Die romantische Beziehung wird uns von klein auf als das unbedingt zu Erreichende vermittelt. Vollkommenheit und Glück können wir doch nur im Narrativ der großen, lebenslangen Liebe erlangen.
Was aber, wenn wir in der Mitte unseres Lebens oder noch später feststellen, dass sich aus keiner unserer Liebesbeziehungen diese eine entwickelt hat, mit der wir den Rest unseres Lebens verbringen werden. Was, wenn wir allein sind? Was, wenn wir allein geblieben sind oder das Alleinsein sogar ganz bewusst gesucht haben?
Was ist ein gutes Leben in dieser heutigen Zeit? Wie kann ein erfülltes Leben ohne Liebesbeziehungen aussehen? Was sind hilfreiche Strategien bei Einsamkeit? Und wo liegt der Gewinn eines unabhängigen Lebens?
Wie schon in seinen grandiosen Essays NÜCHTERN und ZUHAUSE, lotet Daniel Schreiber nun in ALLEIN anhand von persönlichen Erlebnissen große gesellschafliche Fragen aus.
Mit wachem Geist und einer großen Leidenschaft für spannende Theorien und gute Literatur, mit einem tröstenden Verständnis für seelische Tiefen und einem klaren Blick auf die menschlichen Möglichkeiten, hilft dieses Buch uns dabei, uns selbst ein wenig besser in der Welt zu verorten. Ein Ankerbuch!
zum Produkt € 20,00*
"Heaven" (aus dem Japanischen übrsetzt von Katja Busson) erzählt die bedrückende Geschichte zweier Teenager, die in der Schule schlimmstes Mobbing erleiden und Ausgrenzung erfahren. Beide nehmen per Briefwechsel Kontakt miteinander auf und schaffen es, sich für kurze Zeit einen friedvollen Raum außerhalb der Schule, den Gewalterfahrungen und der kaputten Familien zu schaffen. Der namenlose Ich-Erzähler wird jedoch schon bald mit seiner Rolle als Opfer und seinem Platz in der Gesellschaft konfrontiert und stellt jeglichen Sinn in Frage...
Mieko Kawakami, die bereits zuvor mit ihrem Roman "Brüste und Eier" aufwühlte und gesellschaftliche Normen und Rollen in Frage stellte, beeindruckt hier mit einem deutlich kürzeren Text, in klarer Sprache und einer Knappheit, die gerade genug erschüttert, aber noch viel Platz für eigene Gedanken lässt.
zum Produkt € 22,00*
Die Geschichte, die in einem überschaubaren Rahmen von Zeit und Raum spielt, ist ebenso komplex wie schnell erzählt. Ich-Erzählerin Anna besucht eine Silvesterparty in einem Wiener Wohlstandshaus, trifft gute Freund*innen und Bekannte. Sie ist recht frisch getrennt, die langjährige Beziehung lief eher schlecht, aber keine der anwesenden Personen weiß von den Problemen oder der Trennung. Anna ist lange fremdgegangen, ihre Affäre ist auch vor Ort, sie will einen klaren Schlussstrich unter ihre alte Beziehung ziehen und wartet auf den Exfreund Alex. Aus einem harmlosen Silvesterspiel, bei dem die feiernde Gruppe Steine mit den emotionalen Lasten des Jahres beschreibt und symbolisch in der Donau versenken will, entspinnt sich ein überraschendes Konstrukt aus Abgründen, ehrlichen Geständnissen und Kindheitserinnerungen, bis zum großen, kollektiven Ausbruch. Ein Countdown bis zum großen Feuerwerk, das man sich manchmal imposanter und aufregender vorstellt, als es dann wirklich ist und sein kann.
Die Bilder, die Sophia Fritz mit ihrer Sprache zeichnet, sind oft umwerfend neu und überraschend, so pointiert und berührend. Der Roman erinnert schnell an Verfilmungen aufwühlender Kammerspiele und bleibt lange im Gedächtnis.
zum Produkt € 22,00*
Jedes Jahr im Sommer trifft sich eine Gruppe Kinder aus aller Welt auf einer griechischen Insel. Während ihre Eltern als Archäologen arbeiten, wird die Grabungsstätte zum Abenteuerspielplatz.
Im Laufe der Jahre verändern sich nicht nur die Kinder und wachsen heran, auch der verträumte Ort wird zunehmend touristisch erschlossen.
Trotzdem bleibt die Insel für alle ein Sehnsuchtsort.
Ein wunderbarer Roman!
zum Produkt € 18,00*
Endlich in einem Buch vereint:
Sämtliche Erzählungen von Adelheid Duvanel!
