitsunfalls auf der Ölbohrplattform.
Anja Kampmanns Debütroman erzählt von dem harten Leben der modernen Wanderarbeiter. Sie beschreibt sehr anschaulich die körperliche und menschliche Härte, die dieses den Arbeitern abverlangt.

Waclaw ist im Ruhrpott groß geworden - seine Familie wanderte von Polen nach Deutschland ein. Als junger Mann flieht er mit seiner großen Liebe Milena zurück nach Polen. In der Hoffnung auf ein gemeinsames, besseres Leben, lässt er sich als Bohrarbeiter anwerben.
Er kehrt nie zurück, sondern verliert sich in der Welt. Erst nach dem Tod des Freundes stellt er sich seiner Vergangenheit und begibt sich an alte Orte aus seiner und ihrer gemeinsamen Zeit. Kampmann beschreibt dies durch atmosphärisch vage Erinnerungsbilder.
Ein alter Freund seines Vaters gibt ihm letztendlich ein Gefühl von Heimat zurück ...

Kampmann gelingt es - egal in welchem Land sich Waclaw gerade aufhält - die jetzige und die damalige Arbeitswelt miteinander zu verweben. Dabei lässt sie die Lesenden in eine Melancholie gleiten, die noch lange anhält.

zum Produkt € 23,00*

Lincoln im Bardo
empfohlen von:

Maria-Christina Piwowarski

Maria-Christina Piwowarski

Lincoln im Bardo

gebunden

„Lincoln in the Bardo“ von George Saunders erhielt im letzten Jahr den Man Booker Prize und ist gerade auf Deutsch erschienen.
Ich hatte einen historischen Roman vermutet, bereits auf Seite zwölf stand jedoch fest: Saunders schickt seine LeserInnen dabei auf eine ganz besondere Reise.

Willie Lincoln, der elfjährige Sohn des amerikanischen Präsidenten ist tragisch früh gestorben. In einer Zwischenwelt, angelehnt an das tibetische Bardo, erzählen verschiedenste Geisterstimmen seine, ihre und irgendwie auch unsere Geschichte. Sie führen ohne Rücksicht auf uns Lesende Dialoge, fallen sich ins Wort, bilden einen gewaltigen Chor, kommentieren, beobachten, erinnern, streiten, wundern, bereuen, hoffen.
Die Bandbreite dessen, was wir dabei erfahren, reicht von bestürzendster Trauer bis zu albernster Ausgelassenheit, von scheinbar unwichtigen Befindlichkeiten, bis zu absolut Weltbewegendem.
Die sprachlichen Versatzstücke, das generell Stückhafte, der Verzicht auf die klassische Erzählstruktur, die schnellen Perspektivwechsel funktionieren dabei ganz wunderbar. Dieses Buch transportiert feinste Stimmungen, ohne irgendetwas mit Netz und doppeltem Boden auszuerzählen.
Was für ein gelungenes, natürlich wirkendes Sprachexperiment, das Frank Heibert geradezu überirdisch gut ins Deutsche übertragen hat.
Große, warme, besondere, begeisterte Leseempfehlung.

zum Produkt € 25,00*

Miakro
empfohlen von:

Julia Rothenburg

Julia Rothenburg

Miakro

gebunden

Nettler, Axler, Schiller und die anderen bart- wie nahezu haarlosen Männer des „mittleren Büros“ arbeiten Tag für Tag unermüdlich an ihren Tischen, an denen sie im „weichen Glas“ die Ströme lenken. Abends schlafen sie in Schlafkojen, ihr Essen beziehen sie aus den „Nährfluren“, die das Umfeld des mittleren Büros immer wieder ausbildet. Als allerdings Kollege Wehler von einem eben solchen Nährflur verschlungen wird, gerät der streng geregelte Alltag im mittleren Büro aus den Fugen. Gleichzeitig (oder auch nicht gleichzeitig – das weiß man bei diesem Text nie so genau, denn „die Zeit, die sich den Dingen und den belebten Körpern anschmiegt, ist ungleichmäßig dicht“) macht sich „Naturkontrollagentin“ Xazy daran, ein seltsames organisches Riesen-Objekt zu untersuchen, das sich immer weiter auszudehnen scheint. Einen Erkundungstrupp hat sie schon hineingeschickt. Der aber ist nicht wieder herausgekommen…

Allein bei der Zusammenfassung von Georg Kleins abstrus-genialen neuen Roman „Miakro“ muss man fast jedes Wort in Anführungszeichen setzen. Was nämlich ist ein „Nährflur“, was ein „weiches Glas“ und was verdammt nochmal eine „Naturkontrollagentin“, die außerdem noch einen unaussprechlichen Namen trägt? Und trotzdem liest sich dieser Roman wie eine Parabel auf unsere Welt (nur auf welchen Teil davon genau eigentlich?), die uns, das ahnt man auf jeder Seite, ohne dass man es wirklich versteht, Bodenloses zu erzählen weiß. Und ist neben all diesem verwirrend-tiefgründigen Boden dann auch noch – das muss man erstmal schaffen! – eine gruselig vor sich hinwachsende literarische Version der „Alien“-Filme. Erzählt in einer Sprache, so herrlich anachronistisch, elegant-umständlich, dass die Geschichte um merkwürdige Verwachsungen, Männer in Schlafkojen und Heiler in Kutten nur noch mehr funkelt.

