Unsere Empfehlungen

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Eva Voigt

Eva Voigt

LoveStar Andri Snaer Magnason

kartoniert

In "LoveStar" spinnt der Autor Andri Snaer Magnason eine Zukunftsvision um ein Liebespaar, die ebenso befremdlich, wie vorstellbar scheint. Die Gesellschaft entkoppelt sich mithilfe eines Großkonzerns von Kabeln und Geräten. Informationen können über sogenannte Vogelwellen direkt in das Bewusstsein der Menschheit übertragen werden. Genutzt wird dieses Konzept vor allem für personalisierte Werbeangebote und lückenlose Überwachung.
LoveStar, der Vorstand seiner gleichnamigen Firma, verwirklicht fieberhaft seine größenwahnsinnigen Projekte, bis der Konzern mit den Tochterfirmen LoveDeath (ein teurer Bestattungsservice, der den neuen Standard darstellt) und inLove (ein Dienst, der jeder einzelnen Person auf der Welt eine*n ideale*n Partner*in zurechnet) in jede Lebensrealität vorgedrungen ist.
Zwei, die sich gegen das unfreiwillige Berechnetwerden wehren, sind SigrÍður und Indriði. Beide sind davon überzeugt, dass ihre Verbindung wahrhaftig ist, auch wenn inLove sie nicht einander zugeordnet hat und sie beginnen eine Reise gegen alle Widerstände der Wirklichkeit.

Ursprünglich hat dieser Titel 2002 in Island das Licht der Welt erblickt und liegt nun seit Oktober 2020 bei Eichborn in der Übersetzung von Tina Flecken vor.

Freund*innen von skurriler, dystopischer Literatur sollten hier beherzt zugreifen.

zum Produkt € 14,00*

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Ludwig Lohmann

Ludwig Lohmann

Mädchen, Frau etc. - Booker Prize 2019 Bernardine Evaristo

gebunden

Bernardine Evaristo, die sich seit den 80er Jahren für die Rechte von Frauen und POC einsetzt, erhielt als erste Schwarze Autorin 2019 den Booker Price. Und das völlig zu Recht! In „Mädchen, Frau, Etc“ (bis auf den Titel sehr gut übersetzt von Tanja Handels) portraitiert Evaristo zwölf Frauen, deren Biografien lose miteinander verbunden sind. Zum Teil sind diese Frauen zu Beginn noch kleine Mädchen, zum Teil sind sie auch schon Ende des 19. Jahrhunderts geboren. Der zeithistorische Fluchtpunkt zielt dabei auf das London der Gegenwart. (Also auch nach dem Brexit). Da ist Amma, die lesbische Theaterregisseurin, die seit den 80ern für Anerkennung kämpft. Ihre Tochter Yazz versucht sich von ihrer nonkonformen Mutter zu emanzipieren und muss feststellen, wie sich Kämpfe wiederholen. Yazz Patentante Shirley engagiert sich als Lehrerin für jene Schülerinnen, denen eine Biografie als „Prostituierte, Kriminelle und Drogenabhängige“ vorprogrammiert zu sein scheint und gibt so Carole die Möglichkeit, sich aus ärmsten Verhältnissen durch viel Fleiß in die Chefetage einer Investmentbank hochzuarbeiten. Diese Namensliste ließe sich noch weiterfortführen. Jede dieser Figuren erhält durch Evaristos lebendigen, facettenreichen Erzählstil eine eigene interessante Prägung. Jede dieser Frauen muss ihr Leben gegen äußere Widerstände behaupten, oft, weil sie aus armen Verhältnissen kommen, immer, weil sie als Schwarze Frauen in eine patriarchale und rassistische Gesellschaft hineingeboren wurden. Allein für die feministische Perspektive des Romans hat sich Evaristo einen Platz zwischen Simone de Beavior und Audre Lorde mehr als verdient.
Selten gibt es Romane, die so gut lesbar an den wichtigen Theorien geschulte Beobachtungsgabe, politische Haltung und hohe Erzählkunst miteinander verbinden. Ganz ehrlich, SO ein Buch wird nicht jedes Jahr geschrieben. Ganz großes Tennis.

zum Produkt € 25,00*

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Maria-Christina Piwowarski

Maria-Christina Piwowarski

Kindheit Tove Ditlevsen

gebunden

Lange bevor die mir liebsten Autorinnen autofiktional geschrieben haben (Annie Ernaux, Deborah Levy, Rachel Cusk etc.) hat schon die Dänin Tove Ditlevsen (1917- 1976) ihr eigenes Leben, Erleben und vor allem Schreiben zu großer Literatur gemacht.