Die Autorin zählt zu den Bedeutendsten der Schweizer Literatur des 20. Jahrhunderts.
In poetisch kraftvoller Sprache schildert sie Momentaufnahmen menschlichen Lebens.
zum Produkt € 39,00*
Zu diesem Buch, das zu lesen ich bereits sehr früh die Ehre hatte, müsste ich eigentlich nichts Weiteres sagen als das, was ich freundlicherweise schon für den Klappentext formulieren durfte:
»Niemehrzeit ist eine kluge, warme Hommage an das (Lesen und) Schreiben als Klärung und als Trost. Christian Dittloff erzählt von seinem Jahr der Trauer und extrahiert daraus eine literarische Essenz für uns alle.«
Aber doch, ich will, ich will gern noch ganz viel dazu sagen!
Im besten Stil von Joan Didion, Daniel Schreiber oder Gabriele von Arnim zum Beispiel, thematisiert Christian Dittloff hier zutiefst Persönliches und verarbeitet es zu einer Literatur, die für uns alle relevant ist.
Nicht nur, weil wir vielleicht auch unsere Eltern verloren haben oder verlieren werden und daraus Trost und Anleitung schöpfen könnten, sondern weil der Abschied und die Trauer, die Christian Dittloff beschreibt, stellvertretend für so viele andere Herausforderungen und andere Formen von Verlusten stehen können.
Denn das ist es, was den Unterschied ausmacht und hieraus eben so besonders gute Literatur macht: Der sezierende, beobachtende Blick auf sich selbst, aber auch auf das Erleben und im Sinne des Wortes Erlesen anderer. Und das Geschenk, was der Autor Christian Dittloff uns damit macht, seine Gedanken mit uns zu teilen.
zum Produkt € 20,00*
Dieses Buch ist ein sprachgewordener Orkan!
Aber klüger!
Es fegt eine etwaige (Literatur-)Müdigkeit ebenso hinfort, wie falsche Moral. Es fährt durch unsere verklemmte deutsche Seele, unsere heuchlerische Erinnerungskultur und hinterlässt uns fassunglos darüber, dass sich jemand DAS überhaupt zu schreiben getraut hat.
Ein Wunder, wie treffsicher schneidend, bissig und voller Furor Milena Adam diesen 120 Seiten langen, atemlosen Monolog übersetzt hat.
zum Produkt € 20,00*
Lange bevor die mir liebsten Autorinnen autofiktional geschrieben haben (Annie Ernaux, Deborah Levy, Rachel Cusk etc.) hat schon die Dänin Tove Ditlevsen (1917- 1976) ihr eigenes Leben, Erleben und vor allem Schreiben zu großer Literatur gemacht.
Die Kopenhagentrilogie (Kindheit/Jugend/Abhängigkeit) liegt nun in der Übersetzung von Ursel Allensteins erstmals vollständig auf Deutsch vor.
Tove Ditlevsen schreibt über das Aufwachsen im Kopenhagener Arbeiterviertel der 20er, über Klasse und Millieu, über Liebe und Scheidung, über Mutterschaft und Abtreibung, Psychose und (Todessehn)Sucht, vor allem aber schreibt sie über das Schreiben und das Überstehen der unzähligen Widerstände, die Künstlerinnen begegnet sind und noch heute begegnen.
Es liegt auch an Ursel Allensteins großer Übersetzungskunst, dass die Klarheit von Ditlevsens Sprache erhalten bleibt und den Eindruck einer absoluten Frische vermittelt. Die Bände, die im Original zwischen 1967 und 1971 erschienen sind, wirken absolut zeitlos und entfalten ihre ganze Wucht gerade in der Reduziertheit mit der Ditlevsen schreibt.
Gerade in dem, was sie unerwähnt lässt, entstehen beim Lesen die intensivsten Bilder. (Als Beispiel ist der Satz: "Mein Vater schlug mich nie.")
Eine beeindruckende Autorin, deren Wiederentdeckung für mich ganz eindeutig die Wichtigste und Glücklichste in diesem Bücherjahr ist.
zum Produkt € 18,00*
Wie lange habe ich auf solch ein Kinderbuch gewartet!
Endlich gibt es ein Bilder-Sachbuch über unser Sonnensystem zum Vorlesen und Staunen für die Kleinen ab 4 Jahre!
Die kleine Erde fühlt sich im Gegensatz zu all den anderen Planeten winzig und langweilig und erzählt spannende, kurze Fakten über jeden einzelnen ihrer kleinen Gruppe. Kindgerecht und unglaublich sympathisch lernen wir beim Lesen unser erstaunliches Sonnensystem und die Namen der Planeten kennen. Wer besucht den Mars regelmäßig? Wie lange braucht Neptun, um sich einmal um die Sonne zu drehen? Sogar einige Monde werden namentlich genannt! Und was macht eigentlich unser lieber Pluto...?