Georg Kleins „Miakro“ wuchert und sprießt in alle Richtungen. Bei jedem Kapitel hat man das Gefühl, läse man das vorangegangene noch einmal, wären in der Zwischenzeit vielleicht noch weitere Plotausstülpungen hinzugewachsen. Für mich bisher der fulminanteste, geheimnisvollste, atemberaubendste Roman des Jahres!

zum Produkt € 24,00*

Circe
empfohlen von:

Magda Birkmann

Magda Birkmann

Circe

kartoniert

The witch Circe plays only a small role in the Odyssey, just one of many obstacles on Odysseus' journey back home to Ithaca, but in this beautiful new book by Madeline Miller, she gets center stage. In a very lyrical language that evokes Homer's ancient epics but feels very modern at the same time, Miller lets Circe tell her own tale, a story which lasts several human lifetimes. You get to meet many of your favorite characters from the Greek myths, like Prometheus, the Minotaur, Daedalus and Icarus, Jason and Medea, all connected by the powerful voice of a woman who defies her family, her gods and her fate again and again in her attempt to carve out her own path in life.

If you like Greek mythology or feminist retellings of classical stories, this is definitely the right book for you!

zum Produkt € 16,00*

Zeit der Zauberer
empfohlen von:

Ludwig Lohmann

Ludwig Lohmann

Zeit der Zauberer

gebunden

Als würden man ein Bergpanorama fotografieren wollen und dabei nur die höchsten Gipfel ins Bild nehmen. So erzählt Wolfram Eilenberger die deutschsprachige Philosophiegeschichte der Weimarer Republik anhand der vier hervorragenden Köpfe dieser Zeit: Walter Benjamin, Ernst Cassirer, Ludwig Wittgenstein und Martin Heidegger. Man erkennt sie gut in dieser Aufstellung, ihre Höhe und ihre Distanz zu einander. Worauf sie jedoch fußen, die Gebirgsmassive des 18., 19. und frühen 20. Jahrhunderts, auch die fast so hohen Nebengipfel wie Gershom Scholem, Karl Jaspers, auch Wiesengrund Adorno, Siegfried Kracauer und Charles Baudelaire (lang noch ist diese Liste und nie vollständig), bleibt auf dieser Fotografie fast unsichtbar.

Ich möchte diese Verkürzung dennoch als Stärke des Buches auslegen, weil sie wesentlich zu dessen Lesbarkeit beiträgt. Sicher schneidet Eilenberger große Stücke aus dem Bild, aber was übrigbleibt, erscheint schlüssig und interessant komponiert. Er stellt vier Bruchstücke von vier Denkbiografien in der letzten Dekade großer deutschsprachiger Philosophie gegenüber. Das bedeutet nicht weniger, als die großen Errungenschaften, die weiten Möglichkeiten, die offenen Kontroversen und auch den späteren Verlust eines intellektuellen Milieus zu erfassen, wie es nach 1945 nicht wieder aufgebaut werden konnte. Die Entscheidung Eilenbergers für diese vier Protagonisten erzeugt Kontraste auf vielen Ebenen, zwischen Stadt und Land, zwischen akademischer Festanstellung und freiem Feuilleton, zwischen radikaler Logik und mystischer Metaphysik. Der wohl deutlichste - und in den 20er Jahren noch fruchtbare - Austausch lässt sich jedoch zwischen jüdischen und nicht jüdischen Denkern lesen. Weil Cassierer und Heidegger vor 1933 noch in Symposien aufeinandertrafen, weil es eine europäische Geisteswissenschaft gab, in der Religion noch keine große Rolle spielte, weil es um Erkenntnis ging und nicht um Rasse, schauen wir heute mit Eilenberger hinauf zu diesen Gipfeln mit diesem wehmütigen Blick. Was hätte es noch werden können, was ist da untergegangen!
Behält man diese Perspektive, lässt sich - ähnlich wie in Stefan Zweigs genialer Autobiografie „Die Welt von Gestern“ - die „Zeit der Zauberer“ als Geschichte eines Höhepunkts europäischen Denkens lesen. Und die ganze Fallhöhe ihres Absturzes. Über die 20er Jahre lesen heißt immer auch, über die eigene Gegenwart lesen. Nicht nur aus diesem Grund lohnt die Lektüre von Eilenbergers Buch.

zum Produkt € 25,00*

Peach
empfohlen von:

Eva Voigt

Eva Voigt

Peach

gebunden

„Mein Körper summt. Ich muss nach Hause, aber laufen tut weh. Ich lege die Hand zwischen meine Beine und fühle Blut und Fett. Mir ist übel.“

Emma Glass‘ Debütroman ist ein intensiver Text über sexuelle Gewalt.
Für mich hat sich dieses Buch angefühlt wie ein langes Gedicht, das schnell gelesen ist aber lange nachhallt.
Stellenweise mutet die Erzählweise roh und bildhaft an, aber die Empathie, mit der sich die Autorin dem Thema nähert und die Poesie ihrer Sprache schaffen den nötigen Ausgleich.
Trotzdem tut „Peach“ ein bisschen weh – Zurecht, wie ich finde.

zum Produkt € 19,90*

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