Die Kopenhagentrilogie (Kindheit/Jugend/Abhängigkeit) liegt nun in der Übersetzung von Ursel Allensteins erstmals vollständig auf Deutsch vor.
Tove Ditlevsen schreibt über das Aufwachsen im Kopenhagener Arbeiterviertel der 20er, über Klasse und Millieu, über Liebe und Scheidung, über Mutterschaft und Abtreibung, Psychose und (Todessehn)Sucht, vor allem aber schreibt sie über das Schreiben und das Überstehen der unzähligen Widerstände, die Künstlerinnen begegnet sind und noch heute begegnen.
Es liegt auch an Ursel Allensteins großer Übersetzungskunst, dass die Klarheit von Ditlevsens Sprache erhalten bleibt und den Eindruck einer absoluten Frische vermittelt. Die Bände, die im Original zwischen 1967 und 1971 erschienen sind, wirken absolut zeitlos und entfalten ihre ganze Wucht gerade in der Reduziertheit mit der Ditlevsen schreibt.
Gerade in dem, was sie unerwähnt lässt, entstehen beim Lesen die intensivsten Bilder. (Als Beispiel ist der Satz: "Mein Vater schlug mich nie.")

Eine beeindruckende Autorin, deren Wiederentdeckung für mich ganz eindeutig die Wichtigste und Glücklichste in diesem Bücherjahr ist.

zum Produkt € 18,00*

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Cecilia Drain

Cecilia Drain

Wie die Gorillas Esther Becker

gebunden

„Was machst du, wenn deine Kinder Frauen werden? Wenn deine Kinder Töchter sind und Frauen werden, was machst du dann?“

In diesem Roman begleiten wir die drei Freundinnen Svenja, Olga und die namenlose Ich-Erzählerin beim Erwachsenwerden. In kurzen Momentaufnahmen beschreibt Esther Becker, welchem Druck, welchen Erwartungen und Einflüssen von Außen, vor allem an ihre Körper, die Mädchen und jungen Frauen ausgesetzt sind. Wie kann es gelingen, sich von anderen abzugrenzen und gleichzeitig dem Bedürfnis nachzukommen dazuzugehören und mit den Erwartungen umzugehen? Unaufgeregt, ehrlich und mit Humor werden Szenen beschrieben, bei denen es vor allem um Körperlichkeiten geht. Es geht aber auch um das Sich-finden, genauso wie das Verlorensein und Sich-nicht-finden-können der Protagonistinnen.

„Wie die Gorillas“ hat einen großen Sog auf mich ausgeübt, mich zum Reflektieren angeregt und wird noch lange nachhallen.

zum Produkt € 19,00*

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Alex Bachler

Alex Bachler

Ein kleiner blauer Punkt Maren Hasenjäger

gebunden

Wie lange habe ich auf solch ein Kinderbuch gewartet!

Endlich gibt es ein Bilder-Sachbuch über unser Sonnensystem zum Vorlesen und Staunen für die Kleinen ab 4 Jahre!

Die kleine Erde fühlt sich im Gegensatz zu all den anderen Planeten winzig und langweilig und erzählt spannende, kurze Fakten über jeden einzelnen ihrer kleinen Gruppe. Kindgerecht und unglaublich sympathisch lernen wir beim Lesen unser erstaunliches Sonnensystem und die Namen der Planeten kennen. Wer besucht den Mars regelmäßig? Wie lange braucht Neptun, um sich einmal um die Sonne zu drehen? Sogar einige Monde werden namentlich genannt! Und was macht eigentlich unser lieber Pluto...?