Noch nie wollte ich so dringend mit Jupiter befreundet sein, wie nach der Lektüre dieses wunderschönen, niedlichen Sachbuches!
zum Produkt € 16,00*
Annie Ernaux. Das ist für mich ein Synonym für literarische Relevanz.
Ich bin so dankbar, dass wir in den grandiosen Übersetzungen von Sonja Finck immer mehr von dieser brillanten Autorin lesen dürfen.
Bisher war ich in Fragen der Reihenfolge eher dogmatisch: Ernaux wird so gelesen, wie Finck sie übersetzt.
„Die Jahre“ zeigen das Gesamtbild. „Erinnerung eines Mädchens“ seziert unterm Mikroskop in einem ganzen Buch, was in „Die Jahre“ auf wenigen Zeilen wie nebenbei erwähnt wird. (Natürlich erwähnt Annie Ernaux niemals etwas nebenbei!)
In „Der Platz“ beleuchtet sie die Perspektive zum Vater.
„Eine Frau“ wirft ein Schlaglicht auf die Mutter. Doch immer ist Ernaux ihr eigenes Zentrum.
Jedes Buch von ihr verdichtet meinen Eindruck des vorherigen, lässt Verbindungen entstehen.
Das Ernauxversum gewährt mir mit jedem Buch ein tieferes Verstehen seiner Beschaffenheit. Und zeigt mir genau, wo ich Teil davon bin, wo es Teil von mir ist - und von den Frauen um mich herum.
Nun ist „Die Scham“ erschienen und ich gerate mit meiner Überzeugung der Reihenfolge zum ersten Mal ins Wanken.
Vielleicht ist das eine Finck-Übersetzung, die sich auch als Einstieg in das Werk von Annie Ernaux eignet? In diesem Buch, das sie bereits Mitte der 90er schrieb, findet sie erstmals Worte für eine Begebenheit aus dem Jahr 1952: Am Küchentisch eskaliert ein elterlicher Streit und der Vater droht, die Mutter zu erschlagen.
Für Ernaux beginnt in diesem Jahr eine Zeit „ ... in der ich mich ununterbrochen schämen würde.“ Hier geht es im Zuge des Erwachsenwerdens der damals zwölfjährigen Annie D. vor allem um Religion und Milieu.
Die Ausgangsszene am Küchentisch bleibt der entscheidende Zündungsmoment, aber Ernaux geht gewohnt soziologisch weiter voran, arbeitet sich tiefer vor in die Entstehung ihrer Scham, die zwischen Privatschule und Katholizismus Nahrung fand.
Ernaux betrachtet sich und die damaligen Umstände völlig unaufgeregt, gewohnt ruhig und analytisch, und beeindruckt mich mal wieder tief in ihrer Ehrlichkeit und in ihrer Unbedingtheit: Es ist für sie ganz klar, dass sie diese Begebenheit in der literarischen Form erzählen, genaue Worte für sie finden muss, weil sonst diese Küchentischszene als ewig Heiliges, Unbenennbares und damit enorm Machtvolles in ihr bleibt. Als Stimmung, als Szene vor allem aber als ein Auslöser für ein Gefühl, das für so viele Frauen so viele verschiedene Anfänge hat.
Und das ist der Einstieg in den Dialog, den ich nach jedem Ernaux-Buch mit mir selbst führe: Hier beginnt das Erinnern, die Selbstermächtigung über eigene Gefühle und eigene Episoden, die Auseinandersetzung mit meiner Vergangenheit, das Michwichtignehmen, auch rückwirkend und auch in vermeintlichen Lapalien, das in protestantischen Haushalten ebenso als eher unerwünschtes Umsichselbstkreisen verpönt war. Das zu initiieren und zwar mit Sätzen und Bildern, die universell sind und hochliterarisch, das ist für mich bei jedem Buch von Annie Ernaux eine Offenbarung.
Ich kann „Die Scham“ nicht lesen, ohne die vier vorherigen Bücher mitzudenken und ich kann es nicht lesen, ohne mich auf weitere Ernaux-Übersetzungen von Sonja Finck zu freuen.
Aber falls Ihr, wie auch immer das möglich sein kann, noch nichts von Annie Ernaux gelesen habt, gibt es jetzt einen Grund mehr. Und vielleicht sogar einen alternativen Einstieg in ihr Werk.
zum Produkt € 20,00*