Noch nie wollte ich so dringend mit Jupiter befreundet sein, wie nach der Lektüre dieses wunderschönen, niedlichen Sachbuches!

zum Produkt € 15,00*

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Magda Birkmann

Magda Birkmann

Zeit des Schattens Léonora Miano

kartoniert

Im präkolonialen Kamerun gibt es eine Dorfgemeinschaft, die so abgeschieden lebt, dass sie bisher nur Kontakt zu ihrem unmittelbar benachbarten Volk hatte. Vom Hörensagen wissen die Mulongo zwar noch von der Existenz eines "Küstenvolks", das einige Tagesreisen entfernt leben soll, aber eigentlich können sie sich unter den Begriffen "Küste" oder "Ozean" gar nichts vorstellen - geschweige denn darunter, dass auch jenseits vom "Land des Wassers" (hellhäutige) Menschen leben sollen. Eines Nachts bricht in der Siedlung der bisher friedlich lebenden Mulongo ein verheerender Brand aus, der fast alle ihrer Hütten zerstört. Am nächsten Tag müssen sie bestürzt feststellen, dass 12 Männer aus ihrer Gemeinschaft, darunter ihr spiritueller Führer sowie zehn frisch initiierte junge Männer, spurlos verschwunden sind. Der Roman folgt nun den erschütterten und trauernden Hinterbliebenen, die versuchen, das absolut Unvorstellbare zu begreifen, das ohne Vorwarnung über ihre vertraute Welt hereingebrochen ist.

Léonora Mianos beeindruckender Roman schildert den Beginn des transatlantischen Sklav*innenhandels und der kolonialistischen Gewalt auf dem afrikanischen Kontinent aus der Sicht derer, deren Weltbilder, Lebensweisen und Glaubenssysteme durch die Grausamkeit des europäischen Kolonialismus irreparablen Schaden erlitten haben. Intensiv, schmerzhaft und dabei doch ungemein behutsam geschrieben!

zum Produkt € 14,00*

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Ludwig Lohmann

Ludwig Lohmann

Alles von mir Christina Maria Landerl

gebunden

Es gibt diese Autofahrten, die ohne konkretes Ziel zu einer Suche nach sich selbst werden. Für diese Autofahrten empfiehlt es sich, das passende Mixtape dabei zu haben. „Alles von mir“ der österreichischen Autorin Christina Maria Landerl erzählt die Geschichte eines solchen Roadtrips und liefert passenderweise die Playlist gleich mit. Es sind Lieder von Bessie Smith, Patsy Cline und Billie Holiday, die die Protagonistin auf einer Fahrt durch den Süden der USA begleiten. Es sind die Geschichten dieser Frauen, die auf ihren Touren und bei ihren Auftritten immer wieder mit rassistischer und misogyner Gewalt konfrontiert wurden, die trotz ihres musikalischen Talentes an den Drogen und einer bitteren Realität zu Grunde gingen. Mit ihren Liedern im Kopf fährt die Erzählerin durch eine USA, die auch im neuen Jahrhundert nichts von ihren alten Problemen überwunden zu haben scheint. Auch die dänische Tramperin, mit der sie ihre Suche und ihre Ziellosigkeit teilt, spendet nicht den erhofften Trost.

Mit „Alles von mir“ hat Christina Maria Landerl einen Roman wie einen alten Bluessong aus den 30er Jahren geschrieben: voller Musik und voller Melancholie. Repeat please.

zum Produkt € 19,00*

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Maria-Christina Piwowarski

Maria-Christina Piwowarski

Die Scham Annie Ernaux

gebunden

Annie Ernaux. Das ist für mich ein Synonym für literarische Relevanz.
Ich bin so dankbar, dass wir in den grandiosen Übersetzungen von Sonja Finck immer mehr von dieser brillanten Autorin lesen dürfen.
Bisher war ich in Fragen der Reihenfolge eher dogmatisch: Ernaux wird so gelesen, wie Finck sie übersetzt.
„Die Jahre“ zeigen das Gesamtbild. „Erinnerung eines Mädchens“ seziert unterm Mikroskop in einem ganzen Buch, was in „Die Jahre“ auf wenigen Zeilen wie nebenbei erwähnt wird. (Natürlich erwähnt Annie Ernaux niemals etwas nebenbei!)
In „Der Platz“ beleuchtet sie die Perspektive zum Vater.
„Eine Frau“ wirft ein Schlaglicht auf die Mutter. Doch immer ist Ernaux ihr eigenes Zentrum.
Jedes Buch von ihr verdichtet meinen Eindruck des vorherigen, lässt Verbindungen entstehen.
Das Ernauxversum gewährt mir mit jedem Buch ein tieferes Verstehen seiner Beschaffenheit. Und zeigt mir genau, wo ich Teil davon bin, wo es Teil von mir ist - und von den Frauen um mich herum.
Nun ist „Die Scham“ erschienen und ich gerate mit meiner Überzeugung der Reihenfolge zum ersten Mal ins Wanken.
Vielleicht ist das eine Finck-Übersetzung, die sich auch als Einstieg in das Werk von Annie Ernaux eignet? In diesem Buch, das sie bereits Mitte der 90er schrieb, findet sie erstmals Worte für eine Begebenheit aus dem Jahr 1952: Am Küchentisch eskaliert ein elterlicher Streit und der Vater droht, die Mutter zu erschlagen.
Für Ernaux beginnt in diesem Jahr eine Zeit „ ... in der ich mich ununterbrochen schämen würde.“ Hier geht es im Zuge des Erwachsenwerdens der damals zwölfjährigen Annie D. vor allem um Religion und Milieu.
Die Ausgangsszene am Küchentisch bleibt der entscheidende Zündungsmoment, aber Ernaux geht gewohnt soziologisch weiter voran, arbeitet sich tiefer vor in die Entstehung ihrer Scham, die zwischen Privatschule und Katholizismus Nahrung fand.
Ernaux betrachtet sich und die damaligen Umstände völlig unaufgeregt, gewohnt ruhig und analytisch, und beeindruckt mich mal wieder tief in ihrer Ehrlichkeit und in ihrer Unbedingtheit: Es ist für sie ganz klar, dass sie diese Begebenheit in der literarischen Form erzählen, genaue Worte für sie finden muss, weil sonst diese Küchentischszene als ewig Heiliges, Unbenennbares und damit enorm Machtvolles in ihr bleibt. Als Stimmung, als Szene vor allem aber als ein Auslöser für ein Gefühl, das für so viele Frauen so viele verschiedene Anfänge hat.
Und das ist der Einstieg in den Dialog, den ich nach jedem Ernaux-Buch mit mir selbst führe: Hier beginnt das Erinnern, die Selbstermächtigung über eigene Gefühle und eigene Episoden, die Auseinandersetzung mit meiner Vergangenheit, das Michwichtignehmen, auch rückwirkend und auch in vermeintlichen Lapalien, das in protestantischen Haushalten ebenso als eher unerwünschtes Umsichselbstkreisen verpönt war. Das zu initiieren und zwar mit Sätzen und Bildern, die universell sind und hochliterarisch, das ist für mich bei jedem Buch von Annie Ernaux eine Offenbarung.
Ich kann „Die Scham“ nicht lesen, ohne die vier vorherigen Bücher mitzudenken und ich kann es nicht lesen, ohne mich auf weitere Ernaux-Übersetzungen von Sonja Finck zu freuen.
Aber falls Ihr, wie auch immer das möglich sein kann, noch nichts von Annie Ernaux gelesen habt, gibt es jetzt einen Grund mehr. Und vielleicht sogar einen alternativen Einstieg in ihr Werk.

zum Produkt € 18,00*

empfohlen von:

Maria-Christina Piwowarski

Maria-Christina Piwowarski

Tschudi Mariam Kühsel-Hussaini

gebunden

1896, als die Romanhandlung einsetzt, übernimmt der Schweizer Kunsthistoriker Hugo von Tschudi gerade die Leitung der Nationalgalerie hier in Berlin. Nicht nur die Augen der Kunstwelt liegen auf ihm; er gilt als freier Geist, als charismatische Persönlichkeit und als enorm moderner Kunstversteher, der die angestaubte Nationalgalerie regelrecht stoßlüften wird.
Tschudi etabliert völlig neue Ausstellungstechniken und experimentiert nahezu waghalsig mit der Wirkung von Licht und Fläche. Gemeinsam mit seinem Freund Max Liebermann hat er gerade in Frankreich im großen Stil die Impressionisten fürs kaiserliche Berlin eingekauft: Renoir, Monet, Cezanne - das ist für Berliner Verhältnisse fast vulgär farbenfroh, spektakulär neumodisch und vor allem viel zu französisch für ein Kaiserreich, das den deutsch-französischen Krieg ja noch peinlich in den Knochen spürt.
Nicht nur dem Kaiser gefällt Tschudis weltoffenes Treiben so gar nicht, auch der Kollege Wilhelm von Bode aus dem Museum nebenan, der bis vor kurzem noch ein Förderer des jungen Schweizers war, stellt gerade entsetzt fest, dass Tschudi die Aufmerksamkeit des spendenwilligen Kunstpublikums völlig auf seine Nationalgalerie zieht.

Mariam Kühsel-Hussaini hat auch beim Schreiben ordentlich in den Farbtopf gegriffen. Wir lesen hier überirdisch lange, wunderbar bunt schillernde Satzkonstruktionen, da wird von Liebermann aufs dollste berlinert, es kommen aber auch Cosima von Wagner, Gerhart Hauptmann und Wassily Kandinsky zu Wort. Ich lese da genialen Humor, eine kluge Fabulierlust und eine überbordende Freude an diesem tollen Thema heraus. Die Autorin hat eine enorme Rechercheleistung vollbracht und verwebt das leichtfüßig und spielerisch in eine besondere Geschichte, da darf sie gern auch mal dick auftragen. Aber in den Zwischentönen arbeitet sie ganz klar z.B. den Antisemitismus und die Homophobie dieser Zeit heraus. Für diese 300 Seiten liebte ich die Sprache sehr und hätte das nicht anders lesen wollen.
Es gibt aber neben der sprachlichen Experimentierlust klare Gründe für dieses Buch:
Der einfache ist: Passion! Wir lernen hier eine Figur kennen, die liebt, was sie tut und das enorm gut kann und damit auch inspirieren würde, wenn es um Pferdezucht geht oder um Bergsteigen. Aber nach diesem Buch will man tatsächlich ins Museum oder sich zumindest virtuell nochmal all die Bilder anschauen, um die es im Roman geht.
Und: Das Drama des Hugo von Tschudi ist ja die einer höchst tragischen Figur. Ein blitzgescheiter, charismatischer Mann, visionär und seiner Zeit weit voraus, umgeben von Kunst und Schönheit. Aber er leidet an Lupus, an einer für alle Welt sichtbaren, eiternden, furunkelnden Gesichtstuberkulose, für die Rudolf von Virchow ihm irgendwann eine Maske anfertigt, damit bei offiziellen Anlässen und internationalen Empfängen endlich mal das Getuschel aufhört, obwohl Tschudi unglaublich souverän damit umgeht.
Wir begegnen hier also einer höchst dramatischen Figur, die trotzdem nie bemitleidenswert, sondern beeindruckend und beflügelnd wirkt und mit diesem Buch ein grandioses literarisches Denkmal gesetzt bekommen hat.

zum Produkt € 24,00*

empfohlen von:

Ludwig Lohmann

Ludwig Lohmann

Hintergrund für Liebe Helen Wolff

kartoniert

Im Gegensatz zu bestimmten Reisezielen verschleißen Bücher nicht dadurch, dass man sie empfiehlt. Und dieses Buch ist wie die geheime Bucht mit perfektem Strand, das winzige Restaurant in der Seitenstraße, der unverstellte Blick aufs Meer. 90 Jahre nach seiner Entstehung können wir dank des Weidle Verlages nun endlich „Hintergrund für Liebe“ entdecken, den einzigen Roman der großen Verlegerin Helen Wolff. In dieser sommerlich flirrenden Geschichte begleitet eine junge Frau einen älteren, sehr wohlhabenden Mann an die französische Mittelmeerküste. Schnell merken die beiden, wie unterschiedlich ihre Vorstellungen des gemeinsamen Urlaubs sind, sie trennen sich und damit beginnt für die Frau eine wundervoll lebensbejahende, sinnliche Zeit in einer simplen Hütte in den Dünen. Und so, wie sich die junge Frau von allen Konventionen befreit, so möchte man auch beim Lesen alles liegen lassen und sofort aufbrechen. Wie Helen Wolff vom nächtlich-warmen Wind schreibt, von den duftenden Blumen, dem Rauschen des Meeres und immer wieder vom Essen, da kann man nur Hunger bekommen und Fernweh, nach südlicheren Tagen.

Ergänzt wird dieses großartig von Kat Menschik illustrierte Buch durch einen biographischen Essay von Marion Detjen.

zum Produkt € 20,00*

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